Arne Hoffmann: Not am Mann. Sexismus gegen Männer

Arne Hoffmann: Not am Mann. Sexismus gegen Männer, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2014. 256 S., 19.99 €

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Arne Hoff­mann ist der wohl bekann­tes­te Blog­ger der anti­fe­mi­nis­ti­schen »Män­ner­rechts­be­we­gung« in Deutsch­land, zu deren »lin­kem Flü­gel« er sich zählt. Damit ist er ein Dis­si­dent inner­halb der Gesamt­lin­ken, zu deren hei­ligs­ten Kühen und erfolg­reichs­ten Renn­pfer­den eben der Femi­nis­mus zählt, der meta- wie innen­po­li­tisch bei­nah unan­ge­foch­ten die Dis­kur­se, Wert­set­zun­gen und Gesetz­ge­bun­gen beherrscht.

Dabei ist er längst zu einer Art Kult um »die Frau« als qua­si »bes­se­rer Mensch« dege­ne­riert, der in einer Front mit der Ideo­lo­gie des »Gen­de­ris­mus« steht. Und eben­so wie der »Anti­ras­sis­mus« im Grun­de eine Waf­fe gegen Wei­ße ist, so ist der Femi­nis­mus eine Waf­fe gegen Män­ner und Männ­lich­keit an sich.

Aus lin­ker Per­spek­ti­ve sind und blei­ben die Männerrechtler»Rechtsabweichler«, und haben daher mit den­sel­ben Wid­rig­kei­ten zu kämp­fen wie alle Kri­ti­ker »poli­tisch kor­rek­ter« Dog­men: ruf­schä­di­gen­de und ver­zer­ren­de Bericht­erstat­tung nicht nur durch Pres­se und Fern­se­hen, son­dern auch durch staat­li­che Stel­len, Aus­gren­zung aus den Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len, par­tei­ische Behand­lung durch Wiki­pe­dia usw.

Da nüt­zen auch inter­ne Zer­würf­nis­se mit dem »rech­ten Flü­gel« des Mas­ku­lis­mus nichts – Hoff­mann selbst hat einen ein­schlä­gi­gen Text mit dem Titel »Ver­geßt die Rech­ten!« ver­faßt. Sein Behar­ren auf einer »lin­ken« Posi­ti­on bringt aller­dings eini­ge Schief­la­gen mit sich. Sein Dilem­ma ist ver­gleich­bar mit jenem der »libe­ra­len Islam­kri­ti­ker«, die an Sym­pto­men her­um­dok­tern wol­len, aber letzt­lich nach der Melo­die ihres Fein­des tanzen.

Das über wei­te Stre­cken gewiß brauch­ba­re Plä­doy­er gegen »Män­ner­dis­kri­mi­nie­rung« kon­zen­triert sich all­zu­sehr dar­auf, den Sta­tus der Män­ner dadurch auf­zu­wer­ten, indem auch ihnen eine »Opfer­rol­le« zuge­spro­chen wer­den soll, eine Erhe­bung in jenen selt­sa­men Adel also, mit dem heu­te jeg­li­che Inter­es­sen­po­li­tik legi­ti­miert wird. Das geht so weit, daß Hoff­mann die signi­fi­kant höhe­ren Selbst­mord­ra­ten unter Män­nern dem »Gen­der­ci­de« durch »Dis­kri­mi­nie­rung« zuschlägt, ohne dafür den gerings­ten Beleg zu haben.

Iro­ni­scher­wei­se bei­ßen vie­le Femi­nis­tin­nen zurück, indem sie die Mas­ku­lis­ten bei ihrer Man­nes­eh­re zu packen und als weh­lei­di­ge Heul­susen hin­zu­stel­len ver­su­chen. Dem ent­geg­net Hoff­mann, daß hier doch ein »reak­tio­nä­res« Män­ner­bild bedient wer­de; die »eman­zi­pa­to­ri­sche Män­ner­po­li­tik« dage­gen for­de­re »den Respekt vor jedem Indi­vi­du­um, wie es ist und sein will, solan­ge es ande­re Men­schen dadurch nicht schä­digt … Eman­zi­pa­ti­on bedeu­tet, sich von den Zwän­gen einer fremd­be­stimm­ten Män­ner­rol­le zu befreien«.

Damit dringt der Autor aber nicht zu dem Kern vor, an dem er anset­zen müß­te: zur Fra­ge nach der wahr­haf­ten männ­li­chen Iden­ti­tät, nach den blu­ti­gen und wesen­haf­ten Din­gen, die jen­seits von »Menschenrechten«,»Emanzipation«, Ver­trags­klau­seln und sons­ti­gem Fließ­pa­pier lie­gen. Indem er sei­ne Geg­ner beim Wort nimmt, blickt er nicht tief genug unter die Ober­flä­che des Geschlech­ter­kriegs, über die er als Ver­fas­ser sado­ma­so­chis­ti­scher Ero­ti­ca doch Bescheid wis­sen müß­te. So bestä­tigt sich alles in allem auch hier die Faust­re­gel: Ver­geßt die Linken!

Not am Mann von Arne Hoff­man kann man hier bestel­len. 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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