1. Dezember 2015

Michael Klonovsky: Aphorismen und Ähnliches

Gastbeitrag

Eine Rezension von Konrad Gill

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Michael Klonovsky: Aphorismen und Ähnliches, Wien: Karolinger 2014. 125 S., 18.90 €

Wie weit darf ein Autor, dem etablierte Kreise Narrenfreiheit gewähren, in der Bundesrepublik gehen? Zu denen, die als Rechtsausleger die Rollen der Feigenblätter der Feuilletonredaktionen spielen, gehört seit Jahren Michael Klonovsky. Nicht nur das, er ist neben Lorenz Jäger der begabteste und vor diesem der schärfste Autor jener »rückwärts«, nämlich ins Ewige blickenden Avantgardisten. Mal libertär, mal reaktionär, erscheint das Werk des Publizisten mit DDR-Vergangenheit, dem nicht die pazifizierenden und betäubenden »Chancen« und Komforts der liberalen akademisch-medialen Wohlstandsgesellschaft mitgegeben wurden, als Vexierbild. Nur eines ist er niemals: angepaßt.

Der jetzt bei Karolinger erschienene Band hat es in sich. Klonovskys Worte, von Ekel vor den Verwerfungen der Zeit ebenso wie von Liebe zum Leben geprägt, lassen wohl niemanden unberührt, der nicht schon völlig abgestumpft ist: »Man muß noch mehr töten für den Frieden.«

Der Leser der »Acta Diurna«, jenem Klonovskyschen Netztagebuch, das, ohne Werbung oder große öffentliche Wahrnehmung, inzwischen zu den ersten Anlaufstellen einer rechten Publizistik höchster Güte im Internet zählen dürfte, kennt den Inhalt des Bändchens bereits. Die Aphorismen wurden dort veröffentlicht. Sie hier in Buchform noch einmal Seite für Seite nachvollziehen zu können ist trotzdem ein besonderes intellektuelles Vergnügen und sollte als Gelegenheit der geistigen Erquickung unbedingt wahrgenommen werden.

Der Vergleich mit Gómez Dávila, stilistisch und thematisch zumindest ein, wenn nicht das Vorbild für Klonovsky, mag hinken. Der 1962 geborene Journalist hat einen eigenen Ton, wurzelt weniger unbedingt in den Traditionen des alten Europa, drückt eher einmal Genuß aus als Bitterkeit: »Wer errötet, erweist einen erschütternden Mangel an Modernität.« Auch spielt das religiöse Moment eine weit geringere Rolle, dafür Banalitäten eine etwas größere. Dennoch wird, wer den Kolumbianer verehrt, auch um seinen Schüler keinen Bogen machen dürfen. Noch einmal Klonovsky: »Konservativ sein bedeutet keineswegs, am Althergebrachten zu hängen, sondern sich die permanenten Kulissenwechsel nicht als das Stück selber aufschwatzen zu lassen.«

Michael Klonovskys Aphorismen und Ähnliches kann man hier bestellen.


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