Jan Ganschow/Olaf Haselhorst: 1815 – Die Befreiungskriege und das Ende des Napoleonischen Zeitalters.

Eine Rezension von Konrad Gill

 Gastbeitrag

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Jan Ganschow/Olaf Hasel­horst: 1815 – Die Befrei­ungs­krie­ge und das Ende des Napo­leo­ni­schen Zeit­al­ters. Vor­ge­schich­te – Ver­lauf – Fol­gen, Graz: Ares 2015. 488 S., 29.90 €

Gewis­ser­ma­ßen als Schluß­wort zur Bücher­flut anläß­lich der Jubi­lä­ums­jah­re 2013–2015 hat der erfah­re­ne Mili­tär­his­to­ri­ker Olaf Hasel­horst zusam­men mit dem Exper­ten für Kriegs­völ­ker­recht Jan Gan­schow ein beacht­li­ches, dick­lei­bi­ges Kom­pen­di­um vor­ge­legt. Für die Bewäl­ti­gung des Buches braucht der Leser einen lan­gen Atem, beginnt der Gedan­ken­gang doch bereits tief im 17. Jahr­hun­dert mit einer Geschich­te des Abso­lu­tis­mus in Frank­reich und einer kur­zen Sozi­al- und Geis­tes­ge­schich­te des 18. Jahr­hun­derts. Der Unter­ti­tel »Vor­ge­schich­te – Ver­lauf – Fol­gen« ist ganz ernst zu nehmen.

Um in der Beschrei­bung über die Auf­stän­de von 1808/1809 als Wet­ter­leuch­ten der Befrei­ungs­krie­ge bis zur Kon­ven­ti­on von Tau­rog­gen (1812) zu gelan­gen, benö­ti­gen die Autoren bereits 150 Sei­ten. Daß die eigent­li­chen Kriegs­hand­lun­gen der Jah­re 1813–1815 dann nur knap­pe, aber für den eini­ger­ma­ßen ori­en­tier­ten Leser aus­rei­chen­de 50 Sei­ten in Anspruch neh­men, zeigt, daß Gan­schow und Hasel­horst in gro­ßen Räu­men den­ken und kei­ne rei­ne Mili­tär­ge­schich­te schrei­ben woll­ten. Eige­ne Kapi­tel zu den The­men »Waf­fe, Waf­fen­ge­brauch und Tak­tik«, »Der Kunst­raub Napo­le­ons«, »Wie­ner Kon­greß und Hei­li­ge Alli­anz« sowie» Die Befrei­ungs­krie­ge in der Erin­ne­rungs­kul­tur« bie­ten gebün­delt alles, was die ande­ren zum Jubi­lä­um erschie­ne­nen Bücher nur ver­streut boten – wenn nicht noch mehr.

Für Exper­ten hilf­reich, für die meis­ten Leser aber wohl zu lang gera­ten ist ein Kapi­tel über »Kriegs­brauch und Kriegs­greu­el«, das auf mehr als 120 Sei­ten nicht mit zeit­ge­nös­si­schen Schil­de­run­gen der Kriegs­schre­cken spart und aus­führ­lich das Kriegs(völker)recht jener Zeit vor­stellt. Über­haupt über­rascht – posi­tiv – der Mut der Ver­fas­ser, in der­ar­ti­ger Aus­führ­lich­keit die Quel­len spre­chen zu las­sen, frei­lich ohne sich hin­ter ihnen zu ver­ste­cken oder sich im eige­nen Gedan­ken­gang zu ver­ir­ren. Vor letz­te­rem bewahrt sie schon die jeder­zeit nach­voll­zieh­ba­re und über­sicht­li­che Glie­de­rung des Werks.

Bio­gra­phi­sche Noti­zen machen das Buch sogar als Nach­schla­ge­werk inter­es­sant, sie ste­hen in Fuß­no­ten je dort, wo die Per­son das ers­te Mal auf­taucht (was etwas unüber­sicht­lich ist, sie wären in einem Anhang bes­ser auf­ge­ho­ben gewe­sen). Auch an grif­fi­gen For­mu­lie­run­gen herrscht wahr­lich kein Man­gel (so im Vor­wort von Lothar Höbelt das Wort vom infla­ti­ons­ge­fähr­de­ten Papier­geld als der »all­ge­mei­nen Wehr­pflicht auf dem finan­zi­el­len Sek­tor«). Ins­ge­samt ein fabel­haf­tes Buch, an dem im wesent­li­chen nur eines kri­ti­siert wer­den kann: daß es min­des­tens zwei Jah­re zu spät erschie­nen ist. Wer Hasel­horst und Gan­schow liest, kann auf die übri­gen Gesamt­dar­stel­lun­gen getrost verzichten.

Die Befrei­ungs­krie­ge und das Ende des Napo­leo­ni­schen Zeit­al­ters von Jan Gan­schow Olaf Hasel­horst kann man hier bestel­len. 

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