Michael Klonovsky: Aphorismen und Ähnliches

Eine Rezension von Konrad Gill

 Gastbeitrag

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Micha­el Klo­n­ovs­ky: Apho­ris­men und Ähnli­ches, Wien: Karo­lin­ger 2014. 125 S., 18.90 €

Wie weit darf ein Autor, dem eta­blier­te Krei­se Nar­ren­frei­heit gewäh­ren, in der Bun­des­re­pu­blik gehen? Zu denen, die als Rechts­aus­le­ger die Rol­len der Fei­gen­blät­ter der Feuil­le­ton­re­dak­tio­nen spie­len, gehört seit Jah­ren Micha­el Klo­n­ovs­ky. Nicht nur das, er ist neben Lorenz Jäger der begab­tes­te und vor die­sem der schärfs­te Autor jener »rück­wärts«, näm­lich ins Ewi­ge bli­cken­den Avant­gar­dis­ten. Mal liber­tär, mal reak­tio­när, erscheint das Werk des Publi­zis­ten mit DDR-Ver­gan­gen­heit, dem nicht die pazi­fi­zie­ren­den und betäu­ben­den »Chan­cen« und Kom­forts der libe­ra­len aka­de­misch-media­len Wohl­stands­ge­sell­schaft mit­ge­ge­ben wur­den, als Vexier­bild. Nur eines ist er nie­mals: angepaßt.

Der jetzt bei Karo­lin­ger erschie­ne­ne Band hat es in sich. Klo­n­ovs­kys Wor­te, von Ekel vor den Ver­wer­fun­gen der Zeit eben­so wie von Lie­be zum Leben geprägt, las­sen wohl nie­man­den unbe­rührt, der nicht schon völ­lig abge­stumpft ist: »Man muß noch mehr töten für den Frieden.«

Der Leser der »Acta Diur­na«, jenem Klo­n­ovs­ky­schen Netz­ta­ge­buch, das, ohne Wer­bung oder gro­ße öffent­li­che Wahr­neh­mung, inzwi­schen zu den ers­ten Anlauf­stel­len einer rech­ten Publi­zis­tik höchs­ter Güte im Inter­net zäh­len dürf­te, kennt den Inhalt des Bänd­chens bereits. Die Apho­ris­men wur­den dort ver­öf­fent­licht. Sie hier in Buch­form noch ein­mal Sei­te für Sei­te nach­voll­zie­hen zu kön­nen ist trotz­dem ein beson­de­res intel­lek­tu­el­les Ver­gnü­gen und soll­te als Gele­gen­heit der geis­ti­gen Erqui­ckung unbe­dingt wahr­ge­nom­men werden.

Der Ver­gleich mit Gómez Dávi­la, sti­lis­tisch und the­ma­tisch zumin­dest ein, wenn nicht das Vor­bild für Klo­n­ovs­ky, mag hin­ken. Der 1962 gebo­re­ne Jour­na­list hat einen eige­nen Ton, wur­zelt weni­ger unbe­dingt in den Tra­di­tio­nen des alten Euro­pa, drückt eher ein­mal Genuß aus als Bit­ter­keit: »Wer errö­tet, erweist einen erschüt­tern­den Man­gel an Moder­ni­tät.« Auch spielt das reli­giö­se Moment eine weit gerin­ge­re Rol­le, dafür Bana­li­tä­ten eine etwas grö­ße­re. Den­noch wird, wer den Kolum­bia­ner ver­ehrt, auch um sei­nen Schü­ler kei­nen Bogen machen dür­fen. Noch ein­mal Klo­n­ovs­ky: »Kon­ser­va­tiv sein bedeu­tet kei­nes­wegs, am Alt­her­ge­brach­ten zu hän­gen, son­dern sich die per­ma­nen­ten Kulis­sen­wech­sel nicht als das Stück sel­ber auf­schwat­zen zu lassen.«

Micha­el Klo­n­ovs­kys Apho­ris­men und Ähnli­ches kann man hier bestel­len.

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