Sezession
1. Dezember 2015

Myriam Grobe (Hrsg.): Der Anglizismen-Index 2015

Gastbeitrag

Eine Rezension von Franziska Kunc

Myriam Grobe (Hrsg.): Der Anglizismen-Index 2015, Paderborn: IFB Verlag deutsche Sprache. 311 S., 16 €

Der Anglizismen-Indexwird in Verbindung mit dem Verein deutsche Sprache, dem Sprachkreis Deutsch (Bern) und dem Verein Muttersprache (Wien) herausgegeben. Aufgelistet werden (in laufender Aktualisierung) gegenwärtig rund 7500 Anglizismen, die in der deutschen Alltagssprache verwendet werden. Der Index versteht sich als Orientierungshilfe für alle, die in deutschen Texten englische und pseudoenglische (wie handy, ego-shooter, dressman) Ausdrücke vermeiden wollen.

Ebenso läßt sich das Buch als Übersetzungshilfe für entlegenere oder in der Onlinekommunikation (verbessere: netzgestützte!) übliche Wörter (leetspeak, mutual, reverse angle) dienstbar machen. Reine Fachtermini sind dabei nicht berücksichtigt.

Nicht aufgeführt sind sowohl obszöne Wörter als auch solche, die seit langer Zeit assimiliert sind (Partner, Keks). Eine Nummer von eins bis drei zeigt zudem – aus dem subjektiven, unterm Strich eher moderaten als strengen Blickwinkel der Autoren – an, ob es sich (1) um ergänzende Anglizismen handelt, die neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen oder bereits als Lehnwörter gelten können (Boiler, Looping, lynchen), um (2) differenzierende Wörter, die einen neuen Sachverhalt bezeichnen (loverboy, hardware, establishment) oder um (3) verdrängende Anglizismen (deadline statt Termin/Frist, paywall statt Bezahlschranke, bottom-up statt aufwärts) die statt existierender und präziser deutscher Wörter vermehrt Verwendung finden. Insgesamt werden 75 Prozent der aufgeführten Anglizismen als »verdrängend« eingestuft. Deutsche Alternativbegriffe gibt es jedoch auch für Wörter der Kategorien (1) und (2); etwa »Nebellogik« für fuzzy logic,»Flugkater« für Jetlag, »Gesindel/Pack« für Mob.

In einem fünfunddreißigseitigen Anhang finden sich einige Textbeiträge, etwa zu Sprachloyalität und »Engländerei« (Anglomanie). Grinsen darf man über Andy Möller, der einst »vom Feeling her ein gutes Gefühl hatte«, sich erfreuen an den hier lobend vorgeführten Wortschätzen eines Martin Walser von »Affärenlächerlichkeit« bis zu »Beleidigungsspezialisten«. Dieses Kompendium ist nicht nur nützlich und unterhaltsam, es kommt zudem vollkommen ohne beckmesserischen und oberlehrerhaften Gestus aus. Darum läßt sich auch in der Polemik gegen die »Engländerei« das zwinkernde Auge nicht übersehen.

Myriam Grobes Anglizismen-Index kann man hier bestellen.


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