Myriam Grobe (Hrsg.): Der Anglizismen-Index 2015

Eine Rezension von Franziska Kunc

 Gastbeitrag

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Myri­am Gro­be (Hrsg.): Der Angli­zis­men-Index 2015, Pader­born: IFB Ver­lag deut­sche Spra­che. 311 S., 16 €

Der Angli­zis­men-Indexwird in Ver­bin­dung mit dem Ver­ein deut­sche Spra­che, dem Sprach­kreis Deutsch (Bern) und dem Ver­ein Mut­ter­spra­che (Wien) her­aus­ge­ge­ben. Auf­ge­lis­tet wer­den (in lau­fen­der Aktua­li­sie­rung) gegen­wär­tig rund 7500 Angli­zis­men, die in der deut­schen All­tags­spra­che ver­wen­det wer­den. Der Index ver­steht sich als Ori­en­tie­rungs­hil­fe für alle, die in deut­schen Tex­ten eng­li­sche und pseu­do­eng­li­sche (wie han­dy, ego-shoo­ter, dress­man) Aus­drü­cke ver­mei­den wollen.

Eben­so läßt sich das Buch als Über­set­zungs­hil­fe für ent­le­ge­ne­re oder in der Online­kom­mu­ni­ka­ti­on (ver­bes­se­re: netz­ge­stütz­te!) übli­che Wör­ter (leets­peak, mutu­al, rever­se ang­le) dienst­bar machen. Rei­ne Fach­ter­mi­ni sind dabei nicht berücksichtigt.

Nicht auf­ge­führt sind sowohl obs­zö­ne Wör­ter als auch sol­che, die seit lan­ger Zeit assi­mi­liert sind (Part­ner, Keks). Eine Num­mer von eins bis drei zeigt zudem – aus dem sub­jek­ti­ven, unterm Strich eher mode­ra­ten als stren­gen Blick­win­kel der Autoren – an, ob es sich (1) um ergän­zen­de Angli­zis­men han­delt, die neue Aus­drucks­mög­lich­kei­ten eröff­nen oder bereits als Lehn­wör­ter gel­ten kön­nen (Boi­ler, Loo­ping, lyn­chen), um (2) dif­fe­ren­zie­ren­de Wör­ter, die einen neu­en Sach­ver­halt bezeich­nen (lover­boy, hard­ware, estab­lish­ment) oder um (3) ver­drän­gen­de Angli­zis­men (dead­line statt Termin/Frist, pay­wall statt Bezahl­schran­ke, bot­tom-up statt auf­wärts) die statt exis­tie­ren­der und prä­zi­ser deut­scher Wör­ter ver­mehrt Ver­wen­dung fin­den. Ins­ge­samt wer­den 75 Pro­zent der auf­ge­führ­ten Angli­zis­men als »ver­drän­gend« ein­ge­stuft. Deut­sche Alter­na­tiv­be­grif­fe gibt es jedoch auch für Wör­ter der Kate­go­rien (1) und (2); etwa »Nebel­lo­gik« für fuz­zy logic,»Flug­ka­ter« für Jet­lag, »Gesindel/Pack« für Mob.

In einem fünf­und­drei­ßigsei­ti­gen Anhang fin­den sich eini­ge Text­bei­trä­ge, etwa zu Sprach­loya­li­tät und »Eng­län­de­rei« (Anglo­ma­nie). Grin­sen darf man über Andy Möl­ler, der einst »vom Fee­ling her ein gutes Gefühl hat­te«, sich erfreu­en an den hier lobend vor­ge­führ­ten Wort­schät­zen eines Mar­tin Wal­ser von »Affä­ren­lä­cher­lich­keit« bis zu »Belei­di­gungs­spe­zia­lis­ten«. Die­ses Kom­pen­di­um ist nicht nur nütz­lich und unter­halt­sam, es kommt zudem voll­kom­men ohne beck­mes­seri­schen und ober­leh­rer­haf­ten Ges­tus aus. Dar­um läßt sich auch in der Pole­mik gegen die »Eng­län­de­rei« das zwin­kern­de Auge nicht übersehen.

Myri­am Gro­bes Angli­zis­men-Index kann man hier bestel­len.

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