Sezession
1. August 2015

Herfried Münkler: Macht in der Mitte. Die neuen Aufgaben Deutschlands in Europa

Gastbeitrag

Eine Rezension von Felix Dirsch

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Herfried Münkler: Macht in der Mitte. Die neuen Aufgaben Deutschlands in Europa, Hamburg: Edition Körber-Stiftung 2015. 208 S., 18 €

Nach zuverlässigen und nachvollziehbaren »Rankings« der letzten Jahre gilt der Berliner Politologe Herfried Münkler als der derzeit führende Vertreter seiner Zunft in Deutschland. Daß er jüngst massiv ins Gespräch gekommen ist, hängt mit dem Internet-Mobbing eines kleinen Teils seiner Hörer zusammen, die sich hinter dem Blog »Münkler.watch« verbergen.

Da über Euro-Krise, Demokratie-Defizit der EU und den inneren Zustand dieses fragilen Gebildes in letzter Zeit viel geschrieben wird, scheint es Münkler ratsam, die geschichtlichen Linien auszuziehen und zu analysieren. Diese Perspektive ist unverzichtbar, will man strukturelle Konstanten eruieren, die den Gegenwartsdiskurs maßgeblich prägen. Dazu zählen nicht zuletzt die Schwierigkeiten, kulturelle und natürliche Grenzen Europas zu bestimmen. Alte Spaltungslinien, etwa zwischen dem angeblich »arbeitsam-sparsamen« Norden und dem vermeintlich »faul-freigiebigen« Süden, treten wieder hervor.

Münkler arbeitet (mitunter etwas langatmig) heraus, wie Europa spätestens in der frühen Neuzeit zur Mitte der Welt aufsteigt. Seit der Aufklärung wird diese Stellung mehr und mehr hinterfragt. Im 19. Jahrhundert kommt Intellektuellen der Aufstieg der Flügelmächte USAund Rußland zu Bewußtsein.

Der Abstieg dieses Kontinents wird vollends nach dem Ersten Weltkrieg klar. Das geeinte Deutschland wird im 19. Jahrhundert quasi politisches Herz Europas, verliert aber seine Rolle als Hegemonialmacht endgültig 1945 und wird aus dem Zentrum verstoßen. In den letzten Jahren fordert ein vielstimmiger Chor die Rückkehr der wenigstens ökonomischen»Zentralmacht« (Hans-Peter Schwarz) zur auch politisch führenden Kraft.

Münkler stellt diese Grundlinien eindringlich heraus. Am Ende der Studie erörtert er einige gegenwärtige Problemfelder der »Macht der Mitte«. Seine Überlegungen zu Formationen politischer Gravitation sind zustimmungsfähig, aber keineswegs aufregend. Fazit: Der neueste »Münkler« ist Durchschnitt, nicht mehr. Immerhin wird das »heiße Eisen« Geopolitik ohne politisch-korrekte Scheuklappen angefaßt. Ein Grund mehr für die studentischen Spitzel, den Lehrstuhlinhaber an den medialen Pranger zu stellen.

Herfried Münklers Macht in der Mitte kann man hier bestellen.


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