Sezession
16. Juli 2018

Montagsheld (69) – Schwarz-Weiß-Malerei

Till-Lucas Wessels / 15 Kommentare

Zugegeben: Ich habe wenig Ahnung von Fußball.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

  • Sezession

Aber ich habe für diesen Montagshelden ein paar Artikel gelesen und ein bisschen recherchiert und jetzt weiß ich wohl, dass die meisten Spieler der kroatischen Nationalelf genauso Millionäre sind wie das bei anderen Mannschaften der Fall ist, dass das örtliche Vereinssystem balkanös-korrupt und auf die alles beherrschende Talentschmiede Dinamo Zagreb zugeschnitten ist und, dass viele kroatische Fans mit diesem System durchaus unzufrieden sind. Aber gut, bei dieser WM und besonders beim vergangenen Finale ging es ja nicht um Fußball, deshalb: Zurück zum Thema.

Im Finale standen sich – sei es Schiebung oder Schicksal – zwei Antagonisten gegenüber: Eine Mannschaft voller kultureller und ethnischer Buntheit, welche das Land Frankreich repräsentieren sollte und die kroatische Elf, die halt aus Kroaten bestand: Ustascha-Liedgut und "Slawa Ukraini" traf auf Diversity und Republikanismus. Wie kaum zwei andere verkörperten dabei zwei Spieler diese Pole. Der eine: Kylian Mbappé, aufgewachsen im französischen Banlieu im berüchtigten Département Seine-Saint-Denis, Sohn algerischer und kamerunischer Eltern, Stürmer. Der andere, Dejan Lovren, Bürgerkriegsflüchtling, aufgewachsen in Deutschland, nach Ablauf des Visums Rückkehr nach Kroatien, Abwehrspieler.

Lovren war es, der nach dem Sieg über Argentinien gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden ein Lied der kroatischen Rechtsrockband „Thompson“ angestimmt und ein Video der Szene ins Netz gestellt hatte. Dadurch geriet er, wenn auch nur kurzzeitig, in die Kritik, denn in dem Lied findet sich nicht nur der Nationalistengruß „Za Dom – Spremni!“, sondern auch wenig charmante Zeilen über die serbischen Nachbarn – kurios eigentlich, wenn man bedenkt, dass sein serbischstämmiger Teamkollege Danijel Subašić zum heimlichen Helden des Turniers wurde.

Mbappé hingegen ist, spätestens mit seinem Tor im Finale, zur Identifikationsfigur der farbigen Vorstadtjugend der französischen Metropolen geworden, die nach dem Sieg der Mannschaft zu tausenden in den Städte strömte um mal ordentlich die Sau rauszulassen. Was dann geschah, liest sich in diesem Artikel der Süddeutschen fast wie ein Kapitel aus Emmanuel Macrons Manifest „Révolution“:
„Es ist, als ob Frankreichs gesamte Jugend für einen kurzen Moment die Utopie von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zelebrieren wollte. Wobei die Devise der Republik schon vor dem Finale von manchen abgewandelt wurde in Liberté, Égalité, Mbappé, weil der Held aus Bondy wie die gesamte Mannschaft den Franzosen in den vergangenen Wochen einen nicht mehr so selbstverständlichen Teamgeist vorgelebt hat. "Ich will Frankreich verkörpern", hat Mbappé gesagt. "Ich will alles für Frankreich geben." Das ist ein Bekenntnis, und mit Mbappé bekennen sich an den Tagen des Siegesrauschs auch die Banlieues.“

Später dann: „Die Festivitäten anno 2018 werden kurzzeitig überschattet von kleineren Krawallen, in Paris, Lyon und anderen Städten. Scheiben gehen zu Bruch, Geschäfte werden geplündert. Fast 300 Casseurs, "Kaputtmacher", werden von der Polizei festgenommen. Natürlich fällt der Verdacht schnell wieder auf jene, die aus den schlechteren Vierteln in die Innenstädte eingedrungen sind. Aber dieser Ärger ist am Montag - ausnahmsweise - schnell wieder vergessen.“

Zu welchem Frankreich sich diese Banlieues bekannten und wie diese „kleineren Krawalle“ aussahen, denen am Samstag, dem französischen Nationalfeiertag bereits landesweite Brandstiftungen an 845 Autos und Festnahmen von über 500 Personen vorangegangen waren, davon kann man sich hier und hier einen Überblick verschaffen, jedenfalls musste die Partymeile auf der Champs-Elysees mit Tränengas geräumt werden. Von 145.000 (Stand 2015) französischen Polizeibeamten waren an diesen Tagen 110.000 im Einsatz.

Wie weit Mbappé von Lovren entfernt ist, und das, obgleich beide auf ihre Art Nationalisten, der eine Republikaner, der andere halt Kroate, sein mögen, das zeigte sich auch an einer anderen Szene: Als die Protest-Darsteller von „Pussy Riot“ das Feld betraten und in Polizeiuniformen gekleidet auf die Spieler beider Mannschaften zurannten, hätte der Unterschied kaum größer sein können: Einer von beiden spielte mit, erhob beide Hände zum Abklatschen, der andere riss einen Störer zu Boden und half den Sicherheitsleuten ihn vom Platz zu tragen.
_____________________________________
Kleiner Nachtrag:

Anscheinend geht man auf dem internationalen Fußballparkett sehr unterschiedlich mit politischem Druck um: Während z.B. Oliver Bierhoff sich im Nachhinein sogar noch von seiner allerzaghaftesten Özil-Kritik distanzierte, legen die Kroaten einfach eine Schippe drauf: Zur Willkommensfeier in Zagreb, die trotz des umfassenden Einsatzes bengalischer Lichter ungleich zivilisierte ablief, als das Pendant des westeuropäischen Erstplatzierten, fuhr die kroatische Mannschaft auf einem offenen Bus durch die Straßen. Allerdings nicht allein: „Das war unsere erste Bedingung“, so Luka Modric laut der WELT. „Als klar war, dass wir hier eine große Veranstaltung haben würden, wusste ich, dass Marko Perkovic singen muss.“ Marko Perkovic ist, die meisten werden es geahnt haben, der Sänger der oben erwähnten Rockband Thompson. So ist es halt im Fußball, wie im echten Leben: Wer sich distanziert, verliert. Auch, wenn er Weltmeister ist.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

  • Sezession

Kommentare (15)

Tobinambur
16. Juli 2018 20:23

"Eine Mannschaft voller kultureller und ethnischer Buntheit, welche das Land Frankreich repräsentieren sollte..."
Von ethnischer Buntheit sollte man hier nicht mehr sprechen, denn das ist der Mainstream-Jargon für die offensichtliche und fast vollständig durchgesetzte Monochromie.

Cacatum non est pictum
16. Juli 2018 21:49

Sie haben es richtig gedeutet: In diesem Finale wurden - aus politischer Sicht - zwei Kontrastfolien übereinandergelegt. Hier weitgehend ethnische Homogenität, dort ein Mix aus Autochthonen und Einwandererkindern; hier ausgeprägter Nationalismus der härteren Sorte, dort ein Wertebekenntnis zur Republik. Und so weiter.

Ich hatte ja schon in meiner Wortmeldung zu Frau Kositzas letztem Artikel angemerkt, daß die Sympathien des bundesdeutschen Journalisten eher auf seiten der Franzosen sind. Diesen Leuten ist es suspekt, wenn sich junge Männer mit Furor zur eigenen Nation bekennen. Allerdings haben sie auch kein Gespür für die Gefühlslage eins Volkes, dessen Staat noch blutjung ist und sich in einem außerordentlich brutalen Krieg herausgebildet hat, der zahlreiche zivile Opfer forderte. Die Ressentiments gegen die balkanischen Nachbarn sitzen nicht ohne Grund sehr tief und lassen sich von 20jährigen deutschen Wohlstandsgören als Hobbyjournalistinnen auch nicht einfach weglamentieren.

Ein Vergleich der Feierverläufe in den beiden Großstädten der Finalnationen fällt ohnehin zugunsten Kroatiens aus. Während in Zagreb die Leute massenhaft und überwiegend friedlich den zweiten Platz ihrer Mannschaft gefeiert haben, ist der Schmelztiegel Paris einmal mehr von Vorstadtmigranten auseinandergenommen worden. Eindrücklicher als mit dieser Gegenüberstellung kann man die Heuchelei der Migrationsbefürworter kaum ins Leere laufen lassen.

Ich war übrigens für Kroatien. Zum einen sind viele Kroaten ausgesprochen deutschenfreundlich, und daher war es für mich Ehrensache, ihnen die Daumen zu drücken. Andererseits wollte ich dem globalistischen Widerling Macron seine aufgesetzten Jubelposen nicht gönnen. Leider hat es nicht geklappt. Sportlich anerkenne ich aber den verdienten Erfolg der bärenstarken französischen Mannschaft (vier aufeinanderfolgende K.-o.-Spiel-Siege ohne Verlängerung sprechen für sich).

MartinHimstedt
16. Juli 2018 21:50

Schade, ich war mir sehr sicher, dass die ZEIT-Redakteurin, welche unsere humanistischen Weltverbesserer – wegen einer Meinungsäußerung – nun das Gesicht mit heißem Kaffee verbrühen beziehungsweise abstechen(?) möchten (was im Übrigen weder ein Aufruf zur Gewalt, noch Hassrede ist), der Held der Woche werden würde.

Zum Fußball:
Wir waren gestern in einem Biergraten mit etwa 20% Fans der französischen Mannschaft und 80% Fans von Kroatien. Mir schräg gegenüber saß eine dicke, verschwitze Frau, deren Brüste auf der Bier-Garnitur hingen. Sie war mit einem Typen unterwegs, der groß die amerikanische Flagge auf seinem T-Shirt trug, was gleich noch wichtig wird. Jedenfalls vernahm ich nach dem 1:0 für Frankreich keinerlei Reaktion von ihr. Als die Kroaten dann den Ausgleich erzielten, zur Freude der kroatischen Mehrheit, schüttelte sie mit dem Kopf und beklagte lautstark … Nationalismus.

Bleibt man von diesen Irren eigentlich nirgendwo verschont?

Fritz
17. Juli 2018 07:06

https://twitter.com/KhaledBeydoun/status/1018540593897705473

RMH
17. Juli 2018 07:14

Der Artikel greift das aktuelle Thema zu rechten Zeit auf. Für einen metapolitischer Blog wäre es, wenn sich der Trubel etwas gesetzt hat, schön, einmal die alten Regeln von Brot und Spielen und den Gladiatorenkämpfen der Neuzeit etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn der Sport ist ein Riesengeschäft und da ist die Herkunft einzelner Spieler unwichtiger, als deren Zukunft und deren Vermarktbarkeit. Und so verwundert es nicht, dass die jüngere Mannschaft, die eine längere Restvermarktungszeit als die schon in die Jahre gekommenen Zirkuspferde aus Kroatien hat, den Titel gewinnen konnte (zugegebenermaßen war rein sportlich das echte Endspiel das Halbfinale Frankreich gegen Belgien, insbesondere, nachdem Belgien zuvor Brasilien aus dem Turnier gekegelt hat). Damit möchte ich nicht behaupten, dass hier irgendetwas ganz bewusst verschoben wurde, denn dann hätte eher England, mit seiner milliardenschweren Premier League, mit ins Finale kommen müssen.

Wie auch immer, am seltsamsten hat mich ein Radiobericht "aus der Umkleidekabine" von Frankreich nach dem Spiel berührt, als der franz. Präsident zusammen mit Mbappé "vive la France, vive la Republic" grölt und passend aus der Schublade der Kategorie "der kleine Mann", einen kriegsversehrten Veteranen der französischen Armee mit in den "Locker Room" geschleppt hat. Das war Inszenierung pur. Wo er den Veteranen denn so schnell her hatte …. hätte er ihn auch bei einer Niederlage mitgenommen? Am Tag danach bekamen die Mitglieder der franz. Nationalmannschaft den Orden der Ehrenlegion an die Brust. Glückliches Frankreich, Du hast einen Pathos des Nationalismus und eine Tradition, die einem selbst als konservativen Deutschen schlucken lässt. Man stelle sich vor, in Deutschland würde ein von einem Diktator und Usurpator, der fast ganz Europa mit Kriegen überzogen hat, gestifteter Orden nach wie vor der höchste Orden im Staate sein --- undenkbar!

Wie auch immer: Wenn sich der Sport als Zirkusarena des Kapitals, der Mächtigen und Sedativum für den Pöbel zumindest noch ein kleines bisschen Restwürde wieder beschaffen möchte, dann kann ich nur einen Tipp geben:

Absolutes Locker Room Verbot für alle Politiker!

War schon mehr als peinlich, die A.M. vor 4 Jahren dort zu sehen - Macron mit Kriegsversehrten im Gepäck, hat´s nochmal getoppt.

Ein gebuertiger Hesse
17. Juli 2018 08:29

Exzellenter Schluß (des Aufsatzes, nicht der WM). Die Reaktionen der beiden Spieler auf die Terror-Pussys könnten in ihrer Entgegengesetztheit nicht sprechender sein. Hier die lässige Sympathiebekundung mit dem linken Pöbel, dort das handgreifliche Wiederherstellen der Ordnung. Das Bild des Spielers Lovren, der dem Pussy-Mann an den Kragen geht, könnte ein Motiv für den nächsten Antaios-Kalender werden ...

Dies übrigens das schöne böse Lied, das die Kroaten in ihrer Kabine hörten: https://www.youtube.com/watch?v=mMs5b42y2lk&list=PL198D1D7E0BF907F8

Mauerbluemchen
17. Juli 2018 09:42

Gewiß, auch die kroatischen Spieler sind millionenschwere Gladiatoren und als solche Teil eines korrupten Systems - so wie jeder Gegenwartsmensch im güldenen Westen (hinsichtlich der Verwobenheit in ein böses System, nicht in puncto der ihm zur Verfügung stehenden Geldmenge). Gerade das gutgewählte Beispiel Dejan Lovrens zeigt dies besonders eindrucksvoll, denn er ist in der kleinen Welt der kroatischen Öffentlichkeit jemand, von dem man immerzu spricht, seine Querelen mit der Ehefrau, Streß mit möglichen Nebenfrauen, seine Reiseziele, die neusten Tätowierungen (wobei man ihm dies als Mann aus Zentralbosnien, dem Refugium der alten Balkankunst des Tätowierens, nachsehen kann), Knatsch mit dem aktuellen Verein, dem alten/neuen Trainer usw. Wie es scheint, eine schillernde Boulevardpersönlichkeit, aber eben nicht nur.

Entscheidend ist aber, ob man unter Umständen auch ganz anders kann und offenbar können auch solche Leute anders wie allein schon die heimlich WM-Hymne der Kroaten zeigt: "Nije sve u šoldima" ("Geld ist nicht alles"). Echten Zusammenhalt, nötige Entschlossenheit und die richtigen Prioritäten im Zweifelsfalle usw. kann man, wie man an auch den so unterschiedlichen Festbildern aus Zagreb und Paris sieht, eben für keine Knete dieser Welt kaufen.

In Kroatien weiß das jeder Durchschnittstyp.

Fredy
17. Juli 2018 11:35

Ich finde den Umgang mit den Pussy Riot -Aktivisten völlig überzogen und unsouverän. Der Neger macht das schon besser. Ich kann auch keinen wesentlichen Unterschied zwischen den aktivistischen Mitteln von Pussy Riot und der identitären Bewegung erkennen. Dabei sind die politischen Ziele von Ersteren gewiß nicht meine. Aber es gehört schon mehr Mut dazu sowas in Rußland zu machen als in Deutschland oder Österreich. Aber den meisten wird das egal sein, das Höschen wird feucht wenn es den Gegner trifft.

Karl
17. Juli 2018 16:14

Der Freistoss, der zum ersten Tor für die sog. "Franzosen" führte, war mehr als fraglich. Eine Konzessionsentscheidung des Schiedsrichters. Und auch der Elfmeter war kaum zu rechtfertigen. Ein Schelm, wer dabei an Schiebung denkt. Das Macrönchen hatte mit seinem Veteranen ja einen Auftritt gebucht. Die Kroaten waren die besseren Spieler. Entmutigt nach zweimaliger Fehlentscheidung. Und die ältere Mannschaft...

Solution
17. Juli 2018 18:19

Ich bezweifle, daß der Pseudofranzose überhaupt ein "Nationalist" sein kann. Das wäre geradezu absurd. Nicht einmal ein "Republikaner". Für beides fehlen die Voraussetzungen. Im besten Fall ist er ein Sportler, der seinen Marktwert gesteigert sieht und dafür seinen Kunden dankt - egal mit was für Gesten oder Worten. Etwas substantiell Inhaltliches kann ich nirgendwo finden.

Venator
17. Juli 2018 18:23

Aber es gehört schon mehr Mut dazu sowas in Rußland zu machen als in Deutschland oder Österreich.
@Fredy
Nun wie hart das in RU wird, daß wissen wir ja bereits: Ein Gericht in Moskau verurteilte am Montagabend die Mitglieder Olga Pachtussowa, Weronika Nikulschina, Olga Kuratschewa und Pjotr Wersilow zu 15 Tagen Gefängnis. Zudem wurden die drei Aktivisten für drei Jahre von allen sportlichen Veranstaltungen ausgeschlossen.

Wie hart das in Österreich wird? Nun da sollte man vielleicht den aktuellen Prozeß abwarten?

Andreas Walter
17. Juli 2018 19:00

Wichtig ist doch nur folgende Frage, liebe Kollegen und Kolleginnen:

Sind Afrikaner, Muslime und Pussys frei vom "Nazi-Gen"?

Wenn nicht, dann könnte dies in Zukunft zu gefährlichen Verstärkungseffekten führen im Fall einer erfolgreichen Paarung. Die Folge wären doppelte Nazi-Chromosomen-Sätze im äusserlich scheinbar harmlos wirkendem, braunen bis latte macchiato farbenen Antlitz. Ohne Gentest ununterscheidbar vom Rest der Bevölkerung könnte diese Gruppe dann binnen weniger Jahrzehnte und sogar ohne bewusste Absicht, rein aus ihrer Veranlagung heraus, die Weltherrschaft an sich reissen, sehr zum Leidwesen all jener, die frei solcher Erbanlagen oder nur zur Hälfte durch sie belastet sind.

In der Hinsicht, liebes Kollegium, möchte ich auch Sie daher bitten, Ihre Anstrengungen nochmals erheblich zu verstärken, hier ein geeignetes Gegenmittel zu finden, wie es uns jetzt auch mit Ebola und dem Marburg Virus gelungen ist. Dank der rechtzeitigen Vakzination und dem erfolgreichen Monitoring ist uns 2018 dadurch erstmalig in der Geschichte und seit der Entdeckung dieses Erregers im Jahr 1976 die Eindämmung eines weiteren Ausbruchs von Ebola im Kongo gelungen. Der Ausbruch einer fürchterlichen Krankheit, die im Jahr 2014 in Westafrika noch über 11.000 Menschenleben gefordert hat, konnte dadurch diesmal auf nur noch 29 bedauernswerte Einzelfälle reduziert werden. Das Gleiche müsste daher auch mit dem Nazi-Gen und seinen Folgen möglich sein, sobald ein geeignetes Gegenmittel hierfür zur Verfügung steht. Ich versichere Ihnen, meine lieben Kollegen und Kolleginnen, dass es an finanziellen Mitteln hierzu nicht fehlen wird, Sie in Ihren Anstrengungen und Forschung zu unterstützen, die Welt auch weiter zu einem Ort der Freiheit und Selbstbestimmung zu machen. Ich danke darum für Ihre Aufmerksamkeit.

W. Wagner
17. Juli 2018 20:42

Man erlaube mir, auf einen anderen Ort Europas an jenem 15. Juli hinzuweisen: Palermo. Nachdem am Vorabend Zehntausend - darunter viele Touristen - einem geradezu häßlichen Großspektakel (schlechte Musik, kitschiger Wagen, ...) zum Fest der Santa Rosalia auf der Prachtstraße dieser Stadt folgten, stand der Sonntagabend im Zeichen der Prozession. Die Reliquien der Stadtpatronin wurden in ihrem wunderbaren Silberschrein aus der Katedrale durch die Stadt und zurück gezogen, mehrere Kapellen, Trommler, Gesang.
Auf der Piazza Marina die Rede des Erzbischofs Corrado Lorefice. Schon als er das erste Mal das Wort “Schiff” benutzte, war mir klar, wo er enden würde. Und tatsächlich, am Ende kam ein Feuerwerk an Angriffen gegen die Regierung (ohne namentliche Nennung), gegen das Schließen der Häfen (für die NGOs auf Anordnung Minister Salvinis), gegen jeden von uns, denn “wir sind die Plünderer Afrikas” bzw. die “multinationalen Konzerne” machen es für uns, etc. etc. (Rede nachzulesen auf avvenire.it). Der Applaus war gering, in den hinteren Reihen fand er kaum noch statt. Ein wirkliches Feuerwerk schloss den Festakt hier - damit kann man in Palermo immer punkten; später folgte ein noch prächtigeres vor der Katedrale.
Danach ging es zur Katedrale zurück: Nun sah man mehr und mehr nur noch das einfache Volk, Jungs mit Tatoows, die die Lieder mitsangen, alte Frauen, die sich bekreuzten, junge Familien aus den untersten Schichten mit ihren Kindern, von Balkonen das Werfen kleiner Zettel mit hoffnungsvollen Aufschriften. Als der Wagen mit dem kostbaren Schrein wieder rechts vom Altar stand, folgte ein letztes Mal das “Viva Palermo e Santa Rosalia!” Bewegend!
Auf dem Heimweg fragte ich mich, was macht Bürgermeister Leoluca Orlando, der begeistert dem Erzbischof zuklatschte und selbst die Häfen offen haben will, und was macht der Erzbischof für dieses einfache Volk?
Meine Antwort mag ein andermal folgen.

Waldgaenger aus Schwaben
17. Juli 2018 21:00

Die Fußballweltmeisterschaften und die die Geschichte Deutschlands seit 1945 sind fast magisch mit einander verwoben. Oft markierten Fußballweltmeisterschaften Wendepunkte der deutschen Geschichte nach 1945.

Dem Wunder von Bern 1954, dort sangen deutsche Fan nach dem Sieg die erste Strophe des Deutschlandlieds, folgte das Wirtschaftswunder. Der Erfolg in Bern wurde schon als Gründungsmythos der Bundesrepublik bezeichnet, bevor ein anderer Gründungsmythos überwog.

Ein Franzose, einige Jahre älter es ich, erzählte mir mal, dass 1954 er und alle seine Freunde und Angehörigen zu Deutschland gehalten hatten, die Ungarn waren die Kommunisten, die Bösen.

Im Jahre 1972 wurden die Olympischen Spiele und 1974 die Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland vergeben. Deutschland wurde im eigenen Land Weltmeister und West-Deutschland war endgültig wieder in den Kreis der europäischen Völker aufgenommen und wagte unter Brandt und Bahr in der umstrittenen Ostpolitik erste eigenständige Schritte in der Außenpolitik.

Im Jahr nach dem Mauerfall, 1990, wurde Deutschland wieder Fußballweltmeister. Die Times schrieb damals: „Ein mächtiges und wiedervereintes Deutschland blickt nach Osten, wo Staaten und Bündnisse zerfallen.“
Deutschland hätte die Chance gehabt ein Europa der Vaterländer in Freundschaft mit Russland zu schaffen. Die kleingeistige Kohl-Regierung vergab diese Chance und machte sich zum Handlanger der kurzfristigen Interessen des Kapitals und stimmte der unseligen Euro-Einführung zu.
1994 und 1998 schied Deutschland im Achtfinale aus. Kohl wurde abgewählt.

Die Eurokrise ab 2010 in Folge der Wirtschaftskrise 2008/2009 bot und bietet immer noch aufgrund der enormen wirtschaftlichen Potenz Deutschlands wieder die Chance, den Euro abzuwickeln und dabei ein Vereintes Europa der Vaterländer nach den Vorstellungen Adenauers und de Gaulles zu schaffen.
2014 wurde Deutschland wieder Fußballweltmeister.
Merkel hat noch viel weniger als Kohl Format und spaltete Europa mit ihrer Entscheidung 2015 die Grenze für Millionen von Einwanderern zu öffnen.

Heute nun im Jahre 2018 ist Deutschland in der Vorrunde als Gruppenletzter ausgeschieden, eine historisch einmalige Niederlage der DFB-Auswahl. Voraus ging dem ein Streit um ein Foto zweier türkischer Spieler mit dem türkischen Präsidenten. Der Streit spaltete auch die Mannschaft. Die eine Gruppe kritisierte die beiden Türken heftig, die andere forderte mehr Solidarität vom Team. Ethnische Konflikte bis hinein in die DFB-Auswahl.

Diese Niederlage ist durchaus ein Menetekel für Deutschland und Europa.

In der Weltpolitik schaffen nun die USA und China und in zweiter Reihe Russland, eine Nachkriegsordnung nach dem Ende des Kalten Kriegs. Deutschland und Europa ist in der Vorrunde ausgeschieden und sitzt wie Deutschland 1918 in Versailles, am Katzentisch und wartet auf die Ergebnisse. Hätte Deutschland nicht zweimal die Chance versäumt, Europa zu einen, könnte Europa dabei mitreden. So werden nun die drei Länder Europa nach Interessensphären aufteilen.

Ist das das Ende Deutschlands, finis germania?

Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaften seit 1945 besteht nicht nur aus den Erfolgen Deutschland, es gab auch große Spiele, die im Inland und Ausland das Bild des zähen, kampfstarken Deutschlands prägten, das nie aufgibt. Das Endspiel 1966, das Jahrhundertspiel 1970 in Mexiko und die Nacht von Sevilla 1982.
Ein englischer Spieler, ich weiß nicht mehr wer und wann, sagte nachdem Deutschland mal wieder ein Spiel in den letzten Minuten gedreht hatte:
„Die Deutschen geben erst auf, wenn der Schiedsrichter das Spiel abgepfiffen hat, geduscht hat und sich auf dem Heimweg befindet.“

Dieser deutsche Kampfgeist lässt hoffen, dass auch nach 2018 weitere Fußballweltmeisterschaften mit deutschen Erfolgen kommen werden und diese dann wieder Wendepunkte in der deutschen Geschichte markieren.

W. Wagner
18. Juli 2018 16:44

Nachtrag zum meinem vorigen Beitrag:
Mittlerweile hat Innenminister Matteo Salvini auf seiner Facebook-Seite den Fall des Erzbischofs kommentiert.
Außerdem ging aus meinem Kommentar - da ich versuchte, mich kurz zu fassen - nicht hervor, dass es sich um ein Großereignis (wie das Fußballspiel) handelte; man spricht von 400.000 Zuschauern am Samstag und Tausenden am Sonntag (natürlich verteilt über die Strassenzüge, der Bischof sprach am Sonntag nur vor einer überschaubaren Menge, an seiner Seite nickend und klatschend Bürgermeister Orlando).

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.