Peter Walther: Der Erste Weltkrieg in Farbe

Eine Rezension von Benjamin Jahn Zschocke

 Gastbeitrag

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Peter Walt­her: Der Ers­te Welt­krieg in Far­be, Köln: Taschen 2014. 384 S., 39.99 €

Kriegs­pho­to­gra­phie in Far­be ver­spricht eine bemer­kens­wer­te Neu­erschei­nung: Der Taschen Ver­lag (sonst für Bild­bän­de von Michel­an­ge­lo über das Big Butt Book bis zu soge­nann­ten Sexy-Books ver­ant­wort­lich) hat einen Groß­teil der ver­füg­ba­ren Farb­auf­nah­men aus dem Ers­ten Welt­krieg zusammengetragen.

Man kann sich die­sem Kon­vo­lut ein­ma­li­ger Bild­do­ku­men­te auf zwei Arten nähern: his­to­risch unvor­ein­ge­nom­men und vor allem inter­es­siert am pho­to­gra­phisch-hand­werk­li­chen Detail nebst des­sen künst­le­ri­schen Fines­sen. Die­ser Betrach­ter wird den Band in Griff­wei­te im Bücher­schrank auf­be­wah­ren, denn die her­vor­ra­gend auf­ge­nom­me­nen und trotz ihres Alters soli­de wie­der­ge­ge­be­nen Pho­to­gra­phien erqui­cken sein Herz.

Er wird beim Blät­tern die­sel­be stau­nen­de Ehr­furcht emp­fin­den, wel­che sein hun­dert Jah­re älte­rer Kol­le­ge ange­sichts der sel­te­nen Exklu­si­vi­tät die­ser Auf­nah­men emp­fun­den haben muß. Den ande­ren, his­to­risch bewan­der­ten Betrach­ter, der 2014 ein zusätz­li­ches Bil­ly-Regal zur Ver­or­tung der Neu­erschei­nun­gen zum Gro­ßen Krieg instal­lie­ren muß­te, plagt hin­ge­gen das Magen­grim­men. Erzürnt ist er von der Unaus­ge­wo­gen­heit des Ban­des. Der Titel Ers­ter Welt­krieg in Far­be müß­te sei­ner Mei­nung nach rich­tig hei­ßen: Staat­lich gespon­ser­te Farb­pho­to­do­ku­men­ta­ti­on der fran­zö­si­schen Welt­kriegs­hel­den aus den Jah­ren 1914 bis 1918.

Daß es kaum far­bi­ge Bil­der von der Ost­front gibt, ver­wun­dert ihn ange­sichts der loka­len Zustän­de und der finan­zi­el­len Prä­mis­sen der dort am Krie­ge Betei­lig­ten nicht. Er weiß, den Luxus eines sünd­haft teu­ren pho­to­gra­phi­schen Doku­men­ta­ti­ons­pro­jek­tes konn­ten sich nur die Bes­ser­ver­die­ner unter den Euro­pä­ern leis­ten. Der Boche ist genau wie in Ver­sailles ste­ril auf engs­tem Raum abge­son­dert. Das ärgert den streit­ba­ren His­to­ri­kus. Die Hut­schnur platzt ihm beim ten­den­ziö­sen Ton des Textmaterials:

Wer 2014, nach Wer­ken von Sean McMee­kin oder Phil­lip­pe Simon­not noch vom »deut­schen Aggres­sor« spricht, der soll­te sei­ne publi­zis­ti­sche Arbeit wei­ter­hin auf die Wie­der­ga­be unbe­klei­de­ter weib­li­cher Rück­an­sich­ten beschrän­ken. Hel­mut New­ton bei Duncker&Humblot wäre ja eben­so skurril.

Peter Walt­hers Der Ers­te Welt­krieg in Far­be kann man hier bestel­len.

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