Michael Beleites: Land-Wende. Raus aus der Wettbewerbsfalle!

Michael Beleites: Land-Wende. Raus aus der Wettbewerbsfalle!, Marburg: Metropolis 2016. 184 S., 18 €

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Vor zwei Jah­ren leg­te der Publi­zist Micha­el Belei­tes (Jg. 1964) mit Umwelt­re­so­nanz ein umfang­rei­ches Werk vor, das sich nicht weni­ger als die Wider­le­gung der Selek­ti­ons­theo­rie vor­ge­nom­men hat­te. Der reduk­tio­nis­ti­schen Bio­lo­gie, die in der Natur nur die­ses eine Prin­zip wal­ten sieht, setz­te er die orga­nis­mi­sche Bio­lo­gie ent­ge­gen, die die Orga­nis­men in den Zusam­men­hang des Öko­sys­tems stellt und von dort­her eine neue Sicht auf die Varia­bi­li­tät der Arten gewinnt. Belei­tes lei­tet zudem poli­ti­sche Kon­se­quen­zen aus sei­ner bio­lo­gi­schen The­se ab, die über den wis­sen­schaft­li­chen Anspruch des Buches hin­aus­ge­hen. Die­sen Aspekt hat Belei­tes jetzt in ein­gän­gi­ger Form und an prak­ti­schen Bei­spie­len erläu­tert in einem schma­len Band zusam­men­ge­faßt, so daß auch der Leser, der sich nicht in die Tie­fen der bio­lo­gi­schen Pro­zes­se vor­wa­gen möch­te, den Wert der The­sen prü­fen kann.

In Land-Wen­desteht die poli­ti­sche Kon­se­quenz aus der orga­nis­mi­schen Bio­lo­gie im Mit­tel­punkt: Raus aus der Wett­be­werbs­fal­le! Die­se ist, so Belei­tes, wenn auch nicht auf das dar­wi­nis­ti­sche Den­ken zurück­zu­füh­ren, so doch von daher nach­träg­lich legi­ti­miert wor­den. Wenn in der Natur ein Ver­drän­gungs­wett­be­werb herrscht, so kön­ne es beim Men­schen »natür­lich« nicht anders sein. Das ist aber nur einer der Angriffs­punk­te von Belei­tes, der auch die Rei­he klas­si­scher Ein­wän­de gegen das Wachs­tums­den­ken (die begrenz­te Erde, Quan­ti­tät ver­sus Qua­li­tät) nicht uner­wähnt läßt.

Die Land­wirt­schaft ist als zen­tra­les Bei­spiel nahe­lie­gend, da sie die Basis­wirt­schaft jeder mensch­li­chen Kul­tur ist und sich an ihr gut demons­trie­ren läßt, daß der Wett­be­werb ein fal­sches Leit­bild ist. Das aus die­sem fol­gen­de »Wach­sen oder Wei­chen« führt zum bekann­ten Höfe-Ster­ben, zu Mono­kul­tu­ren, zur Ver­seu­chung der Lebens­mit­tel mit Pes­ti­zi­den und Anti­bio­ti­ka, letzt­end­lich zur Ent­frem­dung des Men­schen von der Natur, was Belei­tes als Des­in­te­gra­ti­on des Men­schen bezeichnet.

Wie sieht sei­ne Lösung aus? Zunächst liegt die Mini­mie­rung von Agro­che­mi­ka­li­en nahe, die lang­fris­tig die Böden ver­seu­chen und den Pro­fit der Indus­trie meh­ren, was über eine Besteue­rung die­ser Che­mi­ka­li­en erreicht wer­den könn­te. Sinn­voll sei das aber nur, so Belei­tes, wenn gleich­zei­tig die Betrie­be durch die Ver­bin­dung von Tier­hal­tung und Pflan­zen­an­bau wie­der die Mög­lich­keit schaff­ten, selbst ihren Dün­ger zu pro­du­zie­ren. Bei Pflan­zen und bei Tie­ren muß zu einer ganz­heit­li­chen und art­ge­rech­ten Züch­tung gefun­den wer­den, so daß man Arten züch­tet, bei denen nicht zuguns­ten eines Merk­mals die rest­li­chen völ­lig dege­ne­riert sind. Der Hebel, um all das zu beför­dern, wäre eine ersatz­lo­se Abschaf­fung der Agrar­sub­ven­tio­nen, die, so hofft Belei­tes, lang­fris­tig eine Nah­rungs­sou­ve­rä­ni­tät und Wert­schät­zung der Nah­rung (und natür­lich des Bau­ern­stan­des) nach sich zie­hen könnte.

Belei­tes geht es nicht um eine Öko­land­wirt­schaft, die mitt­ler­wei­le selbst indus­tri­el­le Züge aus­bil­det, son­dern um eine genera­tio­nen­über­grei­fen­de »Per­ma­kul­tur«, die ihre Grund­la­ge in einer gro­ßen Anzahl von Selbst­ver­sor­ger­hö­fen haben müß­te. Den Staat nimmt Belei­tes dabei als För­de­rer die­ser Lebens­wei­se in die Pflicht, indem er vor­schlägt,  Selbst­ver­sor­gern Land und ein Grund­ein­kom­men zur Ver­fü­gung zu stel­len. Letzt­lich geht es ihm um einen ganz­heit­li­chen Ansatz, der sich nicht auf Aus­stei­ger beschrän­ken kann und ein radi­ka­les Umden­ken von allen erfor­dert. Letzt­lich wird die Fra­ge lau­ten, unter wel­chen poli­ti­schen Bedin­gun­gen das mög­lich wäre.

Micha­el Belei­tes Land-Wen­de kann man hier bestel­len.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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