Hamed Abdel-Samad: Der islamische Faschismus

von Siegfried Gerlich --- Hamed Abdel-Samad: Der islamische Faschismus. Eine Analyse, München: Droemer 2014. 224 S., 18 €

 Gastbeitrag

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Wie­wohl sei­ne islam­kri­ti­schen The­sen ihm die Todes-Fat­wa ein­ge­bracht haben, will Hamed Abdel-Samad den Titel sei­nes neu­en Buches doch nicht als pole­mi­sche Tau­to­lo­gie ver­stan­den wis­sen: Nicht den Islam als sol­chen, son­dern ledig­lich den poli­ti­schen Islam sucht er als eine viru­len­te Form des Faschis­mus zu ent­lar­ven. Mit der Demo­kra­tie ver­ein­bar wäre für ihn aller­dings ein radi­kal pri­va­ti­sier­ter Islam, aber der scheint nur mar­gi­nal vor­han­den, und so bearg­wöhnt der Autor die berühmte»islamische Tole­ranz« als ein Tro­ja­ni­sches Pferd. Eine inti­me Kennt­nis isla­mi­scher Glau­bens- und Lebens­wel­ten wird man dem deutsch-ägyp­ti­schen Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, der sel­ber eine isla­mis­ti­sche Lebens­pha­se hin­ter sich hat, jeden­falls schwer­lich abspre­chen kön­nen. Und erfreu­li­cher­wei­se läßt er sei­ne pla­ka­ti­ve Rede vom »isla­mi­schen Faschis­mus« nicht zu einem poli­ti­schen Kampf­be­griff erstar­ren, son­dern ver­folgt kun­dig die real­his­to­ri­schen Alli­an­zen und mas­sen­psy­cho­lo­gi­schen Affi­ni­tä­ten zwi­schen Faschis­mus und Islamismus.

Bei­de »poli­ti­schen Reli­gio­nen« erho­ben sich als Res­sen­ti­ment­phä­no­me­ne gro­ßen Stils aus den Trüm­mern des Ers­ten Welt­krie­ges und wur­den gera­de in jenen »ver­spä­te­ten Natio­nen« mäch­tig, die sich vom sieg­rei­chen Wes­ten ernied­rigt und belei­digt fühl­ten. Wie Ernst Nol­te zählt auch Abdel-Samad die faschis­ti­schen und isla­mis­ti­schen Bewe­gun­gen zu den epo­cha­len »Wider­stands­be­we­gun­gen gegen die Moder­ne«; aber anders als der gro­ße Faschis­mus­theo­re­ti­ker führt unser Autor den isla­mis­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus nicht auf blo­ßen Anti­zio­nis­mus zurück, son­dern legt des­sen Wur­zeln im »Uris­lam« selbst frei. Moham­meds mör­de­ri­sche »Säu­be­rung Ara­bi­ens« von Juden und Ungläu­bi­gen, die sich bereits im Koran zu »Affen« und»Schweinen« ent­mensch­licht fin­den, gilt ihm als »Geburts­stun­de des isla­mi­schen Faschismus«.

In sei­ner his­to­ri­schen Rück­schau ver­schweigt Abdel-Samad die tole­ran­te­re ara­bi­sche Hoch­kul­tur des Mit­tel­al­ters kei­nes­wegs, doch sei die­se eben nicht auf dem Boden der isla­mi­schen Reli­gi­on, son­dern auf­grund christ­li­cher, grie­chi­scher und per­si­scher Ein­flüs­se auf­ge­blüht. Und den nach­ma­li­gen Ver­fall der isla­mi­schen Kul­tur wie­der­um hät­ten nicht die christ­li­chen Erobe­rer, son­dern die spä­ter ein­ge­fal­le­nen Mon­go­len ver­ur­sacht, bevor schließ­lich die Tür­ken die ara­bi­sche Halb­in­sel für meh­re­re Jahr­hun­der­te voll­stän­dig von der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on abschotteten.

Nach dem Unter­gang des osma­ni­schen Rei­ches, wel­cher die kul­tu­rel­le Rück­stän­dig­keit der isla­mi­schen Welt offen­bar­te, erstark­ten zunächst in Indi­en, dann in Ägyp­ten fun­da­men­ta­lis­ti­sche Kräf­te, wel­che den Dschi­had wie­der­be­le­ben und das glor­rei­che Kali­fat wie­der­her­stel­len woll­ten. Aber nur dank der mili­tä­ri­schen und ideo­lo­gi­schen Zurüs­tung durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten im Zwei­ten Welt­krieg konn­te die von Hassan al-Ban­na gegrün­de­te ägyp­ti­sche Mus­lim­bru­der­schaft zur Mut­ter­or­ga­ni­sa­ti­on des isla­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus avancieren.

Mus­lim­brü­der ver­brei­te­ten das Gerücht, Hit­ler sei zum Islam über­ge­tre­ten und nen­ne sich seit­her »Hadsch Moham­med Hit­ler«, und al-Ban­na selbst rief den ers­ten Paläs­ti­nen­ser­füh­rer el-Hus­s­ei­ni zum Nach­fol­ger Hit­lers im Kampf gegen die Zio­nis­ten aus. Immer­hin hat­te die­ser »Groß­muf­ti von Jeru­sa­lem« bereits 1929 ein »juden­frei­es Paläs­ti­na« pro­kla­miert, und als er 1941 von Hein­rich Himm­ler über das unmit­tel­ba­re Bevor­ste­hen der »End­lö­sung« unter­rich­tet wur­de, kün­dig­te er eine sol­che öffent­lich auch für Paläs­ti­na an.

Die­se Wahl­ver­wandt­schaft zwi­schen nazi­fi­zier­ten Deut­schen und semi­ti­schen Ara­bern konn­te allein durch die Ras­sen­ver­wandt­schaft mit den ari­schen Per­sern noch über­bo­ten wer­den. Als Spät­fol­ge eines inten­si­ven Ideo­lo­gie­trans­fers soll­te der radi­kal­fa­schis­ti­sche Ver­nich­tungs­an­ti­se­mi­tis­mus daher gera­de im Iran – und zwar bereits mit der Revo­lu­ti­on des Aya­tol­lah Kho­mei­ni – zur Staats­dok­trin wer­den. Gleich­wohl eta­blier­te sich Mein Kampf auch in der ara­bi­schen Welt als Dau­er­best­sel­ler, und nicht nur auf die Schwarz­hemd-Mili­zen der His­bol­lah, die frei­mü­tig den deut­schen Gruß pfle­gen, ent­fal­te­te Hit­lers Bekennt­nis­schrift eine grö­ße­re Wir­kung als selbst der Koran. Über Unse­ren Kampf mit den Juden schrieb 1950 indes­sen auch der neue Vor­den­ker der Mus­lim­bru­der­schadt, Sayy­id Kutb, der sei­ner­seits radi­kal-isla­mis­ti­sche Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Al-Kai­da inspi­rie­ren soll­te; noch der abge­setz­te ägyp­ti­sche Staats­chef Moham­med Mur­si fand in Kut­bs Schrif­ten den »wah­ren Islam« wieder.

Wenn Abdel-Samad mit sei­nen poin­tier­ten poli­ti­schen The­sen und his­to­ri­schen Ana­ly­sen auch nicht eigent­lich wis­sen­schaft­li­ches Neu­land betritt, so bezeugt doch das Auf­se­hen, wel­ches sein popu­lär geschrie­be­nes Buch erregt hat, daß die Ergeb­nis­se der aktu­el­len For­schungs­li­te­ra­tur sich in unse­rer – angeb­lich so isla­mo­pho­ben und pro­is­rae­li­schen – Öffent­lich­keit noch längst nicht her­um­ge­spro­chen haben. Jeden­falls hat ein Euro­pa, das aus dem evi­den­ten Nexus zwi­schen der Aus­brei­tung isla­mis­ti­scher Haß­pro­pa­gan­da und dem Anstieg anti­jü­di­scher Über­grif­fe poli­ti­sche Kon­se­quen­zen zu zie­hen weder wil­lens noch fähig scheint, eine sol­che Lek­ti­on bit­ter nötig.

Der isla­mi­sche Faschis­mus. Eine Ana­ly­se von Hamed Abdel-Samad kann man hier bestel­len.

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