Sezession
1. Juni 2016

Michael Fiedrowicz (Hrsg.): Kardinal Pie von Poitiers – Nachfolger des hl. Hilarius

Gastbeitrag

Eine Rezension von Sophia Gatzmaga

Michael Fiedrowicz (Hrsg.): Kardinal Pie von Poitiers – Nachfolger des hl. Hilarius. Ausgewählte Texte, Fohren-Linden: Carthusianus 2014. 304 S., 26.90 €

Um zu erkennen, daß am Liberalismus die Völker zugrunde gehen, mußte ein weitblickender Denker nicht erst das 21. Jahrhundert abwarten. Schon zu seiner Zeit konnte er deutlich ermessen, welche Früchte auf dem Acker eines schweren Irrtums zu erwarten sind. Ein solcher Mann war der Bischof von Poitiers, Louis Kardinal Pie (1815–1880), der seinem selbstherrlichen 19. Jahrhundert die üblen Nebenwirkungen des Fortschritts nicht bloß bei Gelegenheit von banalen Sonntagsreden vor Augen hielt, sondern der dessen auf einem illusionären Weltbild beruhende Trugschlüsse lückenlos aufdeckte. In einer präzisen wie schlichten Sprache legte Pie ausführlich dar, daß die ontologische »Bescheidenheit« des modernen Menschen, alles Planen und Handeln einzig an den Notwendigkeiten des Diesseits auszurichten, eine völlige Verkennung der wirklichen Seinsordnung ist und letztlich zum Untergang der liberalen Gesellschaft selbst führt. Das Heil kann nach Pie nicht im kompromißlerischen Paktieren mit den grundfalschen Prinzipien des Liberalismus liegen, sondern vielmehr in der entschiedenen Abkehr von ihnen und in der Hinwendung zu dem, »durch den alles erschaffen ist«.

Da nun das Unheil, das Pie und andere wache Zeitgenossen längst vorausgesehen haben, über die Völker des liberalen Westens mit voller Wucht hereinbricht, ist es erfreulich, daß die Hauptschriften des Kardinals nun auch auf Deutsch vorliegen. So kann sich auch der deutsche Leser von Pies Gedankengängen einen umfassenden Eindruck verschaffen. Die Sorgfalt, die Michael Fiedrowicz bei dieser Ausgabe repräsentativer Schriften Pies walten ließ, erleichtert die Lektüre erheblich. Den Texten ist eine sehr detaillierte Einführung in Pies Leben, sein Denken und Wirken vorangestellt, die Schriften selbst sind nach Themengruppen geordnet. Beide Abschnitte sind mit reichlichen Anmerkungen versehen, im Anhang finden sich außer einem Abkürzungsverzeichnis eine Bibliographie und ein Personen- und Sachregister.

Als »höherer Realist« (im Sinne Dostojewskijs) unterlag Kardinal Pie keinerlei Illusionen über die Erfolgsaussichten seiner Sache in einer gefallenen Welt, vielmehr war ihm bewußt, daß der verblendeten Menschheit ihre schwärzesten Stunden noch bevorstehen. Kurz vor seinem Tode hinterließ er für die »Stunde der Finsternis« eine Maxime, die zu beherzigen für jedermann heilsam sein dürfte: »Ihr alle, meine Brüder, wenn ihr dazu verurteilt seid, den Triumph des Bösen zu sehen, spendet ihm niemals Beifall, sagt niemals zum Bösen: du bist das Gute; zur Dekadenz: du bist der Fortschritt; zur Nacht: du bist das Licht; zum Tod: du bist das Leben.«

Kardinal Pie von Poitiers – Nachfolger des hl. Hilarius von Michael Fiedrowicz kann man hier bestellen.


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