Sezession
1. April 2017

Josef Seifert: Der Widersinn des Relativismus. Befreiung von seiner Diktatur

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Eine Rezension von Ursula Berluschke

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Josef Seifert: Der Widersinn des Relativismus. Befreiung von seiner Diktatur, Aachen: Patrimonium 2016, 232 S., 14.80 €

Ein anstrengendes Buch. Es liegt schlecht in der Hand, die zahlreichen Fußnoten nehmen oft mehr Raum ein als der Fließtext, die Gliederung ist ermüdend kleinteilig, die Sätze oft umständlich und manchmal unklar formuliert. Einige Argumentationsfiguren kehren immer wieder und nutzen sich bald in ihrer Überzeugungskraft ab.

Wenn die Lektüre sich trotz dieser eklatanten Formmängel lohnen soll, muß der Inhalt von beträchtlichem Wert sein. Das ist er, auch wenn es Konzentration erfordert, die herausragenden Passagen unter den eher langatmigen herauszuklauben. Bei Lesern, die die »Stimmung«für ein entscheidenderes philosophisches Fundament halten als die pure Logik, wird das Buch womöglich von vornherein einen gewissen Widerwillen hervorrufen.

In seinem mit Der Widersinn des Relativismus sehr programmatisch betitelten Buch versucht Josef Seifert, verschiedene philosophische Systeme, die ein relativistisches Wahrheitsverständnis beinhalten, argumentativ zu widerlegen. Russell und Habermas werden ebenso unter das Messer genommen wie Heidegger, Gadamer und der späte Husserl. Außerdem werden neben dem Wahrheitsrelativismus verschiedene Konzepte des ethischen und ästhetischen Relativismus untersucht und auseinandergenommen.

Seifert, Jahrgang 45, ist katholischer Philosophieprofessor, Vater von sechs Kindern und ein tapferer Kämpfer für einen phänomenologischen Realismus.

Vor allen anderen Bewertungen entspricht das Prädikat »tapfer«vielleicht am meisten diesem Buch. Die stets höfliche, nie verbissene Art, in der Seifert die verschiedenen Theorien nach klassischer philosophischer Manier widerlegt und mit der er sich einer Intellektuellenzunft gegenüberstellt, die seine Bemühungen um die Wahrheit zynisch lächelnd als dogmatisch-naiv abtun dürfte, kann kaum anders umschrieben werden.

Diese »Tapferkeit«macht das Buch sympathisch, selbst an Stellen, wo einem das Rekurrieren auf logische Grundprinzipien (wie den Satz vom zu vermeidenden Widerspruch) eintönig erscheinen mag. Und wenn man die Offenheit besitzt, sich auf Seiferts unzeitgemäße – und auch in rechten Kreisen größtenteils als versteift und veraltet geltende – These von der objektiven Erkennbarkeit absoluter Wahrheit einzulassen, wird man feststellen müssen, daß er in vieler Hinsicht in erschütterndem Maße Recht hat und daß gewisse Überzeugungen, die zum neurechten Common sense gehören (wie jene von der Geschichtlichkeit der Wahrheit), vielleicht fundamental überdacht werden
sollten.

Josef Seiferts Der Widersinn des Relativismus kann man hier bestellen.


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