Florian Asche: Tiere essen dürfen. Ethik für Fleischfresser

Florian Asche: Tiere essen dürfen. Ethik für Fleischfresser, Melsungen: Neumann-Neudamm 2015. 224 S., 16.95 €

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

»Von unge­fähr 7000000 Vege­ta­ri­ern und annä­hernd 500000 Vega­nern in Deutsch­land ist der größ­te Teil unter 35, weib­lich und stammt aus einem städ­ti­schen Umfeld.« Und weil die­se jun­gen Damen in ihrem urba­nen Umfeld einen erheb­li­chen Predigereifer
ent­fal­ten, könn­te man dem Jagd­rechts­spe­zia­lis­ten Flo­ri­an Asche auf den ers­ten Blick einen neu­en Lega­li­täts­kurs unter­stel­len, wenn er nach sei­nem vor­wit­zi­gen Jagen, Sex & Tie­re essen (sie­he Sezes­si­on 51) nun eine Ethik für Fleisch­fres­ser zu for­mu­lie­ren sich anschickt.

Aus­ge­hend von einer blu­mig ima­gi­nier­ten, doch so oder ähn­lich durch­aus vor­stell­ba­ren Grill­fei­er, die auf­grund einer puber­tie­ren­den Tier­rechts­ak­ti­vis­tin völ­lig eska­liert, ist es Asche schnell um die Dekon­struk­ti­on des fana­ti­schen Anthro­po­mor­phis­mus zu tun, der nicht nur die Mit­men­schen vom Fleisch­kon­sum weg­mis­sio­nie­ren will, son­dern in letz­ter Instanz auch die Über­tra­gung der Men­schen­rech­te min­des­tens auf Pri­ma­ten for­dert und sei­ne aggres­si­ve Umset­zung in digi­ta­len Mord­dro­hun­gen gegen Zoo­an­ge­stell­te und durch in Tier­ver­su­chen erprob­te Medi­ka­men­te geret­te­te Kran­ke fin­det. Von Akti­vis­ten sol­cher Orga­ni­sa­tio­nen wie PETA (Peop­le for the Ethi­cal Tre­at­ment of Ani­mals) und der mili­tan­ten ALF (Ani­mal Libe­ra­ti­on Front; in den USA als ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung ein­ge­stuft) ganz abge­se­hen, die sich etwa durch die Sabo­ta­ge von Hoch­sit­zen und das »Befrei­en« von Farm­tie­ren, die in frei­er Wild­bahn in der Regel dann jäm­mer­lich ver­re­cken, auszeichnen.

Puris­ti­sche Theo­re­ti­ker wer­den in Asches Werk kaum eine Erfül­lung fin­den: Der Autor betont selbst, kein Inter­es­se am Abfas­sen einer wis­sen­schaft­li­chen Mono­gra­phie zu haben, obgleich er sei­nem Buch ein Lite­ra­tur­ver­zeich­nis mit wei­ter­füh­ren­den Tips von Vic­tor Klem­pe­rer bis Deut­scher Bischofs­kon­fe­renz bei­gibt. Sein Duk­tus folgt eher frei­en Asso­zia­tio­nen, etwa über die geis­ti­gen Wur­zeln der fana­ti­schen Tier­recht­ler-Anti­hal­tung. Es gebe eben kaum noch etwas, das auf Rebel­li­on fokus­sier­te Jugend­li­che bekämp­fen könnten.

So sei nun also das Tier in allen For­men an die Stel­le des nach Befrei­ung gie­ren­den, edlen Wil­den getre­ten. Da mit zur Kom­mu­ni­ka­ti­on unfä­hi­gen Krea­tu­ren aber schlecht mora­li­sie­ren ist, wur­zelt das Enga­ge­ment der Akti­vis­ten in einer Pro­jek­ti­on mensch­li­cher Eigen­schaf­ten und Emo­tio­nen – ins­be­son­de­re des Leids – in Nutz­tie­re hin­ein. Um die­se wis­sen­schaft­lich unhalt­ba­ren Argu­men­ta­tio­nen zu wider­le­gen, bewegt sich Asche bis in den aktu­el­len Stand der Neu­ro­ana­to­mie hin­ein: an den Angel­ha­ken gera­te­ne Fische etwa kön­nen zwangs­läu­fig kei­nen Schmerz emp­fin­den, da ihnen die hier­zu not­wen­di­gen Nozi­zep­to­ren feh­len. Ein leben­des Wesen an einem Metall­ha­ken in die Höhe zu rei­ßen, ist damit viel­leicht »unmensch­lich« – aber eben nicht »unfisch­lich«.

Wären da nicht Ärger­nis­se wie das Kapi­tel über »Vega­fa­schis­mus«, das eben­so wie ande­re ober­fläch­li­che Ver­glei­che (»Anti­fa-SA«, »Isla­mo­fa­schis­mus«) die Naz­i­keu­le gegen Naz­i­keu­len­schwin­ger schwingt, wäre Flo­ri­an Asche ein ange­nehm locke­res Buch zur Beru­hi­gung zau­dern­der Fleisch­ge­nie­ßer gelun­gen. So bleibt immer­hin ein loh­nen­der Ein­blick in die Argu­men­ta­ti­ons­schwä­chen vor­geb­li­cher Welt­ver­bes­se­rer und die nicht allein auf Tier­recht­ler beschränk­te Beschrei­bung ver­klär­ter Best­men­schen­ge­sich­ter: »Es war das pure Wohl­ge­fühl, für etwas kämp­fen zu kön­nen, gegen etwas zu sein und dabei mit ande­ren das Schick­sal zu teilen.«

Flo­ri­an Asches Tie­re essen dür­fen kann man hier bestel­len.

 

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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