Sezession
24. Juni 2018

Machtarithmetik, Machtautismus (I)

Nils Wegner

Machtarithmetik, Machtautismus (I)

Natürlich wittern die üblichen Verdächtigen die nächste Machtergreifung an allen Ecken und Enden; kennt man ja.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Nun aber konzertiert und planvoll von FPÖ und AfD gemeinsam – das ist neu, und damit bettelt das österreichische Blog "Kontrast" um Klicks.

Das übrigens schon seit einer Woche, aber offenbar bislang nicht so erfolgreich, daß sich die frohe Kunde sonderlich weit verbreitet hätte. Gäbe es nicht mit Zufallsalgorithmen arbeitende Nachrichtensammelseiten, wäre der Artikel auch an mir völlig vorbeigegangen.

Zum Inhalt in aller Kürze: »Der 7-Punkte-Plan: So will die FPÖ die Kontrolle im Staat erlangen«, verspricht die Überschrift. Die Internetadresse des Artikels allerdings, der sogenannte Slug, weist einen etwas anderen ursprünglichen Titel aus, der den Verantwortlichen dann vielleicht doch ein wenig zu sehr mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl gewunken war...

So oder so ist natürlich beides völliger Blödsinn, denn die FPÖ braucht nicht »nach der Macht« zu greifen oder sie erlangen zu wollen – sie ist seit Dezember 2017 Mit-Regierungspartei, und als solche hat sie kraft des Wählerwillens die Macht einfach (zumindest einen Teil von ihr). Ob es den "kontrast-reichen" Damen und Herren nun paßt oder nicht – Autorin Kathrin Glösel ist ihrerseits privat wackere Kämpferin gegen Patriarchat, Identitäre und noch viele andere hohle Phrasen sowie für die Brötchen niedere Presse- und Recherchemitarbeiterin der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion in Wien, dementsprechend also eher nicht mit o.g. Verhältnissen einverstanden.

Damit ist die Katze eigentlich auch schon aus dem Sack, denn bei dem auf den ersten Blick unauffälligen Nachrichtenportal "Kontrast" handelt es sich um eine Corporate-media-Publikation der SPÖ, quasi eine digitale Kundenzeitschrift der österreichischen Sozialdemokratie. Um so drolliger nimmt sich das Alarmgeschrei aus, das Frau Glösel nun über einen Strategievortrag des oberösterreichischen FPÖ-Mandatars Elmar Podgorschek beim Unternehmerempfang der Thüringer AfD-Fraktion anstimmt. Einen Vortrag übrigens, den die AfD selbst veröffentlicht hat – soviel also zur üblichen Verschwörungsriecherei.

Netterweise wird die Rede von Genossin Glösel gleich auf den versprochenen »7-Punkte-Plan« (wohl mit dankbarer Anlehnung an einschlägige Programme mit 25 oder auch 14 Punkten) eingedampft, die sich für den unbedarft-sozialdemlichen Leser recht kühn ausnehmen:


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

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