Sezession
1. Oktober 2016

Peter Betthausen: Kleine deutsche Kunstgeschichte

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Eine Rezension von Felix Dirsch

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Peter Betthausen: Kleine deutsche Kunstgeschichte. Ein Nachruf, Karwe b. Neuruppin: Edition Rieger 2015. 233 S., 14.90 €.

Um 2000 fand eine größere Debatte um ein etwaiges Wesen der deutschen Kunst statt. Kenner der Materie wie Hans Belting, Werner Hofmann, Robert Suckale und Heinrich Klotz beteiligten sich an der Kontroverse.

Der Berliner Gelehrte Peter Betthausen ist also mehr oder weniger Epigone. Seine essay-artig angelegte Darstellung bietet einen komprimierten Abriß wichtiger Stationen der Kunst in Deutschland. Er versucht, die meisten Gattungen der Kunst zu berücksichtigen. Eine Art »deutsches Wesen« zu eruieren, lehnt er ab. Stattdessen will er auf Besonderheiten herausragender Artefakte in den unterschiedlichen deutschen Landen aufmerksam machen. Das ist natürlich nicht einfach, denn zwischen einem Buchmaler auf der Insel Reichenau im 10. Jahrhundert und einem Künstler des 16. Jahrhunderts, etwa Grünewald, halten sich die Gemeinsamkeiten in Grenzen.

Entsprechend dem häufig angeführten Diktum Ludwig Dehios versteht Betthausen die mittelalterlichen Kirchen als das Fundament der deutschen Kunst. Zu den exzellenten Vertretern seiner Zunft im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit zählt der so vielseitige Albrecht Dürer. Barock- und Rokoko-Zeitalter werden in Grundzügen abgehandelt, ebenso der Klassizismus. Die Kunst des 19. Jahrhunderts erörtert der Verfasser genauso wie die Zeit von 1900 bis 1945.

Zu den Vorteilen der Studie zählt, daß sie auf historische Ereignisse und Strömungen, wie allgemein auch immer, eingeht. Die letzte Periode, die der Autor thematisiert, ist der von den Nationalsozialisten mißbrauchte Neoklassizismus. Sündenfall ist seiner Meinung nach die Ausgrenzung moderner Kunst von 1933 bis 1945 als »entartet«. Danach ist Schluß mit Kunst in Deutschland! Der »Nachruf« ist insofern ergänzungswürdig, als die Mehrzahl der Experten auch nach dem Zweiten Weltkrieg Tendenzen erkennt, die als besonders »deutsch« erscheinen, nicht zuletzt der Neoexpressionismus. Daß diese Strömung vom Verfasser ignoriert wird, erstaunt einigermaßen. In einem Nachwort bekundet Betthausen bescheiden, er hoffe auf den Fortgang der Kunst in Deutschland. Der am Ende vorgestellte Kanon der Kunstwerke erster Ordnung in Deutschland mag zur Weiterarbeit anregen.

 


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