E.M. Forster: Die Maschine steht still

E.M. Forster: Die Maschine steht still, aus dem Englischen von Gregor Runge. Hamburg: Hoffmann und Campe 2016. 80 S., 15 €

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ers­tens ist dies ein außer­ge­wöhn­lich schö­nes Büch­lein, zwei­tens ein pro­phe­ti­sches. Dies reicht hin, um einen Makel wett­zu­ma­chen: Der bel­le­tris­ti­sche Wert die­ser unge­heu­er­li­chen Dys­to­pie ist sekun­där. Die Maschi­ne steht still ist nicht gera­de das, was man einen Page­tur­ner nennt. Die kur­ze Geschich­te ist über­aus höl­zern fabu­liert. Emi­nent lesens­wert ist Edward Mor­gan Forsters Erzäh­lung also auf­grund ihrer pro­gnos­ti­schen Strahlkraft.

Fors­ter, 1879 in Lon­don gebo­ren, ein heim­li­cher Homo­se­xu­el­ler und beken­nen­der Anti-Roya­list, war sei­ner­zeit eine aner­kann­te Grö­ße im Lite­ra­tur­be­trieb der Insel. Was er hier (1909) erzählt, hat es in sich: Vash­ti lebt in ihrer unter­ir­di­schen Zim­mer­wa­be. Eigent­lich möch­te sie einen Vor­trag für ihre glo­ba­le Gemein­de vor­be­rei­ten, da stört sie ein Anruf (eine Art Sky­pe-Funk­ti­on; sie sieht ihren Gesprächs­part­ner auf dem Bild­schirm!) von Kuno. Er ist eines ihrer Kin­der. Sie hat ihn seit sei­ner ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­schi­ckung an ein Kin­der­heim sel­ten gese­hen. »›Pflich­ten, elter­li­che‹, hieß es im Buch der MASCHINE, ›enden mit der Geburt. § 422327483.‹«

Vash­ti ist genervt. Sie war gera­de »wie­der­holt gestört wor­den. Sie hat­te aber­tau­sen­de Bekann­te. In gewis­sen Berei­chen konn­te die mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on erheb­li­che Fort­schrit­te verzeichnen.«Vashti tippt »an den Licht­ap­pa­rat« und herrscht den Sohn an: »Mach schnell!« Kuno zögert: »Obwohl ich auf die­ser Schei­be etwas sehe, das dir ähn­lich ist, sehe ich dich nicht.«Er möch­te Aug in Aug mit sei­ner Mut­ter spre­chen. Es sei drin­gend und nicht für Mit­hö­rer gedacht: »Durch die MASCHINE erfährst du kein Wort von mir.« Kuno ist einer jener weni­gen, die der »Maschi­ne« miß­trau­en. Die gan­ze Men­schen­welt betet sie an – spielt sich doch das gesam­te Leben auf der »opti­schen Schei­be« als dem Organ des omni­prä­sen­ten, unper­so­na­len Macht­ha­bers ab. Kuno ahnt, daß es ein Ende haben wird mit der »Maschi­ne« und dem eben­so ver­ehr­ten »Kor­rek­tu­r­ap­pa­rat«.

Drau­ßen sol­len noch ech­te Men­schen leben! Sie»verbergen sich im Nebel und im Farn, bis unse­re Kul­tur zum Still­stand kommt.«Was hin­ge­gen ein Gerücht sein könnte.

E.M. Forsters Die Maschi­ne steht still kann man hier bestel­len.

 

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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