Sezession
1. Oktober 2015

Guido Giacomo Preparata: Die Ideologie der Tyrannei.

Gastbeitrag

Eine Rezension von Harald Seubert

Guido Giacomo Preparata: Die Ideologie der Tyrannei. Neognostische Mythologie in der amerikanischen Politik,Berlin: Duncker und Humblot 2015. 311 S., 35.90 €.

Ausgangsbeobachtung und Fragestellung des Buches von Preparata sollte man durchaus zur Kenntnis nehmen: Wie kommt es, daß die gegenwärtige expansive Ausrichtung der US-Politik weder seitens der Linken noch des akademischen Mainstream-Milieus Widerspruch erfährt?

Die akademische Interpretation der Ereignisse seit 9-11 konvergiert nach der Diagnose des Autors weitgehend mit der Sicht der US-Administrationen. Preparata liefert dafür ein anspruchsvolles Herleitungskonstrukt, das schärferer Prüfung nur in Teilen standhält: Er konstatiert zu Recht, daß die akademische Ausrichtung der Humanwissenschaften in der westlichen Welt von einem postmodernen, subjektlosen Differenzdenken überlagert werde, das nur noch relative Diskurse kenne und insofern unfähig zu grundlegender Besinnung auf das politisch Tunliche sei.

Zu den Stärken des Buches gehört die Dekonstruktion von Foucaults Ansatz: Preparata zeigt kenntnisreich, daß Foucault als Schlüsselfigur der Postmoderne eine Lightversion des erotomanischen, machttheoretischen Projekts von Georges Bataille liefert. Im Hintergrund stehe einerseits der Traum von einer ungehegten dionysischen Machtentfaltung jenseits der Moral, andrerseits eine gnostisch abstrakte dualistische Weltsicht. Foucault transponiere dieses barbarische Konzept in den akademischen Diskurs.

Der Verteidiger des Wahnsinns Foucault mache sich damit zugleich zum Advokaten eines Bildersturms, der die europäischen Werte entwurzle und zu einer umfassenden Orientierungslosigkeit beitrage. Foucaults Plädoyer, vor Ort!, für die islamische Revolution in Teheran 1978 dient Preparata als Indiz dafür, daß der postmoderne linke Intellektuelle sich letztlich jeder Zeitgeistströmung anpaßt.

So ungewöhnlich eindeutig und scharf diese Postmodernekritik ausfällt, so überzeugend ist auch die Genealogie der »politischen Korrektheit« und der gängigen zynischen postmodernen Zeitdiagnosen aus dem Focaultschen Geist angelegt.

Auf eine schiefe Bahn gelangt Preparatas Gedankenführung allerdings, wo er neben der »linken« eine »rechte« Postmoderne diagnostiziert: ihre Exponenten sind in seiner Sicht Ernst Jünger, der große Platon-Philologe Leo Strauss, vermeintlicher Ahn der US-amerikanischen »Neocons«, und Heidegger. Auf diesem Terrain ist der Verfasser aber gar nicht zuhause.

Jünger liest er als einen Bataille von rechts, ohne Musikalität für Jüngers stoisches Ethos; bei Strauss und Heidegger begnügt er sich, in offensichtlicher Unkenntnis ihres Denkansatzes, mit groben Verunglimpfungen. Gezeigt werden soll: Diese »rechte« Postmoderne ist genauso systemstabilisierend wie die linke. Der Postmoderne-Begriff wird damit in einer Weise inflationär gebraucht und aus seinem Kontext gerissen, daß er nichts mehr erklärt.

Erhellend ist Preparatas abschließender Exkurs über die Weltmachtpolitik der USA im vergangenen Vierteljahrhundert. Golfkrieg und »Kampf gegen den Terror« waren nur möglich in einem Ambiente, das alle intellektuelle Widerstandskraft eingebüßt hat. Daran dürfte etwas Wahres sein. Preparata will aber zu viel: Er möchte eine große intellektuelle Intrigengeschichte und denkerische Weltverschwörungshypothese nachzeichnen, die letztlich auf zu dünnem Fundament errichtet ist.

Beließe er es bei der Dekonstruktion der Dekonstruktivisten, hätte er mehr geleistet: Die Unkultur eines dominierenden Denkstils, dessen Exponenten häufig nicht wissen, was sie tun, sich damit aber ihre Stellen sichern, ist desaströs genug. Preparatas eigene Perspektive ist dabei sehr amerikanisch: Er beruft sich auf die Bildungsidee Thorstein Veblens, die er als Gegenmittel gegen den Wallstreet-Kapitalismus und ein überzogenes »America First« anruft, als Philosophie der Freiheit gegen den Geist der Tyrannei. Dies scheint ein wenig dürftig. Man sollte auch nicht übersehen, daß das Buch in der Originalausgabe 2007 erschienen ist. Eine Aktualisierung für die deutsche Übersetzung wäre dringend erforderlich gewesen.

Die Ideologie der Tyrannei von Guido Giacomo Preparata kann man hier bestellen. 


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