Sezession
1. August 2014

Ellen Bos (Hrsg.): Konservativismus im 21. Jahrhundert.

Gastbeitrag

Eine Rezension von Harald Seubert

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Ellen Bos (Hrsg.): Konservativismus im 21. Jahrhundert.Liebe zu alten Lastern oder Angst vor neuen Fehlern, Baden-Baden: Nomos 2014. 202 S., 38 €

Der Sammelband, der aus Tagungen und einem Forschungsprojekt an der Andrássy Universität in Budapest hervorging, bündelt in vorwiegend politologischer Perspektive Aufsätze, die der Aktualität oder Überlebtheit des Konservativismus vor einem mitteleuropäischen Fokus nachgehen. Unverkennbar trägt er Züge einer Buchbindersynthese.

Interessant sind aber die Verbindung arrivierter mit jüngeren Forschern und die Bereitschaft, ergebnisoffen und in mitteleuropäischer Blickweite Konzeptionen des Konservativen zu untersuchen. Orientierung geben die Eingangsartikel von Dietmar Meyer und Siegfried Franke, die sich um eine Verhältnisbestimmung von Liberalismus und Konservatismus bemühen. Der Beitrag von Ralf Thomas Göllner fragt nach dem Verhältnis von europäischer Vereinigung und nationalen Identitäten.

Er korrespondiert auf diese Weise mit einer gelungenen Studie von Ellen Bos über Konservativismus und Regimewechsel, die eine große Linie vom Ursprung konservativen Selbstverständnisses im Umkreis der Französischen Revolution zur Gegenwart nach 1989 herstellt. Als Studien durchaus bereichernd sind die Aufsätze von Tim Kraski zur Bedeutung des Aristotelismus für ein angemessenes Verständnis von Bürgerlichkeit und von Tamás Nótári zu Cicero.

Auch die rechtswissenschaftliche Perspektive kommt nicht zu kurz: István Szabó geht ihr im brillantesten Beitrag des Bandes nach. Zoltán Tibor Pállinger fragt abschließend nach dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Konservatismus und direkter Demokratie: Diese spezifisch ungarische Perspektive dürfte auch für deutsche Debatten lehrreich sein.

Zur Grundlagenklärung trägt dieser Band nichts wirklich Essentielles bei. Dazu ist er ideengeschichtlich und philosophisch zu schwach instrumentiert. Er zeigt aber, daß die konservative Stimme beim Wiedererwachen Mitteleuropas unverzichtbar ist. Deshalb sollte man ihn nicht ignorieren.

Konservativismus im 21. Jahrhundert von Harald Seubert kann man hier bestellen. 


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