Sezession
1. Februar 2017

Norbert Borrmann: Identität & Gedächtnis. Denkmäler und politische Architektur von 1800 bis zur Gegenwart

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Eine Rezension von Claus Wolfschlag

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Norbert Borrmann: Identität & Gedächtnis. Denkmäler und politische Architektur von 1800 bis zur Gegenwart, Graz: Ares 2016, 216 S., 24.90 €

Im Mai verstarb der Kunsthistoriker Norbert Borrmann. Bekannt wurde er durch die Bücher »Kulturbolschewismus« oder »ewige Ordnung« (2009) und Warum rechts? (2011). Sezession-Lesern wird er durch seinen 2013 erschienen kaplaken-Band Die große Gleichschaltung. Vom Verschwinden der Vielfalt ein Begriff sein. Der Aufsatz war das kulturhistorische Pendant zu Manfred Kleine-Hartlages Thesen zur »Neuen Weltordnung«. »Die Karten stehen schlecht«, schrieb Borrmann, Jahrgang 1953, damals pessimistisch. »Linker Egalitarismus, Wirtschaftsliberalismus und der Haß der Meinungsmacher auf das genuin Eigene, Deutsche, scheinen nahezu allmächtig. Ein Kernproblem für den gegenwärtigen Abwehrkampf besteht zudem darin, daß viele Menschen heute in dem Wahn leben, es gebe ›Buntheit‹, ›Diversity‹ und ›Multikulti‹. Doch Universalismus und ungebremste Globalisierung bringen das Gegenteil: Monokultur und die große Gleichschaltung.«

Nun ist nach Borrmanns Tod sein letztes Buch erschienen. Identität & Gedächtnis widmet sich Denkmälern und politischer Architektur von 1800 bis zur Gegenwart. Das durchgehend bebilderte Buch dient vor allem dazu, Lesern die Denkmals- und Staatsarchitektur der letzten zweihundert Jahre anhand vorgestellter Beispiele nahe zu bringen. Auch hier spart Borrmann nicht mit kritischen Seitenhieben zur gegenwärtigen Lage. »War für das Dritte Reich ein amoralischer Ästhetizismus kennzeichnend, so ist es für die BRDeine moralisierende Häßlichkeit«, schreibt er über die Staatsarchitektur nach 1945. Ausgehend von der von Borrmann als »globalisierte Monokultur« und»Esperantoarchitektur« bezeichneten Bauhaus-Tradition, resultierten die Abrißorgien und die häufig als »demokratische Architektur« titulierten gläsernen Staatsbauten aus dem Geist der Nachkriegszeit. Resultat dieses Geistes sind auch die gepflegten, sich stetig vermehrenden, teils monumentalen Gedenkstätten für NS-Opfer, denen gegenüber die häufig beschädigten und beschmierten Denkmale für die deutschen Kriegsopfer auffällig kontrastieren.

Norbert Borrmanns Identität & Gedächtnis kann man hier bestellen.

 

 

 


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