Asfa-Wossen Asserate: Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten

Asfa-Wossen Asserate: Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten, Berlin: Propyläen 2016. 224 S., 20 €

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

1974 stell­te der äthio­pi­sche Prinz Asfa-Wos­sen Asse­ra­te einen Asyl­an­trag in Deutsch­land. Wäh­rend eines Stu­di­en­auf­ent­hal­tes in Frank­furt a.M. wur­de sein Vater in Addis Abe­ba ermor­det, und die Kom­mu­nis­ten ris­sen gewalt­sam die Macht an sich. Asse­ra­te wur­de so zum Flücht­ling. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es ver­ständ­lich, war­um er den Migran­ten der letz­ten Jah­re mit viel Empa­thie gegen­über­tritt. Er ken­ne »kei­nen Afri­ka­ner, der sei­ne Fami­lie, sei­ne Freun­de, sei­ne ver­trau­te Umge­bung ver­las­sen hat, nur weil er denkt, er kön­ne anders­wo mehr ver­die­nen«, so Asse­ra­te. Es gehe viel­mehr um die »nack­te Exis­tenz«, wes­halb er eine Asyl­po­li­tik nach aus­tra­li­schem Vor­bild als men­schen­ver­ach­tend ein­stuft und der Ange­la Mer­kel des Jah­res 2015 den Rücken stärkt. Hier nun Nai­vi­tät anzu­pran­gern, lohnt sich nicht, denn Asse­ra­te geht es um genau die rich­ti­ge Fra­ge. Er ist sich sicher, daß der Höhe­punkt der Flucht­be­we­gun­gen aus Afri­ka noch nicht erreicht ist und Euro­pa trotz aller halb­her­zi­gen Abschot­tungs­ver­su­che in den nächs­ten Jahr­zehn­ten tat­säch­lich eine gewalt­sa­me Inva­si­on erle­ben könn­te, wenn es jetzt nicht zu geeig­ne­ten, lang­fris­ti­gen Maß­nah­men greift.

Die Been­di­gung des Land­rau­bes (Land grab­bing), der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung geschei­ter­ter Staa­ten sowie der Über­flu­tung Afri­kas mit sub­ven­tio­nier­ten Agrar­pro­duk­ten ist des­halb in unse­rem eige­nen Inter­es­se. Solan­ge die Pro­duk­ti­on von einem Kilo­gramm Geflü­gel­fleisch in West­afri­ka mehr als dop­pelt so viel kos­tet als die mit Steu­ern finan­zier­ten EU-Bil­lig­ex­por­te, kann die dor­ti­ge Wirt­schaft selbst dann nicht auf die Bei­ne kom­men, wenn sie aus eige­ner Kraft dazu in der Lage wäre.

Asse­ra­te benennt in sei­nem Buch kurz und knapp die größ­ten Feh­ler der west­li­chen Afri­ka-Poli­tik. Daß Ent­wick­lungs­hil­fe zu einer Sou­ve­rä­ni­täts­ren­di­te führt, ein Reich­tum an Res­sour­cen auch ein Fluch sein kann und Afri­ka auf die viel­fach schon vor­han­de­ne Eigen­in­itia­ti­ve selbst­be­wuß­ter Män­ner und Frau­en bau­en muß, ist kei­ne Neu­ig­keit. Erstaun­li­cher­wei­se herrscht dar­über bei nahe­zu allen Exper­ten von Jean Zieg­ler über Paul Col­lier bis hin zu Vol­ker Seitz weit­ge­hen­de Einig­keit. Es man­gelt nicht an Erkennt­nis­sen über Afri­ka. Wor­an es hapert, ist die poli­ti­sche Umset­zung, bei der sich bei­spiels­wei­se Chi­na viel unkom­pli­zier­ter und effek­ti­ver anstellt. Seit Jah­ren wei­tet das Reich der Mit­te sein geo­öko­no­mi­sches Enga­ge­ment in Afri­ka aus. So erhal­ten etwa Unter­neh­men, die min­des­tens eine Mil­li­on US-Dol­lar für Direkt­in­ves­ti­tio­nen aus­ge­ben, eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Staats­ga­ran­tie für die­ses Geld. Wäh­rend­des­sen fällt Deutsch­land sowohl bei den Direkt­in­ves­ti­tio­nen als auch beim Han­del von Jahr zu Jahr zurück, ohne daß sich dafür die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen inter­es­sie­ren wür­den. Dies den Deut­schen ins Bewußt­sein zu rufen, ist Auf­ga­be und Ver­dienst von Asfa-Wos­sen Asserate.

Dar­über hin­aus müs­sen die wirk­lich hei­ßen Eisen wie das The­ma »Über­be­völ­ke­rung und Gebur­ten­kon­trol­le« ande­re anpa­cken. Denn auch das zählt zu Afri­kas exis­ten­ti­el­len Pro­ble­men: Die Euro­pä­er und euro­päi­sier­ten Afri­ka­ner spre­chen »zu nett« über den Schwar­zen Kon­ti­nent und wol­len alle Pro­ble­me mit libe­ra­len Metho­den lösen. So ein­fach wird es defi­ni­tiv nicht ablaufen.

Asfa-Wos­sen Asse­ra­tes Die neue Völker­wan­de­rung kann man hier bestel­len.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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