Sezession
1. Oktober 2014

Peter Walther: Der Erste Weltkrieg in Farbe

Gastbeitrag

Eine Rezension von Benjamin Jahn Zschocke

Peter Walther: Der Erste Weltkrieg in Farbe, Köln: Taschen 2014. 384 S., 39.99 €

Kriegsphotographie in Farbe verspricht eine bemerkenswerte Neuerscheinung: Der Taschen Verlag (sonst für Bildbände von Michelangelo über das Big Butt Book bis zu sogenannten Sexy-Books verantwortlich) hat einen Großteil der verfügbaren Farbaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg zusammengetragen.

Man kann sich diesem Konvolut einmaliger Bilddokumente auf zwei Arten nähern: historisch unvoreingenommen und vor allem interessiert am photographisch-handwerklichen Detail nebst dessen künstlerischen Finessen. Dieser Betrachter wird den Band in Griffweite im Bücherschrank aufbewahren, denn die hervorragend aufgenommenen und trotz ihres Alters solide wiedergegebenen Photographien erquicken sein Herz.

Er wird beim Blättern dieselbe staunende Ehrfurcht empfinden, welche sein hundert Jahre älterer Kollege angesichts der seltenen Exklusivität dieser Aufnahmen empfunden haben muß. Den anderen, historisch bewanderten Betrachter, der 2014 ein zusätzliches Billy-Regal zur Verortung der Neuerscheinungen zum Großen Krieg installieren mußte, plagt hingegen das Magengrimmen. Erzürnt ist er von der Unausgewogenheit des Bandes. Der Titel Erster Weltkrieg in Farbe müßte seiner Meinung nach richtig heißen: Staatlich gesponserte Farbphotodokumentation der französischen Weltkriegshelden aus den Jahren 1914 bis 1918.

Daß es kaum farbige Bilder von der Ostfront gibt, verwundert ihn angesichts der lokalen Zustände und der finanziellen Prämissen der dort am Kriege Beteiligten nicht. Er weiß, den Luxus eines sündhaft teuren photographischen Dokumentationsprojektes konnten sich nur die Besserverdiener unter den Europäern leisten. Der Boche ist genau wie in Versailles steril auf engstem Raum abgesondert. Das ärgert den streitbaren Historikus. Die Hutschnur platzt ihm beim tendenziösen Ton des Textmaterials:

Wer 2014, nach Werken von Sean McMeekin oder Phillippe Simonnot noch vom »deutschen Aggressor« spricht, der sollte seine publizistische Arbeit weiterhin auf die Wiedergabe unbekleideter weiblicher Rückansichten beschränken. Helmut Newton bei Duncker&Humblot wäre ja ebenso skurril.

Peter Walthers Der Erste Weltkrieg in Farbe kann man hier bestellen.


 Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (0)

Anmelden Registrieren