Wladimir Iljitsch Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus.

Wladimir Iljitsch Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Gemeinverständlicher Abriß.Kritische Neuausgabe mit Essays von Dietmar Dath und Christoph Türcke, hrsg. von Wladislaw Hedeler und Volker Külow, Berlin: Verlag 8. Mai 2016. 358 S., 24.90 €

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

»Es gibt«, schrieb Geor­ges Labi­ca ein­mal, »bestimm­te Begrif­fe, die von ihrem Ver­mö­gen, die Rea­li­tät zu erfas­sen, nichts an Klar­heit ein­ge­büßt haben. Impe­ria­lis­mus ist einer davon«, und man habe, fuhr der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph fort, in der gegen­wär­ti­gen Pha­se der libe­ral­ka­pi­ta­lis­ti­schen Glo­ba­li­sie­rung Lenins »neu­en Impe­ria­lis­mus« in einem höhe­ren Ent­wick­lungs­sta­di­um erreicht. Labi­ca, der Lenin im Kon­text eben­je­ner Glo­ba­li­sie­rung neu inter­pre­tier­te, bezog sich auf Lenins Der Impe­ria­lis­mus als höchs­tes Sta­di­um des Kapi­ta­lis­mus(1917).

Aller­dings gibt es in Deutsch­land immer weni­ger Lin­ke, die die­sen Befund tei­len, die sich also der neo­li­be­ra­len Ent­ker­nung ihrer Pro­gram­ma­tik ver­wei­gern konn­ten. Die mar­xis­ti­sche Tages­zei­tung jun­ge Welt (jW) legt in ihrem Ver­lag gegen die­sen Trend eine kri­ti­sche Neu­aus­ga­be von Lenins Opus magnum vor. Sie ent­hält neben der Schlüs­sel­schrift des Anti­im­pe­ria­lis­mus selbst wei­te­re Tex­te Lenins und eine erhel­len­de Werk­ge­schich­te aus den Federn Vol­ker Külows und Wla­dis­law Hede­lers, sei­nes Zei­chens Autor der bemer­kens­wer­ten Bucha­rin-Bio­gra­phie (Mat­thes & Seitz Ber­lin, Ber­lin 2015).

Ein­ge­lei­tet wird die mehr­jäh­ri­ge Fleiß­ar­beit des Ver­lags indes durch zwei Essays: Diet­mar Dath, FAZ-Feuil­le­to­nist, plä­diert in sei­nem Bei­trag »Text und Tat« für eine an Lenin aus­ge­rich­te­te Reak­ti­vie­rung anti­im­pe­ria­lis­ti­scher Theo­rie und Pra­xis, wäh­rend Chris­toph Türcke (vgl. Sezes­si­on 72) in »Dere­gu­lier­ter Impe­ria­lis­mus« Lenins The­sen an der Gegen­wart des zeit­ge­nös­si­schen Kapi­ta­lis­mus und sei­ner geo­po­li­ti­schen wie ‑öko­no­mi­schen Ver­wer­fun­gen prüft.

Von Lenin – der selbst eine sinis­te­re Rol­le als Vor­gän­ger des Gewalt­herr­schers Sta­lins spiel­te – stammt die Erkennt­nis, daß Impe­ria­lis­mus Gewalt­po­li­tik zur Erwei­te­rung der Hege­mo­nie kapi­ta­lis­ti­scher Groß­mäch­te ist, wobei die impe­ria­lis­ti­sche Pha­se des Kapi­ta­lis­mus mit der »Herr­schaft der Mono­po­le« und der Kapi­tal­spe­ku­la­ti­on ver­bun­den ist. Nicht zuletzt ange­sichts die­ser Prä­mis­sen und der mitt­ler­wei­le »gigan­ti­schen Aus­ma­ße des in weni­gen Hän­den kon­zen­trier­ten Finanz­ka­pi­tals« (Lenin) wird deut­lich, daß auch in unse­ren Tagen die Pro­blem­stel­lung unver­än­dert ist und Geor­ges Labi­ca recht hat­te. Für Kon­ser­va­ti­ve könn­te es sich in Anbe­tracht der per­p­etu­ier­ten Kri­sen­si­tua­ti­on des Kapi­ta­lis­mus für­der­hin loh­nen, bei Lenin statt bei Hayek in die Schu­le zu gehen.

Die Neu­aus­ga­be von Lenins Der Impe­ria­lis­mus als höchs­tes Sta­di­um des Kapi­ta­lis­mus kann man hier bestellen.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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