Sezession
8. Juli 2018

Sonntagsheld (68) – Etiam si omnes..

Till-Lucas Wessels / 9 Kommentare

...ego non

Gelegentlich erreichen mich, via Mail oder über private Kanäle, Hinweise, Empfehlungen, oder Wünsche mit dem Betreff „Sonntagsheld“. Das kann vom privaten Faible bis hin zur bekannten Persönlichkeit jeder sein, in der Regel entscheide ich dann nach Aktualitätsbezug, der eigentlich den Basso continuo dieser Kolumne darstellt.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Vor ein paar Tagen erreichte mich wieder so eine E-Mail mit dem freundlichen Hinweis auf einen jungen, toten Russen namens Jewgeni Alexandrowitsch Rodionow.

Tot also und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit 22 Jahren, auch Geburts- und Todesdatum gaben keinen vernünftigen Andockpunkt, aber wenn ich mir in den vergangenen 67 Artikeln etwas angewöhnt habe, dann ist es der Grundsatz die Helden zu feiern wie sie fallen.

Und von allen freundlichen Hinweisen hat mich keiner so berührt wie dieser. Deshalb erzähle ich heute die Geschichte des heiligen Soldaten Jewgeni Rodionow und seiner Mutter.

Am 23. Mai 1996 wurde der Wehrdienstleistende Rodionow von einem tschetschenischen Islamisten enthauptet, nachdem man ihn mehrere Monate lang gefangen gehalten und gefoltert hatte. Was hatte er, von dessen Verschwinden seine Mutter erfuhr, weil man dachte er sei desertiert, getan, um dieses Schicksal zu verdienen?

Rodionow wollte Koch werden, las ich bei meiner Recherche und er wollte – als er zum Wehrdienst eingezogen wurde – seinen Dienst unbedingt in Tschetschenien ableisten. Die Informationen über seine Dienstzeit sind spärlich, was man über sein kurzes Leben herausfindet, das ist vollgesogen mit der düsteren Mystik der russischen Orthodoxie und klingt wie eine Geschichte aus den Straßen des brennenden Konstatinopels.

Soviel ist bekannt: Er versah seinen Dienst mit einer Handvoll weiterer Kameraden an einem Militärposten auf einer einsamen Straße, als die Gruppe bei der Kontrolle eines Krankenwagens von tschetschenischen Rebellen angegriffen und überwältigt wurde. Die folgenden drei Monate Gefangenschaft und ein Frühlingstag im Mai waren es, die den jungen Jewgeni zu einem Märtyrer machen sollten.

Als er elf Jahre alt war, hatte er beim Kirchenbesuch mit der Großmutter ein silbernes Kreuz geschenkt bekommen, das er seitdem nicht mehr abgelegt hatte. Als die Tschetschenen die Halskette entdeckten, forderten sie ihn auf das Kreuz abzunehmen und zum Islam zu konvertieren, doch Jewgeni weigerte sich.

Sie ließen ihm die Kette, folterten ihn und sperrten ihn ein – Jewgeni versuchte zu fliehen, scheiterte jedoch. Am 23. Mai, seinem 19. Geburtstag, irgendwo bei Bamut, wiederholten sie ihre Forderung – diesmal mit einem Messer in der Hand.

Jewgeni weigerte sich wieder und wurde, zusammen mit seinem Kameraden Andrey Trusov enthauptet, die zwei anderen Soldaten, Igor Yakovlev und Alexander Zheleznov, wurden erschossen.

Hier könnte die Geschichte aufhören, aber wir könnten sie nicht erzählen ohne Ljubow Rodionowa, die Mutter des toten Soldaten, der seit dem Bekanntwerden seines Schicksals von Russlands Soldaten wie ein Heiliger verehrt wird.

Als sie von offizieller Stelle von der angeblichen Desertion ihres Sohnes erfuhr, stieg Ljubow in einen Zug nach Tschetschenien, um ihn zu suchen. Fast ein Jahr lang wanderte sie das Bürgerkriegsgebiet ab, folgte verminten Straßen, versetze ihr Haus, um Geld zu haben und befand sich zeitweise selbst in der Gefangenschaft tschetschenischer Rebellen.

Am Ende traf sie den Mann, der ihrem Sohn den Kopf abgeschnitten hatte: Ruslan Chaichorojew berichtete Ljubow von ihrem Jewgeni, der lieber hatte sterben wollen, als seinen Glauben zu verraten. Dann verkaufte er ihr seinen Leichnam und seinen Kopf.

Bei der Exhumierung der verscharrten Toten erkannte Ljubow ihren Sohn an seinen Stiefeln und an einer silbernen Halskette mit einem Kreuz – die Rebellen hatten nicht gewagt, sie ihm abzunehmen.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (9)

Gast auf Erden
8. Juli 2018 22:18

...erinnert sehr stark an "die21". Wie tief ist orthodoxer Glaube in den Menschen verwurzelt, über deren uns fremd anmutende Riten und Liturgien wir mit unserem westlichen Stuhlkreis-Klerikalismus lange Zeit allenfalls die Nase gerümpft haben. Das Heilige kehrt aber auch hierzulande zurück; immer mehr Menschen spüren, dass es die "große Scheidung", wie C.S.Lewis formulierte, doch gibt; sie wird dem Westen immer mehr abverlangt. Danke für das Recherchieren dieser Berichte, auf dass die ungenannten Helden genannt werden.

Andreas Walter
9. Juli 2018 06:52

Hinterlässt bei mir gemischte Gefühle, diese Geschichte.

Aus folgendem Grund:

http://bibeltext.com/l12/matthew/10.htm

Dieter Rose
9. Juli 2018 07:51

Wir leben im 21. Jahrhundert!!!

In stillem Gedenken -
und der Mutter viel Kraft!

H. M. Richter
9. Juli 2018 08:01

Ich habe gezögert, und doch soll es hier gesagt werden:

Ich kann die Geschichte Jewgeni Alexandrowitsch Rodionows nicht lesen, ohne an Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm, die beiden obersten Repräsentanten der deutschen Amtskirchen, denken zu müssen, die 2016 bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem ihre Kreuze ablegten, weil sie, wie zu lesen war, die "muslimischen Repräsentanten nicht provozieren wollten".

Man wird Rodionows noch gedenken, wenn diese beiden vergessen sind.

Old Linkerhand
9. Juli 2018 10:16

Ein Enthaupteter mit einer Kette um den Hals?
Irgendwie schwer vorstellbar...

Waldgaenger aus Schwaben
9. Juli 2018 10:24

@Andreas Walter,
woher rühren Ihre gemischten Gefühle?
Die zitierte Stelle erkärt es mir nicht.

Jewgeni Alexandrowitsch Rodionow hat einen u.a. deutschen und englischen wikipedia Eintrag:

https://en.wikipedia.org/wiki/Yevgeny_Rodionov

Dort findet sich der bemerkswerte Satz

The Russian Orthodox Church has never canonized anyone killed in war;

als Begründung, warum die russische orthodoxe Kirche zwar die Verehrung Jewgeni Alexandrowitsch Rodionows gestattet, ihn aber momentan nicht heilig sprechen will.

Das unterscheidet dann doch den Islam vom (orthodoxen) Christentum, und das ist auch gut so. Politik, gar Krieg und Religion müssen eine gesunde Distanz wahren.

@Kositza
Sie haben Ihren Kindern den Winnetou sicher nicht vorenthalten, wenn ich mich nicht irre, hihihi?
(Bezug siehe anderen Strang!)

Andreas Walter
9. Juli 2018 15:29

@Waldgaenger aus Schwaben

Ich hätte auch schreiben können: Frag' Jesus, dann sagt er dir warum.

Doch dann viel mir ein, dass vielleicht nicht jeder mit dem Christentum vertraut ist. Wobei auch ich, neben dem Konfirmandenunterricht, nur ein einziges mal die Bibel gelesen habe, als Kind. Nur für mich, aus eigenem Antrieb und Neugier.

Beim Bund war ich trotzdem, doch Offizier bin ich genau deswegen nicht geworden. Habe beim Bewerbungsgespräch damals ganz naiv und ehrlich die "falsche" Antwort gegeben, zumindest aus damaliger Sicht, was das Töten anbelangt.

Heute würde ich sogar jedem General antworten: Eine gute Armee braucht niemanden zu töten. Wenn sie das muss, dann hat sie schon im Vorfeld etwas falsch gemacht. Sprich, ist sie noch nicht gut genug.

Krieg ist die Folge unfähiger Politiker und schlechter Generäle, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Zumindest aber die Folge von Dummheit und Unwissenheit, von Verantwortungslosigkeit und Egoismus.

Ist es aber nicht auch die russisch orthodoxe Kirche, die gerne wunderschöne Ikonen anbetet? Es spiegelt sich eben alles in allem wieder, auch unfähige Lehrer. Und doch besitzen auch vermeintlich tote Dinge eine Seele, die sogar kommunizieren kann. Doch darüber schweigt man lieber.

Könnten ja auch unglaublich unwahrscheinliche Zufälle sein.

Wobei Russland wirklich sehr schwer friedlich zu beherrschen ist, weil es gleichzeitig auch grosse Begehrlichkeiten weckt bei einer nicht gerade riesigen Bevölkerung. Allein die Länge der Grenzen, unbeschreiblich. Ohne Wehrpflicht ist das alles nicht machbar. Als Christ kann man in so einer Situation darum nur beten, "Vater, lass' diesen Kelch bitte an mir vorbeigehen, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen". Oder man muss das Land und die Reichtümer verlassen, die man verteidigt. Darum habe ich auf Matthäus 10 verwiesen.

Doch eine Frau finden, die das versteht, ist auch so gut wie aussichtslos in unserer Welt. Darum haben andere Männer auch glaube ich weniger zu lachen als ich. Mir wurde sogar gegen meinen Willen jede Verantwortung entzogen, darum genieße ich jetzt diese Freiheit. An dem "Vorurteil" von Frau Kositza ist deshalb sogar etwas wahres dran, doch in meinem Fall etwas anders als sie denkt. Trauriger. Weil eben nicht auch in schlechten Zeiten, bis der Tod uns scheidet. Ein meist sehr einseitiger Vertrag, auch ganz ohne Verschwörung.

Was aber die Indianer betrifft, so möchte ich mit denen auch nicht tauschen, doch das nur nebenbei, weil Sie es erwähnen:

http://takimag.com/article/those_poor_helpless_indian_savages_jim_goad

Kilian
9. Juli 2018 17:01

Es ist doch nur recht und billig einen Märtyrer, der für den rechten Glauben gestorben ist, zu verehren.
@Waldgaenger aus Schwaben Jewgeni ist nicht im Krieg gefallen, sondern wurde gemartert und wegen seines Glaubens ermordet.

Andreas Walter
10. Juli 2018 21:39

Dazu noch ein Gedanken über 4 Dinge, die sich heute dann wie magisch in meinem Kopf plötzlich verbunden haben. Die langen russischen Grenzen, Christen, wenig Personal und Eruv (ja, letzteres musste ich auch erstmal nachschlagen, was das ist).

Es gibt daher auch für Christen eine Lösung, wie sie den Schutz auch ihrer Grenzen gewährleistet wissen können, ohne dass sie dabei das Gebot des "du sollst nicht töten" überschreiten.

https://www.tag-des-herrn.de/content/was-besagte-das-fuenfte-gebot-urspruenglich

Denn wer in ein durch einen Zaun geschütztes Minenfeld eindringt, darin weiter voranschreitet, obwohl es eindeutig als das gekennzeichnet ist, der begeht bewusst Selbstmord.

Das Gleiche gilt auch, wenn ich mich bewusst und unerlaubt in den durch einen Zaun geschützten Schussbereich autonomer Waffensysteme bewege.

Vorsprung durch Technik, kann ich da nur sagen. Genau das ist doch auch unsere Stärke. Denn so oder so werden nur die Völker in Zukunft überleben, die auch ihr Territorium und ihre Versorgungswege vehement genug zu verteidigen wissen.

Denn autark ist so gut wie niemand, auch nicht in einem Öko-Rittergut mit nur 2 Mann und 7 Frauen Besatzung. Es hat schon seinen Grund, warum man als Weltmacht heute eine bestimmte Mindestgrösse braucht, um als solche auch zu bestehen. Wir brauchen also auch noch ein paar Spezialisten in nonverbaler, internationaler Kommunikation, für die Schilder, auch an unseren Grenzen. Wobei auch ein paar gezielte Warnschüsse eine für alle meist unmissverständliche Sprache sprechen (fiel mir jetzt zum Schluss noch ein).

https://www.heise.de/tp/features/Kampfroboter-zum-Schutz-von-Grenzen-Flughaefen-oder-Pipelines-3408770.html

https://www.youtube.com/watch?v=xtE9hpwrDg4

Den Rest der Probleme, die in den Ländern selbst, aus denen die "passiv" aggressiven Migranten kommen, können nämlich nur vor Ort gelöst werden. Selbst die VSA kann nicht alle armen Latinos aufnehmen und durchfüttern, und Europa nicht ganz Afrika. Das ist darum beides Blödsinn.

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