Sezession
4. September 2018

Nachtgedanken (6): „Aufstehen“? Selbsterdrosselung!

Götz Kubitschek / 26 Kommentare

Am Dienstag hat Sahra Wagenknecht ihre Bewegung mit dem wenig einfallsreichen Namen "Aufstehen" endgültig aus der Taufe gehoben.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Es ging ja häppchenweise vor sich, es war die Chronik einer angekündigten Woge: Wir alle würden die Geburt einer Linken erleben, die diesen Namen wieder verdiente. Dazu müßten wir alle #aufstehen. Das hat uns interessiert.

Aber: Was von der Vokabel her nach einer Ausweitung der Perspektive klingt, nach einem Ende der bequemen Sitzhaltung, ist - bei Lichte betrachtet - doch wieder kein "Aufstehen", sondern nur eine weitere Spielart einer alten brd-linken Krankheit: morbus kitahara - der sich vergrößernde Blinde Fleck.

Denn in Gesprächen mit linken, teils sehr gebildeten, stets geistig offenen Intellektuellen hören wir immer wieder dasselbe Lamento:

daß man, wenn man könnte, wie man wollte, längst mit uns spräche, um das Notwendige, den fehlenden Part ganz selbstverständlich aufzunehmen, von uns zu übernehmen, zu kapern, um »die Lücke« in der eigenen Theorie und Weltwahrnehmung auszufüllen und die offensichtlichen blinden Flecken zu beseitigen - die Nation, das Eigene, die Begrenzung, das Organische, die Differenz, die Hierarchie, die Unfertigkeit.

Als wir dann jüngst in München in die großbürgerliche Wohnung eines linken Theoretikers eingeladen waren, weil er sich mit uns in der Öffentlichkeit nicht zeigen dürfe;

als wir dort in dieser Wohnung auf und neben feinstem Jugendstil Platz nahmen und eines der klügsten Gespräche seit langem führten;

als wir auf dem chaotischen Intellektuellenschreibtisch vor allem unsere eigene Verlagsproduktion, daneben aber auch Böckelmann, Sarrazin, Klonovsky und Krüger liegen sahen und mitgeteilt bekamen, daß dies in den Seminaren mit den Studenten zu lesen vollkommen, wirklich vollkommen ausgeschlossen sei;

als wir dann aufbrachen und an der Tür, noch nach dem Abschied, den Satz nachgeflüstert bekamen, dieses Gespräch sei »zwar interessanter gewesen als jedes andere in diesem Jahr«, aber es habe »nie stattgefunden« -

da fragten wir: Warum eigentlich nicht?, und gaben uns die Antwort selbst: Diese Linke, dieses intellektuelle Milieu hat sich auf eine Art und Weise selbst gefesselt, eingeschnürt, verschnürt, die Schlinge ums Gehirn gelegt, daß nur noch ein Quentchen zur »Selbsterdrosselung« fehlt.

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Wenn wir über die »Selbsterdrosselung« der Linken sprechen, müssen wir an den Oktober letzten Jahres erinnern, genauer gesagt: an die Buchmesse in Frankfurt, deren Berichterstattung unser Verlag Antaios dominierte.

Über die Dramaturgie dieser Tage ist viel berichtet worden. Interessant für das Thema »Selbsterdrosselung« ist die punktgenaue Plazierung zweier Bücher aus zwei Verlagen für diese Messe sowie der Vorlauf zweier weiterer Titel, die der Auseinandersetzung erst den Weg bahnten und den dramatischen Knoten schürzten:

Ohne Rolf Peter Sieferles Finis Germania aus unserem Verlag und die Untersuchung Die Angstmacher (Aufbau) aus der Feder des linken Publizisten Thomas Wagner wäre die Aufregung nicht halb so groß und die Erwartungshaltung des verstörten Feuilletons nicht so indifferent (und damit halbgeöffnet) gewesen.

Der Sieferle-Skandal, in dessen Zentrum das schmale Finis Germania stand (Band 50 der reihe kaplaken), führte im Juni und Juli des vergangenen Jahres zur Exekution einer Literatur-Bestenliste, die der NDR und die Süddeutsche Zeitung jahrelang mit Erfolg und Binnenreputation geführt hatten. Er beschädigte weiterhin die Spiegel-Bestsellerliste, aus der Finis Germania trotz glänzender Absatzzahlen gestrichen wurde.

Im Kielwasser einer verschämten Diskussion über die Souveränität der Agierenden in diesem Ausnahmezustand kamen Thesen von Thomas Wagner zum Tragen, der als linker Publizist das getan hatte, was in unserer Republik ständig für selbstverständlich erklärt, selbstverständlich aber nie ernstgenommen wird: daß miteinander zu reden sei.

Wagner hatte Lichtmesz und Sellner, Stein und Kaiser, Kositza und mich, Eichberg und Rabehl, Böckelmann und Maschke aufgesucht und uns in langen, gut vorbereiteten Gesprächen zu Herkunft, Lesebiographie, Denkschule, Vorbildern, Drive und Skrupel, Grenze und Provokation, Prognosen, Alternativen und Kontakten befragt. Das Ergebnis war ein Buch, das uns als Gesprächspartner nicht vorführte, sondern vorstellte und uns dadurch etwas vom Nimbus des unbekannten Unberechenbaren (und damit vom unheimlich Interessanten) nahm – ein Vorgang, den wir selbst als die Entzauberung des Scheinriesens beschrieben und für völlig normal erachteten:

Man kann nicht ständig und wiederholt schockierend präsent sein – man ist irgendwann einfach präsent, und wenn dieser Normalisierungsvorgang lange genug dauert, ist diese Präsenz etwas, das niemanden mehr über die Maßen interessiert.

Erst auf dieser Grundlage des vorbildlichen Zuhörens konnte dann schließlich das Autorentrio Per Leo, Volker Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn die Schrift Mit Rechten reden (Klett-Cotta) als Buch zur Stunde plazieren – der Titel wurde zu einer der stehenden Wendungen der verrückten Frankfurter Tage.

Und wiederum unser Verlag konterte diesen Aufschlag und legte Mit Linken leben von Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld vor. Das Buch kam nach einem Parforceritt tatsächlich am Tag vor der Messe gerade noch rechtzeitig aus der Druckerei.

Die Feuilletondiskussion über den richtigen Umgang mit uns als einem geradezu übermächtigen Phänomen, das keiner so recht auf der Karte hatte, lief während der Buchmesse auf dieses halb durchgerungene, halb wagemutige »mit Rechten reden« zu. Das Autorentrio selbst suchte in Person Per Leos an unserem Verlagsstand das Scheinwerferlicht, und später saßen wir im Klett-Cotta-Stand, als sei daran nichts außergewöhnlich oder anstößig. Getuschel, Handyphotos – aber es wirkte so, als sei die erste große, öffentliche Diskussion über die Frage, ob mit uns zu reden sei, tatsächlich mit unserer Beteiligung geplant, und zwar in sehr absehbarer Zeit.

Dennoch blieben die Pressetermine oberflächlich und eindimensional. Der Höllenbetrieb am Stand konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß nicht mit uns, sondern über uns geredet wurde, daß die Fragen vorgestanzt und plakativ gestellt wurden und an »der anderen Sicht der Dinge« im Grunde kein Interesse bestand. Festgefahren die Erzählmuster, die Attribute; omnipräsent das Pflichtgefühl des »Wehret den Anfängen«; spürbar die Suche nach einem Hebel, nach einer Möglichkeit, sich nicht mit dem beschäftigen zu müssen, was jenseits der schieren Provokation inhaltlich durch unseren Verlag vorgelegt wurde.

Das Ergebnis ist bekannt: Es kam nicht zu den gerade von uns erhofften Normalisierungsgesprächen, und zwar nicht, weil wir eine zu hohe Hürde gesetzt oder auf Bedingungen bestanden hätten, die frech oder höhnisch oder unangemessen gewesen wären.

Es kam zu diesen öffentlichen Auseinandersetzungen nicht, denn diejenigen, die solche Ideen vorantrieben, wurden von ihren eigenen »Communities«, ihren Freundeskreisen und Resonanzräumen auf eine Art beschimpft, angefeindet, entfreundet, vor das geistige Tribunal gezerrt, daß ihnen nach kurzer Abwägung von Gewinn und Verlust und einer intensiven Durchmusterung der Folterwerkzeuge die Entscheidung nicht schwerfiel: Sie legten sich ihre Fesseln wieder an.

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Wir sollten uns das Bewegungsprofil des überforderten, linksliberalen Feuilletons in den Monaten vor, während und nach der Messe (also: bis heute) wie das eines DDR-Flüchtlings vorstellen, der auf allen Vieren durch einen Tunnel in die Freiheit kriecht und noch in derselben Nacht denselben Weg zurück nimmt, weil er sich der Unbegrenztheit und einem Leben ohne die alten Freunde nicht gewachsen fühlt. Wir müssen das zur Kenntnis nehmen. Wir müssen das einkalkulieren.

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Auch der Verleger des Lit-Verlages, Wilhelm Hopf, ist zurückgekrochen, oder sollten wir besser sagen: ist zurückgeholt worden? Jedenfalls hat er im April seine Unterschrift unter die »Erklärung 2018« zurückgezogen, die im März dieses Jahres für Furore sorgte, obwohl sie nur aus zwei recht banalen Sätzen bestand:

Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird.

Aber es sammelte sich eben doch hinter diesen Sätzen das, was man  - sehr vorsichtig - zum bürgerlichen »Gegenmilieu von rechts« rechnen könnte.

Natürlich mußte Hopf für die Öffentlichkeit nach seinem Rückzieher behaupten, er sei im April klüger als im März gewesen und habe zu spät erkannt, daß er mit den falschen Leuten im selben Boot sitze. Aber diese Erklärung ist ähnlich viel wert wie die beruhigende Telefonauskunft einer Geisel über ihre Lage, die während des Gesprächs in die Mündung einer Pistole blickt. Im Falle Hopfs war es seine Homezone aus Autoren, Lektoren und Kunden, die ihm die Pistole auf die Brust setzte.

Wir müssen uns diesen Vorgang als zugleich verzweifelten und alternativlosen Stabilisierungsversuch vorstellen. Die Panik vor abweichenden Meinungen, Stellungnahmen, Diskussionsbeiträgen, Wahlentscheidungen und Gesprächsangeboten ist unter den Linken und ihren bevorzugten Berufsgruppen mittlerweile so groß, daß sie sich vor alledem abzuschotten versuchen wie vor einem Infektionsherd. Man glaubt dort wirklich an die Notwendigkeit der Disziplinierung von Abtrünnigen und hofft auf die stabilisierende, erzieherische Wirkung solcher Vorgänge.

Wird jemand wie der Verleger Hopf zurückgepfiffen, ist das ein Hexenprozeß auf zivilgesellschaftlicher Ebene: Das Ergebnis der peinlichen Befragung steht fest, bevor die erste Frage gestellt wird. Die richtigen Antworten sind Phrasen, die jeder ohne nachzudenken wiederholen kann, wenn er in Ruhe gelassen und bis auf weiteres zu den Dazugehörigen gerechnet werden will.

Woran ließ sich Hopf ketten? An den nicht hinterfragbaren Verhaltenskodex seines sozialen Umfelds. Der Soziologe Arnold Gehlen hätte dies als Entlastungsfunktion mittels institutionalisiertem Antworten beschrieben: Überraschungslosigkeit sorgt für Stabilität. Der gefesselte Mensch ist der verfügbare, der erdrosselte ist still.

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Bis es soweit kommt, müssen Krankheitsbilder durchschritten werden, die der Betroffene selbst allerdings (und leider!) für notwendige Maßnahmen hält. Wir wollen diesen Vorgang »moralische Selbstoptimierung« nennen, oder noch etwas vorbewußter: »moralische Selbstverzauberung«, und rufen in Erinnerung, daß dies nur andere, schönere Begriffe für die konstatierte intellektuelle Selbsterdrosselung sind. Die Luft wird schrittweise knapper:

Zunächst wird »die andere Meinung« nicht mehr sachlich, sondern entlang der Kategorien »gut« und »böse« bewertet, wobei »gut« der linken, »böse« der rechten Seite des Meinungsspektrums zugewiesen ist. Wer jetzt noch sprechen will, spricht nicht mehr mit dem Anderen, sondern mit dem bösen Anderen, kurzum: mit jemandem, mit dem man besser gar nicht spricht.

Rechtfertigen muß sich ab sofort, wer dennoch den Dialog sucht. Rechtfertigen muß sich aber auch, wer diese Kategorisierung grundsätzlich in Frage stellt.

Und rechtfertigen muß sich recht bald auch jener, der Verständnis dafür hat, daß es Leute gibt, die noch immer mit dem bösen Anderen in den Dialog treten möchten.

Daß auch diejenigen Schuld an der Aufweichung der moralischen Front tragen, die den Dialogbesessenen aus den eigenen Reihen nicht denunzieren, nicht verstoßen, nicht bloßstellen und nicht ächten wollen, ist von diesem Punkt aus die konsequente Steigerung.

Denn selbst eine Nicht-Beteiligung an der wilden Jagd auf diejenigen, die eine Auseinandersetzungssperre für falsch halten, gilt mittlerweile als brennendes »Ja« zum Dialog, zum Feind selbst, und »den Feind zu lesen« ist aus der Sicht der moralisch Selbstverzauberten zweifellos eine Einstiegsdroge, von der aus ohne Entzugskur und Selbstkritik eine alternativlose Bahn zur verheerenden Wahlentscheidung führt.

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Jaja, die Droge, die Lektüre, die einer Impfung gleicht! Etwa so: »Am Rande des Parteitags der Linken hat sich eine offene Sieferle-Szene gebildet …«

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Wir haben uns in Cottbus einen Vortrag angehört. Die Philosophin Angelika Seewald sprach in der »Mühle« über das Thema »Warum wir demonstrieren«. Eingeladen hatte das Bündnis »Zukunft Heimat«, das seit zwei Jahren Demonstrationen für einen Politikwechsel organisiert und Tausende Bürger auf die Straße bringt. Seit Ende Juni hat dieses Bündnis nun ein Ladenlokal direkt hinter dem Altmarkt in Cottbus – die »Mühle« eben. Mit Christoph Bernd ist da jemand an der Arbeit, der die Struktur, das Netzwerk und die inhaltliche Grundierung in Südbrandenburg schrittweise, klug und authentisch ausbaut.

Die Antifa war auch schon da, man erkennt den Treffpunkt an der gesprenkelten Fassade.

Angelika Seewald korrigierte in ihrem Vortrag die Erwartungshaltung: Keine Regierung werde durch Demonstrationen gestürzt, der Sinn liege ein paar Stufen darunter: sich sammeln, einander kennenlernen, sich vernetzen, eine Gegenstimme laut werden lassen, ganz persönlich Mut fassen und der Tatenlosigkeit entkommen.

»Wir demonstrieren nicht zuletzt für uns selbst!« Das klingt so banal und ist doch fürs Ich in unserer Zeit ein revolutionärer Schritt, den eine Zuhörerin geradezu dramatisch faßte: »Es war, als hätte ich die Wasseroberfläche erreicht und könnte endlich wieder Luft holen.«

So ist es. Dies ist unsere Freiheit. Und einstweilen erdrosselt sich die Linke selbst.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (26)

Durendal
4. September 2018 23:11

Im Zusammenhang mit der "Aufstehen"-Aktion möchte ich auf den sich selbst im linken Spektrum einordnenden Soziologen Wolfgang Streeck hinweisen, der dort mitwirkt, und dessen Name hier soweit ich es überblicke noch nicht fiel.
- Er befürwortet Patriotismus und betont die Bedeutung "verorteter Gemeinschaften": https://www.zeit.de/2018/26/lokalpatriotismus-politik-kosmopolitismus-grenzen-identitaet
- Er äußert sich kritisch zur „substanzentleerten und deshalb sentimentalisierungsbedürftigen deutschen Postdemokratie“, kritisiert "breite Bündnisse" und fordert, "nach der politischen Verantwortung für Gewaltverbrechen von Migranten zu fragen, die unter normalen Bedingungen nicht hätten über die Landesgrenze gelangen können": http://plus.faz.net/feuilleton/2017-11-16/d5637e1d071d2d6c6afa36c6091d3fcc/?GEPC=s3
- Er tritt für einen Solidaritätsbegriff ein, der das Eigene vom Fremden abgrenzt: https://www.zeit.de/2018/36/sammelbewegung-aufstehen-die-linke-unterstuetzung
- Er kritisiert den „xenophil-rassistischen“ Vielfaltsbegriff mit seiner rein „pigmentpolitisch gemeinten Buntheit“ und betrachtet die "Willkommenskultur" als Ersatzreligion: http://www.zeit.de/2017/39/einwanderung-immigration-bevoelkerung-nutzen
- Er prognostiziert die kulturelle Selbstzerstörung des Liberalismus: http://www.lrb.co.uk/v39/n01/adam-tooze/a-general-logic-of-crisis
Mit solchen Linken sollte man doch reden können.

HansCastorp
4. September 2018 23:43

Die Heimlichkeit dieses Besuches beim linken Theoretiker aus und in München - wie darf man sich die Gefühls- und Gedankenwelt dieses Menschen hierzu vorstellen? Ein unsauberes Ineinander des Widerstreitenden. Und was für eine Selbstvorführung der Unfreiheit! So unbestreitbar wirklich und nicht zu leugnen; da braucht man Nerven, um darüber nicht irre zu werden.

Botschafter2258
4. September 2018 23:51

Sehr geehrter Herr Kubitschek,
zwei Dinge aus ihrem Beitrag „Nachtgedanken“ möchte ich aufgreifen.
Erstens
die sogenannte Plattform Aufstehen durch Frau Wagenknecht ist eigentlich der letzte hilflose Versuch verlorene Wähler von der AFD zurückzugewinnen. Wenn man sich das Wahlergebnis der Linke im Osten und Westen getrennt voneinander ansieht kann man dies deutlich erkennen:
Im Osten ein Verlust von 4,9 %.
Im Westen ein Zugewinn von 1,8 %.
Man sieht also gerade im Osten, der einzigen Linken Hochburg, hat die Partei viel verloren. Ohne das gute Abschneiden im Westen wäre das Wahlergebnis ein Debakel geworden.
Nur der Graben intern, also speziell zwischen Partei und Fraktion, ist größer geworden. Denkwürdiger Moment in diesem Gerangel war eine Pressekonferenz der Linken Fraktion. Als Bernd Riexinger begann zu sprechen wurde dieser aber dann abrupt von Frau Wagenknecht unterbrochen worden mit dem Hinweis, dass dies die Pressekonferenz der Fraktion wäre. Die Linke hat ein weiteres immenses Problem und das ist die Macht im speziellen. Mittlerweile regiert die Partei in drei Bundesländern, stellt einen Ministerpräsident, und muss somit unliebsame Entscheidungen treffen die in der Regel zu Enttäuschung in der Bevölkerung führt. Hinzu kommt das mit Sicherheit viele in der Anhängerschaft die realitätsferne Asylpolitik ablehnt und damit verliert ebenfalls Wähler.
Zweitens
sie haben von gut und böse geschrieben. Links ist gut und rechts ist folgerichtig böse.
Ich möchte etwas zu bedenken gegeben. Wieso drehen wir die Argumentation nicht einfach. Jetzt ist links böse und rechts gut. Sieht man sich Realitäten an trifft dies häufig auch zu.
Linke hetzen gegen andersdenkende in dem sie diese als Nazis, Rechtsradikale, -extremisten bezeichnen.
Linke blockieren andersdenkende in dem sie eine angemeldete Demonstration so lange aufhalten bis die Polizei diese beendet.
Linke greifen Eigentum andersdenkender an in dem sie ihre Häuser beschmieren, die Autos abbrennen oder Abgeordnetenbüros mit Farbe „verschönern“.
Linke greifen andersdenkende an in dem sie diese Verprügeln.
Kommen diese Exzessen von Rechten ?
Die Frage soll jeder selbst beantworten.
Mfg
Botschafter2258

Kahlenberg
5. September 2018 00:44

Die präzise Schonungslosigkeit, mit der die mutlosen Ausbruchsversuche der Linksintellektuellen in dem Artikel nachgezeichnet werden, hat mir auch echte und reine Heiterkeit beschert.
So traurig diese Lage für alle Beteiligten im Grunde ist, angesichts des Satzes „Sie legten sich ihre Fesseln wieder an.“, übermannte mich die bildlich-szenische Vorstellung von einem dieser verhinderten Renegaten, wie er sich mit den Zähnen, artig, einen Kabelbinder um die eigenen Handgelenke zurrt.
Man vergebe mir bitte heute meine infantile Freude an stilistischen Details, ich möchte nicht von dem analytischen und informativen Mehrwert des Artikels ablenken.

Peter Niemann
5. September 2018 04:03

Die Herrschaft der Angst - Phobokratie - als Machtmittel der linken bzw. neoliberalen Ideologie: Loslösung des Einzelnen aus dem ihn stützenden Netzwerk (Sippe, Familie, Volk usf.), Vergrößern des vermeintlichen Verlustes (Arbeitsplatzverlust, Facebookausschluß usw.) und stete Wegnahme der einem sakrosankten und damit unveräußerlichen Werte bzw. Konzepte („nichts ist heilig“ bzw. „Alles geht“) - so hält man uns gefügig. Zu Not Gewaltanwendung. Schon perfide. Danke für die bündige und exzellente Schilderung!

Armin Borussia
5. September 2018 06:31

Wahre Worte! Bezeichnend ist vor allem, daß dies von manchen erkannt wird, jedoch flächendeckend der Mut fehlt, die Blockade zu durchbrechen... schade.

Lotta Vorbeck
5. September 2018 06:36

Eins:

"Angelika Seewald korrigierte in ihrem Vortrag die Erwartungshaltung: Keine Regierung werde durch Demonstrationen gestürzt, der Sinn liege ein paar Stufen darunter: sich sammeln, einander kennenlernen, sich vernetzen, eine Gegenstimme laut werden lassen, ganz persönlich Mut fassen und der Tatenlosigkeit entkommen.

»Wir demonstrieren nicht zuletzt für uns selbst!«"

Beides, Kennenlernen und Vernetzen sind von elementarer, existentieller Bedeutung.

Solange sich die Angehörigen unseres Lagers - die prozentual in etwa dem (schwindenden) demographischen Anteil der Weißen/Caucasians Südafrikas entsprechen, in der Diaspora (dt. Zerstreuung) befinden - ist es überaus schwierig Synergieeffekte zu generieren und über jeder dieser Einmannkasernen baumelt als Damokleschwert, vielleicht morgen schon überrannt und aufgerieben zu werden.

Siehe auch:

+ South Africa 2011 White population proportion map
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:South_Africa_2011_White_population_proportion_map.svg

+ Ethnische Gliederung der Republik Südafrika (2007)
https://media.diercke.net/omeda/800/100770_171_6.jpg

Zwei:

"Es ging ja häppchenweise vor sich, es war die Chronik einer angekündigten Woge: Wir alle würden die Geburt einer Linken erleben, die diesen Namen wieder verdiente. Dazu müßten wir alle #aufstehen. Das hat uns interessiert.

Aber: Was von der Vokabel her nach einer Ausweitung der Perspektive klingt, nach einem Ende der bequemen Sitzhaltung, ist - bei Lichte betrachtet - doch wieder kein "Aufstehen", sondern nur eine weitere Spielart einer alten brd-linken Krankheit: morbus kitahara - der sich vergrößernde Blinde Fleck."

Die Schienen sind rostig, die Schwellen zerfallen. Ein Fahrplan existiert schon lange nicht mehr. Die Drähte der Telephonleitung hängen zerissen von ihren Masten herab. Die Beleuchtung auf dem Perron ist längst demontiert, durch die zerschlagenen Fenster des einstigen Bahnwärterhäuschens streicht der Wind.

Ob die BRD-Linken nun aufstehen, oder weiterhin auf dem Bahnsteig des Verfall und Verwahrlosung preisgegebenen Bahnhaltepunktes sitzen bleiben, vermag nichts daran zu ändern, daß deren auf absehbare Zeit letzter Zug - auch wenn sie's selber noch nicht wahrhaben wollen - abgefahren sein dürfte.

Maiordomus
5. September 2018 07:39

Ich glaube, das Meiste, was hier steht, bei Kubitschek in einem früheren Aufsatz bereits gelesen zu haben, insofern liegt nicht gerade ein Direkt-Kommentar zum Neustart von Wagenknecht/Lafontaine vor.

Was diese sogenannte Bewegung bringt oder vielleicht unfreiwillig aufmischt, gilt es noch abzuwarten. Das Wahrscheinlichste ist aber, dass viele, die so denken wie die beiden und die mit dieser Bewegung sympathisieren, tatsächlich nicht das Gegenteil der von Kubitschek geschilderten linken Hosensch… aus der intellektuellen Szene sein könnten. Der frühere Kommentar von Kubitschek, dass wir zwischen dem politischen Arm und den metapolitischen Aktivitäten bei der praktischen Arbeit streng unterscheiden müssen und entsprechend unterschiedlich agieren, war wohl bedeutsamer.

Bekanntlich haben die 68er damals rein politisch kurzfristig so gut wie nichts erreicht, langfristig aber gewonnen: Selbst ein Idiotenhirn wie Kramp-Karrenbauer tickt nach ihnen. (Das wird man als gutbürgerlicher Autor wohl noch so schreiben dürfen: in einem politisch korrekten Portal in der Schweiz wurde Trump erst heute morgen wieder "Idiot" genannt, zwar sicher nicht zu verwechseln mit Dostojewskjis . Romanfigur Myschkin.)

Die 68er konnten sich auf einen Erfolg in 50 Jahren einstellen. Eine solche Perspektive sehe ich bei der deutschen Rechten aber schlicht nicht. Man zeigt sich einigermassen überzeugt, dass schon rein gesellschaftlich und natürlich zum Teil auch demographisch durch die Macht des Faktischen der Zug mehr oder weniger abgefahren sein könnte. Letzteres führt zur Versuchung der politischen Verzweiflung. Dass das Projekt "Antaios" hier Gegensteuer gibt, bleibt aus meiner Sicht eindrucksvoll.

Hartwig aus LG8
5. September 2018 07:39

Setzt man Globalisierung und Internationalismus in eins, so entwickeln sich manchmal mit Linken keine schlechten Gespräche - wenn es denn wirklich Linke sind. Meist sind es nämlich Liberale, die ihr "Recht" verteidigen, irgendein Badeparadies in der Südsee anzusteuern, chinesische Shirts für 5 Euro zu kaufen oder um die Ecke indisch essen zu gehen.

Aber beim Gespräch mit einem Linken, der noch vor 3 Jahren aktiv gegen TTIP demonstriert hat, zeigt sich dessen ganzes Dilemma - das gleiche Dilemma von Wagenknecht, - nicht eingestehen zu wollen, dass es vorwiegend Rechte Antworten sind, die den Weg aus der Globalisierungshölle weisen.

H. M. Richter
5. September 2018 07:53

Ja, es ist die hier von verschiedener Seite bereits benannte Herrschaft der Angst, die über weiten Teilen des Landes liegt und die nach wie vor tief wirkt.

Wäre beispielsweise nicht jedermann (zusammen mit seiner gesamten Familie!), der Verantwortung in der AfD übernehmen würde, unmittelbar von linksextremistischer Gewalt bedroht, würde man zusätzlich noch weitaus mehr Bürgerliche wie Klonowsky oder Fest in ihr sehen, was wiederum zu einer noch größeren Massenabwanderung aus der Union führen würde usw. usf.

Wie viele Menschen würden wohl am Sonnabend am Trauermarsch in Chemnitz zusätzlich teilgenommen haben, wenn sie nicht direkter und indirekter Gewalt ausgesetzt wären?!

Wie viel weitere namhafte Intellektuelle hätten wohl zu den Erstunterzeichnern der "Erklärung 2018" gehört?! Dies funktioniert jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Wann dieser erreicht sein wird, ist momentan noch schwer abzusehen. Daß er aber kommen wird, ist unausweichlich.

Der_Juergen
5. September 2018 07:58

Das Verhalten des linken Intellektuellen, der Kubitschek und Kositza zu einem interessanten Gespräch einlud, das aber offiziell gar nicht stattgefunden haben dürfe, ist kennzeichnend für die bodenlose Feigheit der linken Intelligenz. Dieselben Leute jammern dann über das Verhalten der Deutschen im Dritten Reich, weil diese damals keinen Mut an den Tag gelegt und "ängstlich weggeschaut" hätten.

Sehr signifikant ist, dass das Heulen mit den Wölfen, die Diffamierung von Menschen, die schon seiten des Staates verfolgt werden, in diesem Orwell-Staat als "Zivilcourage" bezeichnet wird. Die Journalistin Andrea Röpke, deren einziger Lebenszweck darin besteht, die Existenz Andersdenkender zu vernichten, erhält für ihren "couragierten Einsatz gegen rechts" einen Preis nach dem anderen.

Gustav Grambauer
5. September 2018 09:32

Kenne unzählige Rechte, davon ungefähr 50 Sezessionisten: kein einziger würde beim Abschied im Treppenhaus jemals zu irgendwem "Dieses Gespräch hat aber niemals stattgefunden " sagen und erst recht nicht flüstern.

Eine unfaßbare Desavouierung und Beleidigung übrigens! Früher wäre auf sowas hin die Aufforderung zum Duell fällig gewesen. Werde einmal entwerfen, inwiefern dieses Flüstern conditio sine qua non der Selbsterdrosselung ist:

Mir hat mal eine gebeichtet, daß sie gern KZ-Literatur liest, wegen des Nervenkitzels. (Heute sind wir soweit: der Nackt-unter-Wölfen-Film von Kadelbach 2015 ist zu 90 % auf Hollywood-Nervenkitzel angelegt.) Habe in dem Moment wie mit einem, neudeutsch, Flash begriffen, daß die Linken das Spiel mit der Angst brauchen. Die Gechichte zeigt, daß sie dabei dabei gern zwischen dem aktiven und dem passiven Part oszillieren (Nazis sind für mich ultra-links).

Linke ruhen nicht so in sich, sind nicht mit sich selbst so im Reinen wie wir. Dies ist für die auch tiefenideologisch gar nicht möglich, das dortige Ideal ist der Sisyphos, der sich unter einer Zwangsstörung immer an irgendetwas abarbeiten muß. (Vom Unterbewußtsein her am besten ohne Erfolg, um wieder die Bestätigung zu erlangen wie böse die Welt um sie herum ist: m. E. nicht die oberflächlichste Erklärung dafür, daß jedes Gesellschaftsexperiment zusammenbrechen muß.) Wenn über einen Linken dann in der Todeasnzeige steht "Er hat es sich niemals leicht gemacht", dann hat er es ins dortige Wallhall geschafft!

Im Tschekistenlied von Markus Wolf heißt es ja:

"Wachsam sein, immerzu
Und das Herz ohne Ruh".

Ein - echter - Rechter wird diese verkorkste Lebenshaltung nie so ganz verstehen können, aber für den Progressiven ist das Adelsprädikat der Herzinfarkt.

Da sind wir auch bei der Konspiration. Linke brauchen dieses Verstecken, dieses Flüstern. Es sind keine Samurais, es sind Ninjas. Es ist ihre DNA, und wenn sie wieder mal mit der ganz großen Fresse vornan sind dann ist dies nur das Pfeifen im Walde gegen die eigene Angst, hat aber nichts mit ihrer tieferen seelischen Struktur zu tun, die sie ja damit gerade vor sich selbst und der Welt verstecken wollen. Fühlte mich auch sofort an die kommunistische Versteckhelden-Literatur meiner Kindheit erinnert, Apitz: "Nackt unter Wölfen", Seghers: "Die Tochter der Delegierten", Abraham: "Pianke" usw., und erst recht an den ganzen Komplex des Tschekismus, dessen Signum ja geradezu das Flüstern ist (und die wollen natürlich gern, daß auch auf der anderen Seite der Barrikade möglichst nur noch geflüstert, - geröchelt! - wird).

Woher kommt diese Angst? Sie kommt aus der existentiellen Unsicherheit - grundsätzlich in der Leere der Minusseele der Moderne, darüber hinaus in der Induktion eines Massenwahns, eines Fanatisierungswahns à la Bockelsohn. Niemand hat dies so meisterhaft, man kann sagen: so genial erklärt wie Reck-Malleczewen in "Das Ende der Termiten". Leider vergriffen, kammanichmane Neuauflage planen, oder mir ein Lagerexemplar noch zuschicken, hatte es mir neulich in der Bücherei ausgeliehen, hätte es aber so gern, würde immer wieder gern auf diesen überquellenden Reichtum an Erklärung des Miasmas zurückkommen, und dieses Buch würde für viele auch ein Heilmittel für all jene sein, die noch nicht so ganz mit sich im Reinen sind!

- G. G.

Der Gehenkte
5. September 2018 09:32

@ Der Jürgen

"Das Verhalten des linken Intellektuellen, der Kubitschek und Kositza zu einem interessanten Gespräch einlud ... ist kennzeichnend für die bodenlose Feigheit der linken Intelligenz."

Ich halte das eher für mutig und es ist genau das, was Metapolitik anzustreben hat - sich in den Hirnen auch derer festsetzen, die das Bekenntnis nicht wagen oder wagen können. Von diesen Leuten gelesen oder sogar zum Gespräch geladen werden, ist mehr wert als das tausendste Hurra und Schulterklopfen in der Blase. Dennoch, ein sehr aufschlußreicher Vorgang - wichtig, daß Sie uns daran haben teilnehmen lassen.

RMH
5. September 2018 10:25

Wenn die Linken endlich einmal begreifen würden, dass sie aktiver Teil des großen One-World-Systems sind, dass ihre "Jugend" eigentlich nur für Apple, Google, Facebook und Big-Data, die totale Kontrolle, auf die Straße gehen, dass sie die heutige Bourgeoisie darstellen und dass man nur mit regionalen Clustern des "identitären" Widerstandes dem One-World-Rad in die Speichen fassen kann, könnte sich etwas ändern. Leute wie bspw. Benoist sind ja echte Linke. Es müsste nur einmal "klick" machen ---- aber ich vermute, so viel erweitertes Bewusstsein ist nicht vorhanden oder wenn es vorhanden ist, gibt es Akteure, die bewusst so handeln, wie sie handeln und zwar im Sinne des Systems. Auch die Linke ist eben Teil der einen Kraft ... und sie ist heutzutage - gemessen an den Originalquellen - recht eindeutig Konterrevolutionär.

PS: Mich schaudert es beim Gedanken an eine "Querfront" ... auch wenn das oben Geschriebene in diese Richtung zeigt. Meine Richtung wäre das nicht, aber ich möchte nicht ausufernd werden.

Sandstein
5. September 2018 10:42

Was die Linken angeht: Wer sich von den Arbeitern abwendet, und da gehen die Analysen ja soweit unter Linken zu behaupten dass der Arbeiter den Sozialismus verraten hätte, der braucht eben ein neues Klientel. Aber die Schickeria ist per Definition eben nicht ein Großteil des Wahlvolkes, jedenfalls nicht in einem immer ärmeren Land. Es gibt in den Städten eine Klasse von Linkswählern, das ist ja aber nicht mehr das klassische Proletariat von damals. Und allein deshalb ist jede Sammlungsbewegung etc. zum Scheitern verurteilt. Solange sich keine Linke durchsetzt, die bereit ist, das Liebste des Arbeiters (Familie, Heimat, Freiheit) zu verteidigen, solange kommen Linke und SPD Wähler eben zur AfD. Lasst uns Popcorn-Tüten aufreißen und der Wagenknecht, der Kipping, und wie sie alle heißen, doch einfach zu gucken.

Ein gebuertiger Hesse
5. September 2018 11:34

"Das Gespräch hat nie stattgefunden" - was für eine Ehrlosigkeit. Wie steht einer, der sowas sagen zu müssen glaubt, vor sich selbst da?
Haltung ist nichts, was man sich im Ernstfall leisten mag oder auch nicht, man hat sie gefälligst. Ansonsten ist alles andere nichts.

Mindestrentner
5. September 2018 12:11

Es kriecht niemand durch den Tunnel zu seinen alten Freunden und in sein Milieu zurück, sondern zu Fressnapf, Honorarnote und Status.
Das man, wenn man könnte, wie man wollte, längst mit dem unberechenbaren Scheinriesen spräche und das mitunter auch macht, kann durchaus auch als Fernaufklärung des unwägbaren Gegners aufgefasst werden. Sollte ein ehem. Offizier zumindest in Betracht ziehen.

Der_Juergen
5. September 2018 13:09

@RMH

Genau wie Sie würde es auch mich beim Gedanken an eine "Querfront" mit Wagenknecht und Lafontaine schaudern, aber wir brauchen keinen Gedanken an eine solche zu verschwenden, weil sie niemals zustande kommen wird. Wagenknecht und Lafontaine würden nie und nimmer mit "Rassisten", "Nationalisten" und "Rechtsradikalen" kooperieren, und eine intelligente, soziale Rechte hat es nicht nötig, um die Gunst dieser Figuren zu buhlen.

Nicht zum ersten Mal weise ich auf Benedikt Kaisers kleine, aber kluge Schrift "Querfront" hin, in der am Schluss betont wird, dass eine intelligente und soziale Rechte nicht auf linke Koalitionspartner angewiesen ist. Sie genügt sich selbst. Was an linker Ideologie ursprünglich gut war, der Antiimperialismus etwa oder die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, ist Teil eines jeden klugen rechten Programms.

Das einzige, was man Wagenknecht, Lafontaine und ihren Anhängern zugute halten kann, ist ihre Ablehnung der Russlandhetze, auch wenn sie nicht einmal so weit gehen, den Austritt Deutschlands aus der Nato zu verlangen. Dass sie in der innenpolitischen Schicksalsfrage Nummer eins, der Migrationsfrage, Dinge sagen, die sie von dem reinen Idiotentum von Grünen, Linkspartei und SPD abheben, rechne ich ihnen nicht als Pluspunkt an. Dass ein Mensch kein Vollidiot ist, reicht für mich nicht, um ernsthaft eine Partnerschaft mit ihm zu erwägen.

Ich bin mir sicher, dass Wagenknecht und Lafontaine nicht einmal die Frage, ob ausländische Straftäter konsequent abgeschoben werden sollen, mit einem klaren Ja beantworten würden. Sie würden bestimmt auf allerlei Sonderfälle pochen, in denen eine solche Abschiebung "menschenrechtswidrig" sei, denn wie alle heutigen deutschen Linken (von Randgruppen wie den Maoisten um die "Rote Fahne" abgesehen) verstehen sie unter "Menschenrechten" zuallererst die Rechte von Fremden sowie von allen möglichen Minderheiten wie Schwulen und Transvestiten, nicht jedoch die Rechte der normalen Deutschen.

heinrichbrueck
5. September 2018 14:35

Die poststalinistischen Linken sind Trotzkisten. Dürfte diesen Leuten unbewußt klar sein. Wie die Dauerrevolution beendet werden kann, davon können sie nicht einmal flüstern. Und der Eispickel kreist über ihren Köpfen. Nach Chemnitz wohl etwas schneller; besonders nach dieser hervorragenden Montagsnummer.

Andreas Walter
5. September 2018 15:11

Das ist ausserdem für die Linken in Deutschland vermintes Gebiet, Nationalismus, Patriotismus.

Denn dann wären sie ja genau da, wo schon die Nationalsozialisten waren.

Gotlandfahrer
5. September 2018 20:21

These: Die Gesellschaft hat sich nicht nach links bewegt, sondern nach rechts, insoweit das unscharfe rechts freie marktwirtschaft mit einschliesst. Alle Linken verhalten sich ökonomisch kurzfristig gewinn-optimal. Die eigentlich linke Aufgabe der Befreiung von Opfern der Machtverhältnisse hat sich verkehrt in einen Return on personal Investment zu Ungunsten der Schwachen, die sich gegen die globalen Konzerne nicht wehren können. Die Komminikationsstrategie müsste folhlich lauten: WIR sind links, wir helfen armen Deutschen UND armen Afrikanern in dem wir jeden nach seiner Facon selig werden lassen. Gern auch durch Steuererhöhung und Enteignung von Superreichen. Die Toten Hosen helfen nur den Googles und längst in arabischer und chinesischer Hand gehaltenen DAX Konzernen. Wir sind links, nicht rechts!

HomoFaber
5. September 2018 21:22

@Gotlandfahrer

Schöne These. Vor allem schön klar und knapp formuliert. So gesehen ist da was dran ! Die Rechten sind die echten Linken. Man könnte aber auch sagen: Die Rechten sind die echten Gerechten. Da wir einfach “illiberal” bzw. “anti-neoliberal rechts” sind. Das Rechte ist schließlich immer das Richtige. Schon semantisch.

Der Feinsinnige
6. September 2018 20:45

Sehr geehrter Herr Kubitschek,
mich beeindruckt immer wieder, wie wortmächtig und treffsicher Sie Begriffe oder Vergleiche setzen:

Die Verwendung der aus anderem Sachzusammenhang stammenden „Schleusenzeit“ und der literarischen Figur des Scheinriesen stehen für viele andere Beispiele. Und jetzt: „Selbsterdrosselung“ und das Bild des DDR-Flüchtlings, der umkehrt, weil er sich der Unbegrenztheit und einem Leben ohne die alten Freunde nicht gewachsen fühlt. Solche Begriffe und Vergleiche bleiben im Gedächtnis – und werden sicher auch über das eigene Milieu oder Lager hinaus wirken.

links ist wo der daumen rechts ist
8. September 2018 00:59

@Andreas Walter

5. September 2018 15:11
Das ist ausserdem für die Linken in Deutschland vermintes Gebiet, Nationalismus, Patriotismus.
Denn dann wären sie ja genau da, wo schon die Nationalsozialisten waren.

Die Mehrheitssozialisten haben auf dem Weg von Brandt („Wir müssen uns zuerst um unsere eigenen Leute kümmern“ - Anfang der 70er) und Schmidt zu Schröder ihren Nationalismus entsorgt, das ist richtig. Schröder/Fischer waren Globalismus pur.

Aber:
Ungefähr zur selben Zeit regierte in Österreich eine schwarz-blaue Koalition, die ebendieses neoliberale Programm (unter Einschluß perfider persönlicher Bereicherungen) durchzog, daß die Vertreter der unheiligen Allianz aus IFW, WTO und Weltbank am liebsten getanzt hätten wie weiland die alte Katze in Mörikes „Mausefallen-Sprüchlein“.
Und die mitregierende FPÖ zerbrach schließlich an eben der „sozialen Frage“. Alles schon vergessen? Ein Schicksal, das der AfD noch bevorsteht.

Und damit zu den Minderheitssozialisten (ehemals USPD, heute „Die Linke“):
Frau Wagenknecht hat die „soziale“ Frage in jeder ihrer Wortmeldungen mit der nationalen verknüpft; alles andere wäre ja auch widersinnig. Man muß aber gesehen haben, wie Herr Gauland bei einer Frage Frau Wagenknechts nach dem Rentenkonzept der AfD angewidert ein (wie man in Wien sagt) Schnoferl gezogen hat …

@ Kubitschek

Zu diesem angesprochenen großbürgerlichen Linksintellektuellen: klingt ein bißchen nach Enzensberger, vermutlich ein paar Rangstufen darunter.
Dennoch: jeder anständige Linke hat seine nationalen Anwandlungen (man lese z.B. nur, was der alte Augstein im ach so linken „Spiegel“ im Februar 1985 im Editorial geschrieben hat), aber diesem unverbüchlichen Bauernkriegs-Ethos „es muaß seyn“ (in den Untergang) zu folgen, ist halt nicht jedermanns Sache...

Deutschland hatte seine stärkste Phase zu Zeiten Bismarcks und Moltkes (und war nur einen Sprung entfernt von der Hegemonie über Europa), als es „saturiert“ war (Sebastian Haffner) und eben nicht hypernervös agierte wie dann bekanntlich unter Willem Zwo.

Resümee:
„Die Linke“ mag sich mit der nationalen Frage marginalisieren (oder meinetwegen - gräßlich - „selbst erdrosseln“), aber die AfD wird an der sozialen Frage zerbrechen.

Cacatum non est pictum
8. September 2018 21:42

@links ist wo der daumen rechts ist

"'Die Linke' mag sich mit der nationalen Frage marginalisieren (oder meinetwegen - gräßlich - 'selbst erdrosseln'), aber die AfD wird an der sozialen Frage zerbrechen."

Das könnte passieren, wenn nicht Leute wie Höcke das Zepter in die Hand bekommen, die über ein Sensorium für die soziale Frage verfügen. Ich kann mir vorstellen, daß so einige Störfeuer gegen ihn - intern wie extern - genau darauf abzielen, ihm dieses potentiell mächtige Schwert aus der Hand zu schlagen.

HansKolpak
10. September 2018 11:49

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Goldig! Erst bewahrt Dr. Gregor Gysi das SED-Parteivermögen und dann macht er seinen Haufen mit Oskar Lafontaine in Deutschland salonfähig. Passend titelte Frank Polke mit "Neue linke Bewegung: Salon-Sozialisten".

Jetzt, wo die FDJ-Sekretärin aus der Uckermark abgehalftert ist, wird den Wählern DIE LINKE als Regierungspartei schmackhaft gemacht, um der AfD das Wasser abzugraben.

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!", hat Gorbatschow zwar nie gesagt, doch dieser Spruch geht leicht von der Zunge. Sahra Wagenknecht kommt zu spät! Ihre Initiative hat das Potential, zu einem Treppenwitz der Geschichte zu verkommen!

Die AfD ist ein zeitweiliges Vehikel, um Bewusstsein für die Unzulänglichkeiten von Parteien, Wahlen und Demokratie zu schaffen.

Die gegenwärtigen Auswüchse nahmen 1918 durch den Putsch der SPD Gestalt an, als eine Republik ausgerufen wurde, obwohl ein Kaiser regierte, und 1919, als der bayerische Finanzminister Matthias Erzberger von der katholischen Zentrumspartei seine Vorstellungen von einer Einkommensteuer ins Spiel brachte. Es half auch nicht, ihn zu erschießen, denn die Staatsquote beträgt heute 50 bis 70 Prozent und mehr.

Die bewährte Regierungsform ausbeuterischer Staaten ist die Monarchie. Ausbeutungsfrei sind dagegen die Organisationsformen, zu denen germanische Stämme fanden. Das moderne Leben bietet jedoch kaum Raum für diese bewährten Strukturen, die durch die Kurie zerstört wurden.

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