Giorgio Agamben: Das Geheimnis des Bösen.

Eine Rezension von Felix Dirsch

 Gastbeitrag

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Gior­gio Agam­ben: Das Geheim­nis des Bösen. Bene­dikt XVI. und das Ende der Zei­ten, Ber­lin: Mat­thes & Seitz 2015. 70 S., 10 €

Gior­gio Agam­ben zählt zu den bedeu­tends­ten Phi­lo­so­phen der Gegen­wart. Sei­ne Rezep­ti­on ist umfang­reich, man­che poli­tisch Kor­rek­ten hin­ter­fra­gen sei­ne The­men. Dazu zählt die Aktua­li­tät des Aus­nah­me­zu­stan­des, eben­so die gele­gent­lich als obskur emp­fun­de­ne Gestalt des »homo sacer«. Ein wei­te­res Feld, das Berüh­rungs­punk­te mit Carl Schmitt ver­rät, ist der »katechon«.

Hier führt der Weg zum pau­li­ni­schen Thes­sa­lo­ni­cher-Brief, aus dem die Wor­te »mys­te­ri­um ini­qui­ta­tis« stam­men, die über­setzt in den Titel auf­ge­nom­men wor­den sind. Der Ver­fas­ser der bibli­schen Schrift denkt auch dar­über nach, wodurch das Kom­men des Mes­si­as auf­ge­hal­ten wird. Immer wie­der wirft in sämt­li­chen Epo­chen der Kir­chen­ge­schich­te die Ver­zö­ge­rung der christ­kö­nig­li­chen Herr­schaft Fra­gen nach dem Grund des Auf­schubs auf.

Agam­ben ver­knüpft die­se alten geis­tes­ge­schicht­lich-theo­lo­gi­schen Kon­tro­ver­sen mit der Demis­si­on Bene­dikts XVI. Das Ende die­ses Pon­ti­fi­kats wird von dem Gelehr­ten mit dem Werk des Theo­lo­gen­paps­tes ver­bun­den. Die­ser ver­weist mehr­mals auf die »Zeit, die bleibt« (Agam­ben), also auf die Spreng­kraft des escha­to­lo­gi­schen Geheim­nis­ses. Das geschieht nicht von unge­fähr. Joseph Ratz­in­ger beschäf­tigt sich schon in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on mit Augus­ti­nus, der sein Haupt­au­gen­merk auf die Unter­schei­dung von »Got­tes­staat« und irdi­schem Gemein­we­sen legt. Den Kir­chen­va­ter treibt die Pro­ble­ma­tik der Erwäh­lung der Men­schen durch Gott um. Die letz­ten Din­ge sind für ihn die prioritären.

Wie bei frü­he­ren Publi­ka­tio­nen Agam­bens ist es dies­mal nicht leicht, die argu­men­ta­ti­ve Absicht des Ver­fas­sers zu eru­ie­ren. Im Kern geht es in der schma­len Schrift um die Neu­fun­die­rung des­sen, was man übli­cher­wei­se Legi­ti­mi­tät nennt (im Unter­schied zur Lega­li­tät). Hier liegt die Ver­bin­dung zum Rück­tritt Bene­dikts XVI.Dieser habe mit sei­nem Schritt, so hört man öfters, dem Papst­tum neu­es Anse­hen ver­schafft. Indem er auf Macht ver­zich­te­te, habe er Lega­lis­mus wie Büro­kra­tis­mus – bei­des an der Kurie nicht unbe­kannt – eine Nie­der­la­ge bereitet.Der neu­es­te »Agam­ben« ist beson­ders für den­je­ni­gen stu­die­rens­wert, der an mit­un­ter ver­schlun­ge­nen Gedan­ken­gän­gen inter­es­siert ist. Man­che sehen in die­sem Vor­ge­hen das inno­va­ti­ve Poten­zi­al des ita­lie­ni­schen Den­kers grund­ge­legt, der auch heik­le Fra­ge­stel­lun­gen nicht aus­klam­mert. Schon des­halb lohnt die Lek­tü­re sei­ner Arbeiten.

Das Geheim­nis des Bösen von Gior­gio Agam­ben kann man hier bestel­len.

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