Sezession
9. Juli 2018

Erziehungsnotstand und Widerstand – ein Aufruf

Caroline Sommerfeld / 36 Kommentare

Wie ergeht es rechten Eltern an linken Schulen? Wer ist Repressionen ausgesetzt oder versteht es, diese zu unterlaufen?

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

  • Sezession

Wer kann eigentlich noch Kinder wirklich führen und wer verzweifelt daran? Wie schwer fällt es, gegen Mediensucht und Konsumzwang anzuerziehen? Was ist der Fehler im Schulsystem – Konformitätsleistungsdruck oder Kuschelpädagogik? Wie passen Wohlerzogenheit und muthafter Sinn zusammen? White flight auf Privatschulen und aufs Land, oder ist Widerstand am Puls der Zeit noch möglich? Leiden unsere Kinder unter dem Anderssein ihrer Eltern oder lernen sie daraus? Können wir überhaupt unsere Kinder nach unserem Bilde formen?

Sie sehen, ich plane. Ich plane (und schreibe schon!) ein Buch zum Thema „Erziehung“. Ausgehend von der Fragestellung, wie die konservativ-revolutionäre Reformpädagogik zwischen 1910 und 1945 nach dem Kriege langsam auf links gekrempelt werden konnte, und inzwischen Waldorfschulen, Jenaplan-Schulen und Montessorischulen beflissen derselben kulturmarxistischen Linie folgen wollen, lande ich in der Gegenwart.

Da die „Sezession-im-Netz“-Leserschaft wach durch diese Gegenwart geht und sich in einer großen Verantwortung ihren Kindern gegenüber sieht, brauche ich von den einen Lesern Erfahrungsberichte, und den anderen sollen diese später in gebündelter Form weiterhelfen.

Ein Aufruf also an Sie, werte Leser: kommentieren Sie, schicken Sie mir (pädagogendeutsch gesagt) best- und worst-practice-Beispiele, und wer das nicht öffentlich tun will, aber etwas loszuwerden hat, schildere mir seine Erfahrungen unter sommerfeld(at)sezession.de.

Bei Rudolf Steiner, Peter Petersen und Maria Montessori (um nur die drei Prominenten unter den Reformpädagogen zu nennen, auf die heute noch existierende Schulgründungen zurückgehen) finden sich verschüttete Grundlagen, die, einmal wieder zutagegefördert, gegenwärtigen Eltern den rechten Weg weisen können. Davon bin ich fest überzeugt. Ein Beispiel?

Es ist die aus dem Erwachsenen als dem reiferen Menschen ruhende, von ihm ausgehende Macht, und diese schafft zugleich zwischen dem Erzieher und dem Zögling die unbedingt erforderliche und wichtige Distanz; denn rechte Führung ist ohne solche Distanz unmöglich. Die Art dieser Distanz genau zu beschreiben, sie zu lehren, ist unmöglich. Es kann jemand mit den Kindern auf Du und Du sein, und jene Distanz ist da. Es kann ein Hauptmann der Reserve dastehen in der Schule, und es ist doch alles faul, keine Autorität, nichts als entweder gewaltsamer Friede oder albernes Treiben. Das Verhältnis, das ich hier meine, ist das des Führers zu seinem Gefolge. (Peter Petersen, Der Ursprung der Pädagogik, 1931)

Eltern müssen führen können. Äußerst zaghaft macht sich diese banale Einsicht wieder breit in der Ratgeberliteratur, meistens heißt es dann, man habe ja gelernt, daß reines Laissez-faire oder „antiautoritäre Erziehung“ nicht funktionieren, und dann sucht man sich Ersatzbegriffe für Führung, z.B. „Wertevermittlung“, „Verantwortung“, „Neinsagen“, „Grenzensetzen“.

Die Werte, Verantwortungen, no-gos und Grenzen bleiben aber grundsätzlich: höchstpersönliche. Weil ja jedes Elternteil ganz individuell drangeht und man ja niemandem „Vorschriften machen kann“, weder den Eltern noch den Kindern. Irrtum, Führung ist objektiv.

Führen ist zuerst einmal: Nichtinfragestellen. An dieser Stelle muß dekadenten Gestalten – sehr wohl auch bisweilen der dekadenten Gestalt in uns selbst – wieder aufhelfen, die des Zweifels voll sind: Kann ich das meinem Kind zumuten? Was mache ich, wenn es das nicht will? Wie setze ich mich durch? Müssen wir nicht einen Kompromiß finden? Und wenn mein Kind mich dann nicht mehr mag? Wie können wir beiden Eltern uns auf eine Linie einigen?

Mit Kierkegaard ist zu sagen: es ist verdammt schwer, sich aus dem Zweiflermodus wieder am eigenen Schopf herauszuziehen und auf dem Trockenen gesicherter Erkenntnis (oder festen Glaubens) wieder abzusetzen. Wenn man da wieder steht, kann man überhaupt erst zu Führen beginnen. Denn was einmal zur Debatte steht, ist nur durch einen radikalen Akt der Setzung zu beenden.

Setzung ist das Lebenselixier der Erziehung. Das pädagogische Credo lautet: „Weil ich das so entschieden habe“. Nehmen wir als Beispiel das Sich-Widersetzen gegen den Konsum. Mir sagte einmal eine kluge Mutter: „Im Grunde ist Erziehung immer nur Erziehung gegen den Konsum“.

Spielsachen-, Süßigkeiten-, Medien- und Freizeitpark-Konsum bilden das regressive Moment. Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, Habenwollen, Mehrhabenwollen, Nichtaufhörenkönnen, Sichfestnuckeln am Lolli oder am Bildschirm sind urtümliche, kleinkindhafte, Entwicklungpsychologen sagen „orale“, Bedürfnisse. Für ein Stillkind völlig normal und altersgemäß. Kulturanthropologisch ist gegen Regression auch erst einmal nichts einzuwenden (man denke nur an Orgien, an Karneval oder Geschreiveranstaltungen aller Art). Das ist die menschliche Natur, zumindest ihre eine Seite.

Mit Helmuth Plessner kann man dieser Seite allerdings einiges entgegenhalten, denn „der Mensch ist von Natur aus künstlich“. Er bedarf nämlich, um nicht ewiges Kleinkind oder ewiger Urmensch zu bleiben, künstlicher Setzungen. Wer dem Kleinkindstadium und dem Urmenschenstadium glücklich entwachsen ist, sich also Erwachsener nennen darf, hat der Regression aktiv etwas entgegenzusetzen. Ich setze, also bin ich erwachsen. Setzung ist indes nicht nur Gebrauch von Künstlichkeit gegen Natur, sondern auch Begründungsstop.

In der Praxis bedeutet das: Eltern müssen nicht begründen und erklären und rechtfertigen, warum wieso und weshalb Lollis schädlich sind, der Fernseher ausgeschaltet wird und es kein neues Auto gibt. Klar, kann man auch mal machen, als lehrreiche Erzählung, aber erzieherisch wirksam ist die unverbrüchliche, voraussetzungslose und ungerechtfertigte Setzung. Klingt autoritär, ist es auch.

Das Problem ist, wie ich oben auch schon angedeutet habe, daß Autorität gegenwärtig perverserweise in der Defensive ist, die Beweislast hat der Setzende, nicht der Zersetzende. Der Begründungsstop gilt also offensichtlich auch für die pädagogische Theorie – stand your ground ist wichtiger und stärker als der Sog der „kritischen Erziehungswissenschaft“ (über die ich in der aktuellen Sezession No. 84 schreibe).

Es gibt Eltern, die die Notwendigkeit von Setzung eingesehen haben, manche davon sind Jesper-Juul-Leser, die sich durchaus trauen zu sagen „Kannst dich beruhigen, Kind, ich entscheide das für dich“, die aber dann den Kindern gegenüber anheben zu erklären, warum sie dies tun. Dieser Anfechtung gegenüber, dem gemeinen Rechtfertigungsdruck, geben viele Eltern nach, sie sind infiziert vom Augenhöhevirus der Post-68er-“Familienkonferenz“. Petersens Distanz steht auf dem Spiel.

Der einsame Ausreißer unter den psychotherapeutisch orientierten Elternratgebern (leider ist der Autor 2011 verstorben) ist Wolfgang Bergmanns „Gute Autorität“ aus dem Jahre 2005:

Deshalb sage ich – entgegen der Lehrmeinung der offiziösen Erziehungswissenschaften und der allermeisten pädagogisch-psychologischen Ausbildungsinstitutionen: Vater und Mutter haben die Aufgabe, Halt und geben und innere und äußere Ordnung zu stiften. Das geht im wirklichen Leben nicht mit vernünftigen Argumenten und nicht mit einem freien Austausch von Interessen, es geht nur mit Autorität.

In den obengenannten reformpädagischen Schultypen (Waldorf, Montessori, Jenaplan) geht es „im wirklichen Leben“, sprich im Klassenzimmer, entgegen aller linken Projektionen und antiautoritären Wunschvorstellungen auf diese „freien“ Schulen, genau im bergmannschen Sinne gut autoritär zu.

In der Jenaplan-Zeitschrift „Kinderzeit“ (No. 37, 2014) beschreibt der alte Pestalozzipädagoge Arthur Brühlmeier, was der Lehrer in der Klasse mit seiner – ja, er spricht positiv davon! – Macht anfängt: Er übt sie aus und fordert Gehorsam ein, was auch sonst?

Das tut er ganz gewiss nicht, um seine Machtgelüste zu befriedigen. Im Gegenteil: Es ist sehr lästig, wenn man Macht ausüben und den Gehorsam einfordern muss. Aber man tut es trotzdem, damit der Schüler lernt, die tragenden Regeln einer Situation zu erkennen und sich – soweit diese moralisch verpflichtend sind – an sie zu halten. Eine Autorität, die Gehorsam fordert, tritt somit im Wesentlichen immer als Hüterin einer lebensregelnden Situation auf.

Mit diesem theoretischen Marschgepäck ließe sich doch für unser aller reale Erziehungsaufgaben etwas anfangen. Wären da nur nicht diese Zweifel, dieses Schulsystem, diese verfluchte Einsamkeit derjenigen, die sich mit Petersen die Frage stellen:

„Seid Ihr, Erwachsene, innerlich bereit, zu führen als Eltern, Freunde, Verwandte, bestellte Erzieher?“


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (36)

Franz Bettinger
9. Juli 2018 20:45

In der Tat, liebe Frau Sommerfeld, ideale Eltern sind Vorbilder und Führer. Das sind aber die wenigstens, denn das wird man nicht mittels Perspektiven-Wechsels, psychologischer Tricks oder Erziehungs-Tipps, mE auch nicht durch willkürliche Setzung, sondern nur dadurch, dass man als Vater oder Mutter selbst auf möglichst vielen Gebieten - ganz unabhängig von Erziehungs-Aspekten - Kompetenz erwirbt. Führer sind Menschen, die praktische Lösungen parat haben, diese gekonnt begründen und, erst wenn das nichts nutzt, mit der Faust auf den Tisch hauen und Basta sagen, statt ellenlang herum zu theoretisieren. Aber bitte in dieser Reihenfolge! Kinder sind voller Fragen. Sie wünschen altersentsprechende, plausible Antworten. "Du kannst nicht immer gewinnen," sagte meine Mutter selig, "aber du kannst immer dein Bestes geben. Also lern was und werd was!" - Führen wollen heißt zunächst mal, kompetent werden. Das wird man nicht beim E-Berater, sondern durch Arbeit an sich selbst. Da sich die meisten Erziehungs-Ratgeber an Inkompetente richten, führen sie - freundlich gesagt - zu suboptimalen Ergebnissen.

Isarpreiss
9. Juli 2018 22:18

Ich habe vor ein paar Jahren die Lehrerausbildung, also Studium und Referendariat, durchlaufen und konnte dabei in Seminaren, aber vor allem in Diskussionen "unter uns" zum Thema Autorität die Ansichten von einigen Dutzend anderen Anwärtern erfahren. Dabei ging es meiner Erinnerung nach nie um die Frage, ob oder in welchem Ausmaß Autorität erstrebenswert sei, denn das war jedem klar. Wir haben eigentlich immer nur darüber beraten, WIE wir möglichst hohe Autorität erlangen können, also konkret: Wie sollen wir uns verhalten, damit die Schüler das tun, was wir wollen. Im Seminar an einer Münchner Schnöselschule war das nicht immer einfach, aber bestimmt noch einfacher als an irgendwelchen Brennpunktschulen, noch dazu, wenn der Lehrer eine Lehrerin ist.

Das Problem ist natürlich, und das gilt ja für Erzieher überhaupt sehr häufig, dass man richtiges Verhalten zur Erlangung von Autorität nur schwer theoretisch lernen kann. Und auch Autoritätsmodelle, von denen man sich etwas abschauen könnte, damit meine ich oft ältere, oft männliche, sehr strenge Lehrer, werden immer seltener.

Glücklicherweise bekommt man immer wieder neue Chancen zum Ausprobieren: Und wenn man als neuer Lehrer einer Klasse zum ersten Mal gegenübersteht, kann man normalerweise immer mit einem guten Vorschuss an Autorität rechnen. Was macht man dann damit? Verspielen kann man sie schnell, festigen spätestens dann, wenn die ersten Schüler ausprobieren, wie weit sie gehen können, und man gut reagiert. Klar, ein freundliches “Bitte sei jetzt endlich leise. Stell dir mal vor, jeder würde so laut sein wie du – wie sollen wir uns denn da konzentrieren können und etwas lernen?” wäre katastrophal, aber ebenso nach hinten losgehen kann es, wenn man dem Unruhestifter mit 100 Dezibel vermittelt, dass er lieber ruhig sein soll, wenn ihm sein Trommelfell etwas bedeutet. Denn wenn man Pech hat, erwischt man ausgerechnet den Schüler, der vor zwei Wochen nach einem halbjährigen Aufenthalt die Psychiatrie wieder verlassen durfte. (Ansonsten ist das – vor allem plötzliche – Anbrüllen eines Schülers natürlich ziemlich erfolgversprechend, solange man es nicht zu häufig tut.)

Aber ich bin etwas abgeschweift. Vor allem wollte ich, siehe oben, der Aussage widersprechen, Autorität sei in der Defensive. Zumindest im Schulbereich, in der täglichen tausendfachen Begegnung zwischen Lehrer und Schüler, wird sie von den Erstgenannten meiner Erfahrung nach sehr häufig gutgeheißen und angestrebt.

Thorsten B
9. Juli 2018 22:44

Liebe Frau Sommerfeld,

"Du bist jung und wünschest Dir Kind und Ehe. Aber ich frage dich: bist du ein Mensch, der sich ein Kind wünschen darf?
Bist du der Siegreiche, der Selbstbezwinger, der Gebieter der Sinne, der Herr deiner Tugenden?"
so könnte man auch mit Nietzsche für die nötige Reife, das in-sich Ruhen, die Aura "Papa weiß was er tut" argumentieren - was soweit erstmal für jeden reifen Menschen logisch ist.

Wo mich Ihr Artikel aber wirklich zum Nachdenken bringt ist das bewusste Nicht-Begründen.

Als wir uns vor einigen Monaten im Süden trafen, als Sie "Mit Linken leben" vorstellten, teilte ich Ihnen von meiner linksdrehenden Arbeit mit wo ich unter der Maske des Berufes bei Themen die Gemeinsamkeiten bilden, wie der Ablehnung des "Kapitalismus zum Selbstzweck, des Profits um jeden Preis" "meinen Linken" immer mal zustimmen kann und ganz gut mit "meinen Linken" lebe.

In dieser Firma ist auch die "Transparenz" einer der Werte, die ich bislang immer gedankenlos auch als "gemeinsamen Wert" erachtete.
Klare Aussagen, "ich möchte" usw. aber dann immer schön mit Begründung.

Dies wendete ich bisher eben auch bei der Kindererziehung an, im Glauben, eine Begründung hilft dem Kind zu verstehen und damit zu reifen.

Wo Sie mich zum Nachdenken gebracht haben, ist aber die Tatsache, dass man bewusst "ich will..." sagt aber eben "weil ich es so entschieden habe".
Auf einem Führungskräfte Seminar (andere Firma) gab es einmal die Übung, dass man die Augen verbunden bekam und sich von einem anderen blind führen lassen musste.
Ich glaube, das ist das gleiche, sich blind führen zu lassen, also ohne zu wissen warum.

Bewusst unbegründet fordern könnte genau diese Distanz, diese finale Zutat des reifen Menschen sein, um letztlich eben diesen "Halt des blinden Vertrauens" geben zu können.

Ich glaub das ist gut. Ich freue mich darauf das auszuprobieren.

Cacatum non est pictum
9. Juli 2018 22:46

Tolle Idee, Ihr Buch. Wann ungefähr ist die Veröffentlichung geplant? Können Sie einen kurzen Ausblick auf den Inhalt geben? Wird es sich um eine Abhandlung zur Mentalitätsgeschichte der Pädagogik handeln, oder soll Ihr Werk auch Ratgeberfunktion haben? Erfährt man etwas über Kindererziehung in den Zeiten noch vor der Reformpädagogik? Vielen lieben Dank vorab!

Michael B.
9. Juli 2018 23:18

Es gibt halt kein richtiges Leben im Falschen. Diese Entartungen werden grundsaetzlich erst mit dem Verschwinden der immer wieder neu einspeisenden ideologisch noch vorherrschenden Stroemung beendet sein. Was Links-Gruen betrifft, bin ich auch durchaus zuversichtlich, dass dies in relativ kurzer Zeit passieren wird. Aber was kommt dann? Neben den konservativen Stroemungen wie hier vertreten, gibt es als aussichtsreiche Kandidaten natuerlich auch ganz andere kulturfremde Einfluesse, die mir auch in dieser Hinsicht mehr Sorgen machen. Oder auch eine Auspraegung von Staat, die man speziell im Westteil des Landes nicht aus eigener Anschauung kennt und sich vorstellen kann. Selbst und gerade bei Loesung des Migrationsproblems. Das wird naemlich in jedem (auch Erfolgs-)Fall einen Preis in den inneren Zustaenden fordern.

Insofern halte ich es mit einer Mischung aus alten DDR-Methoden - haeusliche Korrektur schulischer Indoktrination - und - in der DDR so kaum moeglich - Unbequemlichkeiten in Form von Beschwerden, auch einmal gegen den Stachel loeckendes Verhalten in Elternabenden und im Fall der Faelle juristischem Vorgehen. Dazu gehoert wenn passend auch nichtkonfrontatives Vorgehen speziell in der Diskussion mit anderen Eltern und auch das Herstellen von Oeffentlichkeit. Illusionen in Bezug auf grundsaetzliche Aenderungen habe ich aus den oben angerissenen Gruenden allerdings nicht und halte es deswegen eher pragmatisch kurz.

Das mir aus verschiedenen englischsprachigen Laendern bekannte Prinzip des homeschooling waere uebrigens auch etwas, was ich als Gegensatz zur rigiden deutschen Schulpflicht gern verankert sehen wuerde. Das ist sicher nicht jetzt machbar oder auch unmittelbar anstehend, ich weiss auch nicht ob es eine signifikante politische oder generellere gesellschaftliche Masse die solche Varianten befuerworten, in Deutschland ueberhaupt gibt. Ich bezweifle das.

RMH
10. Juli 2018 07:07

F. Bettinger hat durchaus recht. Wenn man sich einmal an die eigene Schulzeit zurück erinnert stellt man fest, wie "überzeugend" doch der Unterricht bei all den Moden, Trends und durchs Dorf zu treibenden Säuen war, die dem Lehrkörper aus politischem Aktivismus mal eben schnell in den Lehrplan diktiert wurden und dann von entsprechend motivierten und den Stoff "rund um beherrschenden Lehrkräften" dargeboten wurde. Meistens kam bei diesen Unterrichtsnummern dann gähnende Langeweile bis unfreiwillige Komik heraus. Überhaupt wird der Einfluss von Erziehung und die Formbarkeit junger Menschen zumeist gnadenlos überschätzt. Trotz massiver staatlicher Erziehungseingriffe wurden in der NS- Zeit und auch in der DDR die wenigsten überzeugte Nazis bzw. überzeugte Kommunisten (höchster AFD-Wähleranteil in den neuen Ländern - trotz FDJ & Co !). Man darf bei dieser Betrachtungsweise aber nicht den Fehler machen und meinen, die Nazis bzw. die SEDler wären hier Versager gewesen oder gar blauäugig, was ihre Erziehungswirkung betraf. Das Überstülpen einer Indoktrination über Schule und Gesellschaft diente noch nie der Überzeugung echter Massen (diese "beherrscht" man mit anderen Mitteln) sondern der Herausfilterung einer eigenen Elite, zur Selektion des eigenen Nachwuchses und wenn man Glück hat, dann ist auch noch der untere Führungskreis halbwegs "auf Linie".

Sieht man auch gut an den 68ern. Die haben es schon ab den 70er- Jahren geschafft, gerade in den Schulen einen großen Teil ihrer Narreteien zu verbreiten. Das war weitgehend wirkungslos, aber in den sog. "Eliten" konnten sie sich festsetzen.

Lange Rede kurzer Sinn - man braucht sich ob der ganzen Buntheitsideologie als Eltern nicht den Kopf allzu schwer machen, einfach auch mal ein bisschen darauf vertrauen, dass die eigene Brut den selben Querkopf geerbt hat, den man selber hat. Und wenn die dann ab einem gewissen Alter merkt, was gespielt wird, wird die Abkehr und der Protest stärker ausfallen, als wenn man als Eltern die Kinder versucht, in gewisse Bahnen zu lenken (davor habe ich sogar jetzt schon etwas Angst). Die Eltern, die am meisten versuchen, ihre Kinder irgendwie zu formen, zu biegen oder in eine gewisse Wunschrichtung zu lenken, sind am Ende oft die Frustriertesten ---- "Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh, gelingen selten, meistens nie" (alter Volksspruch).

Ich plädiere daher zu großer Gelassenheit bei der eigenen Kindererziehung, erkenne aber das Bemühen von Frau Sommerfeld zu 100% an, der absolut herrschenden Meinung bei den Pädagogen (seltsam: ein Dema"goge", ist ein "Volksverhetzer" - ist dann ein Päda"goge", ein Kinderverhetzer?) etwas entgegen setzen zu wollen.

Oblationisvir
10. Juli 2018 09:45

Die Autorität des Pädagogen - und in dieser Hinsicht auch die der Eltern - gründet aus meiner Sicht - von wechselnden äußeren Bedingungen abgesehen - im allgemeinen auf der tieferen Einsicht durch ein fortgeschrittenes Lebensalter und nur nachgeordnet und im besonderen auf etwaigen fachspezifischen Kenntnissen, wie breit auch der Raum ist, den sie einnehmen. Der Mensch hat im Laufe des Heranwachsens zu lernen, den Affekten nur so weit nachzugben, wie dies im Einklang mit der Vernunft geschehen kann. - Vor der Führung anderer stehe die Selbstzucht.

Auch der erwachsene Mensch weiß mitunter nicht, warum er sich in dieses oder jenes Geschick zu fügen hat. Doch wie für den Heranwachsenden die Aussicht besteht, künftig zu verstehen, warum ihm bestimmte Weisungen auferlegt wurden, so bleibt auch dem Erwachsenen die Hoffnung, die Widerfahrnisse seines Lebensweges einst als wohl begründet - auf Grund göttlicher Ratio - zu begreifen, spätestens jenseits des irdischen Daseins. - Die pädagogische Autorität erscheint von daher betrachtet nicht als Willkür, sondern als - freilich höchst unvollkommene - Nachbildung der göttlichen.

Franz Bettinger
10. Juli 2018 10:00

@Isarpreis: Es ist kein Verhalten, sondern ein Sein, das einen zur Autorität macht. Man erlangt dies nicht durch das Erlernen einer bestimmten Masche oder Methode, sondern (allein?) durch angewandte Kompetenz. Es ist schwer, und was nicht leicht zu haben ist, lehnen Links und Grün bekanntlich ab. Jeder soll alles sein - auch eine Persönlichkeit - und alles werden dürfen - auch Minister. Und dabei kommen so Personen wie Seehofer raus. Der war schon als Gesundheits-Minister inkompetent. Ach, wer von denen war denn je auf seinem Posten kompetent? Ha!

Nebenbei: In der Feuerzangen-Bowle gab es diesen jungen, eher leisen, nie unfairen, nie tricksenden, aber ungemein respektierten Lehrer, der auch streng werden konnte, es aber selten musste; ein Erzieher-Typus, den die Schüler, inklusive des frechen Heinz Rühmann (nachdem der von eben jenem Lehrer beim Vorsagen des Wanderweges der Vandalen kompetent eines Taschenspielertricks - mit dem Handspiegel - überführt worden war). Dieser Lehrer war ein kompetenter Erzieher und ein ehrlicher Charakter, der auch Zweifel äußern durfte - und den die Schüler, weil er authentisch war, mehr schätzten als alle anderen Lehrer.

Vergleicht die BT-Abgeordneten der AfD mit dem Rest. Reden können sie alle, kompetent aber nur die AfD-ler. Wenn nun diese überzeugenden Reden aus der AfD auch noch vom breiten Volk gehört werden würden - was von denen, denen die ÖR und restliche Lügenpresse gehört und gehorcht, tunlichst verhindert wird - dann wäre der Käse längst gegessen.

Gustav Grambauer
10. Juli 2018 10:41

War keinen einzigen Tag im Kindergarten gewesen, meine Mutter war Hausfrau, und schon im Alter von sechs Jahren waren wir bei jedem Wetter von morgens bis abends im Friedrichshain, einem riesigen Park, unserem Revier, wo wir auf nichts als auf Streiche, Abenteuer, Wetten und Mutproben aus waren. Deshalb war mein erster Schultag für mich ein umso größerer Schock. Ich kam mir vor wie in eine Art Irrenhaus eingeliefert. An diesem ersten Schultag habe ich in aller Klarheit für mich beschlossen, daß ich die Schule nach dem Prinzip 'Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps' von mir abspalten und nur als Diebin meiner Freiheit und Lebenszeit ansehen werde. (Konnte es mir leisten, meine Leistungen waren trotzdem gut.)

Hatte lange Zeit gedacht, dies hätte an den roten Spezialritualen gelegen, Fahnenappell usw., vor denen ich mich nur geekelt habe, oder an den Lehrern, die teilweise proletarische Gewaltnaturen waren, zumindest unfaßbar übergriffig ins private Denken und Leben hinein waren. Oder überhaupt an dem Kollektivismus, in dessen Sinne sie immer an einem rumzotteln wollten, einen niemals so genommen haben wie er ist. Oder es hätte an der Kriegs- und Bedrohungspopaganda gelegen, mit der die Kinder in der DDR unter einen speziellen Dauerstreß gesetzt wurden, und dem ich mich auch vonvornherein - insgeheim (Double-Bind ...) entzogen habe.

Aber nein. Viel später habe ich bei Rudolf Steiner gelesen, worin die tiefste Ursache für die Kafkaeske liegt. Sie liegt im Fröbeln. Man muß verstehen, welche Verheerungen Fröbel - damals noch mit großer Liebe zu Kindern und in bester Absicht - an den Kinderseelen angerichtet hat und bis heute anrichtet. Er hat aus dem damaligen materialistisch-mechanistischen Zeitgeist heraus all die lebensfremden, artifiziellen, vorgefertigten, konstruierten Elemente schon in die Kindergärten eingeführt. Von dort aus war es dann nur noch ein kleiner und folgerichtiger Schritt, die ganze Schule als lebensfremde, kinderfeindliche Institution zu begründen, gipfelnd im Abklatsch des französischen Polytechnikums wie an den Realschulen (der Begriff ein Orwellismus!) oder an den POS der DDR. Das Fröbeln ist darauf angelegt, im Kind möglichst die Phantasie zu ertöten, es soll als "kleiner Erwachsener" angesehen werden, prototypisch als kleiner Ingenieur. Im Schulgartenunterricht à la Fröbel geht es nicht um Pflanzen und schon gar nicht um z. B. deren Wesen, deren Kräfte, deren Signaturkunde, deren Sinnlichkeit, deren Schönheit. Es geht um Arbeitsorganisation und nicht zufällig ist die Haupttätigkeit das Pikieren (sic!). Damit hat Fröbel dem Marxismus vorgegriffen, für den das "gesellschaftliche Sein" das eigentliche Sein ist, und dessen Basis die Arbeit ist, die lt. Engels den Affen erst zm angeblichen Menschen mache.

Das Kind wird in diesen Kinderkasernen - zumindest heute zielgerichtet - aus dem "Seyn" herausgerissen und mit Arbeit bzw. zur Vorbereitung auf die spätere Arbeit (den Verkauf der Ware Arbeitskraft) dressiert, das ist der Kern der Misere.

Ich komme zum Thema. Im Kind regt sich bewußt oder unbewußt ein Widerstand gegen diese Oktroyation, und damit kommt der Teufelskreis in Gang, dessen Teil der Autoritätsverlust ist. In disem Teufelskreis, liebe Caroline, entschuldige bitte, oszillieren die Pädagogen dann nur noch zwischen den beiden - menschenkundlich absurden - Polen "autoritär" und "antiautoritär".

In diesem kollektiven Sog des toten, entfremdenten Geistes ist es schwierig, die Kinder im Leben zu halten. Meine Frau ist Hobby-Aromatherapeutin. Im Sommer ist unserer Küche ein einziges Laboratorium, es dampft, zischt, brodelt und es duftet das ganze Haus. Unsere Terrasse quillt über an Pflanzenpracht. Wir haben einen herrlichen Eichenwald hinter dem Haus, einen größeren Abenteuerspielplatz gibt`s gar nicht. Ich wandere z. B. jeden Abend, manchmal zehn Kilometer (und brauche übrigens keinen Hund zur Eigenrechtfertigung dafür). Im Kinderzimmer stehen Kinderbücher, die vor innerem Leben und Naturliebe strotzen. Wir vermitteln unserem Kind bei jeder Gelegenheit die Zugänge zu alldem, keineswegs mit irgendeinem Anklang an Sektiererei, mit reiner Freude. Aber oft hat die kleine viereckige "Kiste", in dem Fall mit irgendwelchen Glitzer-Shows (in unseren Augen nur Dreck ...), eine stärkere Anziehung und sie findet alles andere wie sie sagt "bio".

Dennoch beobachten wir, wie die doch auf ihre Art unseren Stil schätzt (was sie selbst nur ungern einräumt, es ist ein kleiner Privatkrieg) und sehr wohl aufnimmt, und was sie dadurch vielen ihrer Altersgefährtimnnen bereits heute weit, weit voraus hat, allein an lebendiger, plastischer Lebensanschauung. Die Früchte werden sich überwiegend später erst zeigen, bis tief in ihre physische Gesundheit hinein. (Und damit meine ich nicht mal, daß die nach unserem groben Überschlag etwa achtmal so weite Strecken zu Fuß läuft wie ein durchschnittliches Kind aus der Nachbarschaft, allein zu jedem schulischen und außerschulischen Unterricht, in die Bücherei usw. läuft die allein ins Dorf runter, teilweise dreimal am Tag, nix Chauffeur! Und was die dabei unterwegs an Beobachtungen macht, Erfahrungen sammelt, Bekanntschaften schließt, Geschenke bekommt, an Freiheit und Unabhängigkeit genießt ...)

(Die war mit sieben Jahren auch erst zweimal in ihrem Leben beim Arzt (außer Zahn- und Augenärztin), bei einer älteren Anthroposophin, die nichts als jeweils über eineinhalb Stunden (!) mit ihr alle möglichen kognitiven und sonstigen Tests gemacht hat, mit anschließender ausführlicher im besten Sinne menschenkundlicher Beratung. Kein weißer Kittel (mit dem ganzen damit verbundenen Selbstverständnis), keine High-Tech-Geräte, keine Arzneien, schon gar keine synthetischen, keine Laborproben, keine Blicke in alle Körperöffnungen, kein Messen und Wiegen, somit auch ganz sicher keine Prägung auf eine lebenslange Patientenkarriere. Und das Kind war noch nie (!) krank, hat in seinem Leben noch nicht mal einen kleinen Schnupfen gehabt.)

Hier komme ich auf die Geduld. Die Früchte pädagogischer Bemühungen sieht man oft erst sehr viel später, da sich das Kind selbst beim besten Vertrauensverhältnis nicht uneingeschränkt in die Karten schauen läßt - gut so! Aber man muß eben sehr langfristig denken und beobachten. Diese Gewißheit könnte wohl kein Lehrer in den üblichen "Lehrerkonferenzen" aussprechen, die soweit ich da Einblick habe, auf der Geschäftsgrundlage von Autoreparaturbetrieben tätig sind.

- G. G.

W. Wagner
10. Juli 2018 11:43

Liebe Caroline Sommerfeld,
zum Thema empfehle ich sehr den Gesprächsband zwischen Sebastian Hennig und Björn Höcke. Hätte es selbst nicht gedacht, wieviel dieser Band und dieser Mann zu sagen hat/haben. Da Höcke vor der Politik Lehrer war, wird auch das Thema Schule ausführlich besprochen. Vermutlich finden Sie - aber auch jeder andere Leser - zahlreiche Gedanken, die Sie für Ihr Buch gebrauchen können; außerdem ist Höcke ja auch Vater.
Viel Erfolg und herzlichen Gruß

Gustav Grambauer
10. Juli 2018 12:06

Hier die antiautoritäre Übersteigerung beim Oszillieren, in einem Propagandaschinken zur noch geschmeidigeren Durchsetzung des bayrischen Bildungsplans, dessen griechischer Initiator mich als Trojaner an den Prediger bei Harry und Meghan erinnert.

Dieser Bildungsplan hat offenbar die von Makarenko ausgehende Selbsterziehung des Kollektivs zur Ausgangsbasis, wie sie in den Zuchthäusern der DDR, bei der EK-Bewegung in der NVA usw. ihre Fortsetzung im Erwachsenenleben hatte, und wobei die Aufseher, Offiziere usw. und eben hier die Lehrer und Erzieher nur noch eher beobachtend im Hintergrund beleiben. Diese dunkle Seite der "freilassenden" Züchtung von kleinen Indigomobbern wird selbstverschtändlich verschwiegen. (Ausgangsbasis ist selbstverständlich auch wieder der marxistische Bedürfnispopanz.)

Man kann verstehen, wenn da der Ruf nach Form und Führung kommt. Aber Form und Führung werden bei der gegenwärtigen Population mit ihrem kollektiven Mind Set, die insbesondere kein inneres Freiheitsorgan herausgebildet hat, sowie innerhalb des gegebenen geistigen bzw. philosophischen Koordinatensystems nichts zum Besseren wenden. Schon gar nicht solange die Staatskrake wie überhaupt die Krake der institutionalisierten Ideologie die Einrichtungen durchdrungen hat.

Es steht alles auf dem Kopf. Zum Beispiel erdreistet sich dieser Unsympath im grünen Pullover und mit Ohrring davon zu schwafeln (z. B. ab 23:11), daß "wir wieder mehr Vertrauen in die Kinder haben müßten." Auf die Frage, ob ihm die Kinder eigentlich vertrauen, kommt der Orwellist nicht. Ich hätte dem Typen als Kind abgrundtief mißtraut.

Wer die die Kinderhölle auf antiautoritärer Seite sehen will, hier ist sie, Vorhang frei für "FUTURE KIDS" (Großschreibung nicht von mir) aus dem Münchner Rotweingürtel:

https://www.br.de/mediathek/video/campus-reportage-was-kinder-brauchen-av:5aa94c04ed86120018f9804a

Das Perfide ist: alle Anliegen haben ja ihre Berechtigung, sie werden nur ideologisch vereinnahmt und manipuliert - so wie die raffinierten Ideologen in die Lüge immer die Wahrheit mit einmischen.

Übrigens gibt es Kinderrechte, wie gern von UNICEF-Ideologen suggeriert, nicht im luftleeren Raum. Jedem Zugewinn einer Rechtsposition steht der Verlust einer anderen Rechtsposition gegenüber, in dem Fall der Verlust der Rechtsposition der Eltern, und zwar gegenüber dem Staat und den NGOs welche die die angeblichen Rechtspositionen der Kinder nur gegen die Eltern instrumentalisieren wollen. Ziel ist die völlige Auslieferung beider, der Eltern und der Kinder, an den Staat.

Auch herzliche Grüße!

- G. G.

Andreas Walter
10. Juli 2018 13:33

Guter und wichtiger Artikel, Frau Sommerfeld.

Wobei ich mich frage, ob man wirklich heute ohne Erklärung auskommt. Ob es wirklich einfach nur reicht, sich sicher (sich seiner Sache sicher, Selbstsicher) zu sein, um bei den Kleineren, und damit meine ich auch die Frau, Vertrauen zu geniessen (woraus sich ja automatisch Gefolgschaft ergibt).

Darum von mir noch ein weiterer Vorschlag:

In dem jetzt 10,5 Millionen (61,5 Millionen Wahlberechtigte mal 17%) von einem Tag auf den Anderen ihr Recht auf eigene Shulen, eine eigene Meinung und auch ihre Lehre einfordern.
An eigenen Shulen, mit einem eigenen Shul- und Lehrsystem.

Die "Alternativen" lesen hier darum hoffentlich mit, denn ihnen obliegt es, die frohe Botschaft an alle ihre Wähler zu verbreiten. Das wir uns die Freiheit jetzt einfach nehmen. Zu denken und zu sagen, zu glauben und zu lehren, wozu wir Lust haben, so wie es in den VSA schon immer üblich war.

Freedom of speech ist auch die Freiheit der Lehre.

Ohne beidem bleibt man aber dumm, unwissend, doch solche Leute gibt es schon genug in der Welt, sogar viel zu viele.

Um die Welt nämlich zu mehr Prosperität und damit auch zu mehr Frieden und zu einem Rückgang der Geburten zu führen brauchen wir möglichst viel Bildung, in jedem Winkel der Erde.

Nein, Herr Bundespräsident Steinmeier, denn auch Sie reden bereits wie ein totalitärer Herrscher, wie ein absolutistischer Monarch:

"Besonders in digitalen Medien drohe die „Grenze des Unsagbaren und des Unsäglichen“ zu verschwimmen, mahnte Steinmeier nun."

https://www.welt.de/politik/deutschland/article179008996/Bundespraesident-Asyltourismus-Steinmeier-mahnt-zu-mehr-Disziplin-in-der-Sprache.html

Ausgerechnet Sie sprechen jetzt plötzlich von Grenzen?

Die reissen wir jetzt einfach ein, so wie auch Sie unsere eingerissen haben. Wir haben auch als Minderheit Rechte.

Weltversteher
10. Juli 2018 15:10

Werte Frau Sommerfeld,
mir ist nicht klar, worauf hinaus Ihr Werk gerichtet sein soll. Es soll um Erziehung gehen, und gleichzeitig ganz vordergründig um Schulen - hm?

Freilich erziehen Schulen. Dabei kommt es auf die draufgesetzte Ideologie gar nicht sehr an. Sie formen junge Menschen darauf hin, folgsame Massenmenschen zu werden. (Abgesehen von den wenigen Prozent, die aufbegehren und frei denken. Anteil schwankt seit jeher nur geringfügig; kein "Ergebnis" der Schulen, sondern ein "Trotzdem".)
Häufig verfolgen die Eltern ähnliche Ziele. Die Kinder sollen Dinge lernen, die für ihre Eltern wichtig sind. Nicht nur Wissen, sondern auch Gepflogenheiten und Denkmuster. Dann ist ein Bündnis denkbar, und wo nun Schule und Eltern nicht die gleichen Inhalte mögen, kommt es zu dem von Ihnen angesprochenen Widerspruch. Bestimmte Eltern verlangen dann bestimmte Schulen.

Ganz anders doch da, wo zwischen den jungen Menschen einerseits und ihren Eltern, aber auch anderen Bezugspersonen ("Lehrern") andererseits, eine Beziehung besteht. Wo jeder auf seine ihm gegebene Art die Bedeutsamkeit seines Gegenübers erkennt und ein Interesse an ihm entwickelt. Die älteren Menschen interessieren sich für die Anlagen und Bedürfnisse des jüngeren Menschen. Der junge Mensch erkennt die tatsächliche Bedeutung der Fähigkeiten Älterer, und strebt danach, sie anzueignen.
Wie paßt in diese Beziehungen das, was wir als Schule kennen? Muß die Weitergabe von Fähigkeit und Wissen nicht auf eine ganz andere Grundlage gestellt werden, als sie im Rahmen der staatlichen Schulaufsicht (mit ihrer immanenten Normung) möglich ist?

Es gibt eine zunehmende Zahl von jungen Menschen, die ihrer Schulpflicht nicht mehr nachgehen und von Eltern und anderen Bezugspersonen dabei unterstützt werden. Wie und warum das geschieht, sollte auch Inhalt Ihrer Buches werden.

nom de guerre
10. Juli 2018 15:48

Was spricht denn dagegen, einem Kind (selbstverständlich altersentsprechende) Begründungen dafür zu liefern, warum es etwas nicht darf? Wenn das Ziel von Erziehung ist, ein einigermaßen glückliches Kind zu haben und dafür zu sorgen, dass dieses sich nach und nach zu einem zu eigenen Gedanken, eigenen Entscheidungen fähigen Erwachsenen entwickelt, sehe ich nicht, was an dem Satz "Ich kaufe dir keinen Lolli, weil davon deine Zähne kaputt gehen" anstelle von "Ich kaufe dir keinen Lolli, basta" verkehrt sein soll. Womit ich natürlich nicht meine, dass das jedes Mal aufs Neue ausdiskutiert werden muss/sollte. Wird es nicht anderenfalls auch als Erwachsener schädliche Dinge nicht deshalb unterlassen, weil sie eben schädlich sind, sondern weil irgendeine Autorität sie verbietet?

Fritz
11. Juli 2018 08:14

John Locke sagt in seinem Buch über Erziehung: Wenn man will das Kinder vernünftige Menschen werden, muss man sie als solche behandeln.

KlausD.
11. Juli 2018 09:19

Eine kleine Anekdote zum Thema. Am vergangenen Wochenende haben wir einen Ausflug nach Braunschweig unternommen, zwischen Stadtführung und Floßfahrt auf der Oker haben wir uns im sehr schönen historischen Magniviertel aufgehalten. Von unserem Tisch im Fußgängerbereich aus konnte ich beobachten, wie zwei Jungen im Alter von ca. 10 Jahren auf einem Denkmal herumkletterten und von oben herab in die Runde blickten. Die Mutter hat das Treiben nur über die Schulter zur Kenntnis genommen.
Beim Verspeisen meines Flammkuchens habe ich so überlegt, ob ich dieses doch eigentlich auch respektlose Verhalten meinem Sohn verboten hätte mit dem Ziel Erziehung zum Respekt vor Denkmälern (selbstverständlich incl. Erläuterung Sinn und Zweck des betreffenden Denkmals). Oder sollte man in solchen Fällen eher locker bleiben und den Kindern ihren Spaß lassen ...

http://statues.vanderkrogt.net/object.php?webpage=ST&record=dens081

Columbanus
11. Juli 2018 11:00

Die beschriebene Unsicherheit, der Laisser-faire-Ansatz und das Nicht-Führen-Wollen sind tatsächlich eine weit verbreitete Plage, gerade im eher linken bildungsbürgerlichen Milieu. Imdem einem dies klar wird steht man aber in der Gefahr, statt der einen Haltung, die ja ein Extrem ist, die andere zu bevorzugen, die ebenso ein Extrem und leider genauso verkehrt ist. Das Richtige liegt allerdings nicht einfach dazwischen, aber dort ist ein guter Ausgangspunkt für den richtigen Weg. In der Lage zu sein, etwas "zu setzen" ist ohne Zweifel eine wichtige Grundlage in der Erziehung, ich würde es an sich aber noch nicht als ihr "Lebenselexier" bezeichnen. Es kommt darauf an, dass der Erwachsene für das Kind eine Autorität sein kann. Dann kann ich das Kind auch einfach mal lassen, oder auch, wenn es erforderlich ist, ihm in autoritärer Weise sagen, was Sache ist. Für das Kind eine Autorität sein bedeutet auch, dass das Kind Vertrauen zu mir haben kann, dass ich weiß, was jetzt das Beste ist. Es macht aber auch die Erfahrung, dass ich Vertrauen zu ihm habe, dass es Dinge vor allem aus sich heraus lernt, und nicht weil ich sie ihm eintrichtere. Sinnvolles autoritäres Erziehen braucht eben eine Grundlage, die in der Persönlichkeit des Erwachsenen liegt. Sonst kann sie einem Kind entweder Schaden - auch schweren Schaden - zufügen, und/oder beispielsweise den Lehrer seiner wirklichen Autorität berauben, ihn für das Kind im Extremfall aber auch zum Hassobjekt machen. Die "gute Autorität" unterscheidet sich davon wie der Tag von der Nacht.

Alveradis
11. Juli 2018 12:06

Gustav Grambauer,

gerade freue ich mich, dass ich meinen ersten geplanten Kommentar nicht abgeschickt habe, denn Sie haben so viel runder und tiefer geschrieben als es mir gelungen wäre und mir obendrein beim Lesen eine große innere Freude bereitet.

Sie erwähnen Makaenko und da fällt mir natürlich der US Bildungstheoretiker John Dewey ein, der sich Anregungen aus der Sowjet Union holte und diese in die amerikanische Gesellschaft hinein trug und so, über diesen Umweg rein gewaschene marxistische Theorie als "Demokratieerziehung", nicht lange nach dem Mauerfall wieder über den gerade "Befreiten" ausbreitete. "Demokratieerziehung" - wer unter diesem Schlagwort sucht bekommt das kalte Grausen. Aber auch der Einfluss der Psychotherapie auf den inzwischen globalisierten Bildungs- und Erziehungssektor kann man erwähnen, Marshall Rosenberg ist da ja nur ein Name unter vielen. "Global Change" als ideologisches Konzept bis in die letzte Kita, das letzte Kinderköpfchen hinein.

Insgesamt ist diese Verschmelzung der auf übernationaler Ebene ausgewählten und bildungspolitisch Richtung gebenden lerntheoretischen, psychologischen, psychoanalytischen, soziologischen und philosophischen Schulen, verbunden mit der Psycholinguistik und der Hirnforschung erschreckend und meist wird (wenn überhaupt) erst bemerkt, dass absolut Fremdes in Schulen und Kindergärten eingespeist wird, wenn die Entscheidungen getroffen und in die Bildungspläne eingespeist wurden, wie eben diese sich stets den neuesten Vorgaben anpassende "Demokratieerziehung" die auch "Erinnerungskultur ", "Toleranzerziehung" etc. beinhaltet. Strukturen und Einspeisung gleichen denen der Agenda 21. Was man hauptsächlich wahrnimmt, sind die abstrusen Inhalte aber die Methoden sind vielleicht ein sogar noch wichtigerer Teil, da sie ja alle gewünschten Veränderungen der Wahrnehmung und des Verhaltens fast ungreifbar bewirken sollen.

"Lernumgebung", auch so ein Begriff, hinter dem sich so viel "therapeutisch" theoretische Manipulation versteckt.
Eine Menge Anregung und Information zum Thema findet sich bei "Invisible Serfs Collar". Hochinteressant ist auch die Debatte über "common core" in den USA. Common core soll nach dem Willen eines leitenden Entwicklers, David Coleman, das "White Privilege" im US Bildungssystem abbauen.

Da hab ich wieder so einen Zettelkasten ausgeschüttet.

Noch mal Danke für die Kommentare Herr Grambauer - so was Schönes und Gutes ist dringend nötig immer mal zu lesen, um nicht völlig zu verzweifeln. Ich verliere gerade auch bei diesem Thema sehr schnell die innere Ruhe, die so wichtig ist!

Utz
11. Juli 2018 13:55

Da Sie nach Erfahrungen fragen, hier eine lose Sammlung meiner Erkenntnisse eine langen Erziehungstätigkeit mit eigenen Kindern und denen, mit denen ich es im Beruf zu tun hatte. Ich versuche das in Thesen zu fassen.

1. Erziehung zu Mut funktioniert schlecht über Freiheit, aber besser über Unterdrückung.

Viele Erziehungsratgeber meinen eine autoritäre Erziehung formt feige Kinder. Meine zehn Jahre Erfahrung in einem Internat sagen etwas anderes. Wir wurden unterdrückt, es gab sehr strenge Regeln. Emotionale Zuwendung? Minimal! Wie vielleicht auch in autoritären Staaten war für uns die Obrigkeit der Feind. Wir rebellierten, planten, gingen quasi in den Untergrund und schafften uns heimlich jede Menge Freiheiten. Es blieben die Erkenntnisse: man muß kämpfen, es gibt immer einen Weg und wir sind Helden. Im Gegensatz zu Kindern, die zuhause erzogen wurden, hatte das Internat gar nicht die Möglichkeit, von der Setzung abzuweichen und Gespräche zu suchen, das wäre ineffektiv gewesen. Was mich zum zweiten Punkt bringt.

2. Wer sich selbst den Zwang versagt, ist viel stärker versucht dafür auf Manipulation auszuweichen.

Eltern, die auch Zwang verzichten, haben trotzdem eigene Wünsche an ihre Kinder. Die versuchen sie dann anders zu erreichen. Dagegen kann sich ein Kind schlechter wehren, weil der auch häufig mit moralischer Erpressung einhergeht. Natürlich ist es trotzdem meines Erachtens ein gutes Ziel, wenn man als Eltern versucht, weniger Ziele zu haben. Konkret:

3. Zwischen laissez-faire und autoritär: fast alles machen lassen und einige Dinge unbedingt fordern.

Die meisten Kinder in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, sind nicht erzogen worden. Das heißt, es wurde ihnen außer ora et labora nichts beigebracht. Weder Tischmanieren, noch Höflichkeit, noch sonst irgendwelche Taktiken, wie man gut durchs Leben kommt. Dafür gab es, wenn es grad keine Arbeit gab, viel Freiheit. Die Bauern - die meisten Leute waren Bauern - haben ihre Kinder erzogen wie Katzen ihre Jungen: wenn's zuviel wurde, bekam man ohne Ansage eine gewischt. Die Erziehungsziele lassen sich schnell aufzählen: die christlichen Gebote befolgen, arbeiten, nicht frech sein (das ist das einzige Gebot, das nicht im Beichtspiegel steht; es gibt schließlich nicht nur Vater und Mutter). Alles in allem war diese Vorgehensweise nicht die schlechteste.

4. Kindergärten sind schädlich.

So wie es für den Heranwachsenden die Möglichkeit geben muß, sich zu reiben, sich zu erproben, so brauchen Kleinkinder Freiheit. Eine Erfahrung wie sie auch Gustav Grambauer beschrieb, daß man streunen kann, ohne Anleitung etwas ausprobieren kann, das ist unersetzlich. Im Freien wird zudem so etwas wie Natur- und Heimatverbundenheit angelegt. Kindergärten sind schon so etwas wie Manipulationsanstalten.

5. Kinder müssen lernen Langeweile auszuhalten.

Das ist für mich eine enorm wichtige Aussage. Egal wie wenig Anregungen ein Kind in seiner Kindheit hatte, es wird als Erwachsener kaum sagen: ich habe mich meine ganze Kindheit gelangweilt. Das Kind wird sich etwas suchen, es wird sich entwickeln. Man darf die Entwicklung nicht durch ein Trommelfeuer von immer neuem Zirkus, den man veranstaltet, stören. Man muß dem Kind zumuten, daß es zur Besinnung kommt.

6. Erziehung geht nicht, ohne daß man ein Kind betrübt.

Das heißt, manchmal geht es vielleicht schon, es gibt Ausnahmekinder. Aber es geht nicht, ohne daß man als Eltern bereit ist, das Kind zu betrüben. Das ist das, was Sie Frau Sommerfeld als unreifes Verhalten beschreiben und was leider allerorten anzutreffen ist. Diese Leute sagen: Wenn es mein Kind unglücklich macht, ist es falsch, denn schließlich weiß mein Kind doch selbst am besten, was gut für es ist, und außerdem will ich daß alles schön und friedlich ist. Sie sagen dann auch: Wenn die Migranten in unser Land wollen, dann muß man sie lassen, denn sonst sind sie unglücklich und böse auf uns und wir sind schlechte Menschen. Man muß sich seiner Güte, seines Gutseins, sicher sein, sonst wird man Opfer eines haltlosen Kindes.

quarz
11. Juli 2018 16:58

@Bettinger
"In der Feuerzangen-Bowle gab es diesen jungen, eher leisen, nie unfairen, nie tricksenden, aber ungemein respektierten Lehrer, der auch streng werden konnte, es aber selten musste."

Mir kam der immer ziemlich farblos-glatt vor (wie der vierte der Marx-Brothers) und auch schematisch dem NS-Zeitgeist angepasst, wie er den "Dampfmaschin"-Kollegen arrogant zum Buffo degradiert und riefenstahlsche Forschheit einmahnt.

Und prompt finde ich bei Wikipedia:

"Als merkliche Konzession an die NS-Zeit wurde Spoerls Oberlehrer Dr. Brett ins Straffe und Schneidig-Scharfe verschoben (nicht von Spoerl selbst, der mit der Bearbeitung seines Drehbuchs unzufrieden war, sondern vermutlich von Rühmann)"

Aber vielleicht haben Sie sich ja auf das Buch bezogen, das habe ich nie gelesen.

Weltversteher
11. Juli 2018 20:16

Werter Utz,
es ist gut, daß Sie so anschaulich und beispielhaft schildern. Gerade zu Ihren ersten drei Punkten aber möchte ich Ihnen mitteilen, daß das, was Sie schlüssig finden mögen, keineswegs offensichtlich ist. Von Ihrer Warte aus scheint es leicht, für das Elend der Gegenwart "die anderen" verantwortlich zu machen, zumal jene sich selbst, als Erfolg, diese Wirkung zuschreiben.

Glauben Sie denn aber wirklich, mit Ihren Beispielen eine bessere Welt zu beschreiben, selbst wenn es (einst) so war und (meinetwegen) irgendwie gepaßt hat? Man könnte z. B. auch darauf kommen, daß aus Beispiel (1) ziemlich kaputte Typen hervorgehen, auch wenn sie nach bestimmten Konventionen "gut" zu sein scheinen. Für solche Typen mag Beispiel (2) gelten - für andere nicht, was Sie sich aber vielleicht gar nicht vorstellen können. Man kann auch mit Kindern leben, ohne eigene Wünsche auf sie zu projezieren.
Ihre drei Tugenden in Beispiel (3) schließlich, die Sie "unbedingt fordern" würden, sind eine Sklavenmoral. Wem nützt es, Kindern diese zu vermitteln?

Utz
11. Juli 2018 22:27

Ich denke nicht daß früher alles besser war, und ich bin durchaus in der Lage einiges an den alten Zeiten zu hinterfragen. Nur gerade die "Sklavenmoral" in dieser Zeit sehe ich nicht. Meine Schüler heute sind die freiesten Menschen, die man sich vorstellen kann, und trotzdem sind sie eingesperrt ohne Ende. Mut fehlt ihnen an allen Ecken und Enden. Sie haben von klein auf gelernt, daß man für den Erfolg dieses und jenes opfern muß, daß man angepaßt sein muß, und daß manm um ein moralisch hochwertiges Leben zu führen, hunderte von Regeln einhalten muß. Sklaven halt! Trotzdem fühlen sie sich frei und mutig. Sie schreien "refugees welcome" und denken damit seien sie mindestens Freiheitskämpfer vom Range eines Che Guevara. Allerdings verläßt sie der Mut, sobald sie nicht mehr die Mehrheit hinter sich haben.

Waldkind
11. Juli 2018 23:27

Ich teile voll und ganz die Positionen / Erfahrungen von Utz.

Sklavenmoral ist übrigens mitnichten Produkt eines Erziehungsstils, der Grenzen setzt. Sie ist, zumindest bei Nietzsche, eine Auffassung, die das Schwache, das Mittelmäßige, das Bequeme zu positiven Werten umdeutet. Unter Jugendlichen / Schülern sind das eben mitunter genau diejenigen, die Utz als Willkommensklatscher anführt.

In meinem pädagogischen Tagesgeschäft stelle ich immer wieder fest:
- Jugendliche wollen Grenzen und honorieren das Setzen solcher mittelfristig auch,
- man muss sich dieses Setzen aber auch selbstbewusst anmaßen ohne Angst vor Protest.
- man muss für die Jugendlichen eine Autorität darstellen, dann kann man autoritativ, aber auch autoritär handeln.
- dabei muss man authentisch sein und kann sich nur bedingt solche Fähigkeiten erarbeiten (auch eine der aktuellen Lügen in der Lehrerbildung, wenn auch eindrucksvoll z.B. in der Metastudie von John Hattie widerlegt).
- zur Authentizität gehört fachlich die eigene Leidenschaft zum Subjekt, pädagogisch das ehrliche Interesse am Zögling, an seinen Interessen und Potenzialen.
- das Verhältnis von Erzieher zu Zögling ist grundsätzlich von einem asymmetrischem Vertrauensverhältnis geprägt. Im Rahmen des Möglichen (ja, diesbezüglich darf, MUSS der Erzieher sich immer selbstkritisch hinterfragen) muss man auch mal loslassen können, ohne dafür Anerkennung geschweige denn Vertrauen von Zöglingsseite erwarten zu dürfen.

Praktisch bin ich zweiwöchentlich gezwungen, einer Disziplinierungskonferenz beizuwohnen, in der überwiegend sklavenmoraline Kollegen versuchen, von ihrer Vorstellung abweichende Schüler zu strukturell zu disziplinieren, lieber noch zu manipulieren (was nicht notwendig gewesen wäre, hätten die entsprechenden Kollegen die erforderlichen erzieherischen Maßnahmen beizeiten getroffen).

Nicht zufällig sind dies häufig Schüler aus anderen Kulturkreisen; und ja, es fällt mir dann häufig schwer, meine Sympathien für solche "Querulanz" zu verhehlen.

Gustav Grambauer
12. Juli 2018 10:21

Sklavenmoral, muß etwas weiter ausholen:

Manchmal blitzt in der Diskussion die Suche nach allgemeingültigen und für alle gleichen Lösungen nach dem Muster der marxistischen Vergesellschaftung durch.

Bin kein Freund des oligarchischen Prinzips, aber ein Freund des Spruchs "Man muß die Leute immer da abholen, wo sie stehen". Man sollte mit den Leuten auch nur in der Sprache reden, die sie verstehen.

Habe mal in irgendeinem Museum ein Protokoll von der Vereinssitzung irgendeines Arbeitervereins etwa aus der Zeit des WK-I gesehen, es waren Unterschriften in wunderschöner, stringenter, ausgeprägter, von Willenskraft und zugleich Harmonie zeugender Handschrift darunter gesetzt. Man schaue sich mal die graphologischen Selbstzeugnisse der heutigen Generationen, auch der Akademiker, an! Wieviel Pudding sieht man da! Wieviele Ich-Lose-Wesen, Heuschrecken!

Ein Freund von mir sagt immer, wie man die anfassen sollte: "in christlicher Liebe aber mit ahrimanischer Strenge".

Könnte in der heutigen Zeit kein Pädagoge sein, ich würde die Kinder je nach dem, was sie meiner (!) Ansicht nach brauchen, so drastisch "ungleich" behandeln ("diskriminieren" - Pfui!), daß ich in so einer Einrichtung innerhalb meiner ersten Stunde gleich wieder in hohem Bogen rausflöge.

Wäre heute eigentlich ein Freund von Schulen für unsere (!) Kinder, wo vonvornherein nicht darauf geschaut werden müßte, was der Pudding über seine Fachanwälte für Verwaltungsrecht mitteilen lassen könnte oder was für Klein-Achmed aus dem Analphabetenclan gut wäre.

In Bezug auf Klein-Achmed bringt das System diese Haltung ja allein dadurch selbst zum Ausdruck, daß der obige Streifen vom Bayrischen Rundfunk am Starnberger See und in der Münchner Innenstadt gedreht wurde. Auch die Macher dieses Films wissen ganz genau, daß die Pädagogen in Hasenbergl vor völlig anderen Problemen stehen, für die sich nicht mal interessieren.

(Hasenbergl kriegt diesen vor "Kinder-Basisdemokratie" ja strotzenden Bildungsplan übrigens, ob es will oder nicht, von der Zentrale vorgegeben; auch diesen Zynismus, diese Gehässigkeit, diese Verlogenheit, sollte man sehen wenn man den Streifen anschaut.)

Weiß selbstverständlich um die institutionelle Unmöglichkeit, aber in der Tendenz wäre ich für den knallharten Nachvollzug der - bereits ja gegebenen - Apartheid; nicht nach Geldbeutel, nicht nach Leistungen sondern nach Temperament (gern auch nordisch - südländisch) und Persönlichkeitskultur, wohin z. B. die strikte Separierung von musischen und sportlichen Kindern der erste Schritt wäre.

Fazit: und in den höheren Klassenstufen der höheren Apartheid-Segmente könnte ein völlig anderer Blick auf das Wesen der Moral, von dem die anderen besser gar nichts erfahren, erarbeitet (!) werden, etwa mit Steiners "Philosophie der Freiheit" als Arbeitsmaterial. Quod licet ...

---

Alveradis, allerbesten Dank!

- G. G.

MartinHimstedt
12. Juli 2018 10:22

Zum Haupt-Thema des Buches kann ich, mangels Vaterschaft, nichts beisteuern. Tangierend kann ich jedoch darüber berichten, wie es mir als Kind an mehreren Problemschulen ergangen ist.

Muslimische Flüchtlinge gab es damals auch schon, genau so wie eine türkische Mehrheit – und eine deutsche Minderheit. Diese Leute wussten bereits im Kindergarten (wohl von ihren Eltern) – und nachfolgend in Grund- und Hauptschule – ganz genau, welche Knöpfe sie bei ihren Altersgenossen und den Lehrern drücken müssen: Nazi-Keule (ich war ein Kind und wusste nicht mal, wer die Nazis waren!), Rassismus-Vorwürfe gegenüber Lehrern, Gewalt gegenüber Deutschen. Allah ist der Größte, Jesus ohnehin Moslem – und heute dann die White flight, wo es finanziell möglich ist (beziehungsweise der Gastschulantrag), der heute selbst zu Eltern gewordenen ehemaligen Mitschüler.

Wenn ich also was beisteuern kann, so hat der Bademeister meine E-Mail-Adresse.

Franz Bettinger
12. Juli 2018 12:15

@Waldkind: John Hattie, ja, ganz recht!
Das beste pädagogische Mittel sind Feedbacks, das heißt positive und negative Rückkoppelungen des Erziehers (Eltern, Lehrer), anders gesagt: Lob und Tadel. Und dazu gehören Schulnoten. Wo Feedbacks in gleichmacherischer, wennauch gut gemeinter Absicht ausbleiben, entsteht Desinteresse, Gleichgültigkeit und Unsicherheit. Fundiert analysiert und bewiesen hat dies der Neuseeländer Prof. John Hattie in einer weltweit sehr beachteten Studie ("Hattie-Studie"), die er 2008 in seinem Buch "Visible Learning" präsentierte. Er verglich die Einfluss-Faktoren auf Schüler-Leistungen und legte unter anderem dar, dass es stark auf die Erziehungsperson und hier wiederum auf deren Feedbacks ankommt und kaum auf die von Linken so betonten, finanziellen Lehrnmittel oder den Arm-Reich-Hintergrund. John Hattie räumte gründlich mit manchem Vorurteil auf.

Andreas Walter
12. Juli 2018 13:00

Verstehe allerdings nicht, wass daran so schwierig sein soll, Kindern bestimmte Dinge beizubringen, ihnen zu erklären.

Ab einem gewissen Alter verstehen sie doch alles, mit Ausnahme der Dinge, die sich erst in der Pubertät entfalten.

"Jesus war zwölfjährig, als er im Tempel die Gelehrten beschämte." Hermann Hesse

Verstehen tun daher auch Kinder nur die Dinge nicht, die auch Erwachsene nicht verstehen, oder verstehen wollen. Weil sie die Wahrheit nicht hören, nicht wissen wollen (wissen sollen).

Ich wäre heute froh, mein Opa, der "Nazi", hätte mich mal zur Seite genommen und mir ein paar Dinge erklärt. Vielleicht war es aber auch gut so, dass ich alles unabhängig und in mühevoller, jahrelanger Kleinarbeit selbst entdeckt habe.

Dann ist übrigens auch der Schock nicht so gross, wenn man die Wahrheit immer nur Stück für Stück und in kleinen Dosen verarbeiten, verdauen muss. Das Lachen ist mir trotzdem in den letzten 10 Jahren nicht vergangen, wissend, dass auch der Herr der Fliegen, der Finsternis und der Lügen niemals über die ganze Welt und Menschheit siegen, herrschen wird.

https://www.youtube.com/watch?v=lDk_Rso5Tjk

EJuLpz
13. Juli 2018 01:26

Eine kleine DDR-Geschichte: Die Jahre 1984-87 verbrachte ich nach dem Abitur halbfreiwillig bei der Nationalen Volksarmee. Dort lernte ich einen zehn Jahre älteren Herrn, also Anfang 30 kennen, den die Staatsorgane zum Reservistendienst verdonnert hatten, obwohl er Vater dreier kleiner Kinder war. Infolge eines schrägen Zufalls freundeten wir uns an, und wenngleich mir zu jener Zeit als fast noch Halbwüchsigem Triebabfuhr wichtiger war als Kindererziehung, fragte ich ihn, wie er jene denn gestalte. Die Antwort lautete: "Wieso erziehen? Wie leben mit unseren Kindern." - Das Ehepaar und die Kinder lebten in einem mühselig und über Jahre zu rekonstruierendem Weinbauernhaus aus dem späten 17. Jahrhundert, quasi auf einer Dauerbaustelle, und sie lebten wirklich zusammen. Unperfekt, bewegegungsfrei in Haus, Hof, Garten und Natur; humorvoll, aber mit klaren Ansagen: "Ruhe im Karton!" kam mit Heiterkeit UND Bestimmheit daher; wenn die süßen Wänster es beim ersten Mal nicht verstanden, dann in der nachdrücklichen Wiederholung. "Setzungen" ergaben sich daraus, aber nicht aus der Verweigerung von Begründungen. Kein Kind besuchte den Kindergarten; gegen erhebliche gesellschaftliche Widerstände blieb die Frau zuhaus, ohne "Hausfrau" zu werden, eher war sie die lächelnde, kluge, wenngleich hintergründig besorgte Beobachterin der Abenteuer Ihrer Kinder. – Falls es einen Fernseher gab (ich weiß es nicht mehr), so spielte er keine Rolle. Im sommerabendlichen Garten floß der eigene Wein, die Kinder waren dabei oder auch nicht. Wo auch immer sie waren, sie trudelten nach der Herumräuberei wieder ein und hockten sich zu den Alten, die "Friday Night in San Francisco" oder etwas leiser Biermann hörten oder sich zu Franz Fühmann austauschten, oder machten ihr eigenes Ding. Der Gast durfte dann dem Jüngsten als Gutenachtgeschichte noch "Ach wenn mir doch gruselte" erzählen. - Die Kinder wurden stark, besonders, eigenständig. - Seit einigen Jahren haben wir uns leider aus den Augen verloren, zu irgendwelchen weltanschaulichen Verortungen kann ich nichts sagen, und es scheint mir auch unwesentlich. Aber ich glaube, daß die Rangen ihr Herz auch jetzt noch auf dem rechten Fleck haben werden. Die Alten haben es vorgemacht. – Derweil ist mein eigener Sohn 29 Jahre alt. Dem Satz meines Reservisten-Freundes "Wir leben mit unseren Kindern" versuchten meine Frau und ich zu folgen. Mein Sohn ist jetzt einer meiner liebsten und zuverlässigsten Freunde.

HenningK
14. Juli 2018 20:15

Als unumgängliche Lektüre für dieses Thema verweise ich auf Friedrich Schleiermachers "Pädagogik", die er unter Minister Humboldt ausarbeitete und die seit kurzem in einer Neuausgabe vorliegt. Gerade auch was den Bereich der Lehrerqualifizierung betrifft, staunt der Leser darüber, wo wir einmal schon gewesen sind - und womit wir uns heute zufriedengeben. Bemerkenswert zum Beispiel die Episode mit dem berühmten Turnvater Jahn.

Hier die Daten aus der Deutschen Nationalbibliothek:
Schleiermacher, Friedrich: Kritische Gesamtausgabe
Teil: 2. Abteilung., Vorlesungen / Band 12., Vorlesungen über die Pädagogik und amtliche Voten zum öffentlichen Unterricht / herausgegeben von Jens Beljan u. a. / Berlin 2017.
http://d-nb.info/1105060659

KlausD.
15. Juli 2018 10:30

Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt beim Thema Erziehung dürften die im jeweiligen gesellschaftliche Umfeld üblichen Regeln zum Zusammenleben sein. Auf diesen Umstand wurde ich kürzlich zufällig in folgenden zwei Fällen aufmerksam. Zum einen im Buch Preußen – Geschichte eines Königreiches von Uwe A. Oster, der auf Seite 150 König Friedrich II. zitiert:
„ … Ein Mensch kann sehr tugendhaft sein, ohne an die absurden Fabeln zu glauben, die ihm Betrüger im schwarzen Gewand erzählen. Es genügt, sich selbst zu achten und in allen Lebenslagen sich dieser bewundernswerten Maxime zu erinnern: Tut den anderen nicht das an, was Ihr nicht wollt, dass man Euch antut.“ (Friedrich zitiert damit Christian Thomasius, für den dieser Satz die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens auf Basis des Naturrechts war.)
Der zweite Fall betrifft das Gespräch zwischen Michael Friedrich Vogt und Frank Stoner im Video „Die Venedig Verschwörung“ (Quer-Denken.TV), in dem insbesondere von Minute 43 bis 48 dargelegt wird, daß durch die historische Verschiebung des Machtzentrums von Venedig nach Nordeuropa (Amsterdam, London, später dann USA) das Seerecht und damit die nihilistisch-materialistische Weltanschauung auch auf Kontinentaleuropa Einfluß gewonnen hat (und weiter gewinnt). Was zwangsläufig Auswirkungen auf das menschliche Zusammenleben hat und damit bei der Erziehung zu beachten ist, hier nur die Stichworte „Täuschung“ im Gegensatz zu „Aufrichtigkeit“ ...

Caroline Sommerfeld
18. Juli 2018 10:31

In die Runde der Kommentatoren ein herzliches Dankeschön. Ja, mit Ihnen kann man arbeiten.
@Alveradis: den Dewey hatte ich als besonderes Scheusal schon erwähnt, wird jetzt gern - da haben Sie den Punkt getroffen - von linken Erziehungswissenschaftlern hervorgeholt, um ja nicht offen marxistisch zu sein.
@Grambauer: oh wei Fröbel. Das ist dasselbe Problem, das ich mit Montessoris "vorbereiteter Umgebung" habe. Und das mit dem Schwanken zwischen "autorität" und "antiautoritär" wie die Hälmchen im Winde müssen Sie mir noch mal erklären. "Autoritär" ist nicht das hufeisentheoretische Gegenextrem zum völlig widernatürlichen "Antiautoritären", denke ich.

@cacatum:
"Wann ungefähr ist die Veröffentlichung geplant?"
Wenn ich richtig gut bin, zur Buchmesse, aber ich will auch nichts übers Knie brechen, das wohlüberlegt sein will.
"Können Sie einen kurzen Ausblick auf den Inhalt geben?"
Hab ich oben getan.
"Wird es sich um eine Abhandlung zur Mentalitätsgeschichte der Pädagogik handeln, oder soll Ihr Werk auch Ratgeberfunktion haben?"
Exakt beides!
"Erfährt man etwas über Kindererziehung in den Zeiten noch vor der Reformpädagogik?"
Nur indirektermaßen, Ausnahme: Rousseau, der Vater so einigen Übels.
@weltversteher:
"mir ist nicht klar, worauf hinaus Ihr Werk gerichtet sein soll. Es soll um Erziehung gehen, und gleichzeitig ganz vordergründig um Schulen - hm?"
Es soll nicht zentral um Schulpädagogik oder Bildungspolitik gehen, nur symptomatisch und en passant. Die Reformpädagogen sind bloß auch Schulgründer und daher mittelbar wirksam auf Eltern in der Rezeption über Ratgeberliteratur, Kindergärten, Therapeuten, Medien. Mich interessiert ihre pädagogische Anthropologie, aus der sich für die elterliche Erziehung (darum geht's in meinem Buch) wesentliches entnehmen läßt.

Gustav Grambauer
19. Juli 2018 23:54

Frau Sommerfeld

Habe mich nicht klar genug ausgedrückt. Meine das Oszillieren von "autoritär" und "antiautoritär" in Programmen, Programmatiken, Erziehungsdoktrinen sowie im Anspruch der Objektivität (dessen womögliches Mißverständnis ggf. zu klären wäre), wie in

"Es ist die aus dem (!) Erwachsenen als dem (!) reiferen Menschen ..."

(- die beiden Ausrufezeichen sind von mir) in dem Petersen-Zitat. Oder wie in

(abwertend:) "Die Werte, Verantwortungen, no-gos und Grenzen bleiben aber grundsätzlich: höchstpersönliche. Weil ja jedes Elternteil ganz individuell drangeht und man ja niemandem 'Vorschriften machen kann', weder den Eltern noch den Kindern. Irrtum, Führung ist objektiv."

Das Spielzeug soll also nicht 'vorgefertigt' sein, wohl aber der Rahmen der Führung?!

Ich für meinen Teil erziehe mein Kind nicht nur höchstpersönlich sondern darüber hinaus auch konsequent situativ bezogen. Eine Situation erfordert Autorität, eine andere, vieleicht nur ein paar Sekunden später, das Gegenteil. Das kann soweit gehen, daß ich sogar in einunddemselben Moment zugleich autoritär und antiautoritär bin. Ich mache beispielsweise oft mit dem Kind ausgiebigen Schabernack, aber baue in diesen Schabernack zugleich deutliche Signale der Strenge ein. Nehme für mich in Anspruch, daß auch das eine Art von Führung ist.

Erziehung ist Kunst, und alle großen Künstler haben die Dynamik des Spannungsverhältnisses von Strenge und Freiheit zur Arbeitsbasis gehabt. Ich glaube, es war Beethoven, der dies für sich auch ausdrücklich so benannt hat.

---

Hier ein gerade diese Woche veröffentlichter Essay zum Thema. Um es offen zu sagen: er ist aus einer sehr unguten eigenen Seelenlage des Verfassers (moralische Selbstüberhöhung in der Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-Dichotomie bei starkem Profilierungs- und Rechthaberdrang, infolge seinerseitige Unfähigkeit, irgendjemandem auf Augenhöhe mit ehrlicher Absicht zur Zusammenarbeit zu begegnen) heraus geschrieben, kenne den Autor:

http://www.pelagius.de/index.php?id=158

Habe deshalb gezögert, den Essay hier zu verknüpfen, aber er verweist auch wieder auf das Problem der marxistischen Vergesellschaftung und sogar Retortisierung aller Probleme und Betrachtungs- bzw. Herangehensweisen. Man reibt sich die Augen, wie damit sogar aus der Anthroposophie ein geistiger Kerker gemauert werden kann. Dies zeigt sich allein in der penetranten Verallgemeinerung, die den Essay vom ersten bis zum letzten Buchstaben durchzieht. Er sagt z. B. "ein gut erzogenes Kind ist heute so selten wie eine Sechs im Lotto" und es fällt ihm nicht mal auf, daß er damit nur seine eigene Schmoll-Ecken-Projektion auf die Welt für allgemeingültig erklärt. Ich für meinen Teil sehe jeden Tag in manchen kleinen Freundinnen und Freunden meiner Tochter (- manchen -, es gibt selbstverständlich auch andere) exzellent erzogene Kinder mit geradezu aristokratischem Auftritt, die übrigens durchaus da wo`s hingehört auch verwöhnt werden. Die, die ich meine, sind durchaus kleine Prinzessinen und Prinzen, aber frei von den geringsten Anflügen der Tyrannensucht. Die beste Freundin meiner Tochter, sieben Jahre alt, aus dem Tessin, hat das Gebaren einer kleinen italienischen Donna, so fein, diskret und angenehm im Umgang, immer heiter, großzügig und hilfsbereit. Und die hat uns neulich die Kosenamen aufgezählt, die ihre Eltern ihr geben, die Aufzählung hörte kaum auf! Bei einem Bub auch etwa in dem Alter hier in der Nachbarschaft, auch sehr klare und aufgeräumte Ausstrahlung, freuen wir uns immer ganz besonders, wenn wir ihn treffen und ein paar Worte mit ihm austauschen. Er beschützt immer die Kleinen, so daß wir immer sagen: "C. ist ein Ritter". Meine Frau sagt auch gern "Aus dem wird mal ein Staatsmann!". Und der wurde noch im Alter von vier Jahren von seiner Mutter in der Öffentlichkeit so verschnmust, daß es schon auffällig war! Könnte eine ganze Liste draus machen.

Habe noch keine einzige Seite irgendeines Erziehungsratgebers gelesen; wenn, dann zum Studium der Indoktrinationsmechanismen weil dies mein Steckenpferd ist, aber sonst existiert dieser Industriezweig für mich nicht. Bin somit in keiner Weise auf einen vorschablonierten Erziehungsstil festgelegt, auch nicht auf den von Steiner. (Oh, wir machen vieles ganz anders auch als er es empfehlen würde!)

Insbesondere hat eben nicht jeder die Probleme, die Kevin & Chantal oder auch andere dekadente Schichten mit ihren Indigo-Goofen / Indigo-Wänstern haben. Gehe davon aus, daß die meisten Leser hier bei SiN die in dem Essay geschilderten Probleme von ihren eigenen Kindern her gar nicht kennen. Und auf der Ebene sollte das hier vielbeschworene Grenzen-Setzen vollzogen werden. Setzen wir erstmal Grenzen indem wir deren Probleme nicht an uns heranlassen. Ist dies einigermaßen gelungen, so kann man auch dazu übergehen, andere aus dem Problemsumpf herauszuholen. Aber bitte ohne für allgemeinverbindlich erklärte Programme und Doktrinen und ohne die marxistische Fiktion der sogenannten Objektiven Realität.

- G. G.

Maiordomus
23. Juli 2018 12:12

Die pädagogische Provinz bleibt ein Hauptschauplatz künftiger Auseinandersetzungen.

cblume
28. Juli 2018 13:18

Wie ergeht es rechten Eltern an linken Schulen? Antwort: zu gut

Caroline Sommerfeld
28. Juli 2018 14:30

Antwort Sommerfeld: Hier blühen ja hübsche giftige Trollblumen: https://www.heilkraeuter.de/lexikon/trollblume.htm

cblume
28. Juli 2018 18:20

Provokation angekommen!Zweck erfüllt!
Gegenfrage:Wie ergeht es einem linken Mitarbeiter in einem rechten Verlag,wenn er "entlarvt" wird? Vorweggenommene Antwort:Er fliegt raus.
Der Vergleich hinkt ein wenig,verdeutlicht aber das elende allgegenwärtige Lagerdenken.

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