Sezession
1. Februar 2015

Astrid von Schlachta: Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über Preußen

Gastbeitrag

Astrid von Schlachta: Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über Preußen, Darmstadt: Theiss 2014. 224 S., 16.95 €

Daß über Preußen zahlreiche Un- und Halbwahrheiten kursieren, kann man bei jedem preußischen Jubiläum immer wieder feststellen. Sei es, daß Friedrich der Große als Kriegstreiber dargestellt oder Preußen pauschal als Militaristenstaat geschmäht wird – immer geht es darum, zwischen unserer Gegenwart und der preußischen Geschichte eine möglichst große Distanz herzustellen und alle Traditionslinien zu kappen.

Das Buch der Historikerin Schlachta muß insofern bei jedem Preußenfreund auf Interesse stoßen. Dabei darf man es mit dem Titel nicht zu genau nehmen: Ein Mythos ist kein Irrtum, und die meisten umlaufenden Irrtümer sind keine solchen, sondern Lügen. Ein Irrtum setzt voraus, daß man sich in ehrlicher Absicht mit seinem Gegenstand beschäftigt und unabsichtlich geirrt hat. Zum Irrtum gehört, daß man bereit ist, diesen zuzugeben. Wenn es sich also um Irrtümer handeln würde, könnte man auf genügend andere Bücher verweisen, in denen sich diese Irrtümer nicht finden.

Die Autorin wird ihrem Titel allerdings weder in der Mythenfrage noch den populären Irrtümer gerecht, weil die 20 Themen, die sie ausgewählt hat, unter keine der beiden Kategorien subsumiert werden können. Bei dem bekannten Beispiel, daß Friedrich der Große die Kartoffel nach Preußen gebracht habe, mag es sich um einen Mythos handeln. Wenn man diesen als Irrtum behandelt, wird es spitzfindig.

Ja, die Kartoffel war schon vorher in Preußen bekannt, aber Friedrich der Große hat für die Durchsetzung des Anbaus gesorgt. Ähnlich verhält es sich mit dem angeblichen Irrtum, daß die allgemeine Schulpflicht Bildung für alle gebracht habe. Ja, das passierte nicht schlagartig. Ist es deshalb ein Irrtum? Nur, wenn man es künstlich zuspitzt. Etwas wunderlich sind auch andere »populäre« Irrtümer, z.B. daß die DDR das Erbe Preußens vernichtet habe. Wer hätte solches je behauptet?

Es finden sich auch wertvolle Aufklärungen in dem Buch: Etwa wird die Behauptung, Preußen sei kriegslüstern gewesen, mit dem Blick auf die damalige Zeit relativiert. Insgesamt erfüllt das Buch den Anspruch, Aufklärung über Preußen zu bieten, nur unzureichend. Das ist schade, weil ein scharfes Wort gegen Geschichtslügen immer wieder notwendig ist. Doch dazu muß man bereit sein, sich mit seiner eigenen Zunft, den Historikern, anzulegen.

Alles Mythos! von Astrid von Schlachta kann man hier bestellen.


 Gastbeitrag

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