Michael Klonovsky: Die Liebe in Zeiten der Lückenpresse.

Eine Rezension von Konrad Gill

 Gastbeitrag

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Micha­el Klo­n­ovs­ky: Die Lie­be in Zei­ten der Lücken­pres­se. Reak­tio­nä­res vom Tage. Acta Diur­na 2015, Waltrop und Leip­zig: Manu­scrip­tum 2016. 391 S., 24.80 €

Als Ende April 2016 bekannt wur­de, daß Micha­el Klo­n­ovs­ky statt als FOCUS-Redak­teur künf­tig als publi­zis­ti­scher Bera­ter für die AfD-Spre­che­rin Frau­ke Petry arbei­ten wür­de, dürf­ten nicht weni­ge sei­ner Leser irri­tiert gewe­sen sein. Der Augur als Reden­schrei­ber? Soll­te das gut­ge­hen? Die Beden­ken schwan­den etwas, nach­dem der spöt­ti­sche Beob­ach­ter und Zeit­läuf­t­e­be­glei­ter die taz in einem Inter­view nach allen Regeln der Kunst abge­fer­tigt hat­te. Klo­n­ovs­ky ließ sich nicht aus der Ruhe brin­gen, dafür den Befra­ger abge­klärt-iro­nisch auf­lau­fen (»Haben Sie über­se­hen, daß man Sie mög­li­cher­wei­se nur miß­braucht, um das Pro­fil der rechts­kon­ser­va­ti­ven AfD durch einen streit­ba­ren Intel­lek­tu­el­len auf­zu­po­lie­ren?« – »Das habe ich in der Tat übersehen.«).

Sol­cher­ma­ßen durch die Aus­sicht getrös­tet, daß der über­ra­schen­de Sprung ins Feld der Poli­tik für das Publi­kum ver­gnüg­lich wer­den könn­te, nimmt man nun die im Früh­jahr erschie­ne­ne Samm­lung sei­ner 2015 ver­faß­ten reak­tio­nä­ren »Noti­zen vom Tage« ger­ne zur Hand. Wie schon im Vor­gän­ger­band Bit­te nach Ihnen (sie­he Sezes­si­on 66/2015) wur­den auch die­se Tex­te bereits auf der Netz­sei­te prä­sen­tiert. Klo­n­ovs­kys Acta bil­den einen Teil jenes Zeit­rau­mes ab, in dem auch Hart­ge­sot­te­nen wegen der ori­en­ta­li­schen und afri­ka­ni­schen Inva­si­on Euro­pas klar wer­den muß­te, daß »Bio­po­li­tik« in Karat­schi, Lagos oder Tehe­ran kein Fremd­wort ist, daß die bis­he­ri­gen schwer erträg­li­chen Toll­häus­le­rei­en der Ferns­ten­lie­be sehr wohl noch deut­lich stei­ge­rungs­fä­hig waren und daß alle bis­he­ri­gen Ein­wan­de­rungs­pro­ble­me auf Klein­for­mat schrump­fen konn­ten. Klo­n­ovs­ky sieht in sei­nen Noti­zen die Eli­ten und zu gro­ßen Tei­len auch die ver­führ­ba­ren Nicht-Eli­ten eines hoch­ent­wi­ckel­ten Lan­des mit irr­sin­ni­gem Joh­len dem Abgrund entgegenspringen.

Die ers­ten Tex­te zum Jah­res­be­ginn ste­hen im Zei­chen der Atten­ta­te von Paris und der zu die­sem Anlaß wie­der ein­mal auf­ge­führ­ten Schein­de­bat­ten um Mei­nungs­frei­heit, »Reli­gi­ons­kri­tik« und mos­le­mi­sches Gewalt­po­ten­ti­al. Aber die Ori­en­tie­rung am Tages­ak­tu­el­len hält nicht lan­ge vor, denn auch grund­sätz­li­che Fra­gen rufen nach Klä­rung. Immer wie­der wech­seln essay­is­ti­sche Aus­grif­fe sich mit Debat­ten­kri­tik und Nach­rich­ten­ana­ly­se ab, auch Kunst und Genuß hat Klo­n­ovs­ky unter all den lei­der not­wen­di­gen Angrif­fen gegen das »Moral­her­ren­men­schen­tum« der Mäch­ti­gen nicht ver­ges­sen. Aus die­ser Samm­lung eines Jah­res ist damit wie­der ein anre­gen­des und klu­ges Buch gewor­den. Die Lie­be zu unse­rer Kul­tur und Iden­ti­tät, zu Ver­nunft und Wahr­heit – wir wer­den sie uns auch in Zei­ten der Lücken­pres­se nicht aus­re­den las­sen. Klo­n­ovs­ky gibt zu die­sem Wider­stand geis­ti­ges Rüstzeug.

Die Lie­be in Zei­ten der Lücken­pres­se von Micha­el Klo­n­ovs­ky kann man hier bestel­len.

 

 

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