Birgit Kelle: GenderGaga

Birgit Kelle: GenderGaga. Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will, lar: Adeo 2015. 192 S., 17.99

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Bir­git Kel­le ist eine fes­te Kan­di­da­tin, wenn bei Talk­shows eine kon­ser­va­ti­ve Posi­ti­on zu den The­men Gen­der und Femi­nis­mus besetzt wer­den soll. Und sie ist in die­ser Rol­le eine Gra­na­te! Wer nun dach­te, zum The­ma Gen­der Main­strea­ming sei alles gesagt, hat Kel­les neu­es Buch Gen­der­Ga­ga nicht gele­sen. Kel­le zerrt gro­tes­ke und kost­spie­li­ge Details aus die­sem Netz­werk­ex­pe­ri­ment her­vor, die schier unglaub­lich sind. Dies ist kei­ne bit­te­re Abrech­nung – Kel­le macht aus dem anstren­gen­den Gleich­stel­lungs­wirr­warr ein bun­tes Spaß­thea­ter in elf Akten.

Die Publi­zis­tin und vier­fa­che Mut­ter ent­larvt bereits den Grund­ge­dan­ken der Gen­de­rei als glat­ten Kol­li­si­ons­kurs mit dem Femi­nis­mus. Dabei sit­zen Gen­der­lob­by­is­ten und Frau­en­recht­ler – oft in Per­so­nal­uni­on – in ein und dem­sel­ben ideo­lo­gi­schen Kut­ter. Nur: wie kann einer­seits nach Frau­en­quo­ten und ‑för­de­rung geru­fen und gleich­zei­tig behaup­tet wer­den, Geschlecht sei ein Kon­strukt und die Zuwei­sun­gen männlich/weiblich nichts als ein­ge­üb­te und gesell­schaft­lich auf­ge­zwun­ge­ne Rol­len? »Wo Gleich­stel­lung drauf­steht, ist Frau drin« heißt eines der Kapi­tel, ein ande­res fragt iro­nisch: »Ist Gott ein Nazi?« und führt den pit­to­res­ken Gen­der­dis­kurs inner­halb nicht nur der »Queer-Theo­lo­gie«, son­dern selbst eta­blier­ter katho­li­scher und evan­ge­li­scher Instan­zen vor: Eine EKD-Pro­fes­so­rin hält Pau­lus für einen »frü­hen Gen­der-Theo­lo­gen«, und die Katho­li­sche Hoch­schu­le in Ber­lin hat nun ein eige­nes Insti­tut für »Gen­der und Diver­si­ty«. Im Kapi­tel »Ein Puff für alle im Lehr­plan« läßt sich Bir­git Kel­le auf den gen­der­ge­rech­ten Sexu­al­kun­de­un­ter­richt ein. Was sie zuta­ge för­dert, über‑, bes­ser: unter­bie­tet alles, was man aus die­sem Dunst­kreis bereits läu­ten hörte.

Zwi­schen Berei­chen, die man bei aller Hei­ter­keit der Dar­stel­lung als bedroh­lich emp­fin­den kann, hat Bir­git Kel­le auch Nied­lich­kei­ten ein­ge­streut: In einem Leit­fa­den hat sich das Gleich­stel­lungs­bü­ro Düs­sel­dorf ange­schickt, zur Til­gung gewis­ser Wör­ter, die uns unbe­dacht über die Lip­pen gehen, auf­zu­ru­fen: die »Heul­su­se« soll wer­den zur »Per­son, die viel weint«, »Not am Mann« soll zur neu­tra­len »Not­la­ge« werden,»Fußgängerzone« zur»Flaniermeile«. Auch die »Milch­mäd­chen­rech­nung« steht auf dem Index. Daß Kel­les Buch eine (not­wen­di­ge!) Schrift zur Mas­sen­auf­klä­rung ist und kein mit äußers­ter Ele­ganz ver­fer­tig­ter Besin­nungs­es­say, soll­te klar sein. Drum muß man die wir­beln­de, teils über­schäu­men­de Pole­mik und den tri­um­pha­len Sprach­duk­tus (»bitteschön«,»wow«, »mei­ne Her­ren«, »geht doch!«) mögen oder wenigs­tens aus­hal­ten: Kel­le ist ein Ener­gie­bol­zen – lang­wei­lig wird es nie!

Die Autorin läßt es auch kei­nes­wegs bei der bespöt­teln­den Zur­schau­stel­lung von Aber­wit­zig­kei­ten bewen­den. Sie ana­ly­siert und stellt im Schluß­wort kräf­ti­ge For­de­run­gen: »Das Volk ist der Sou­ve­rän, und die­ses Volk hat Gen­der Main­strea­ming nie ver­langt oder legi­ti­miert. Es ist Zeit, daß das Volk wider­spricht.« Wer je in Dis­kus­sio­nen über den Gen­der­kom­plex um ein Argu­ment ver­le­gen war oder dem ein schla­gen­des Bei­spiel fehl­te: hier wäre nach­zu­schla­gen. Nach der Lek­tü­re könn­ten Trä­nen kul­lern – vor Lachen oder Weinen?

Gen­der­Ga­ga von Bir­git Kel­le kann man hier bestel­len.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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