Sezession
1. April 2017

Frank Böckelmann, Dietrich Leube: Entkommen oder Not macht erfinderisch. Auswege in Wort und Bild

Gastbeitrag

Eine Rezension von Christian Marschall

Frank Böckelmann, Dietrich Leube: Entkommen oder Not macht erfinderisch. Auswege in Wort und Bild, Berlin: Die Andere Bibliothek 2017. 396 S., 42 €

Schauen wir auf das wohl unwiderruflich uns ins Haus stehende, dann sieht’s nicht gut aus: Bürgerkrieg, Attentate, Zusammenbruch der sozialen Systeme. Wann kommt der große Schlag? Frank Böckelmann, den man doch für einen Kulturpessimisten halten wollte, plädiert mit Co-Autor Dietrich Leube für die Prinzipien Hoffnung und Gelassenheit: Was, wenn all diese Prognosen nur Abwehrzauber wären? »Offenbar erhoffen wir uns vom Benennen des Schrecklichen unbewusst eine verhindernde, gleichsam katechontische Wirkung.« Woher aber wächst das Rettende, wenn das ängstlich Antizipierte tatsächlich eintritt?

Böckelmann und Leube haben ein ganz und gar unkonventionell gestaltetes Kompendium aufgesammelt, woher je Hoffnung kam in so unterschiedlichen Notfällen wie Schiffbruch, Deportation, Geiselnahme und Vertreibung. Wir finden Zeitungsschnipsel (FAZ anno 1980: neunjähriger Bub, beim Blumenpflücken verschwunden, wieder aufgetaucht), Arztberichte (1923: Erläuterung, inwiefern das Seelenleben von einem Erdbeben profitieren könnte), Memoiren voller Überlebensstrategien in Krieg und Nachkrieg, frühneuzeitliche Wundererzählungen und beispielsweise das »Wunder von Wien«, das von der unverhofften Rettung des jungen Friedrich Hebbel erzählt – wie aus dem Verkannten über Nacht ein Genie wurde.

Ein Trostbuch!

Frank Böckelmanns und Dietrich Leubes Entkommen oder Not macht erfinderisch kann man hier bestellen.


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