1. Februar 2015

Thomas M. Schmidt/Annette Pitschmann (Hrsg.): Religion und Säkularisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch

Gastbeitrag

Eine Rezension von Felix Dirsch

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Thomas M. Schmidt/Annette Pitschmann (Hrsg.): Religion und Säkularisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart: Metzler 2014. 380 S., 59.95 €

Der Metzler-Verlag hat in den vergangenen Jahren anspruchsvolle Handbücher über international herausragende Denker und grundlegende Themen der wissenschaftlichen Diskussion vorgelegt, etwa über Niklas Luhmann und Max Weber, aber auch über »Materielle Kultur« und über den Ersten Weltkrieg.

So liegt es nahe, im Anschluß an den Topos der »Wiederkehr der Religion«, der seit langem durch die Feuilletons geistert, ein Werk über Religion und Säkularisierung zu veröffentlichen, das den Gehalt derartiger Debatten prüft. Die interdisziplinär angelegte Studie, an der ausgewiesene Fachleute mitwirkten, hält sich an Vorgaben anderer Projekte dieser Reihe: Einleitung, Konzepte, Kategorien, Konflikte und Anhang. Etliche frühere als auch gegenwärtige religionsphilosophische und -soziologische Entwürfe werden vorgestellt. In Auswahl sind Durkheim, Weber, Hegel, Troeltsch, aber auch Habermas, Casanova und Taylor anzuführen.

Weiter werden Autoren thematisiert, die das neue Interesse an Religion empirisch untersuchen und meist zu dem Ergebnis kommen (wie Detlev Pollack), daß es für die These von der Revitalisierung transzendenten Glaubens kaum Belege gibt. Jedenfalls gilt dieses Urteil für Europa. Dort gehen religiöse Bindungen sichtbar zurück, auch die Aktivitäten in den Glaubensgemeinschaften werden geringer. Das betrifft vor allem die traditionellen »Großkirchen«. Dem widerspricht nicht das Wachsen fundamentalistischer Minderheiten. Sie wehren sich gegen den sukzessiven Bedeutungsverlust religiöser Überlieferungen. In toto ist die Säkularisierungsthese – trotz ihrer Rand-unschärfen – jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Eine ausgezeichnete Ergänzung zur Darstellung dieser sowohl normativ-ideengeschichtlichen wie auch empirischen Kontexte ist die Erörterung bestimmter Stichwörter im dritten Abschnitt, die meist im Umfeld religiöser Phänomene erörtert werden: das Böse, Rationalität, Toleranz, Werte und Fortschritt, um nur einige Beispiele zu erwähnen. Den Autoren des Sammelbandes gelingt es, ein schwer überschaubares Feld hervorragend aufzubereiten und die große Wissensfülle übersichtlich zu kanalisieren. Ein unverzichtbarer Beitrag zur Forschungssituation auf einem Gebiet, das nicht nur in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen die Gemüter auch zukünftig erregen wird!

Religion und Säkularisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch von Thomas M. Schmidt/Annette Pitschmann kann man hier bestellen.


 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (0)