Sezession
1. Juni 2014

Eric Fröhlich, Benedikt Kaiser: Phänomen Inselfaschismus

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Eine Rezension von Sebastian Pella

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Eric Fröhlich, Benedikt Kaiser: Phänomen Inselfaschismus. Blackshirts, Blueshirts und weitere autoritäre Bewegungen in Großbritannien und Irland 1918–1945, Kiel: Regin 2013. 334 S., 24.95 €

Mit dem Phänomen Inselfaschismusergänzt der Regin-Verlag das in seinen Kieler Ideengeschichtlichen Studien angerissene Thema des Eurofaschismus (Sezession42). Die Autoren legen als Resultat ihrer sorgfältigen Recherche- und Editionsarbeit ein wissenschaftlichen Standards verpflichtetes Buch vor, dessen Qualität in der erstmaligen Übertragung der englischsprachigen Literatur zum Faschismus angelsächsischer und irischer Prägung, aber auch der konzisen Zusammenfassung bereits im deutschsprachigen Raum bekannter Werke besteht.

Die Studie beginnt mit dem von Eric Fröhlich verfaßten Teil über »Die Blackshirts in Großbritannien«, worin Sir Oswald Mosley und seine »British Union of Fascists« (BUF) naturgemäß die zentrale Rolle spielen. Der Strukturanalyse der BUFist ein Blick auf die Ent-stehung der Vorgängerorganisationen »British Fascisti« (1916), »National Fascisti« (1924) und »Imperial Fascist League« (1928) vorangestellt. Auf Personal dieser Organisationen konnte der brillante Rhetoriker, mitreißende Politiker und auftrumpfende Charakter Mosley bei der Entwicklung seiner BUF bauen.

Programmatisch verband der Parteiführer – in typisch faschistischer Manier – linke mit rechten Positionen und stellte den korporativen Staatsgedanken in den Mittelpunkt, worin »der Staat als Treuhänder für das ganze Leben eines Volkes« (Mosley) zu wirken hat. Fröhlich zeigt, wie gerade diese »Theorie des Körperschaftsstaats« als»raison d’etre des englischen Parteifaschismus« zu dessen Erfolglosigkeit führte. Die nicht existente Gefahr des Kommunismus, die antideutsche Mehrheitsstimmung in der englischen Gesellschaft und das rigide Vorgehen des Staates ließen den zwar »dyna-mische[n] und realistische[n]«, aber eben »unenglischen« Faschismus Mosleys schließlich scheitern.

Benedikt Kaiser widmet sich im zweiten Teil des (durch zahlreiche Schwarzweißphotos illustrierten) Buchs den »Blueshirts in Irland 1932–1937«, wobei er zeigt, daß eigentlich die Grünhemden als Träger des irischen Faschismus gelten müssen. Die von General Eoin O’Duffy 1932/33 gegründete, paramilitärische und blau uniformierte »Army Comrades Association« wies zwar autoritäre Züge auf, doch orientierte sich der im Irischen Unabhängigkeitskrieg bewährte O’Duffy zunächst in der gemäßigten Partei »Fine Gael«, ehe er diese 1934 im Streit verließ und die offen faschistischen »Greenshirts« begründete, die parteipolitisch in der »National Corporate Party« organisiert waren. Mit diesen Grünhemden nahm O’Duffy in der »Irischen Brigade« 1936/37 am Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nationalspanier teil. Nach seiner Rückkehr führte die enge Anlehnung an das nationalsozialistische Deutschland und die starke Konkurrenz im nationalistischen Beritt (»Sinn Féin«) zu einer Marginalisierung der Bewegung O’Duffys.

Ein resümierender Blick Kaisers auf die Nachkriegszeit billigt allenfalls Mosley eine gewisse Nachwirkung zu, der mit seiner Idee von »Europe a Nation« einen europäischen Großraum mit einer autoritären und zentralisierten Bundes-staatsebene vorsah, in dem die Autonomierechte der Völker unangetastet bleiben und regionalistische Bestrebungen forciert werden sollten. Als Anhang ist ein Quellen-text beigefügt: Mosley beantwortet hier (erstmals im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit in deutscher Übersetzung) programmatisch 100 Fragen zum Faschismus, wie er ihn verstand.

Phänomen Inselfaschismus von Eric Fröhlich und Benedikt Kaiser kann man hier bestellen.


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