Thomas M. Schmidt/Annette Pitschmann (Hrsg.): Religion und Säkularisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch

Eine Rezension von Felix Dirsch

 Gastbeitrag

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Tho­mas M. Schmidt/Annette Pitsch­mann (Hrsg.): Reli­gi­on und Säku­la­ri­sie­rung. Ein inter­dis­zi­pli­nä­res Hand­buch, Stutt­gart: Metz­ler 2014. 380 S., 59.95 €

Der Metz­ler-Ver­lag hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren anspruchs­vol­le Hand­bü­cher über inter­na­tio­nal her­aus­ra­gen­de Den­ker und grund­le­gen­de The­men der wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on vor­ge­legt, etwa über Niklas Luh­mann und Max Weber, aber auch über »Mate­ri­el­le Kul­tur« und über den Ers­ten Weltkrieg.

So liegt es nahe, im Anschluß an den Topos der »Wie­der­kehr der Reli­gi­on«, der seit lan­gem durch die Feuil­le­tons geis­tert, ein Werk über Reli­gi­on und Säku­la­ri­sie­rung zu ver­öf­fent­li­chen, das den Gehalt der­ar­ti­ger Debat­ten prüft. Die inter­dis­zi­pli­när ange­leg­te Stu­die, an der aus­ge­wie­se­ne Fach­leu­te mit­wirk­ten, hält sich an Vor­ga­ben ande­rer Pro­jek­te die­ser Rei­he: Ein­lei­tung, Kon­zep­te, Kate­go­rien, Kon­flik­te und Anhang. Etli­che frü­he­re als auch gegen­wär­ti­ge reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­sche und ‑sozio­lo­gi­sche Ent­wür­fe wer­den vor­ge­stellt. In Aus­wahl sind Durk­heim, Weber, Hegel, Tro­eltsch, aber auch Haber­mas, Casa­no­va und Tay­lor anzuführen.

Wei­ter wer­den Autoren the­ma­ti­siert, die das neue Inter­es­se an Reli­gi­on empi­risch unter­su­chen und meist zu dem Ergeb­nis kom­men (wie Det­lev Poll­ack), daß es für die The­se von der Revi­ta­li­sie­rung tran­szen­den­ten Glau­bens kaum Bele­ge gibt. Jeden­falls gilt die­ses Urteil für Euro­pa. Dort gehen reli­giö­se Bin­dun­gen sicht­bar zurück, auch die Akti­vi­tä­ten in den Glau­bens­ge­mein­schaf­ten wer­den gerin­ger. Das betrifft vor allem die tra­di­tio­nel­len »Groß­kir­chen«. Dem wider­spricht nicht das Wach­sen fun­da­men­ta­lis­ti­scher Min­der­hei­ten. Sie weh­ren sich gegen den suk­zes­si­ven Bedeu­tungs­ver­lust reli­giö­ser Über­lie­fe­run­gen. In toto ist die Säku­la­ri­sie­rungs­the­se – trotz ihrer Rand-unschär­fen – jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Eine aus­ge­zeich­ne­te Ergän­zung zur Dar­stel­lung die­ser sowohl nor­ma­tiv-ideen­ge­schicht­li­chen wie auch empi­ri­schen Kon­tex­te ist die Erör­te­rung bestimm­ter Stich­wör­ter im drit­ten Abschnitt, die meist im Umfeld reli­giö­ser Phä­no­me­ne erör­tert wer­den: das Böse, Ratio­na­li­tät, Tole­ranz, Wer­te und Fort­schritt, um nur eini­ge Bei­spie­le zu erwäh­nen. Den Autoren des Sam­mel­ban­des gelingt es, ein schwer über­schau­ba­res Feld her­vor­ra­gend auf­zu­be­rei­ten und die gro­ße Wis­sens­fül­le über­sicht­lich zu kana­li­sie­ren. Ein unver­zicht­ba­rer Bei­trag zur For­schungs­si­tua­ti­on auf einem Gebiet, das nicht nur in wis­sen­schaft­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen die Gemü­ter auch zukünf­tig erre­gen wird!

Reli­gi­on und Säku­la­ri­sie­rung. Ein inter­dis­zi­pli­nä­res Hand­buch von Tho­mas M. Schmidt/Annette Pitsch­mann kann man hier bestel­len.

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