Hartmut Buchner: Heidegger und Japan – Japan und Heidegger

Hartmut Buchner: Heidegger und Japan – Japan und Heidegger. Vorläufiges zum west-östlichen Gespräch,hrsg. von Freunden des Verfassers, Nordhausen: Traugott Bautz 2013. 158 S., 25 €

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Hart­mut Buch­ner (1927–2004) dürf­te nur wirk­li­chen Heid­eg­ger-Ken­nern ein Begriff sein, da er zu Leb­zei­ten außer sei­ner Dis­ser­ta­ti­on, die sich mit Pla­ton befaßt, kei­ne Mono­gra­phie ver­öf­fent­licht hat und sei­ne weni­gen Auf­sät­ze an ent­le­ge­nen Orten erschienen.

Buch­ner stu­dier­te seit 1950 in Frei­burg und lern­te dort Mar­tin Heid­eg­ger ken­nen, der ihn schon bald zur Mit­ar­beit und Kor­rek­tur bei der Her­aus­ga­be sei­ner Wer­ke her­an­zog. Von 1958 bis 1962 war er als Lek­tor und Dozent in Japan tätig, wo er sich vor allem als Ver­mitt­ler der Phi­lo­so­phie Heid­eg­gers einen Namen mach­te. Seit der Rück­kehr nach Deutsch­land war er als Her­aus­ge­ber an den Gesamt­aus­ga­ben von Hegel und Schel­ling betei­ligt, unter­bro­chen von einer Assis­ten­ten­zeit bei dem Heid­eg­ger-Schü­ler Max Mül­ler in Mün­chen. Dane­ben hat er sich sein Leben lang mit Heid­eg­gers Werk beschäf­tigt, das offen­bar das ent­schei­den­de geis­ti­ge Ereig­nis für Buch­ner gewe­sen ist. Durch sei­ne exklu­si­ven Semi­na­re, erst an der Uni­ver­si­tät Mün­chen und spä­ter in pri­va­tem Kreis, präg­te er das Heid­eg­ger­bild zahl­rei­cher Studenten.

Ein beson­de­res Augen­merk lag, bio­gra­phisch bedingt, auf der japa­ni­schen Rezep­ti­on Heid­eg­gers. Buch­ner hat dazu 1989 im Auf­trag der Stadt Meß­kirch zum 100. Geburts­tag Heid­eg­gers das Buch Japan und Heid­eg­ger her­aus­ge­ge­ben, das die dor­ti­ge Wert­schät­zung für Heid­eg­ger schön ver­an­schau­licht. (Wer weiß schon, daß Heid­eg­gers soge­nann­te Rek­to­rats­re­de von 1933 im dor­ti­gen Deutsch­un­ter­richt Ver­wen­dung fand!) Heid­eg­ger selbst hat das Gespräch mit zahl­rei­chen Japa­nern geführt und dabei bedau­ert, daß das Inter­es­se so ungleich ver­teilt sei und sich Deutsch­land kaum dem japa­ni­schen Geist öffne.

Daß der vor­lie­gen­de Band wie­der­um einen ähn­li­chen Titel trägt, ist kein Zufall. Fünf der elf Tex­te sind bis­lang nur auf japa­nisch erschie­nen. Die Tex­te selbst sind von einem sel­te­nen Wil­len bestimmt, Heid­eg­gers Fra­ge nach der Wahr­heit des Seins ernst zu neh­men. Da es Heid­eg­ger schon schwer­fiel, für die­se Fra­ge­stel­lung die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den, beschränkt sich Buch­ner auf ein­zel­ne Text­pas­sa­gen Heid­eg­gers oder streng umgrenz­te The­men, die es ihm erlau­ben, die­ses Fra­gen bei­spiel­haft ver­ständ­lich zu machen. Es han­delt sich also um klei­ne Bau­stei­ne zum Heid­eg­ger-Ver­ständ­nis, die in der Heid­eg­ger-Lite­ra­tur durch­aus sel­ten sind. Sie zielt oft auf das Gan­ze und ver­fehlt es.

Die Tex­te beschäf­ti­gen sich mit der Spra­che, der Meta­phy­sik, der Hei­mat, dem Abend­land oder dem Chris­ten­tum, immer in bezug auf Heid­eg­ger. Wenn Buch­ner »Heid­eg­ger und das Chris­ten­tum« unter­sucht, behan­delt er damit ein The­ma, an dem sich bis heu­te die Geis­ter schei­den. Nicht zuletzt, weil sich bei Heid­eg­ger sowohl rabia­te Ableh­nung als auch ein­fühl­sa­me Äuße­run­gen zum Chris­ten­tum fin­den. Buch­ner führt das auf Heid­eg­gers Unter­schei­dung zwi­schen Chris­ten­tum als pla­to­nisch-meta­phy­sisch über­form­te Erschei­nung (Kir­che) und Christ­lich­keit als neu­tes­ta­ment­li­che Got­tes­of­fen­ba­rung zurück. Ein christ­li­ches Leben bedür­fe nicht unbe­dingt des Chris­ten­tums – was es als legi­tim erschei­nen läßt, die Fra­ge nach Heid­eg­ger und dem Chris­ten­tum auf die from­me Fra­ge nach der Wahr­heit des Seins zurückzuführen.

Wäh­rend Buch­ner hier groß­zü­gig über man­che Unstim­mig­keit in den Äuße­run­gen Hei-deg-gers hin­weg­sieht, um zu einer Kon­klu­si­on zu kom­men, ist das bei den spä­te­ren Tex­ten Buch­ners anders. Zuneh­mend wird jedes Wort Heid­eg­gers, und sei es im Gespräch gefal­len, als unver­rück­bar ange­se­hen. Das macht die Lek­tü­re nicht weni­ger loh­nend, aller­dings gibt es kei­ne Ant­wor­ten mehr, son­dern neue Fra­gen. Ganz getreu dem Mot­to des Meis­ters, der sei­ne Gesamt­aus­ga­be nicht ohne Grund mit »Wege – nicht Wer­ke« über­schrie­ben hat.

Heid­eg­ger und Japan – Japan und Heid­eg­ger von Hart­mut Buch­ner kann man hier bestel­len. 

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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