Peter Betthausen: Kleine deutsche Kunstgeschichte

Eine Rezension von Felix Dirsch

 Gastbeitrag

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Peter Bett­hau­sen: Klei­ne deut­sche Kunst­ge­schich­te. Ein Nach­ruf, Kar­we b. Neu­rup­pin: Edi­ti­on Rie­ger 2015. 233 S., 14.90 €.

Um 2000 fand eine grö­ße­re Debat­te um ein etwai­ges Wesen der deut­schen Kunst statt. Ken­ner der Mate­rie wie Hans Bel­ting, Wer­ner Hof­mann, Robert Sucka­le und Hein­rich Klotz betei­lig­ten sich an der Kontroverse.

Der Ber­li­ner Gelehr­te Peter Bett­hau­sen ist also mehr oder weni­ger Epi­go­ne. Sei­ne essay-artig ange­leg­te Dar­stel­lung bie­tet einen kom­pri­mier­ten Abriß wich­ti­ger Sta­tio­nen der Kunst in Deutsch­land. Er ver­sucht, die meis­ten Gat­tun­gen der Kunst zu berück­sich­ti­gen. Eine Art »deut­sches Wesen« zu eru­ie­ren, lehnt er ab. Statt­des­sen will er auf Beson­der­hei­ten her­aus­ra­gen­der Arte­fak­te in den unter­schied­li­chen deut­schen Lan­den auf­merk­sam machen. Das ist natür­lich nicht ein­fach, denn zwi­schen einem Buch­ma­ler auf der Insel Rei­chen­au im 10. Jahr­hun­dert und einem Künst­ler des 16. Jahr­hun­derts, etwa Grü­ne­wald, hal­ten sich die Gemein­sam­kei­ten in Grenzen.

Ent­spre­chend dem häu­fig ange­führ­ten Dik­tum Lud­wig Dehi­os ver­steht Bett­hau­sen die mit­tel­al­ter­li­chen Kir­chen als das Fun­da­ment der deut­schen Kunst. Zu den exzel­len­ten Ver­tre­tern sei­ner Zunft im Über­gang vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit zählt der so viel­sei­ti­ge Albrecht Dürer. Barock- und Roko­ko-Zeit­al­ter wer­den in Grund­zü­gen abge­han­delt, eben­so der Klas­si­zis­mus. Die Kunst des 19. Jahr­hun­derts erör­tert der Ver­fas­ser genau­so wie die Zeit von 1900 bis 1945.

Zu den Vor­tei­len der Stu­die zählt, daß sie auf his­to­ri­sche Ereig­nis­se und Strö­mun­gen, wie all­ge­mein auch immer, ein­geht. Die letz­te Peri­ode, die der Autor the­ma­ti­siert, ist der von den Natio­nal­so­zia­lis­ten miß­brauch­te Neo­klas­si­zis­mus. Sün­den­fall ist sei­ner Mei­nung nach die Aus­gren­zung moder­ner Kunst von 1933 bis 1945 als »ent­ar­tet«. Danach ist Schluß mit Kunst in Deutsch­land! Der »Nach­ruf« ist inso­fern ergän­zungs­wür­dig, als die Mehr­zahl der Exper­ten auch nach dem Zwei­ten Welt­krieg Ten­den­zen erkennt, die als beson­ders »deutsch« erschei­nen, nicht zuletzt der Neo­ex­pres­sio­nis­mus. Daß die­se Strö­mung vom Ver­fas­ser igno­riert wird, erstaunt eini­ger­ma­ßen. In einem Nach­wort bekun­det Bett­hau­sen beschei­den, er hof­fe auf den Fort­gang der Kunst in Deutsch­land. Der am Ende vor­ge­stell­te Kanon der Kunst­wer­ke ers­ter Ord­nung in Deutsch­land mag zur Wei­ter­ar­beit anregen.

 

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