Sezession
30. Juli 2018

Sonntagsheld (71) – Der Bannon-Maréchal-Komplex

Till-Lucas Wessels / 12 Kommentare

Die Revolution sagt: ich war, ich bin, ich werde sein.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Stark (vielleicht zu stark?) beachtet vom politischen Feuilleton konnte der ehemalige Chefstratege Donald Trumps, Steve Bannon in den vergangenen Tagen seine Vorstellungen zu einer neuen rechtspopulistischen Stiftung präsentieren.

Der Hintergedanke ist simpel, aber genial: Ähnlich wie z.B. die Open Society Foundations des Milliardärs George Soros massiv zum Professionalisierungsgrad der außerparlamentarischen Aktivitäten der etablierten Eliten beitragen, soll Bannons in Brüssel ansässige The Movement Foundation infrastrukturelle Unterstützungsarbeit für den populistischen Widerstand in Europa leisten.

Ein bereits formuliertes Kernziel seiner Arbeit zudem: Ein großer populistischer Parteienblock, der bei der kommenden Europawahl ein Drittel der Parlamentssitze erobern und so den parlamentarischen Betrieb massiv stören und beeinflussen soll.

Es ist eine Vision, die – bei allen Bedenken, die bei jeglicher Einflussnahme von jenseits des Atlantiks angeraten sind – zur rechten Zeit kommt, sie reiht sich ein in eine Dynamik, die sich zwangsläufig aus den momentan vor uns liegenden Mühen der Ebene ergibt: Anfang des Monats stellte die französische Ex-Front-National-Politikerin Marion Maréchal das künftig von ihr geleitet Institut für Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaft in Lyon vor.

Ab Oktober sollen hier junge Franzosen in allem ausgebildet werden, was man als rechter Nachwuchspolitiker braucht: Desinformation und Leadership, europäische Geschichte und Gesellschaftstanz um nur einen kleinen Teil des Curriculums zu nennen.

Zwei Projekte, ein Ziel: Die europäische Neue Rechte beginnt sich zu professionalisieren. Auch diese Professionalisierung ist natürlich ein Weg, der in zwei Richtungen führen kann, beide führen einstweilen raus aus der gesellschaftlichen Marginalisierung, eine davon weist auf die freiwerdenden Plätze an der Seite der altersschwachen Volksparteien.

Die andere allerdings führt hin zu einem neuen rechten Selbstbewusstsein und einer damit verbundenen Verantwortungsethik: Wenn wir davon ausgehen, dass wir mit unserer metapolitischen Arbeit letztendlich realpolitischen Erfolg haben werden, wird der ohnehin schon große Bedarf an weltanschaulich gefestigten, gut ausgebildeten und charakterlich zuverlässigen Kadern und entsprechenden Strukturen in absehbarer Zeit in ungeahntem Ausmaß anwachsen.

Bannon und Maréchal tun also gut daran, auf der einen Seite die Ausbildung junger Aktivisten zu institutionalisieren und auf der anderen Seite professionelle Netzwerke und Spezialisten zur Verfügung zu stellen um dem Gramscianismus des dritten Jahrtausends gewachsen zu sein.

Wie erfolgreich die zwei mit ihrem jeweiligen Projekt sein werden bleibt abzuwarten, ich beobachte einstweilen interessiert von Halle aus und schicke zur Unterstützung den obligatorischen Lorbeerkranz.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (12)

AlexSedlmayr
30. Juli 2018 09:05

Das Entscheidende wird es sein jetzt Europa in den Blick zu nehmen. Während der Fokus jetzt zwar erst einmal auf der Bayern-Wahl in den wenigen verbleibenden Monaten liegt, so dürfte doch die Europa-Wahl im kommenden Jahr angesichts der Überrollung, die uns von internationaler Seite seit Jahren bedroht, eine womöglich sogar entscheidendere Größe sein.

Neben der weitverbreiteten Ignoranz vieler deutscher Wähler gegenüber der europäischen Ebene, werden wir in unserem eigenen Lager durch die Ansicht geschwächt, das Wählen und Nutzen des Europäischen Parlaments, der Europäischen Union würde zu deren Machtverfestigung beitragen. Der schädliche Einfluss dieser Leute muss ebenso ernst genommen werden, wie der von Aufrufern zum Nichtwählen vor den Bundestagswahlen.

Ob wir es wollen oder nicht ist Deutschland in diesen Organisationen verflochten von dort werden uns Zumutungen zugestellt oder aber dorthin werden essentielle Fragen inzwischen durch die Bundesregierung ausgelagert (europäische Lösungen), um das dortige Nichtstun oder den ideologischen Zuspruch das Beibehalten des Status Quo zu rechtfertigen.

Wenn die Rechten nicht zur Wahl gehen, dass haben uns der Großteil der Linken Parteien mit ihrer gesinnungsethischen Mobilisierung weit voraus, werden es die Linken trotzdem tun und sie werden dann auf weitere Jahre die Arbeitsweise der Union (zu unseren Ungunsten) bestimmen.

Es muss klar sein, dass unser Schicksal ob wir wollen oder nicht mit der EU auf mittlere Sicht verflochten sein wird und es muss klar gemacht werden, dass die EU ein Vehikel für die Nationalstaaten sein kann, dass Europa nicht per se der Feind ist, sondern uns zum Feind gemacht wurden durch die Okkupation des EU-Apparats durch Globalisten. Es sollte daher unser Ziel nicht Zerstörung der Institutionen sein, sondern wir müssen sie für uns beanspruchen, statt uns bockig zurückzuziehen. Die international verständliche Parole für das kommende Jahr müsste also lauten: Reclamation Day.

Statt nur zu reagieren wird es Zeit den (meta)politischen Kampf mit Macht ins Haus derjenigen zu tragen, die die Nationen bedrohen. Wir wollen und müssen es für uns fordern und mit den dortigen über die Jahre akkumulierten Mitteln ließe sich problemlos eine Strategie entwerfen, die diesmal wirklich im gesamteuropäischen Interesse ist und die Festung Europa über den ganzen Kontinent ausrollt und letztlich keine Schwachstellen mehr lässt.

Womöglich unterschätzen die AfD und ihre Wähler diesen wichtigen Schauplatz des politischen Kampfes im kommenden Jahr. Ich hoffe die Sezession wird ihr Ihriges tun, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Eroberung des europäischen Parlaments zu schaffen, wie sie Bannon erkannt hat.

wodantok
30. Juli 2018 10:44

Auf das die Götter diesem Vorhaben gütig gegenüberstehen!

centurio
30. Juli 2018 10:59

Schön ironisch geschrieben. Bannon wird nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa nicht gebraucht. In den USA pendelt seine Beziehung zur Alt-Right-Bewegung zwischen plumper Anbiederung und Distanzierung hin und her. Ernst nimmt den Schwätzer dort keiner mehr. Die europäischen Rechtsparteien tun gut daran, sich den Gleichschaltungsbemühungen dieses amerikanischen Mainstream-Populisten zu entziehen.

Caroline Sommerfeld
30. Juli 2018 11:36

Ach dann doch entschieden lieber Mut zur Sezession als "Kader" ... Aber ich weiß schon, dieses ästhetische Urteil entstammt einer alten Welt, in der uns "Chefstrategen" zuwider sein durften.

Was mich verwirrt hat, als ich die ersten Berichte zu Bannons "Bewegung" las: der will keine "ethnic nationalists" dabeihaben, hieß es. Näheres fand ich nicht ausgeführt dazu, also ob er in der üblichen Kantenscherenmanier nur Alte Rechte meint (wenn ja, wozu davon abgrenzen? Die interessiert sein Movement eh einen feuchten Kehricht), oder womöglich unsereinen?
Civic nationalism läuft wohl nicht so glatt in Europa, wie Bannon in seiner amerikanischen Wunschprojektion annimmt.

Andreas Walter
30. Juli 2018 16:41

Wie man eine unerwünschte Bewegung und Partei einsackt.

In dem man ihr das verschafft, was ihr fehlt, wonach sie giert, eben das was ihr andere vorenthalten. Reichweite, mediale Aufmerksamkeit. Bis es irgendwann so erscheint, als seien diese Netzseiten ein Sprachrohr dieser Partei, Bewegung.

Frage mich, ob die AfD das schon bemerkt hat, welche Rhetorik auf diesen Seiten teilweise immer mehr gefahren wird. Oder geht das nicht anders. Nein, ich meine damit nicht die Sezession, sondern eher andere, auch in der Sprache bereits anders geartete Netzseiten. Zwischen Abgrenzung und Abwertung gibt es nämlich einen Unterschied. Habe darum auch den Eindruck, dass manche dieser Netzseiten ein anderes Ziel verfolgen, das sich mit deutschen Interessen nur bedingt deckt. Wobei auch ich ja nur von meinem Eindruck und auch Vorstellungen ausgehe. Bilde ich mir dieses Überschiessen also nur ein, oder hat sich die Rhetorik tatsächlich verschärft, und ist das überhaupt nötig?

ALD
30. Juli 2018 18:07

Bannon und seine Idee von einer weißen judeo-christlichen Welt (inklusive Rußland) gegen die sich neu zusammenfügende "Axe" der "alten Zivilisationen" aus China, Iran und Türkei ist der absurde Ausdruck seines mangelnden Wissens und der zum Scheitern verurteilte Konstruktionsversuch eines gemeinsamen europäisch-amerikanischen Feindes, mit dem irrsinnigen Ziel das zu verhindern, was nur durch eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes zu verhindern wäre; die schrittweise, kooperative Aussöhnung der Völker auf der eurasischen Landmasse auf der Basis nationalstaatlicher Strukturen und vernünftigem Handel.

Wer Hoffnungen auf den Dummschwätzer Bannon und seine abstrusen Pläne für Europa setzt, muß ziemlich verzweifelt sein, Herr Wessels. Der schwächste Sonntags"held" bisher muss ich leider sagen....

Da scheint Aufmunterung vonnöten...daher: einen wirklichen Helden (wenn auch rein fiktiv) möchte ich auch Ihnen nochmal vorstellen. Der AfD (AllesFürDeutschland)-MANN springt in die Bresche um Deutschland zu retten! Heikle Spezialeinsätze in feindlichem Gebiet mit größter Sorgfalt vollführt sind seine Spezialität. Nichts kann ihn mehr aufhalten und niemand kann ihn stoppen.
hier schon mal seine Bewerbung für einen der nächsten Lorbeerkränze aus Halle:
https://www.youtube.com/watch?v=tougUCOpUqo&t=1s

Solution
30. Juli 2018 19:00

Vorsicht bei Bannon. Für mich ist er ein Pseudo-Rechter. Das gilt übrigens mittlerweile auch für den FN und andere. Sie ignorieren die biologischen Grundlagen des Menschen. Sie werden im günstigsten Fall das Verhängnis nicht aufhalten, allenfalls etwas abbremsen können.

Es ist schon merkwürdig: Je mehr uns die Realität bestätigt und je mehr nur
noch durchgreifendere Lösungen helfen können, umso weichgespülter werden sie.

Franz Bettinger
30. Juli 2018 22:04

Ich bin auf Seiten Wessels. Ich denke, jede Hilfe - und sei sie auch nur monetärer Art, ja sogar jede Querfront - ist recht, solange sie uns nicht korrumpiert. Wir können es uns nicht leisten, wählerisch zu sein.

Max Piccolomini
30. Juli 2018 22:29

Könnten wir uns vielleicht darauf verständigen, das Wort "Rechtspopulismus" incl. sämtlicher Ableitungen fürderhin nicht mehr zu verwenden (jedenfalls nicht in affirmativem Verstande)? Und "Desinformation" als Ziel rechter Bildungsarbeit - das ist nun wirklich daneben. Da hilft Ihnen auch der zu erwartende Hinweis auf eine "tief versteckte und mehrfach gebrochene Ironie" nichts. Mit Verlaub.

W. Wagner
31. Juli 2018 09:41

Kann eine Gegenaufklärung nicht auch ohne Bannon gelingen?
Ein Beispiel: Gestern titelte die ZEIT, dass die Opposition in Italien Innenminister Salvinis Rücktritt fordere, weil dieser ein Mussolini-Zitat brachte. Auf meinem Smartphone wurde dieser Text den ganzen Tag über unter den vier wichtigsten Meldungen angezeigt. Doch in Italien selbst spielt das Thema nun wirklich keine Rolle. Das interessiert ein paar Medien wie La Repubblica, aber Salvini eben wirklich nicht. Er und die Regierung sitzen fest im Amt.
Gegen solche ZEIT-Meldungen müsste unmittelbar eine Gegendarstellung erfolgen - auf welcher Internetseite auch immer. Braucht es dafür erst die Arbeit eines Bannon?

AlexSedlmayr
31. Juli 2018 12:34

Bannon mag ein Schwätzer sein, aber die gesamteuropäische Perspektive hat er erkannt. Jetzt wo Coups in einigen Staaten stattgefunden haben oder politische Verschiebungen voranschreiten, müsste man die Gelegenheit der bald stattfindenden Europa-Wahl dafür nutzen, um die Handlungsspielräume auch international zu vergrößern, auch in dem man sich weiter vernetzt.

Die Akteure, die sich jetzt in den Vordergrund drängen, sind womöglich zu handzahm, niedlich oder feige, aber es heißt ja nicht, dass man es Bannon, Marion, "Gesellschaftstanz" und "Desinformation" allein überlassen muss.

Dieter Rose
31. Juli 2018 18:10

. . . und Mussolini
hat aus Caesars De bello gallico
zitiert

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