Sezession
1. Oktober 2014

Volkhard Huth (Hrsg.): Geheime Eliten?

Gastbeitrag

Eine Rezension von Konrad Gill

Volkhard Huth (Hrsg.): Geheime Eliten? (= Bensheimer Gespräche 2010/11. Veranstaltet vom Institut für Personengeschichte [Bensheim] in Verbindung mit der Ranke-Gesellschaft [Köln]), Frankfurt a.M.: Vittorio Klostermann 2014. 450 S., 86 €

Ob paranoider Monokausalist oder scheinsouveräner Verklärer: wer sich mit sogenannten Verschwörungstheorien befaßt, gerät leicht in gedankliche Extreme. Daß die Regierungen aller zivilisierten Länder (nebst Wirtschafts- und Finanzsystemen) willkürlich von geheimen Hintermännern gesteuert werden könnten, ist ebenso ein Extrem wie die Vorstellung, in »demokratischen Zeiten« gehe grundsätzlich alles mit rechten Dingen zu, sofern nur Pressefreiheit und Parlamentarismus über den Pforten stehen.

Die Existenz überwiegend im verborgenen wirkender Gruppen und Seilschaften ist eine Selbstverständlichkeit, denn dauerhafte Macht mag auf der Agora ausgeübt werden, aber sie entsteht nicht dort. Angesichts der in den letzten Jahrzehnten zunehmend Mode gewordenen und in Belletristik und Film Millionen von Menschen weltweit fesselnden Suche nach »Illuminaten«, »Templern« und anderen Dunkelmännern ist der wissenschaftliche Zugriff auf solche Themen dennoch sinnvoll. Die Lücke zwischen reißerischem, spekulativem Unfug und fachwissenschaftlich-unzugänglichen Studien schließt nun ein Tagungsband.

Der erste Band der neuen Reihe Bensheimer Gespräche des auf historische Sozial- und Elitenforschung spezialisierten Instituts für Personengeschichte ist zunächst eine Augenweide. Eine Qualität dieser Art in Fehlerfreiheit, Buchgestaltung und wissenschaftlicher Genauigkeit ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Im Inneren erwarten den Leser, der durchaus kein geisteswissenschaftlicher Fachmann sein muß, um den Texten folgen zu können, wie üblich stark unterschiedliche Beiträge.

Besonders hingewiesen sei auf das keinesfalls ironisch gemeinte »Lob der Verschwörungstheorie« von Lorenz Jäger, Aufsätze über sich in der Nachfolge der Tempelritter wähnende Zirkel und Sekten, das mittelalterliche Kardinalskollegium als Männerbund, die (echten) Illuminaten, höfische Interessengruppen verschiedener Jahrhunderte sowie Studentenverbindungen.

Die Aufsätze sind, wie in einem Sammelband unvermeidlich, von unterschiedlicher Länge und Güte. So disparat die Texte inhaltlich auch sein mögen, die gemeinsame Linie ist doch sichtbar: Das völlig selbstverständliche Eingeständnis der Existenz inoffizieller oder unsichtbarer Eliten einerseits trifft auf die gelassene Relativierung vieler Übertreibungen. Eine immer existierende, sich stets erneuernde Schicht kann allzu geheimnisvoll nicht gewesen sein.

Wer sich für das Thema interessiert, sollte den Kauf trotz des hohen Preises erwägen. Der Band ersetzt etliche andere und ist, weit mehr als ein erster Einstieg, dank der Quellen- und Literaturangaben eine Brücke hin zur weiteren Forschung.

Geheime Eliten? von Volkhard Huth kann man hier bestellen.


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