Sezession
1. Juni 2015

Gérard A. Bökenkamp: Ökonomie der Sexualität.

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Eine Rezension von Claus-M. Wolfschlag

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Gérard A. Bökenkamp: Ökonomie der Sexualität. Von der Liebesheirat bis zur Sexarbeit, München: FBV. Edition Lichtschlag 2015. 240 S., 17.99 €

Dem Wesen der Sexualität aus ökonomischer Sicht widmet sich Gérard Bökenkamp. Manchen Konservativen mag das aufstoßen, nähern sie sich dem Thema doch oft nur unter dem Aspekt der Einhegung und Verdrängung. Doch gerade dies ist des Buches Verdienst, wirft Bökenkamp doch einen nüchternen, unromantischen Blick auf das menschliche Liebesleben.

Und er widerlegt manches Vorurteil der konservativen Familienpolitiker. Das tröstet auch über Schwächen des Buches hinweg: die mangelnde Gliederung, gewisse Längen und eine teils allzu naiv vorgetragene liberalindividualistische Dogmatik. So mißachtet der Autor, daß bei menschlichen Handelsbeziehungen nicht immer Individuen mit ähnlicher Wirtschaftskraft aufeinandertreffen, also oft von vornherein ein Machtgefälle existiert.

Bökenkamps auf der Österreichischen Schule basierende These lautet, daß das Handeln des Menschen von den Entscheidungen geleitet ist, welche ihm höchstes psychisches Einkommen versprechen. Was dieses genau ist, unterliegt unterschiedlichen individuellen Wertschätzungen. Meist sind es Glück und Stolz. Aus diesem Grund treten Menschen in Interaktion miteinander, gehen permanent Tauschhandel ein, von denen sie sich die Vermehrung ihres psychischen Einkommens versprechen. Das betrifft beispielsweise selbst die Abwägung des Kriminellen, ob die Aussicht auf den Gewinn die Angst vor dem Risiko überwiegt. Und das betrifft auch die Thematik Liebe und Sexualität.

Da die gesellschaftlichen Bedingungen und individuellen Wünsche unterschiedlich sind, entwickelt sich aus der Vielzahl der Entscheidungen die Mannigfaltigkeit der Partnerbeziehungen. Bökenkamp tritt dabei für die »freie Liebe« ein. Das bedeutet, daß Erwachsene ohne Zwang jede beliebige sexuelle Verbindung aushandeln können sollten, ohne daß der Staat oder Institutionen restriktiv einschritten. Dies betrifft neben diversen Familienmodellen gerade auch die Prostitution und Pornographie.

Am spannendsten wird Bökenkamp, wenn er der Psyche der moralistisch argumentierenden Anhänger von Verboten auf die Schliche kommt. Jene versuchen nämlich, ihnen selbst unangenehme Empfindungen durch der gesamten Gesellschaft auferlegte Strafgesetze aus dem eigenen Umfeld zu verbannen. Der Staat verabschiede bisweilen solche Gesetze zur Beruhigung von moralistisch auftretenden Lobbygruppen, verfolge aber die eigenen Vorschriften dann oft nur halbherzig. Schließlich wisse er, daß die Restriktion elementarer Lebensimpulse schon in Zeiten der Prohibition nicht funktioniert hat.

Ökonomie der Sexualität von Gérard A. Bökenkamp kann man hier bestellen. 


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