Eric Fröhlich, Benedikt Kaiser: Phänomen Inselfaschismus

Eine Rezension von Sebastian Pella

 Gastbeitrag

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Eric Fröh­lich, Bene­dikt Kai­ser: Phä­no­men Insel­fa­schis­mus. Blackshirts, Blues­hirts und wei­te­re auto­ri­tä­re Bewe­gun­gen in Groß­bri­tan­ni­en und Irland 1918–1945, Kiel: Regin 2013. 334 S., 24.95 €

Mit dem Phä­no­men Insel­fa­schis­mus ergänzt der Regin-Ver­lag das in sei­nen Kie­ler Ideen­ge­schicht­li­chen Stu­di­en ange­ris­se­ne The­ma des Euro­fa­schis­mus (Sezes­si­on 42). Die Autoren legen als Resul­tat ihrer sorg­fäl­ti­gen Recher­che- und Edi­ti­ons­ar­beit ein wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards ver­pflich­te­tes Buch vor, des­sen Qua­li­tät in der erst­ma­li­gen Über­tra­gung der eng­lisch­spra­chi­gen Lite­ra­tur zum Faschis­mus angel­säch­si­scher und iri­scher Prä­gung, aber auch der kon­zi­sen Zusam­men­fas­sung bereits im deutsch­spra­chi­gen Raum bekann­ter Wer­ke besteht.

Die Stu­die beginnt mit dem von Eric Fröh­lich ver­faß­ten Teil über »Die Blackshirts in Groß­bri­tan­ni­en«, wor­in Sir Oswald Mos­ley und sei­ne »Bri­tish Uni­on of Fascists« (BUF) natur­ge­mäß die zen­tra­le Rol­le spie­len. Der Struk­tur­ana­ly­se der BUF ist ein Blick auf die Ent­ste­hung der Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen »Bri­tish Fascis­ti« (1916), »Natio­nal Fascis­ti« (1924) und »Impe­ri­al Fascist League« (1928) vorangestellt.

Auf Per­so­nal die­ser Orga­ni­sa­tio­nen konn­te der bril­lan­te Rhe­to­ri­ker, mit­rei­ßen­de Poli­ti­ker und auf­trump­fen­de Cha­rak­ter Mos­ley bei der Ent­wick­lung sei­ner BUF bau­en. Pro­gram­ma­tisch ver­band der Par­tei­füh­rer – in typisch faschis­ti­scher Manier – lin­ke mit rech­ten Posi­tio­nen und stell­te den kor­po­ra­ti­ven Staats­ge­dan­ken in den Mit­tel­punkt, wor­in »der Staat als Treu­hän­der für das gan­ze Leben eines Vol­kes« (Mos­ley) zu wir­ken hat. Fröh­lich zeigt, wie gera­de die­se »Theo­rie des Kör­per­schafts­staats« als»raison d’etre des eng­li­schen Par­tei­fa­schis­mus« zu des­sen Erfolg­lo­sig­keit führ­te. Die nicht exis­ten­te Gefahr des Kom­mu­nis­mus, die anti­deut­sche Mehr­heits­stim­mung in der eng­li­schen Gesell­schaft und das rigi­de Vor­ge­hen des Staa­tes lie­ßen den zwar »dyna-mische[n] und realistische[n]«, aber eben »uneng­li­schen« Faschis­mus Mos­leys schließ­lich scheitern.

Bene­dikt Kai­ser wid­met sich im zwei­ten Teil des (durch zahl­rei­che Schwarz­weiß­pho­tos illus­trier­ten) Buchs den »Blues­hirts in Irland 1932–1937«, wobei er zeigt, daß eigent­lich die Grün­hem­den als Trä­ger des iri­schen Faschis­mus gel­ten müs­sen. Die von Gene­ral Eoin O’Duffy 1932/33 gegrün­de­te, para­mi­li­tä­ri­sche und blau uni­for­mier­te »Army Com­ra­des Asso­cia­ti­on« wies zwar auto­ri­tä­re Züge auf, doch ori­en­tier­te sich der im Iri­schen Unab­hän­gig­keits­krieg bewähr­te O’Duffy zunächst in der gemä­ßig­ten Par­tei »Fine Gael«, ehe er die­se 1934 im Streit ver­ließ und die offen faschis­ti­schen »Green­s­hirts« begrün­de­te, die par­tei­po­li­tisch in der »Natio­nal Cor­po­ra­te Par­ty« orga­ni­siert waren.

Mit die­sen Grün­hem­den nahm O’Duffy in der »Iri­schen Bri­ga­de« 1936/37 am Spa­ni­schen Bür­ger­krieg auf Sei­ten der Natio­nal­spa­nier teil. Nach sei­ner Rück­kehr führ­te die enge Anleh­nung an das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deutsch­land und die star­ke Kon­kur­renz im natio­na­lis­ti­schen Beritt (»Sinn Féin«) zu einer Mar­gi­na­li­sie­rung der Bewe­gung O’Duffys.

Ein resü­mie­ren­der Blick Kai­sers auf die Nach­kriegs­zeit bil­ligt allen­falls Mos­ley eine gewis­se Nach­wir­kung zu, der mit sei­ner Idee von »Euro­pe a Nati­on« einen euro­päi­schen Groß­raum mit einer auto­ri­tä­ren und zen­tra­li­sier­ten Bun­des-staats­ebe­ne vor­sah, in dem die Auto­no­mie­rech­te der Völ­ker unan­ge­tas­tet blei­ben und regio­na­lis­ti­sche Bestre­bun­gen for­ciert wer­den soll­ten. Als Anhang ist ein Quellen­text bei­gefügt: Mos­ley beant­wor­tet hier (erst­mals im Rah­men einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit in deut­scher Über­set­zung) pro­gram­ma­tisch 100 Fra­gen zum Faschis­mus, wie er ihn verstand.

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