Sezession
1. Februar 2016

Martin Sellner/Walter Spatz: Gelassen in den Widerstand. Ein Gespräch über Heidegger

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Eine Rezension von Ofelia Expósito

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Martin Sellner/Walter Spatz: Gelassen in den Widerstand. Ein Gespräch über Heidegger. (=reihe kaplaken 47), Schnellroda: Antaios 2015. 99 S., 8,50 €

Über das »Heideggersche Raunen« von Ge-stell, Ereignis und Seynsgeschick kann man die Augen verdrehen, ebenso wie man sich abgehoben darin suhlen kann. Daß es aber bei der Beschäftigung mit Heideg-gers Denken weder um intellektuelle Spielereien noch um einen esoterischen Rückzug aus der Welt und der Politik geht – das zu erweisen bemühen sich Martin Sellner und Walter Spatz, beide Aktivisten der Identitären Bewegung und veritable Heideggerianer, mit leidenschaftlicher Begeisterung. Ihr Gespräch, in dem sie sich daran machen, »die entscheidenden Fragen erneut, tiefer und mit politischen Folgen« zu stellen, ist nun unter dem Titel Gelassen in den Widerstand als kaplaken bei Antaios erschienen.

Worin besteht der Zusammenhang zwischen Denken und Tun? Wie kann man einerseits von Gelassenheit reden und andererseits auf der Straße Parolen anheizen? Was ist der verborgene Sinn der Katastrophe, die momentan über uns hereinbricht? Wie lassen sich Masseneinwanderung und Multikulti in der »Seinsgeschichte« verorten? Wie können wir innerhalb dieser Seinsgeschichte unsere Aufgabe finden – als Einzelne, als Bewegung, als Volk?

Das Gespräch kreist, langsam vorwärtsschreitend nach Art des Meisters, um diese Fragen. Umfangreiche Abstecher – etwa zu Heideggers Verhältnis zum Nationalsozialismus – führen in weiten Bögen stets wieder auf den Weg zurück. Eine klare Struktur gibt es nicht, kann es hier auch nicht geben, ebensowenig wie eindeutige Antworten oder konkrete Handlungsanweisungen.

Das ist durchaus kein Mangel, sofern man bereit ist, dem Weg dieses Denkens zu folgen und sich mit Sellner und Spatz »an die Fersen des letzten deutschen Großdenkers« zu heften. Dieses waghalsige Unternehmen – es geht den Autoren schließlich nicht um Wissensvermittlung, sondern um den »Sprung in das Denken selbst« – wird dadurch erleichtert, daß Heideggers Terminologie nicht im Übermaß verwendet und ansonsten (nach Kräften) erklärt wird. Viele der zunächst verschroben wirkenden Begriffe erhalten dadurch beinahe Schlagwortgewalt. Außerdem sind immer wieder Zusammenfassungen des bisher Gedachten in den Gesprächsverlauf eingeflochten, sodaß die Gefahr, sich im »wilden Land der Seinsfrage« zu verlieren, umgangen wird.

Das Bändchen ist nicht nur für Heideggerianer ein Gewinn und Denkerlebnis, sondern auch für alle, die es werden wollen, ein fesselnder Einstieg in die Faszination dieser Materie.

Martin Sellners und Walter Spatz Gelassen in den Widerstand kann man hier bestellen.


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