Sezession
25. Juni 2018

Der Staatsfunk ruft nach Egon Krenz

Johannes Poensgen / 27 Kommentare

Wenn die staatlichen Medien so über einen amtierenden Regierungschef schreiben, wissen wir, was die Stunde geschlagen hat:

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

  • Sezession

„Geschätzte Angela Merkel, nach fast 13 Jahren Kanzlerschaft gibt es auf europäischer Ebene für Sie, außer spürbarer Abneigung, nichts mehr zu gewinnen. Das haben alle Treffen der letzten Monate gezeigt. Helfen Sie deshalb mit, den scheinbar unabwendbaren Trend nach europäischer Spaltung statt Einigung endlich aufzuhalten! Räumen Sie das Kanzleramt für einen Nachfolger, dessen Name nicht so belastet ist, wie es der Ihre ist. Dem in Europa noch zugehört wird. Dem man zutraut, wirklich die Interessen aller im Blick zu haben! Lassen Sie uns den Neuanfang wagen!“

Zwar firmiert der zitierte Text unter „Kommentar“ und gibt offiziell nur die persönliche Meinung des brüsseler Korrespondenten Malte Piepers wieder, doch wer soll denn ernsthaft glauben, die Redaktion unserer Zwangsgebührenanstalt hätte diesen Aufruf aus reiner Toleranz und Liebe zu mehr Diversität im Meinungsspektrum passieren lassen?

Die ARD rückt von Angela Merkel ab. Der Grund? „Merkel traut in der EU keiner mehr über den Weg.“ Ein überzeugter Anhänger des Status Quo stellt sich hier die Frage, ob Angela Merkel für seine Sache noch tragbar ist.

„Ihr Name ist in vielen Ländern Europas zu einem "Nicht-Namen" geworden, bei dem schlechte Stimmung garantiert ist, sobald man ihn ausspricht.“

Merkel ist zum Gesicht einer verfehlten Politik geworden. Deshalb und nur deshalb denken einige Herrschaften jetzt daran, sie durch eine neue Fratze auszutauschen. Das Süffisante daran ist (und wir sollten diese Ironie genießen), daß damit am Stuhl gerade der Rautenfrau gesägt wird, die von denselben Gestalten acht Jahre lang als Garantin der Stabilität Europas gefeiert wurde. Die Wahl Trumps ließ sie sogar für anderthalb Jahre zur Führerin der freien Welt aufsteigen.

Ihre Ideologie immer vorausgesetzt, war die Hochachtung, die Angela Merkel von Seiten aller Globalisten, Multikultis, EU-Aposteln vor allem aber den ewigen Verfechtern des „weiter so“ genoß, nur allzu berechtigt. Acht Jahre lang, vom Beginn der Eurokrise bis heute, war Angela Merkel der Anker des globalistischen Europas.

Ihrer Politik des Auf-Sicht-Fahrens ist es gelungen, Europa acht Jahre lang bei minimaler Kursänderung zusammenzuhalten:

„Bei unklaren Situationen, bei Nebel, schaltet Merkel seit eh und je einfach die Nebelscheinwerfer ein. Sie fährt auf Sicht und hofft, dass der Wind das Problem schon löst. Bei dichtem Nebel, wie hier bei der Flüchtlingskrise, nützt das Vorantasten aber nichts, man kommt höchstens vom Weg ab, weil man nichts sieht, und ist dann verloren.“

Nur allzu wahr, Herr Piepers, nur vergessen Sie, daß es außer „Mehr Europa!“ und „Mehr Integration!“ nie eine langfristige Strategie gab und in diesem System auch nicht geben konnte und nie geben wird. Dafür müßte es die eigenen Prämissen und Werte über den Haufen werfen.

Die Einwanderungspolitik hat seit den Siebzigern nichts anderes getan, als gemerkelt und der Euro wurde in der frommen Hoffnung geschaffen, daß sich die unterschiedlichen Volkswirtschaften schon irgendwie harmonisieren würden und man anderenfalls einfach mit „Mehr Europa!“ nachhelfen könne.

Das „Merkeln“ hat Merkel nicht erfunden, nur perfektioniert.

Wenn Piepers Merkel deshalb vorwirft überall „verbrannte Erde“ hinterlassen zu haben, und damit die europäischen Feindschaften meint, die Merkel in den beiden großen seit 2010 aufeinanderfolgenden Krisen gesammelt hat, dann kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Ja es stimmt, Merkel ist in Europa zu einer äußerst umstrittenen Figur geworden. Doch hier kann man ihr wirklich nichts vorwerfen! Jede andere Politik hätte ihr „Ansehen in Europa“, wenn nicht gründlicher, so doch zumindest schneller ruiniert. Wer glaubt denn, eine ernsthaften Reformpolitik für den Euroraum, oder eine Neuorientierung der europäischen Asylpolitik wäre auf weniger Gegenwind in Europa gestoßen? Merkel merkelt, um sich genau diesen Ärger zu ersparen!

Wenn Merkel tatsächlich über den Vorwurf stürzen sollte, Deutschland in Europa zum Außenseiter gemacht zu haben, das wäre ein fantastisches Gastmannschicksal!

In Dürrenmatts Roman „Der Richter und sein Henker“ gelingt es dem Verbrecher Gastmann, direkt unter der Nase Inspektor Bärlchs, ein Verbrechen nach dem nächsten zu verüben, bis Bärlch ihn für einen Mord verantwortlich macht, den er nicht begangen hat.

Wenn Teflon-Merkel, von der alles, aber auch alles abgeperlt ist, ausgerechnet über etwas stolpern sollte, das man ihr nicht zum Vorwurf machen kann … Es wäre zumindest so etwas wie eine Entschädigung für dreizehn Jahre unter Angela der Alternativlosen.

Denn nicht die desolaten Folgen der Flüchtlingspolitik, nicht die ungelöste Frage der europäischen Währungseinheit treibt den Staatsfunk dazu, nach einem neuen Gesicht, nach einem Egon Krenz „dem in Europa noch zugehört wird“ zu rufen.

Weil Merkel das globalistische Europa so gut zusammen hielt, wie es eben ging und dabei entgegen allen ihren Bemühungen am Ende doch zu einer polarisierenden Figur in Europa geworden ist, deshalb soll sie ersetzt werden.

Leute, die die Ausrichtung der merkelschen Politik vollständig teilen, rufen nach einem frischen Gesicht. Sie glauben, daß es die Risiken eines Führungswechsels unter äußerem Druck wert wäre.

Lassen wir sie für eine Weile in diesem Glauben.


Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

  • Sezession

Kommentare (27)

Fritz
26. Juni 2018 06:32

Wenn ich rechtsehe stand Merkel aber schonseit längerem auch in der EU ziemlich allein mit ihrer Position, außer vielleicht mit Luxemburg. Niemand außer ihr wollte Flüchtlinge aufnehmen (auch wenn man tunlichst vermied, das offen zu sagen), England nicht, Frankreich nicht, die Südeuropäer ohnehin nicht...

RMH
26. Juni 2018 07:14

Merkel war schon immer eine eher ideenlose Person, die in der konkreten Situation aber sehr machtbewusst ihre eigene Position zu verteidigen wusste (das sieht man an all den, überwiegen männlichen, Karriereenden, die sie zu bereiten wusste). Merkel ist eine reine Löcherstopferin und Kompromissmacherin, aber keine echte Durchsetzerin und Gestalterin, die noch dazu mit einer viel größeren Grandezza als all ihre Vorgänger sich einen Dreck um Regeln und Recht kümmerte und kümmert, wenn es aus ihrer Sicht nützlich oder "hilfreich" ist. Im Regeleinreißen und Zerstören erreicht sie technokratische Akribie und in emotionalen Dingen wie Patriotismus, Vaterland, Nation ist sie klinisch steril.

Man darf nicht vergessen, dass die EU durch durchaus geschicktes Agieren deutscher Politiker in der Vergangenheit doch sehr deutsch und Regelbasiert war und sich auch in Punkto Euro eigentlich so strenge Regeln (dank Weigel & Co.) u.a. mit den sog. "Maastricht-Kriterien" gab, dass der Euro, den Deutschland Frankreich als Preis der Einheit zusagte, dem Grunde nach mit diesen Regeln auf den Sankt Nimmerleins-Tag verschoben wurde, wenn man sich daran ernsthaft gehalten hätte. Der Fehler der Aufweichung dieser Kriterien und vor allem auch der Kardinalfehler, Griechenland entgegen aller "Kriterien" in den Euro aufzunehmen, wurde nicht von Frau Merkel verschuldet. Sie profitierte von den rot-grünen Hartz Reformen innenpolitisch und bekam dafür das faule Ei Griechenlands und der Nichtbeachtung der Maastricht-Kriterien ins Nest gesetzt. Die Person Schröder und seine Administration sei daher nie vergessen, wenn man nun über Frau Merkel urteilt (aber auch schon Kohl, der "große Europäer", hat hier schon zum Hilfsmittel des Pfusches gegriffen, damit die große Vision vom einigen Europa mit einer Währung durchgesetzt werden kann).

Und was macht Frau Merkel, als dann Griechenland, wie es erwartbar war, zusammenbricht? Nein, sie hält sich nicht an die im EU-Vertrag eindeutig geregelte no bail out Klausel und lässt Griechenland regelkonform in den (vermutlich heilsameren) Staatsbankrott gehen, nein, sie etabliert an der EU vorbei eine Schatten-EU auf "bilateraler" Basis durch ihre Rettungsschirme etc. (und versucht dann mit ihrem Zuchtmeister Schäuble, wie ein Kredithai, über "Schuldscheine" den Pleitier zu kujonieren - so macht man sich beliebt in Europa). Damit wurde der deutsch-geprägten EU, nach vielen Stichen zuvor, der erste, echte Todesstoß gesetzt, die EU und ihre Regeln wurden ganz offen als im Zweifel beliebig und disponierbar erklärt. Man darf diese ganze Grundhaltung, nämlich, ich kümmere mich einen Dreck um bestehendes Recht und den "Geist der Verträge", wenn es auch irgendwie anders geht und mir winkeladvokatisch erklärt wird, dass ist "machbar" und "zulässig", nicht unterschätzen. Vollends zeigte sich diese Einstellung dann bei der sog. "Flüchtlingskrise" 2015, wo auch an den klaren Regeln der deutschen Verfassung, des deutschen Rechts und des EU-Rechts vorbei unter der Argumentation eines herbeiphantasierten "humanitären Notstandes", der allenfalls für wenige Tage bestand, monatelang, ja de facto, wenn man der CSU glauben mag ("Herrschaft des Unrechts"), bis heute, die Grenzen unkontrolliert geöffnet wurden und offen gehalten wurde. Auch hier wiederum der Versuch, anderen EU-Ländern an den Regeln vorbei etwas aufs Auge zu drücken, nämlich Flüchtlingszustrom und Flüchtlingsquoten, für die es keinerlei Rechtsgrundlage gab und gibt (kein Wunder also, wenn Deutschland damit es sich mit den meisten EU-Ländern ernsthaft verscherzt). Wer sich also so um Regeln und Recht kümmert, wie Merkel, der erntet jetzt die eigene Saat, nämlich, dass in Europa keiner mehr mit dieser Opportunistin ernsthaft zusammenarbeiten will - außer Macron, aber auch nur, wenn Deutschland dafür ordentlich zu seinen Gunsten blecht. Die EU kann nur dann wieder etwas werden, wenn man sich an die eigenen europäischen Regeln hält --- nach all den Rettungsschirmen, der Etablierung einer Schatten-EU etc., würde eine Rückkehr zu den Regeln und der Abriss der Schatten-EU zu einer Art von Implosion führen, zu einem Crash ungeahnten Ausmaßen. Das Erbe Merkels ist wie offen verscharrtes Plutonium mit einer auf Generationen hinaus nicht erlebbaren Halbwertszeit.

Hartwig aus LG8
26. Juni 2018 07:54

Folgende Zeilen hatte ich vor ca zwei Wochen an eine andere Adresse versendet. Ich will sie hier einfach wiederholen.

"
Sehr geehrter Herr .....,
Ihrem Frohlocken über das Wanken der Kanzlerin Merkel kann ich mich voll und ganz anschließen. Auch wenn ich noch nicht an ihren baldigen Sturz glaube, so sauge ich Honig aus der Zuspitzung innerhalb dieser Regierung.

ABER: Denken wir größer! Treten wir zwei Schritte zurück und schauen rational auf's Geschehen. Noch ist Northstream 2 nicht in trockenen Tüchern. Trotz aller Verbal-Attacken der deutschen Politik Richtung Russland in den vergangenen Jahren war die Merkel-Regierung ein Garant für dieses geopolitisch extrem gewichtige Projekt. Northstream 2 würde den USA (und hier ist nicht zuforderst das Weisse Haus gemeint) die geostrategischen Standbeine Ukraine und Polen markant schwächen. Alle diplomatischen Versuche, Deutschland von Northstream 2 abzubringen, sind bislang gescheitert. Vielleicht wird nicht zufällig gerade jetzt, sozusagen im letzten Moment, die Attacke gegen Merkel geritten - natürlich auf einem völlig anderem Felde ...
Gruss
H.
"

Ergänzend:
https://de.sputniknews.com/wirtschaft/20180605321033506-nordstream-strafzoelle-autoindustrie/

Carlos Verastegui
26. Juni 2018 09:14

Auch eine Art, Merkel dadurch WEGZUFUNKTIONALISIEREN, indem man das von grossen Gletschern ausgemahlene Flussbett der Politik seit den 1970ern aufzeigt. Ist schon richtig. Es wurde bereits lange vor Merkel gemerkelt. Die besondere Nüance einer vollständigen Selbstfunktionalisierung ist aber doch Merkels ureigenster Beitrag. Dass die Systeme überwiegen, die Persönlichkeit vollends ins Hntertreffen gerät, die Staaten sozusagen im Modus Autopolit mit plurokratischem Rückenwind der Katastrophe entgegen fliegen, ist auch keine Neuigkeit.

Der_Juergen
26. Juni 2018 09:22

Ein prächtiger Beitrag von Poensgen und ein kaum minder tiefgründiger Kommentar von @RMH.

Natürlich wird jeder von uns einen Seufzer der Erleichterung ausstossen, wenn diese Kreatur endlich aus dem Kanzleramt verschwindet und man ihre Fratze dementsprechend viel weniger häufig sehen wird, aber mit "Merkel weg" ist es eben nicht getan. "Das System muss weg" wäre die passendere Parole, doch die skandiert momentan noch kaum einer, natürlich auch die AFD nicht, die, ob in gutem Glauben oder aus taktischen Gründen, darauf beharrt, die letzte Chance zu einem friedlichen Wandel zu sein. Dias ist sie nicht, doch ist sie der Eisbrecher, der den Weg für einen wirklichen Wandel bahnt.

Ich möchte wirklich gerne wissen, was Merkel dazu bewogen hat, dreizehn Jahre lang mit eiskaltem Fanatismus gegen die lebenswichtigen Interessen ihres Volkes und Landes zu arbeiten. Erpressung, die Drohung mit Enthüllung irgendwelcher Skandale, ist keine befriedigende Erklärung. Dass sie ihr schandbares Zerstörungswerk bis kürzlich ungehindert fortsetzen konnte, dafür ist die ganze antideutsche Clique von den Grünen bis zur CSU verantwortlich. Die Verbrecherin hatte Heerscharen von Komplizen. Dass die Ratten jetzt das sinkende Schiff verlassen und jene, die eben noch "Hosianna" riefen, jetzt "kreuzigt sie" schreien, liegt in der Natur der Dinge. So ist der Mensch eben.

Gustav Grambauer
26. Juni 2018 09:35

Seit 1945 ist es für jedes System in Schland unentrinnbar, je auf seine Weise mehr oder weniger physisch im Führerbunker-Setting zu enden, womöglich mit Südamerika-Ratline wie auch bei Margot Honecker. Uns stehen demnächst wieder Sternstunden der TV-Unterhaltung bevor. Muß bei dem Namen Krenz an dessen Mentor Quandt denken, ehemaliger Ministerpräsident Mecklenburgs, danach SED-Bezirkssekretär in Schwerin. Hier eine kleine theatralische Amuse-Gueule aus dem 1989er Führerbunker auf vielleicht bei der CDU, weniger bei der FDP, sicher bei SPD, Grünen und Linkspartei erwartbare Szenen:

https://www.chronikderwende.de/dokumente/toene_jsp/letter=q.html

Diejenigen, die heute mit dem Ende Merkels die Erwartung einer tiefen Zäsur verbinden, sollten nicht die Dynamik und dabei nicht die weisen Worte Erich Honeckers auf seine Absetzung hin vergessen: "glaubt ja nicht, daß jetzt die inneren Probleme beruhigt sind, nichts wird beruhigt werden".

- G. G.

John Haase
26. Juni 2018 11:38

Ich bin wie üblich derselben Meinung wie Der_Juergen.
Nach wie vor ist die Person Merkel mir ein Rätsel. Ich glaube nicht, daß sie keine Ideologie hat und aus reinem Machtbewußtsein so handelte, wie sie handelt, sonst hätte sie 2015 nicht die Grenzen offen gelassen (nicht: aufgemacht, ein durchaus wichtiger Unterschied). Ich glaube allerdings auch nicht, daß sie eine Ideologie hat, sonst hätte sie ebenfalls anders gehandelt als sie gehandelt hat, angefangen mit dem Beitritt zur CDU und nicht zur SPD nach der Wende.

Ist es möglich, daß wir Merkel einfach völlig überschätzen? Daß wir eine eiskalte, berechnende, hochintelligente Politikerin dort sehen, wo einfach nur eine Frau sitzt, die den Politikstil der BRD von Natur aus perfekt verkörpert, plus ein paar vereinsmeierische Taktierereien, wie sie in jedem Angelclub vorkommen können?

Die BRD hat seit der Wende niemals wirklich auf wichtige Weise politisch gehandelt. Es ging immer nur darum, alles möglichst stabil zu halten und keine schlimmen Bilder zu produzieren (CDU) oder den ideologischen Wahnsinn-du-jour durchzusetzen (SPD und Konsorten), sei das nun Atomkraft, Homoehe, Flüchtlingskram oder was auch immer. Die BRD ist somit ein gleichzeitig vom Wunsch nach Stabilität und vom Wunsch nach Verwirklichung des linksliberalen Irrentums beherrschtes Gebilde. Wer wäre besser dazu geeignet, so einen Laden zu aller Zufriedenheit zu führen als eine Frau ohne Eigenschaften? Nichts tun, wenn nichts auf der Tagesordnung steht aber dem „Fortschritt“ auch nicht im Wege stehen, wenn die linksliberale Intelligenzija anfängt zu plärren.

Erst bei der Flüchtlingskrise kam dieses Modell an sein Ende. Stabilität und linksliberale Ideologie waren nun beim besten Willen nicht mehr vereinbar, da die Aufnahme und Alimentierung ausnahmslos Aller für jeden Menschen, der noch alle Tassen beisammen hat, offensichtlich in den Untergang führen muß. Euro und Atomkraft hatten diese Sprengkraft nicht, weil sie als Themen für den Laien undurchschaubar sind und letztlich unklar ist, wieviel Geld verschwendet wurde und wo es gelandet ist. Geldverschwendung und Unfähigkeit erzeugen bloß Widerwillen und Verachtung, Mädchenleichen erzeugen hingegen Hass, echten, unverstellten und gerechten Hass. Unsere Meisterpolitikerin hat das 2015 nicht gesehen.

Ist sie damit nicht einfach nur das Gesicht der verkommenen BRD von heute und kein bißchen mehr?

Fritz
26. Juni 2018 12:22

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass merkel irgendeinem tieferen, verborgenen Plan folgt. Ich glaube dazu ist sie intellektuell nicht in der Lage. Mein Eindruck ist, dass sie sich immer nur durchwurstelt von einem Kurzzeitziel zum nächsten, und das sie auf keinen Fall schlecht dastehen möchte Wobie sie sich jetzt aber erheblich verzettelt hat.

("Das System muss weg" ist übrigen auch Forderung von Linksradikalen)

Ernst-Fr. Siebert
26. Juni 2018 13:42

""Das System muss weg" wäre die passendere Parole, doch die skandiert momentan noch kaum einer, natürlich auch die AFD nicht, die, ob in gutem Glauben oder aus taktischen Gründen, darauf beharrt, die letzte Chance zu einem friedlichen Wandel zu sein."
Da irrt Der_Jürgen, dieses Bestreben haben die, die sich AM (Alternative Mitte) nennen. Die meisten in der AfD haben nach meiner Beobachtung das Ziel, die Gesellschaft -wieder- zu verändern. Die sind aber (noch) etwas zurückhaltender mit öffentlichen Äußerungen, und das ist gut so.

AlbertZ
26. Juni 2018 13:42

Als ich zum ersten mal Merkel als Ministerin im Fernsehen sah (~1990), war mein spontaner Gedanke: Diese Frau ist für keinerlei Führungsaufgaben geeignet. Heute denke ich, daß nicht nur in diesem Punkt die von Robert D. Hare aufgestellte Prüfliste zutrifft.

Ein "Anker" des globalistischen Europa zu sein ist Merkel wesensfremd. Durch das Befolgen der Prämissen und Werte ist sie für dieses zum Gesicht geworden. Es ist nur logisch, daß diese Leute ein neues Gesicht wollen statt ihre Politik zu ändern.

Die Amtszeit von Egon Krenz endete nach nur 6 Wochen, das gesamte System zerbrach und landete ein Jahr später auf dem Müllhaufen der Geschichte. Weitere Bedingungen haben dies mitausgelöst: Gorbatschows Politikänderung war bereits 3 Jahre länger wirksam als die von Trump, Honecker war 5 Jahre länger im Amt als Merkel heute.

Angela die Größte wird freiwillig nicht zurücktreten. Vielleicht findet jemand eine Möglichkeit, ihr das Asyl in Chile trotzdem schmackhaft zu machen.
In drei Monaten wäre ein guter Zeitpunkt.

Michael B.
26. Juni 2018 15:11

> Ist sie damit nicht einfach nur das Gesicht der verkommenen BRD von heute und kein bißchen mehr?

Die Frau hat sich in jedem Sachthema beliebig drehen koennen, Teflon ist kein Ausdruck dafuer. Das hatte nie Konsequenzen, was m.E. nicht ohne nichttriviale Unterstuetzung moeglich ist. Andere sind fuer viel weniger gegangen. Und weil sie sich so drehen kann, ist ein Beharren wie beim Thema Migration ebenso untypisch fuer Merkel wie es ebenfalls meiner Meinung nach nicht ohne Verpflichtungen moeglich ist.
Mich interessiert schon sehr, wer da steuert oder gesteuert hat. Ich denke, dass Merkels Schwaeche nicht umsonst mit Trumps Aufstieg zusammenfaellt. Dieser bindet in irgendeiner Form die Kraefte, die sie vorher gestuetzt haben.

Valjean72
26. Juni 2018 15:26

@Fritz : » Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass merkel irgendeinem tieferen, verborgenen Plan folgt. Ich glaube dazu ist sie intellektuell nicht in der Lage. Mein Eindruck ist, dass sie sich immer nur durchwurstelt von einem Kurzzeitziel zum nächsten, und das sie auf keinen Fall schlecht dastehen möchte Wobie sie sich jetzt aber erheblich verzettelt hat.“
---
Der nun mehr seit beinahe drei Jahren anhaltende permanente Gesetzesbruch der offenen Grenzen, von Anfang an erkennbar zum Nachteil der einheimischen Menschen, zudem vom polit-medialen Komplex bis vor einem Jahr noch unisono (durch die Bank weg) weichzeichnend - und das Volk einlullend, begleitet - wäre nur auf die Verzettelung einer planlosen, intellektuell beschränkten Bundeskanzlerin zurückzuführen?

Nein, das erscheint mir alles andere als schlüssig auch wenn ich die intellektuellen Fähigkeiten Frau Merkels tatsächlich für vergleichsweise überschaubar halte aber das ist ein anderes Thema.

Es muss ja nicht ihr eigener Plan sein, dem sie folgt aber ihre politischen Handlungen, insbesondere in der „Flüchtlingskrise“, decken sich zu sehr mit Strategiepapieren einflussreicher Intuitionen, bzw. mit Äußerungen von Funktionären und „Würdenträgern“ auf BRD-, EU- und UN-Ebene, als dass hier allein der reine Zufall am Werk sein könnte.

Fritz
26. Juni 2018 16:38

Angeblich besitzt sie ja bereits ein Anwesen in Paraguay. Da haben ja schon häufiger bedrängte Deutsche Zuflucht gesucht.

Lotta Vorbeck
26. Juni 2018 16:43

@AlbertZ - 26. Juni 2018 - 01:42 PM

"... Angela die Größte wird freiwillig nicht zurücktreten. Vielleicht findet jemand eine Möglichkeit, ihr das Asyl in Chile trotzdem schmackhaft zu machen.
In drei Monaten wäre ein guter Zeitpunkt."

_____________________

Asyl in Chile? - Nein! Nein Und nochmals nein!

Asyl für Frau Kasner in Chile, das wäre in etwa so, als ob man, so wie es an der BeErDe-Tagesordnung ist, notorisch kriminelle, minderjährige Ausländer mittels aus der Steuergeldkasse finanzierten Segeltörns in der Karibik "therapiert".

Man eruiere einfach mal, welche Strafe in normal situierten Ländern gewöhnlich auf das Delikt Hochverrat zu erwarten ist.

"Honni", der saarländische Dachdecker, hatte in "seiner" TäTäRä unterm General Augusto José Ramón Pinochet Ugarte tatsächlich verfolgten Chilenen zeitweilig Asyl geboten. Sonja, die Tochter von Erich und Margot Honecker, ist mit einem Chilenen verheiratet.

Aus purer Dankbarkeit der einst Verfolgten bekamen Erich und Margot später in Chile Asyl.

Asyl für Angela Dorothea Kazmierczak im Senegal, im Tschad, in Mauretanien, in Afghanistan, Pakistan oder Tschetschenien - zugegeben - diese Idee hätte schon einen gewissen Charme.

halbautomat
26. Juni 2018 17:54

Ich habe schon viele Theorien zur Motivationslage der deutschen Machthaberin aufgestellt und wieder verworfen. Interessant dabei ist ja, dass sie, zumindest nach außen wahrnehmbar, keine Richtung vorgibt, sondern lediglich Stimmungen folgt.

Im Moment halte ich es mit Sieferle. Die hier versammelte partikularistische Gemeinde (mich inbegriffen) kann sich angesichts der offenliegenden Absurdität des humanitären Universalismus einfach nicht vorstellen, dass jemand wirklich in diesen glaubt. Und doch ist es so.

Lotta Vorbeck
26. Juni 2018 19:28

@Fritz - 26. Juni 2018 - 04:38 PM

"Angeblich besitzt sie ja bereits ein Anwesen in Paraguay. ..."

_______________________

Auf der Startseite dieses

https://paraguay-immobilien.info/

Immobilienhändlers heißt es:

"...

Promis im Land der Sonne gesichtet

Paraguay-Investoren befinden sich in guter Promi-Gesellschaft. Offiziell 'besucht man Freunde, die hier leben', oder man trällert ein paar Lieder auf einer privaten Geburtstagsfete.

Uschi Glas kennt schon seit ewigen Zeiten Paraguay und die noble Weber-Farm im Gran Chaco. Frau Merkel interessiert sich seit 2012 für die Aufforstung und einen Altersruhesitz, Roberto Blanco wohnte 2006 im Hotel Aquario (SanBer) und 'sah sich ein paar Tage lang nur mal so um'. Auch die bayerische Kabarettistin Lisa Fitz erkundete 2016 das Land. Über die anderen Promis, wie z.B. die US-Präsidenten-Familie Bush, hüllt sich die paraguayische Gerüchteküche allerdings in Schweigen.

..."

Waldkind
26. Juni 2018 20:06

Hinter den Kulissen geschieht sicherlich so einiges, und auch den politischen Repräsentanten wird dies nicht vollumfänglich bekannt sein.

Es spielt letztlich aber auch keine Rolle. Entscheidend ist doch vielmehr, warum der gemeine Bundesbürger diese irre Politik aktiv mitträgt bzw. passiv duldet, und es nicht mal in der Wahlkabine in angemessenem Umfang schafft, diese Politik abzustrafen.

Ich neige wie halbautomat dazu, hierin das Gift eines völlig lebensfeindlichen globalen "Menschenrechtsuniversalismus" wirken zu sehen, der jegliches Maß und jede Relation vergessen lässt.

Und sicherlich wurde dieser intentional wie funktional befeuert; aber es stellt sich doch immer wieder die Frage: was ist noch anzufangen mit einer "Gemeinschaft", die das mit sich machen lässt?

Der_Juergen
26. Juni 2018 22:17

@Ernst-Fr. Siebert

Eventuell haben Sie missverständlich formuliert, aber ich verstehe Ihre Wortmeldung so, dass die Alternative Mitte fordert, das System müsse weg. Ein kurzes Googeln ergibt jedoch, dass es sich bei den Mitgliedern dieser Gruppierung innerhalb der AFD um Cucks handelt, wie sie im Buche stehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Mitte

@Fritz
Natürlich ist die Merkel von ihrer Intelligenz her nicht in der Lage, selber einen Plan zur Zerstörung Deutschlands zu entwerfen. Sie kann aber einen solchen, der ohne jede Frage existiert, ausführen, und genau das hat sie ja 13 Jahre lang getan.

Ich wollte einfach sagen, dass ich ihre Motivation nicht verstehe. Dass sie aufrichtig glaubt, Deutschland und Europa seien besser dran, wenn sie, wie es der berühmte Plan von 1925 vorsieht, von einer "eurasisch-negroiden Mischrasse" unter der Führung der jüdischen "Adelsrasse" bewohnt würden, schliesse ich aus. Also bleibt als Motiv nur Hass auf ihr eigenes Volk und Land, und woher dieser kommt, ist mir rätselhaft.

Gehorsam gegenüber Befehlen aus Brüssel, New York etc. reicht nicht aus, um die manische Zerstörungswut dieser Person zu erklären. Sie muss sich doch klar darüber sein, dass künftige Generationen von Deutschen allein schon bei der Nennung ihres Namens verächtlich ausspucken werden. Aber offenbar will sie durch ihre Politik sicherstellen, dass es keine künftigen Generationen von Deutschen geben wird.

W. Wagner
26. Juni 2018 22:29

Geht es noch um Merkel? Muss sich unsere Beschäftigung noch um sie drehen? Müssen wir nicht schon einen Schritt weiter sein? Sezession hat(te) doch immer einen anderen Anspruch. Es gilt, schon auf das Künftige hinzuarbeiten. Wo sind in unserem Land die Kräfte, vor allem die Persönlichkeiten, die - wie jetzt in Italien - das Ruder in die Hand nehmen könnten? Diese gilt es jetzt vor allem geistig zu stärken, für die Zeit nach Merkel. Wenn man sich umhört, dann sieht man, dass sich auch die AfD unbedingt jünger (als Gauland) aufstellen muss. Die AfD - oder andere - müssen unbedingt analysieren, was gerade in Italien passiert. Die dortige Regierung bekommt bei neuen Umfragen - trotz heftigster Angriff von Links, NGOs, Frankreich, Medien etc. - immer mehr Stimmen; bei Stichwahlen von Bürgermeistern fielen am Sonntag zahlreiche Städte an die Rechte, darunter linke Hochburgen wie Pisa und Siena. Es lohnt sich also Richtung Süden zu blicken!

Seemann
27. Juni 2018 11:13

über Merkels Motive kann man viel Rätseln. Ich denke aber,dass es viel einfach ist wie manche glauben. Für Merkel gibt es keine Deutsche, Italiener, Franzosen und co. Es sind einfach Weltbürger, die zufällig irgendwo auf der Welt wohnen. Jeder hat das gleiche Recht auf Unterstützung wenn er nach Deutschland kommt, als andere die schon länger hier leben. Merkel sagte ja: Die, die schon länger hier leben und die anderen, die neu dazu kommen. In den Rotweinvierteln der Gesellschaft denken viele so ,und aus den Schulen und Universitäten kommt fleißig Nachschub.

Stefanie
27. Juni 2018 13:40

Was Merkel grritten hat, als sie die Grenze öffnete?
Ein Wort: Reem. - Das weinende Flüchtlingsmädchen bei dieser merkwürdigen Fragestunde im
"Flüchtlingssommer '15". Auf einmal stand sie als kaltherziger Apparatschik da, der "mit Kälte, ja Hass im Hetzen" auf die Einhaltung der Gesetze pochte. Kein Mutti-Image mehr. Also beschloss sie bei nächster Gelegenheit "ein freundliches Gesicht" zu zeigen. Und wir es der Zufall (?) Wollte, ergab sich das vor dem geschichtsträchtigen Hintergrund von "Flüchtlingen" , die in Ungarn festsaßen. Merkel läd also zum paneuropäischen Picknick mit Willkommenskultur. Was dann kam, ist schwer zu interpretieren.
Das Flüchtlingsproblem war den europäischen Eliten bekannt und man suchte nach eine arbeitsteiligen Lösung. Da ist zum einen der ungarische Zaun, der Monate vorher angekündigt war. Orban zeigt in der Rolle des europäischen Paria Härte und kriegt zum Dank dafür die im Land steckengebliebenen Flüchtlinge abgenommen. Dabei geht irgendetwas schief , der Andrang der Flüchtlinge ist (zufällig? ) viel stärker, als angenommem und überrennt die Länder der Balkanroute. Es dauert Monate, dieses Problem einzuhegen. Soweit dir "Robin Alexander Version". Doch warum lenkte Merkel daraufhin nicht ein? Schielte sie im beginnenden Wahlkampf nach Grünen Stimmen? Gab es internationalen Druck (Clinton-Obama, UN-Seilschaften) ? Glaubte Sie selber die Rationalisierungen der One-World -Fraktion (Fachkräfte, Rente, Bestandserhaltungsmigration)? Hatte sie eine hidden agenda (den "Plan")?
Der Effekt dieser Politik ist jedenfalls, dass der schon halbgar gekochte BRD Bürger bemerkt hat, wie stark sich sein Land durch Migration verändert hat. Bisher verlief der Prozess eher unmerklich. Wer sich nicht zufällig in "bunte" Gegenden verirrte, lebte weiter den politisch korrekten Trott. Nun beginnen immer mehr Frösche aus dem Topf zu hüpfen und die seit Jahrzehnten betriebene Multikultipolitik gerät ins wanken. Daher sind all die "Cucks" um Merkel herum so sauer auf sie. Sie hat die Situation geradezu dialektisch überspitzt und in einen Kipppunkt überführt. War das Absicht? Schwer vorzustellen.

halbautomat
27. Juni 2018 21:00

@Seeman 27. Juni 2018 11:13

Das meinte ich.
Sieferle formuliert es in seinem „Epochenwechsel“ so:

„Der humanitäre Universalist muss die unbegrenzte Einwanderung zulassen, da er keine prinzipiellen Unterschiede zwischen Menschengruppen wie Nationen anerkennen kann. Er wird somit zu einem Faktor zur Auflösung des Sozialstaates als Nationalstaat und zur kulturellen Selbstzerstörung.“

Und über die Partikularisten (also die an kleineren Einheiten wie Familie oder Nation Festhaltenden) fährt er fort:

„Der um Abgrenzung bemühte Nationalist dagegen kann seinen Selbstbehauptungswillen innerhalb einer von universalistischen Prinzipien geprägten Weltöffentlichkeit nicht argumentativ legitimieren.“

Das ist genau das, was wir tagtäglich in Form der Diffamierung als „Menschenfeinde“, „Faschisten“ oder schlicht „Nazis“ erleben.

Dem Apodiktischen in Sieferles zuletzt zitiertem Satz erlaube ich mir aber zu widersprechen. Auch wenn ich daran glaube, dass der Utopismus der Universalisten ebenso wie der Realismus der Partikularisten in Teilen angeboren oder tief anerzogen ist, so bin ich doch überzeugt, dass der weniger glaubensfeste, eher habituelle Universalist argumentativ (oder auch emotional) überzeugt werden kann. Sicher nicht jeder Einzelne, aber vielleicht, hoffentlich, doch genug von ihnen, um diese furchtbare zivilreligiöse Ideologie dereinst überwinden zu können.

Wieder Sieferle (ebd.):

„Der Hauptvorwurf, den der neutrale Beobachter dem Universalisten machen muss, zielt daher auf seine Illusionsfähigkeit, seine Identifikation von guter Gesinnung mit gutem Ausgang. Er schließt die Augen vor der Härte der Probleme, weil nur so sein konsequenter Moralismus möglich ist.“

Da müssen wir ansetzen.

Valjean72
28. Juni 2018 13:37

@Stefanie
“Merkel lädt also zum paneuropäischen Picknick mit Willkommenskultur. Was dann kam, ist schwer zu interpretieren […]

Der Effekt dieser Politik ist jedenfalls, dass der schon halbgar gekochte BRD Bürger bemerkt hat, wie stark sich sein Land durch Migration verändert hat. Bisher verlief der Prozess eher unmerklich […]

Daher sind all die "Cucks" um Merkel herum so sauer auf sie. Sie hat die Situation geradezu dialektisch überspitzt und in einen Kipppunkt überführt. War das Absicht? Schwer vorzustellen.“
---

Sehr interessante Wortmeldung. Auch ich wurde erst durch diese im Sommer/Herbst 2015 dargebotene Überhitzung über die Tragweite der ethnischen Auflösung der angestammten Bevölkerung hierzulande gewahr.

Und dies war für mich dann recht bald der positive Aspekt innerhalb der ganzen Misere, dass wohl viele Menschen erst durch diese Masseneinwanderung einen kräftigen Impuls bekamen, die ganze Thematik der Einwanderung kritisch zu besehen.

Daran anschließend nun die Frage, ob es dieses kräftigen Impulses bedurfte, um die Menschen, bzw. eine kritische Masse, aufzurütteln? Ich meine eindeutig ja und insofern hatte das miserable Managen Frau Merkels den von Ihnen genannten Effekt und man kann (über mehrere Ecken gedacht) spekulieren, ob es von Frau Merkel vielleicht sogar tatsächlich so beabsichtigt war.

In der Tat fällt es einem schwer, sich dieses vorzustellen aber wer weiß, vielleicht ... ?

Stefanie
28. Juni 2018 17:35

@Valjean 72

"Dies Machtkämpfe können jedoch nie - im Unterschied zu den Verhältnissen in der "klassischen" Diktatur- die Grundlage des Systems und seine Kontinuität bedrohen. Höchstens können sie eine Erschütterung der Machtsstruktur bewirken, die sich jedoch schnell wieder faßt - eben deshalb, weil ihre wichtigste Bindung, die Ideologie, unangefochten geblieben ist: Unabhängig davon, wer wen ablöst, iste es immer nur auf dem Hintergrund und im Rahmen des gemeinsamen Rituals möglich; es kann nie durch seine Negation geschehen.
Dieses "Diktat des Rituals" führt freilich dazu, daß sich die Macht deutlich anonymisiert. Der Mensch löst sich im Ritual fast auf, läßt sich von ihm tragen, und manchmal scheint es so, als ob es das Ritual selbst wäre, das die Menschen aus den dunklen Winkeln in das Licht der Macht hinaufträgt. Oder -ist es denn nicht für das posttotalitäre System charakteristisch, daß auf allen Ebenen seiner Machthierarchie Persönlichkeiten immer mehr durch Menschen ohne Gesicht, durch Marionetten, uniformierte Diener des Rituals und der Machtroutine verdrängt werden?
Die eigene Bewegungeiner so entmenschlichten und anonymisierten Macht ist eine der Dimensionen der grundlegenden "Eigenbewegung" des Systems. Als ob es das Diktat dieser "Eigenbewegung" selbst wäre, das für die Machststruktur Menschen ohne individuellen Willen wählte; als ob diese "Diktat der Phrase" selbst, die "Phrasenmenschen " an die Macht gerufen hätte - als beste Garanten der "Eigenbewegung" des posttotalitären Systems.
Die westlichen "Sowjetologen" (oder "die Merkelastrologen" S.) überschätzen oft die Rolle des einzelnen im posttotalitären System und übersehen, daß führende Personen - trotz der unheimlichen Macht, die ihnen die zentralistische Machtstruktur gibt - oft nichts anderes sind, als eine blinde Funktion der Gesetzmäßigkeiten des Systems, Gesetzmäßigkeiten, die sie dazu noch nicht einmal reflektieren und sie nicht reflektieren können. Die Erfahrung lehrt uns doch ausreichend, daß sich die "Eigenbewegung" des Systems viel stärker als der Wille des einzelnen zeigt."
(Vaclav Havel - Versuch in der Wahrheit zu leben)

Ist das nicht eine wunderbare Charakterisierung Merkels und ihres Umfelds? Manchmal glaube ich, daß die kommunistischen Systeme unsere Zeit schon vorweggenommen haben; "fortschrittlicher" ja modernere Zeiten waren.
Ich glaube auch daß "Kräfte" auf Merkel einwirken, aber diese sind wahrscheinlich eher metaphysischer Natur, als konkrete Personen, bzw. wirken durch diese Personen eben auch "Kräfte der Eigenbewegung" - sie sind ja von ihren Motiven vollkommen überzeugt (wahrscheinlich selbst ein György S). Wahrscheinlich ist es das Wesen der Massengesellschaten, daß sie derart ins Totalitäre driften:

"Die Tatsache, daß der Mensch ein Selbstzwecksystem geschaffen hat und täglich weiter schafft, ein System, durch das er sich selbst seiner eigenen Identität beraubt, ist als kein unbegreifliches geschichtliches Mißverständnis, kein irrationaler Ausrutscher der Geschichte und keine Folge irgendeines diabolischen höheren Willens, der sich aus unbekannten Gründen entschlossen hätte einen Teil der Menschheit auf diese Art zu quälen. Es konnte und kann nur deshalb geschehen, weil der moderne Mensch offenbar bestimmte Veranlagungen hat, solch ein System zu schaffen oder zumindest zu ertragen.." (Ebenda)

Es ist also schwer zu sagen, ob hier die Person Angela Merkel auf die Zuspitzung zum Umkippen der Verhältnisse hingearbeitet hat, oder ob die "Eigenbewegung des Systems" auf eben diesen Kulminationspunkt zugestrebt hat. "Nun isses halt so."

Gast auf Erden
28. Juni 2018 18:58

Interessantes Gedankenexperiment von Valjean72. Weitergedacht: Merkel als die eigentliche Retterin der christlich-abendländischen Kultur, da sie durch "2015" das Deutsche Volk auf den 3. Oktober (welch ein Datum!) 1961 mit der Nase stubst (Anwerbeabkommen mit der Türkei), also dem gaaanz langsamen Erhitzen der Milch für den Frosch. - Zwischenfrage: wie erpressbar war der "Alte Rhöndorfer", hatte er keine Berater? - Aber dass die Uckermärkerin um solche Ecken zu denken vermag und solche Geheimnisse für sich behält - dazu fehlt mit die Vorstellungskraft.

Weltenwende
28. Juni 2018 19:23

Für mich ist und bleibt Merkel Kybernetikerin. Ihr Handeln und die während Ihrer Kanzlerschaft aufgebauten Strukturen in Deutschland und Europa haben immer das Ziel direkter und besser steuern zu können. Ihre Reden klingen stets wie der Versuch Feedbackschleifen auslösen zu wollen. Der Umfragewahn unter Merkels Regierung ist kein Zufall. Sie ist dabei aber erstaunlich wenig technikversessen und hat eine Art analoges kybernetisches Netzwerk aufgebaut. Vielleicht ist das die klassische typische weibliche Stärke und Merkels wissenschaftlicher Hintergrund hat diese auf eine höhere Ebene schieben können.

Valjean72
29. Juni 2018 13:05

@Stefanie: "Es ist also schwer zu sagen, ob hier die Person Angela Merkel auf die Zuspitzung zum Umkippen der Verhältnisse hingearbeitet hat, oder ob die "Eigenbewegung des Systems" auf eben diesen Kulminationspunkt zugestrebt hat. "Nun isses halt so."
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Bemerkenswert ist sie aber gleichwohl diese „Überhitzung“ der Zuwanderungsthematik, ich meine dieses Auflösen der angestammten, ethnokulturell gewachsenen Strukturen fand ja ohnehin über mehrere Jahrzehnte hinweg und zudem verhältnismäßig unbemerkt statt. Weshalb also diese Beschleunigung, dieses Aufscheuchen?

Wenn nun aber diese Entwicklungen systemisch bedingt sind, dann änderte der Austausch einer exponierten Position, wie der der Bundeskanzlerin, erst mal recht wenig.

Ferner wäre zu bezweifeln, dass eine neue politische Kraft, im System und nach den Regeln des Systems agierend, etwas großartig würde ändern können, was nicht ohnehin schon machtstrukturell angelegt ist.

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