Sezession
1. Oktober 2014

Jean Raspail: Der letzte Franzose

Gastbeitrag

Eine Rezension von Michael Kreuzberg 

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Jean Raspail: Der letzte Franzose (= Kaplaken 41),  Schnellroda: Antaios 2014. 96 S.,
8.50 €

Der 1925 geborene französische Romancier Jean Raspail wird den meisten Lesern dieser Zeitschrift bereits ein Begriff sein. Von seinem umfangreichen Werk wurde bislang nur ein Bruchteil ins Deutsche übersetzt, darunter drei seiner besten Bücher: Sire erzählt die Geschichte einer unmöglichen Restauration des sakralen Königtums in Frankreich, Sieben Reiter verließen die Stadt handelt vom Widerstand einer kleinen Schar in einer untergehenden Welt, während sein berühmtestes Werk, Das Heerlager der Heiligen, eine apokalyptische Vision vom Untergang Europas durch invadierende Menschenmassen aus der Dritten Welt zeichnet.

Der 41. kaplaken-Band gewährt nun rare Einblicke in die Werkstatt und Person des Meisters, der kaum auf einen Nenner zu bringen ist und dennoch in eindrucksvoller Weise einen so gut wie ausgestorbenen Typus eines »Rechten« alter Schule verkörpert: als Monarchist, Katholik, Patriot und Weltreisender mit »abenteuerlichem Herzen« hat sich Raspail bis ins hohe Alter einen eigentümlich jugendlich-romantischen Schwung bewahrt. Dies allem Pessimismus angesichts der Zukunft seines Vaterlandes zum Trotz: neben Richard Millet und Renaud Camus gibt es im heutigen Frankreich niemanden, der die Tragödie des kulturell verfallenden und demographisch kippenden Landes mit einer derartigen Härte und Unverblümtheit zu Wort bringt.

So etwa in dem Essay »Big Other«, der 2011 als Zugabe zur Neuauflage des Heerlagers erschien. Darin skizziert Raspail nicht nur die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte seines Romans, sondern auch die zunehmende Erdrosselung der Redefreiheit durch die »politische Korrektheit« im Dienste eines inzwischen quasi-orwellianischen Systems, das die schwindenden »Franzosen des Stammes« systematisch in Unkenntnis ihres angedachten Schicksals hält und jede Gegenwehr entmutigt.

Dabei beschränkt er sich nicht darauf, ein düsteres Zukunftsbild zu malen, sondern lotet auch vorsichtig die möglichen Quellen einer künftigen Reconquista aus. Auch das 2013 geführte Interview »Unsere Zivilisation verschwindet« spart nicht mit deutlichen und warnenden Worten. Heiterer geht es in zwei weiteren Interviewkompilationen zu, in denen Raspail Auskunft über seine ästhetischen und literarischen Vorlieben gibt sowie über sein Selbstverständnis als Schriftsteller, die Bedeutung der Belletristik für die Weitergabe der Kultur, den Wert des stolzen Individuums in einer nivellierten Massenwelt oder den Royalismus als ethische, transzendental ausgerichtete Idee, die vor allem mit dem Bewahren einer inneren und äußeren Haltung zu tun hat.

Letzteres ist auch Thema des köstlichen und stellenweise verblüffenden Essays über »Die Tyrannei des Duzens« und die exquisiten Freuden des Siezens, selbst der eigenen Ehefrau. »Der letzte Franzose« Jean Raspail weiß nicht nur als Erzähler, sondern auch durch die Kraft seiner schillernden Persönlichkeit zu fesseln – und so ist diese kleine Sammlung auch ein unterhaltsames Brevier der Inspiration für alle, deren Herz noch für das Erbe und den Geist der europäischen Zivilisation schlägt.

Jean Raspails Der letzte Franzose kann man hier bestellen.


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