Sezession
2. September 2018

Nicht nur der Rechtsstaat hat in Chemnitz kapituliert

Gastbeitrag / 46 Kommentare

von Hans-Thomas Tillschneider (MdL) -- Die Szene war von seltener Würdelosigkeit.

Aus dem Lautsprecher auf dem Demonstrationswagen kam von irgendjemandem die Ansage, daß der Rechtsstaat kapituliert habe und die Versammlung aufgelöst sei. Danach wurde wie ein lästiger letzter Tagesordnungspunkt noch die Nationalhymne abgesungen, bevor sich die zuvor noch an der Spitze stehenden Parteioberen durch eine Rettungsgasse schnellen Schrittes als erste entfernt haben.

Ich stand mitten in der Menge und mußte Beschimpfungen meiner Partei anhören, die ich hier besser nicht wiedergebe. Fakt ist: Die polizeiliche Anweisung war Willkür. Nichts hat den Abbruch der Veranstaltung gerechtfertigt. Es waren genug Polizeikräfte und genug schweres Gerät in der Stadt, um unser Demonstrationsrecht durchzusetzen und den neulinken Staatsfeinden Manieren beizubringen.

Wenn nun aber die Herrschaft des Unrechts nicht mehr gegen die Rechtsbrecher vorgeht, müssen wir sie zwingen, gegen die rechtstreuen Bürger vorzugehen, damit sie sich so zur Kenntlichkeit entstellt und für jedermann sichtbar wird. Die Herrschaft des Unrechts geht im Schein der Rechtsstaatlichkeit einher; unsere Aufgabe ist, ihr die Maske vom Gesichts zu reißen. Eine Partei, die sich Alternative für Deutschland nennt, aber im Angesichts des Unrechts keine Alternative mehr zu bieten und sogar nichts Besseres zu tun hat, als das Unrecht eilfertig zu befolgen, gefährdet ihre Substanz.

Die kleine Ordnung verletzen, um die große Ordnung zu erhalten, so hat es Götz Kubitschek einmal genannt. Ziviles Ungehorsam zeigen und Ordnungswidrigkeiten in Kauf nehmen, um die Auflösung unseres Staates zu verhindern. Ein Strahl aus dem Wasserwerfer bringt bei Temperaturen um die 18 Grad niemanden um. Wie viele 68er haben es nicht zu ihrer Zeit darauf angelegt, mittels unmittelbarem Zwang polizeilich entfernt zu werden, bevor sie dann problemlos in Amt und Würden gelangten? Es hätte viele gewaltlose Alternativen gegeben. Von einem Sitzstreik bis hin zur sofortigen Anmeldung dutzender Spontandemonstrationen wäre viel möglich gewesen. Alles, alles, nur nicht diese achselzuckende Kapitulation, die zu allem Überfluß in einer unschönen Anwandlung von Politikerunehrlichkeit sofort anderen in die Schuhe geschoben wurde. Der Rechtsstaat hat schon lange vor Chemnitz kapituliert. Das wurde in Chemnitz nur einmal mehr deutlich.

Die Strategie der Deutschlandabschaffer war klar: Der Zug mußte gestoppt werden. Die Protesthandlung durfte nicht vollzogen werden. Egal wie. Die Begründung mit der verstrichenen Demonstrationszeit ist kreativ. Ich habe bis gestern jedenfalls noch nie erlebt, daß eine Demonstration wegen „verstrichener Demonstrationszeit“ aufgelöst wurde. In Zukunft wird die Polizei unliebsame Demonstrationen so lange schikanieren, bis die Demonstrationszeit abgelaufen ist. Um das zu verhindern, müssen die Vorgänge vor Gericht und in den Landtag gebracht werden. Chemnitz darf kein Präzendenzfall werden. Das ist jetzt die Aufgabe der AfD-Sachsen: Schadensbegrenzung.

Das Ziel der Regierung war: Zu einem zweiten Dresden durfte es nicht kommen. In Chemnitz durfte sich nichts verfestigen. Am Beginn sollte kein Erfolg stehen, sondern eine Frustration. Und diese Strategie ist leider aufgegangen. Trotz Aufruf von AfD und Pegida waren weniger gekommen als bei der ersten großen Demonstration am Montag. Und schon kurz nach dem Stoppen des Zuges war ein gewisser Abfluß von Demonstranten bemerkbar, über den sich niemand wundern soll und der denen, die gegangen sind, nicht zum Vorwurf gemacht werden kann.

Der Schweigemarsch war eine schöne Idee, läßt sich aber nicht verordnen. Wir haben lange genug den Mund gehalten und die Faust in der Tasche geballt. Das Dahinvegetieren dieser Republik bis zu jenem Jahr 2014, als Pegida und die AfD auf den Plan traten, war doch schon ein einziger Schweigemarsch. Die Bürger wollen nicht mehr den Mund halten und sie wollen sich nicht mehr aufhalten lassen.

Die Wut wächst, aber in Chemnitz wird sie sich so schnell nicht mehr entladen. Lernen wir unsere Lektion daraus!


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Kommentare (46)

Ulrike
2. September 2018 13:12

DER HELD VON CHEMNITZ

Weil ich hierzu in der gesamten Berichtestattung noch nichts gehört habe, möchte ich einen Mann erwähnen, dem ich hier ausdrücklich meine Hochachtung aussprechen will. Er hat uns Demonstranten dazu verholfen, daß wir überhaupt noch den Tatort erreichten.

Die Veranstalter haben auf Befehl des Merkelstaates die Demonstration beendet und sogar noch die Hymne singen lassen. Die AfD-Leute sagten, wenn die Teilnehmer nicht zum Tatort durchkämen, sollten sie die Blumen einfach am AfD-Büro ablegen! Die AfD-Prominenz Höcke, Kalbitz u. a. verließ dann die Demonstration. Bei ihrem Rückzug wurden sie nicht nur beklatscht, sondern von der Menge auch ausgebuht und ihnen wurde hinterher gerufen: "Wir haben euch gewählt und jetzt verratet ihr uns!" Ab da stand die Menschenmasse ohne Führung ganz verlassen da. Die Mehrheit der Demo-Teilnehmer folgte dem Rückzugsbefehl und verließ den Ort. Zurück blieben jedoch viele unkoordinierte größere und kleinere Gruppen, die nicht bereit waren, sich von der Merkelpolizei drangsalieren und demütigen zu lassen.

In dieser Situation handelte ein Mann, der für mich der Held des Tages wurde. Er versuchte zunächst, den Leiter des Ordnungsamtes anzurufen, mit der Absicht, eine Spontandemo anzusagen. Der Leiter des Ordnungsamtes war aber nicht erreichbar. Dann erhielt der Mann aber einen Rückruf und es gelang ihm, in einem schier endlosen Telefonat die Behörde davon zu überzeugen, die Demo-Teilnehmer einzeln zum Tatort durchzulassen. Nach weiterer endloser Warterei, begleitet von Lügen des Polizeisprechers, die Demo sei illegal (Darauf kamen Rufe aus der Menge "Kein Mensch ist illegal!") zogen sich die Polizei-Büttel zurück und die Demonstranten, die noch ausgeharrt hatten, gelangten geschlossen zum Tatort. Dort waren nur Polizei und Presse in der Nähe, keinerlei Linke.

Meine Hochachtung vor diesem Mann. Er hat gegenüber den Behörden intelligent und durchdacht argumentiert,trotz der hitzigen Armophäre. Er hat auch am Tatort mit stimmungsvollen Worten das Gedenken an den ermordeten Daniel Hillig eingeleitet (dies ist auf einem Video von RT am Ende ganz leise zu hören). Er forderte die Demonstranten dazu auf, daß sie sich nie wieder nach Hause schicken lassen dürfen, sondern daß sie ihre Rechte wahrnehmen müssen.

Ich habe gestern das erste Mal unsere deutsche Nationalhymne nicht mitgesungen - das war der Moment, an dem die AfD die Veranstaltung beendet hatte. Im Angesicht der Feigheit vor dem Feind war das nicht möglich. Unsere Hymne haben wir dann in der Dunkelheit an dem Ort gesungen, an dem Daniel Hillig zu Tode kam.

imwerk
2. September 2018 13:32

Einverstanden, Herr Tillschneider. Planlos und überfordert am Anfang, würdelos am Ende. Hoffen wir, daß das nicht symptomatisch für die beiden Landesverbände (Sachsen und Thüringen) oder gar die Gesamtpartei zu verstehen ist.

Ulrike
2. September 2018 13:36

Eine Ergänzung zu meinem ersten Kommentar: Auf dem Youtube-Video von RT (unter https://www.youtube.com/watch?v=uIkh3a4dNKo) ist unter 1:33:05 dieser chouragierte Mann zu sehen, der die Spontandemonstration ermöglichte, der damit der vorher würdelos beendeten Veranstaltung ihre Würde wiedergab und vielen Menschen Mut machte.

(Er sagt an der oben genannten Stelle auf dem Video "Keine Gewalt" - hier geht es, soweit ich es mitbekommen habe, um den Augenblick, in dem ein Fotograf einem Demonstranten ins Gesicht fotografierte und dieser sich dagegen verwahrte.)

Niedersachse
2. September 2018 13:47

Ist den die Erkenntnis gesichert, dass gestern weniger Teilnehmer als am Montag anwesend waren? Die Videos zeigen aber gewaltige Menschenmassen und auch die Bilder sprechen eigentlich eine andere Sprache. Aber gut, darum soll es jetzt nicht gehen.
Vielleicht war ja ein Hintergedanke, dass man "unschöne Szenen" vermeiden wollte, wie z.B. Wasserwerfereinsatz oder zusammengeknüppelte Demonstranten. Das soll jetzt keine Rechtfertigung sein, aber eine mögliche Erklärung. Es ist schon bezeichnend, das die drittstärkste Partei (den Wählerstimmen nach) mitsamt aufgefahrener Politprominenz sich so hat einschüchtern lassen. Man hätte doch die Dresdner Trauermärsche 2010 und 2011 als lehrreiches Anschauungsmaterial nehmen können, wie der Staat und seine Büttel agieren: Man lässt hunderte von antideutschen Faschisten ungehindert ins Stadtzentrum, man lässt sie Strassen und Plätze blockieren, um hernach unschuldig die Hände zu heben und zu sagen „man könne die Straße nicht räumen“. Das war immer ein probates Mittel, dem System nicht genehme Demonstrationen zu verhindern. Alles wäre besser gewesen, als sich so mir nichts dir nichts auf dieses miese Spiel einzulassen. Bin gespannt, was die Aufarbeitung dieser Demonstration bringt.

deutscheridentitaerer
2. September 2018 14:30

Ich konnte am Samstag leider nicht anwesend sein. Ich danke Herrn Tillschneider für seinen interessanten Bericht, es ist schwierig aus der Vielzahl der sich teils widersprechenden Perspektiven im Internet ein Gesamtbild des Geschehens zu formen.

Jedes Ereignis hat eine Innen- und eine Außenwirkung.

Wenigstens bezüglich der Außenwirkung betrachte ich die Demonstration mindestens als Teilerfolg.

Alles in allem diszipliniert, aber wo herausgefordert robust und aus offensichtlich vorgeschobenen Gründen verhindert. So ungefähr war das Bild bei mir und so denke ich wird es bei vielen gewesen sein, die nicht von vorneherein auf einen bestimmten Blickwinkel festgelegt waren.

Ansonsten kann ich mich Tillschneiders Ausführungen nur anschließen. Es wäre sicher der bessere Weg gewesen, auf dem Demonstrationsrecht zu beharren. Hätte die Polizei die friedliche, passiv widerstandleistende Menge auseinandergetrieben, wäre das ein riesiger Erfolg gewesen. Das schreibt sich aus der Ferne natürlich leicht, weswegen ich es nicht geschrieben hätte, wenn es Herr Tillschneider nicht bereits getan hätte.

H. M. Richter
2. September 2018 14:31

So sehr ich diese Einschätzung verstehen kann, so wenig vermag ich, sie gänzlich zu teilen.

Die Botschaft des gestrigen Tages war m. E. eindeutig: Während sich die Teilnehmer des Trauermarsches in einer überwältigenden Art und Weise rechtstreu verhalten haben, wurde eines der höchsten Güter des Landes mit Füßen getreten.

Rechtstreue wurde gestern bestraft, Rechtsbruch (Blockade einer genehmigten Demonstration) belohnt.

Wenn Sachsen eines nicht mögen, dann ist es, ungerecht behandelt zu werden. Dann können sie nämlich, wie sie es nennen, 'rapplich' werden.

Und wenn sie dann noch mitbekommen, daß Bands gegen sie aufgeboten werden, die mit Liedzeilen wie -
"Die Bullenhelme, die sollen fliegen
Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein!" -

hausieren gehen -, dann zieht dort so schnell keine Ruhe ein.

Dann kann es ganz schnell geschehen, daß in Dresden, Chemnitz, Leipzig, Plauen und anderen sächsischen Städten an einem Abend gleichzeitig demonstriert werden wird. All' diese Demonstrationen könnten dann nicht mehr blockiert werden, weder in Sachsen noch anderswo.

So könnte, bildhaft gesprochen, der gestrige Tag der 'Freiheit eine Gasse'* geschlagen haben, wie es sich heute so mancher noch gar nicht vorzustellen vermag.
______________________________________________

* Georg Herweghs "Der Freiheit eine Gasse" aus dem Jahre 1841 begann bekanntlich mit:

"Vorm Feinde stand in Reih und Glied
Das Volk um seine Fahnen" ...

http://gutenberg.spiegel.de/buch/gedichte-eines-lebendigen-band-1-9696/10

Heinrich Loewe
2. September 2018 14:36

So sehr wie ich die Emotionen verstehe - ich glaube nicht, daß eine Eskalation klug gewesen wäre.
Noch ist es gut, Herr Tillschneider, daß Sie hier öffentlich Ihre Parteikollegen angehen.
Ja, die Organisatoren wirkten im Vergleich zu Dresden überfordert und etwas dilettantisch, aber:
Die Bilder der Opfer, getragen an der Spitze des Zuges, sind sicher um die Welt gegangen.
Die offensichtliche diffamierende Propaganda der multikultifreundlichen Medien hat wieder zehntausende Bürger neu in unser Lager getrieben.
Der unsichtbare „Zaun“ zwischen Pro-Bewegung/Aktivisten/ AfD und der bürgerlichen Mitte ist dieser Tage abgerissen worden. Das hat der Gegner sehr richtig erkannt.
Niemand schert sich noch um einen einzelnen Idioten mit Hitlergruß.
Kretzschmer hat beim Bürgerdialog bewiesen, zum 100. Male und stellvertretend für alle Altparteien, daß die alle nicht wählbar sind.
„Der Rechtsstaat hat kapituliert“ ist viral gegangen.
Der Hebel kann nur auf friedlichem, demokratischem Weg umgelegt werde. Wer kann, soll sich engagieren, vom Schulverein bis zur Partei. Überall braucht es gute Leute.

deutscheridentitaerer
2. September 2018 14:37

Nachtrag: Dass eine Blockade samt Weigerung der Polizei selbige zu räumen sehr wahrscheinlich sein würde, hätte den Organisatoren nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre oder so klar sein müssen. Fast jede Demo, an der ich in den letzten 5 Jahren teilgenommen habe, endete genauso.

Üblicherweise wird man dann noch beworfen, während man mit der Einsatzleistung "verhandelt" ob sie nicht doch bitte bitte unser Demonstrationsrecht durchsetzen würde.

Lyrurus
2. September 2018 14:42

Auch beim Thema Großdemonstration sollte endlich professioneller agiert werden. So halte ich es strategisch für unklug, daß die AfD derartiges organisiert. Das ist als Partei nicht ihre Aufgabe.

Als "Mosaikrechte" sollten wir auch dort denjenigen den Vortritt lassen, die sich mit derartigen Dingen (d.h. den Tücken des Versammlungsrechts) auskennen und insbesondere keine Rückischt auf die Parteidisziplin nehmen müssen. Im Nachgang hätte die AfD dann die Sache parlamentarisch aufbereiten können. Als Mitveranstalter ist das ungleich schwerer.

Aber hier zeigt sich - leider - ein Trend in der Rechten und insbesondere der AfD: Einzelne versuchen, möglichst viel an sich zu ziehen, um sich ggf. im Erfolg zu sonnen und daraus im weitesten Sinne Profit zu schlagen. Die Gegenseite ist dabei ungleich geschickter. Dort gibt es eine Vielzahl von Grüppchen (mit durchweg positiv klingenden Namen), die als Veranstalter auftreten und bei Mißerfolg einfach deaktiviert werden.

Das von F. Menzel vor einiger Zeit propagierte Erzeugen von positiven Bildern unseres Wirkens, "politische Ikonen", beherrschen wir auch noch nicht. Wobei das bei der Übermacht der Mainstreammpresse natürlich schwierig ist.

Aufarbeitung ohne falsche Scham und Anklage tut not.

Andrenio
2. September 2018 15:06

Warum Höcke und Kablitz sich nicht wie die mutige Abgeordnete Dr. Christina Baum bei anderer Gelegenheit ganz vorne hingestellt haben und der Polizei gegenüber ihre Abgeordnetenausweise gezückt haben, das sollen sie lieber selbst erklären.

Den Unmut von Hans-Thomas kann ich verstehen, aber meines Wissens verfügt er auch über einen solchen Ausweis.

Christina war es kein Problem sich mit diesem bis zum Einsatzleiter durchzufragen. Wenn wenigstens jetzt die Klagen und Dienstaufsichtsbeschwerden nur so hageln würden.

Der Gehenkte
2. September 2018 15:23

Werden hier nicht ad-hoc-Entscheidungen auf eine Abstraktionsstufe gehoben, wo sie nicht hingehören? Man hätte sich zuvor eine Strategie für den nicht unwahrscheinlichen Fall einer Blockade überlegen können und Herr Tillschneider hätte dabei sicher ein gewichtiges Wort gehabt. Im Nachhinein und öffentlich ausgetragen, wirkt das unangenehm und wie Nachtreten.

Höckes Position war zudem besonders prekär. Für sein politisches Überleben ist eine gewisse Dezens absolut notwendig. Er konnte kein Interesse an einer Eskalation haben. Möglicherweise liegt die Ursache dieses Kommentars just in seiner derzeitigen Schwäche? Politik eben!

quarz
2. September 2018 15:31

@Niedersachse

"Ist denn die Erkenntnis gesichert, dass gestern weniger Teilnehmer als am Montag anwesend waren?"

Die Zahlen wurden inzwischen von der Polizei nach oben korrigiert: 8.000 Demonstranten und 3.000 Gegendemonstranten.

Ein gebuertiger Hesse
2. September 2018 15:54

"Die Wut wächst, aber in Chemnitz wird sie sich so schnell nicht mehr entladen."

Das ist Defätismus, nicht hilfreich. Warum schlauer sein wollen als die Umstände, die morgen in der Stadt, angesichts des großen "Un-rechts"-Konzerts, schon wieder anders aussehen können?

Der_Juergen
2. September 2018 16:15

Von Hans-Thomas Tillschneider, der zweifellos zu den hellsten Köpfen bei der AFD gehört und sich auch durch eine gehörige Portion Schneid auszeichnet, möchte ich hier auch künftig noch regelmässig Kommentare lesen.

Max Piccolomini
2. September 2018 16:19

Diese Diskussion ist - auch in der Schärfe, die Hans-Thomas Tillschneider vorgegeben hat - dringend erforderlich. Denn es darf auf gar keinen Fall passieren, wozu lethargische oder saturierte Parteipolitiker in solchen Situationen neigen mögen: ein paar Presseerklärungen schreiben, die niemand liest; vielleicht eine kleine Anfrage im Landtag und dann möglichst schnell den Schwamm drüber. Schuldzuweisungen in die eigenen Reihen sind verständlich, sollten aber nicht weiter erhoben werden, weil sie die Besten von uns treffen würden. Es geht jetzt darum, einerseits die Sache gründlich aufzuarbeiten, um aus gemachten Fehlern lernen zu können, anderseits aber sofort mit aller Kraft nachzusetzen und dem Unrechtsregime die Maske der Biederfrau vom Gesicht zu reißen. Wir befinden uns an einem entscheidenden Punkt der Entwicklung, in der Krisis, die zum Wendepunkt werden kann. Wir dürfen jetzt keine Fehler mehr machen.

DietherAst
2. September 2018 17:04

Hallo Sezessionisten,
Ich finde Herr Tillschneider sollte sich nun gegen die Rechtsstaattreuen durchsetzen. Es hat sich gezeigt, dass die nur ein Pflichtprogramm abgerufen haben und schnell das Völkleinchen im Stich gelassen haben. So verhalten sich keine wahren Patrioten.

Hartwig aus LG8
2. September 2018 17:16

Ich war ca. 16 Uhr vor der Parteizentrale der AfD, wo erst ein paar hundert Leute herumstanden. Dann telefonierte ich mit meinen Kameraden, welche die Zeit bis 17 Uhr nutzten, um bei der Pro-Chemnitz-Demo zu sein. Ich ging ein paar hundert Meter weiter und war vor Ort. Pro-Chemnitz demonstrierte mit Reden, Applaus, Sprechchören. Dann die Ansage des Versammlungsleiters: Pro-Chemnitz darf nicht die verabredete Route gehen, sondern soll Richtung Bahnhof laufen - an den Antifa-Brüllern vorbei. Und nun? Der Versammlungsleiter schlug vor, die Vesammlung aufzulösen und sich dem AfD-Trauermarsch anzuschließen. Großer Applaus. Geschätzte 2000 Leute strömten der AfD entgegen. Ein toller Moment! Ein toller Moment auch deshalb, weil Männer und Frauen der erkennbar radikaleren Szene ohne jede Unmutsbekundung der AfD zuströmten. Das Problem: Die Pro-Chemnitzer standen nun als unorganisierter großer Pulk unmittelbar vor dem noch nicht gestarteten Trauermarsch. Es brauchte mindestens eine halbe Stunde, bis eine Art Weg freigemacht werden konnte. Danach sollte es losgehen ... ging nicht ... dann ganz schleppend ... dann wieder Stopp. Und hier setzt Tillschneiders Bericht fort.
Mein Fazit: Schikane durch Ordnungsamt und Polizei. Faseln wir nicht vom Rechtsstaat - wir haben keinen Rechtsstaat! Extrem disziplinierte Demonstranten (das gilt auch besonders für die o.a. härteren Truppenteile von Pro-Chemnitz). Die von staatlicher/medialer Seite erhofften, ersehnten und provozierten "hässlichen Bilder" wurden verweigert. Herr Tillschneider: Wenn Sie auch künftig noch auf 6- oder 8- oder 10-tausend Leute auf einer rechten Demo hoffen wollen, dann vergessen Sie Ihren Satz mit dem Wasserwerfer! Neben robusten Jungvolk marschierten vor allem Schrebergärtner, Hausfrauen und viele viele brave Bürger, die unser Feind einzuschüchtern versucht.
Und: Trauermarsch hin oder her: Beauflagen wir uns das nächste mal nicht selbst. Transparente, Flaggen, Sprechchöre etc. gehören dazu!

Ulrike
2. September 2018 18:02

@Heinrich Loewe
"...ich glaube nicht, daß eine Eskalation klug gewesen wäre..."

"Eskalation: Der jeweiligen Notwendigkeit angepasste allmähliche Steigerung" schreibt Wiki. Was ist daran schlecht? Und falls Sie "Eskalation" negativ im Sinne von "unkontrolliert" meinen: Wie kommen Sie darauf, daß bei uns Rechten immer alles gleich unkontrolliert vonstatten geht? Und selbst wenn - ist Unkontrolliertes für Sie immer gleich brutale Gewalt, oder haben Sie Angst vor ein paar schlechten Bildern in der Systempresse?

Ich hatte kürzlich mit einem MdL der AfD gesprochen und gefragt, wieso man Figuren wie Henriette Quade (Linke) oder Sebastian Striegel (Grüne) im Landtag von Sachsen-Anhalt nicht wenigstens mit Fakten und Zahlen bloßstellen kann. Die Antwort war "Die haben doch Politikwissenschaften studiert." (Was so nicht ganz stimmt, die 34jährige Frau Quade befindet sich mittlerweile im 15. Jahr ihres Studiums der germanistischen Literaturwissenschaft, Zeitgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und außerdem, laut ihrer Webseite, "im Moment in einem Fernstudium im Bereich Journalismus".)

Ja, wenn an der Angst vor so einem Gegner unser Widerstand scheitert, dann ist uns nicht mehr zu helfen.

Andreas Walter
2. September 2018 18:27

Der Deutsche und sein (Recht)sstaat. Reiserecht?

Dafür lieben euch (schon immer) alle Marxisten, die Grünen ebenso, aber auch Invasoren und Eroberer jedweder Religion und Hautfarbe und auch noch andere (Kriegs-)Verbrecher.

Die Handschellen, die Ihr euch selbst anlegt. Aus falsch verstandenem Anstand die Einen, aus Dummheit und Unwissenheit die Anderen (Propagandaopfer).

Anstand hat nämlich zwei Bedeutungen, in allen Sprachen, wir kennen jedoch genau deswegen nur noch die Eine.

Anstand bedeutet nämlich auch, genau das zu tun, genau dem zu begegnen, was jetzt gerade, heutzutage ansteht.

Was steht aber bei einer perfiden, ausgeklügelten Diktatur an? Kann man sich überhaupt aus so einer Diktatur befreien? Dabei bitte nicht die DDR immer als falsches Beispiel zitieren. Die Sowjetunion war wirtschaftlich und militärisch am Ende. Die friedliche Befreiung der DDR durch das eigene Volk ist darum ebenso ein Märchen wie vieles andere in der deutschen Geschichte.

Deutschland ist derzeit wie ein zu Unrecht bis in alle Ewigkeit verurteilter Gefangener in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Das ist die Ausgangslage, das ist was ansteht. Euer Land hat man euch aber schon vor 70 Jahren weggenommen. Alles danach war Militärdiktatur (durch die Besatzer), Lügen und Manipulation. Sogar die Nachgeborenen wurden gegen ihre Vorfahren aufgebracht, Kinder gegen ihre eigenen Eltern.

90% der Deutschen kennen darum gar nicht die wahre Geschichte ihres Volkes, dass sie sogar 2 mal nicht militärisch, sondern wirtschaftlich die Nummer 1 in der Welt waren. Ganz ohne Rohstoffe, ganz ohne fluide Energie, nur mit etwas Kohle gesegnet wie dutzende andere Länder in der Welt auch.

Nur durch Geist, Fleiss und Disziplin, aber auch durch Mitmenschlichkeit (Bismarck, Sozialstaat) zur grössten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen. Premium Dichter und Denker, Arbeiter und Bauern sozusagen, selbst noch unter den Sozialisten des Ostblocks. Das sind die Tatsachen.

Doch alle Weissen scheinen den gleichen Fehler zu machen, sowohl in Europa, in Nordamerika wie auch in Südafrika.

https://www.youtube.com/watch?v=rT12WH4a92w

Schon seltsam, die Australier. Das Einzige was mir dazu einfällt, was sie von anderen weissen Siedlern unterscheiden könnte. Doch stimmt das überhaupt?

"Aber lediglich 2 % waren Mörder oder Schwerverbrecher. 87 % der Männer und 91 % der Frauen wurden als Sträflinge wegen kleiner Delikte nach Australien transportiert.[21]" Wikipedia, "Sträflingskolonie Australien"

http://www.abc.net.au/news/2007-07-25/online-records-highlight-australias-convict-past/2512534

Liegt es also an der Zwangsumsiedlung, an der Deportation?

Wow! Für kleine (oder kein) Verbrechen die Heimat verloren, zwangsumgesiedelt worden. Wie auch bei mir. Das muss es sein. Das kommt unter den Weissen nur unter den Australiern, den Deutschen und den Juden vor. Darum auch ein zentrales Thema, für alle Menschen und deren Vorfahren mit so einer Erfahrung. Nennt sich in der Psychologie Übertragung, auch von Generation zu Generation. Je tiefer das Trauma, um so grösser die Persistenz.

starhemberg
2. September 2018 18:38

Taktisch mag man es als Niederlage empfinden, strategisch aber war es ein glänzender Sieg. Bitte auf Publico gehen - Alexander Wendt ist an einer großen Sache dran.... Moralisch ist "Die Rechte" klar der Sieger. Und Sympathieträger.

bb
2. September 2018 19:24

Angemeldete Demonstrationen sind keine authentischen Proteste und somit vollkommen wirkungslos. Kann man unter Beschäftigungstherapie für Erlebnisorientierte verbuchen, mit Politik hat das jedoch nichts zu tun. Daher es in Zukunft bitte bleiben lassen und die Ressourcen lieber für echten politischen Kampf verwenden.

Solution
2. September 2018 19:38

Es gab wohl keine Bahnsteigkarten?

Die AfD-Führung vor Ort hat ein absolut erbärmliches Bild abgegeben. Das war dilettantisch, unprofessionell und feige.

Das zeigt mir erneut, daß der politische Kampf außerhalb der AfD wichtiger ist, als sich auf diese liberal-konservative Partei zu verlassen.

Meiner Meinung nach brauchen wir eine breit organisierte rechte Sammlungsbewegung für den Aktivismus.

Lotta Vorbeck
2. September 2018 20:14

@Solution - 2. September 2018 - 07:38 PM
"...

Meiner Meinung nach brauchen wir eine breit organisierte rechte Sammlungsbewegung für den Aktivismus."

_______________________________

Die "breit organisierte, rechte Sammlungsbewegung für den Aktivismus" gibt's nun schon seit ein paar Jahren:

# Einprozent.de | Sichere Grenzen | Innere Sicherheit‎
www.einprozent.de/‎

# Wir sind viele
Es ist an der Zeit, dass die Stimme des Volkes wieder Gehör findet. Wir vernetzen den Widerstand.
https://einprozent.de/ueber-uns

michaelbay
2. September 2018 20:25

Ich verstehe Ihre Emotionen ebenfalls. Es mag frustrierend sein, wenn man durch Blockaden eine Demonstration nicht zu Ende bringen konnte. Ist das aber tatsächlich entscheidend?

Die entscheidenden Botschaften sind doch trotzdem angekommen. Man hat dem Opfer der grausigen Tat gedacht, man hat sich selbst friedfertig gezeigt und die Linksfaschisten wurden sogar teilweise im Mainstream als Störer dargestellt. In den sozialen Medien war dies sowieso der Fall. Danke hier an die ganzen Youtuber vor Ort!

Wenn man tatsächlich die Bilder geliefert hätte, auf die die Systempresse gewartet hat, dann wäre man nicht besser gewesen, als die Leute mit ihrem NS-Tourette letzten Montag. Es geht um die Sache, nicht um Selbstdarstellung und der Befriedigung aufgestauter Gefühle.
Dienstaufsichtsbeschwerden und eine Aufarbeitung im Landtag sind aber Pflicht.

Der Feinsinnige
2. September 2018 20:51

Den Tatsachenbericht von Hans-Thomas Tillschneider kann ich als Teilnehmer der gestrigen Demo weitgehend bestätigen, nicht jedoch allen Schlußfolgerungen zustimmen.

Zunächst eine positive Bemerkung über die Demo:

Das Bild der vor dem breiten Demo-Zug getragenen großen Photos von den Ermordeten ist eindrucksvoll und verwendungsfähig, zu sehen z.B. hier (ab Sekunde 10):

https://www.welt.de/politik/deutschland/article181392090/Demonstrationen-in-Chemnitz-Verletzte-Straftaten-Bundespolizei.html

Die Botschaft dieser Bilder war der eigentliche Zweck des Marsches; genau diese Botschaft sollte durch die Unterbindung der Demonstration durch Antifa und staatliche Schikane verhindert werden.
Vielleicht sollten die Bilder einmal in allernächster Zeit für PEGIDA Dresden zur Verfügung gestellt werden? Dort würden sie erfolgreich durch die Straßen getragen werden können.

Nun zum Artikel:

Zunächst zwei Ergänzungen zum Tatsachenteil des Berichts:

Ja, auch mein Eindruck ist, daß die Verhinderung der Demonstration offensichtlich staatlich gewollt und geplant war: Wie sehr die Behörden die Demoteilnehmer ausgetrickst haben, wurde mir beim Abzug über die Theaterstraße erst richtig bewußt: Vorne war es (angeblich) nicht möglich (also nicht gewollt) gewesen, zu räumen. Hinten, einige hundert Meter entfernt, standen auf der fast menschenleeren Theaterstraße an mehreren Stellen (vor einem Parkhaus, vor dem AFD-Büro und mehreren Geschäften) Gruppen von Polizisten in insgesamt dreistelliger Zahl, sowie mindestens zwei Wasserwerfer und ein Räumpanzer. Soviel zur Unterscheidung von „unmöglich“ und „unwillig“ (ein Vorwurf, der ausschließlich „nach oben“ geht, nicht an die dort stehenden Beamten).

Der im zweiten Satz erwähnte „irgendjemand“ war Björn Höcke. Ich kann mir kaum vorstellen, daß Hans-Thomas Tillschneider dessen Stimme nicht erkannt hat. Was soll also diese Formulierung?

Jetzt zu den Schlußfolgerungen:

Ich möchte zuallererst ausdrücklich davor warnen, als Konsequenz aus dem gestrigen Geschehen einer Konfrontation mit Polizeikräften durch eigene Rechtsbrüche (Inkaufnahme oder Provozieren von Wasserwerfereinsätzen gegen die eigene Seite etc.) das Wort zu reden – und aus der Partei AFD heraus darf das schon gar nicht geschehen; das wäre (im Gegensatz zu einer nicht ganz gelungenden Demo) wirklich der Anfang ihres Endes. Rechtsverletzende und ernstliche Konfrontation mit den bzw. gegen die eingesetzten Polizeibeamten wäre zudem das Ende der breiten Opposition auf der Straße bzw. der Anfang von einer sodann folgenden völlig enthemmten staatlichen Unterdrückung. Und: Die Bürgerlichen im weitesten Sinne, die sich derzeit in solche Demonstrationen einreihen, würden überwiegend wieder vergrault werden. Eine große Stärke unserer Seite ist doch, daß wir im Gegensatz zur Antifa gerade aufgrund unserer grundsätzlich positiven Einstellung zu den Sicherheitskräften bei vielen Polizeibeamten wohlgelitten sind, vielleicht sogar geschätzt werden. Dies darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Beamten, die uns gegenüberstehen, können nichts für die politischen Vorgaben, die zu einem Ergebnis wie dem gestrigen führen.

Die Idee eines „Schweigemarsches“ halte ich nach wie vor für diskutabel (auch wenn ich selbst es ebenfalls als ein Stück weit frustrierend empfinde, auf einer Demonstration nicht laut meine Forderungen durch die Straßen zu rufen), aber – ob laute Demo oder Schweigemarsch - Protest kann (und muß) anders geplant werden, als es gestern der Fall war.

Meines Erachtens kamen gestern verschiedene Fehler bzw. Ungeschicklichkeiten zusammen:

Auch ein Schweigemarsch läßt sich mit einer Auftakt- und/oder Schlußkundgebung verbinden, auf der nicht geschwiegen wird. Warum hat man sich insoweit nicht am PEGIDA-Modell orientiert? Dort hat die Abfolge Auftaktkundgebung (laut) – laute Demo oder (mehrfach durchexerziert) Schweigemarsch – Abschlußkundgebung (laut) immer funktioniert. Ich weiß nicht, ob für gestern eine Schlußkundgebung vorgesehen war, aber mit der völlig unzureichenden Technik auf dem Demo-Wagen (viel zu schwache Lautsprecher, die nur in einem Bruchteil des Zuges zu hören waren) wäre die schlichtweg nicht durchführbar gewesen. Wenn Persönlichkeiten wie Björn Höcke und Andreas Kalbitz zu einer Demonstration aufrufen, dann ist es einfach nicht vermittelbar, daß diese nicht auch zu den zu großen Teilen von weither angereisten Teilnehmern sprechen (immerhin war die Stimme Höckes am Ende der Veranstaltung für einige Sekunden zu hören, s.o.). Hätte es zu Beginn Reden gegeben, wäre mein (und sicher nicht nur mein) Frust am Ende nur halb so groß gewesen.

Eine Demonstration – und gerade ein Schweigemarsch – brauchen einstimmende und einordnende Worte. Ohne diese geht es einfach nicht. Niemand hätte das besser als Höcke leisten können. PEGIDA war an dem Demonstrationsaufruf beteiligt. Warum hat man deren Erfahrung und deren Technik nicht genutzt?

Warum immer es nicht zu einer frühzeitigen Einigung mit Pro Chemnitz kam: Der Anschluß von Pro Chemnitz an den AFD-Zug zu einer Zeit, als diese eigentlich schon beginnen sollte, hat organisatorisch eine ganze Stunde gekostet und war damit der Anfang vom Ende (so eindrucksvoll die von @ Hartwig aus LG8 oben berichtete Situation offenbar auch war; ich hatte mir dagegen nur den Beginn von Pro Chemnitz angehört und stand seit 16.30 h durchgängig bei der AFD).
AFD/PEGIDA/Pro Chemnitz haben sich durch einen sicher vorgeplanten Trick der Behörden in eine Lage manövrieren lassen, die die AFD-Demo ca. eine Stunde (der offenbar lediglich angemeldeten zwei oder zweieinhalb Stunden) gekostet hat.

Zukünftig wird zu vermeiden sein, zwei gleichgesinnte Veranstaltungen nahezu zeitgleich in einer Entfernung von nur ca. 500 m anzumelden. Die Zeitdauer einer Demo muß zukünftig bei der Anmeldung großzügiger angegeben werden (wobei mir die Kenntnis fehlt, welche rechtlichen oder finanziellen Hürden dem entgegenstehen können). Allerdings bringt ein stundenlanges Warten wie gestern gerade ältere Demoteilnehmer natürlich auch an körperliche Grenzen.

@ Ulrike:
Danke für den Bericht über die gestrige Versammlung am Tatort und den Link. Eine mutige und eindrucksvolle Aktion! Davon habe ich gestern nichts mitbekommen, da ich zu denen gehört habe, die sich nach Abbruch recht unverzüglich entfernt haben. Dies ist meiner oben formulierten Einstellung zu polizeilichen Weisungen geschuldet gewesen. Unabhängig davon empfinde ich Hochachtung vor den Geschehnissen und den Personen, die Sie beschreiben.

nom de guerre
2. September 2018 20:59

Eine "Manöverkritik" können nur diejenigen vornehmen, die an der Demo teilgenommen haben, allerdings erlaube ich mir zwei Anmerkungen zum Artikel:

Ich habe mir Teile des Trauermarschs im Netz angeschaut, in erster Linie die Aufnahme von Lutz Bachmann. Daher habe ich ein ungefähres Bild von den Teilnehmern, die ich als eher heterogen wahrgenommen habe. Diesen Personenkreis mit Studentendemos aus den späten 60ern/70ern vergleichen zu wollen, denen ein Wasserwerfer wohl in der Tat nicht viel ausmachte (oder sie zumindest nicht davon abhielt, wiederzukommen), finde ich schon etwas abenteuerlich. Es geht bei dieser Frage nicht nur darum, ob man sich angesichts der Temperaturen eine Lungenentzündung holen kann oder nicht.

Zum anderen wird von interessierter Seite bekanntlich gerade eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz gefordert. Wäre es unter diesen Umständen (gerade für Höcke) klug gewesen, sich den Anweisungen der Polizei zu widersetzen?

Tobinambur
2. September 2018 21:24

Herr Tillschneider, ihr Standpunkt ist naiv. Wir brauchen einen Hermann der Cherusker alias Arminius und keinen planlosen Germanenhaufen, der sich mit den Römern herumprügelt - und verliert.

RMH
2. September 2018 21:26

"Noch ist es gut, Herr Tillschneider, daß Sie hier öffentlich Ihre Parteikollegen angehen."

Sehe ich genau so - Manöverkritik ist normalerweise intern zu äußern und nicht nach außen, auch wenn es vermutlich dem Leser schmeichelt und er sich für wichtig genommen fühlt, wenn ein MdL hier öffentlich Kollegenschelte vornimmt. Gut, nach einem emotionalen Tag wie gestern, wundert mich manches nicht und schon gar nicht die kritisierten Zeilen in dem Beitrag, aber befremdlich ist es m.M.n., dass dieser Beitrag mit diesen Sätzen hier nicht lektoriert wurde bzw. man nicht eingegriffen hat. So ergibt sich nach außen ein Bild der Uneinigkeit, auch unter den rechten Flügelleuten, welches Ungut ist.

Um aber die Emotionen ein bisschen heraus zunehmen einmal ein paar Fakten:

Chemnitz hat fast 250tsd Einwohner - selbst wenn gestern tatsächlich 10tsd auf der Straße für die Sache AfD/Pegida waren, so waren doch offenbar die meisten nicht aus Chemnitz, sondern Angereiste (das gilt um so mehr für die Gegendemonstranten). Ergo haben vermutlich weniger als 2% (wären 5tsd) der Chemnitzer Bevölkerung trotz des mehr als gebotenen Anlasses (nicht mehr) demonstriert. Auf der anderen Seite haben ohne eines solchen lokalen Anlasses bereits ~ 25% der Chemnitzer die AfD bei der letzten BT- Wahl gewählt. Die Tendenz dürfte mittlerweile steigend sein. Was können wir daraus für Schlüsse ziehen?

Wie wichtig ist die "Straße" nun wirklich, außer, dass Medienleute und "Aktivisten" aller Couleur ein Stück weit ihrer Daseinsberechtigung aus solchen Ereignissen ziehen? Auch bei der Rechten wird der "Straße" offenbar in Stellenwert eingeräumt, den sie defacto aber gar nicht zu haben scheint (siehe obige Zahlendarstellung) und auch gar nicht mehr in heutigen Zeiten einnehmen kann (die letzte These begründe ich nicht mehr, mein Beitrag wird ohnehin schon zu lang).

Unterliegen wir etwa alle dem Mythos von 89, als die Legende geschaffen wurde, dass man nur durch den Druck der Straße ein unliebsames System quasi wegfegen könnte? Wir alle wissen, dass 89 noch wesentliche andere Faktoren entscheidend waren und die Demonstrationen nur 1 Baustein von vielen anderen waren (damit will ich den Mut und die Ehre der damals Handelnden nicht schmälern - es geht um die richtige Einordnung).

Wie auch immer: Für mich persönlich ist sehr klar, dass alternativlos nur der legale Weg durch die Parlamente der einzig Erfolg versprechende ist und nicht der Weg der Straße. Die Wahlerfolge und die Umfrageergebnisse pro AfD trotz einer fast 99%igen Anti-AfD-Medienfront sprechen eine klare Sprache. Verabschieden wir uns endlich von revolutionären Schwärmereien, die letztlich naiv sind - das hat unter anderem der gestrige Tag deutlich gezeigt. Womit ich jetzt nichts gegen Demonstrationen im Allgemeinen gesagt haben will - man darf eben nicht zu viel in sie hinein interpretieren oder ihnen nicht zu viel Potential im Vorfeld zutrauen. Dass die Demo gestern so geendet hat, wie sie geendet hat, konnte doch jeder wissen/ahnen, der schon einmal an einer anderen rechten Veranstaltung außerhalb von Pegida/Dresden teilgenommen hat (wurde hier im Kommentarstrang ja auch schon so berichtet). Die geplanten Abläufe außerhalb Pegida/Dresden wurden bislang IMMER mit mehr oder weniger Billigung der Polizei und des Establishments unter Duldung linken Extremismus via Antifa unterbunden und torpediert, warum sollte es gestern anders laufen? Dazu hätten zu Abwechslung mal 30-50tsd auf die Straße gemusst - es waren aber nicht so viele dort (und es werden auch nicht so viele kommen, da darf man sich keinen Illusionen hingeben). Die AfD hat im sächsischen Landtag und auch über die ihr dadurch eröffneten Geldmittel diese Vorgänge der "best practice" des Establishments/ der linken parlamentarisch und juristisch aufzuarbeiten - auch das gehört zum Bohren der berühmten "dicken Bretter." Ich fordere mithin auf, weiter zu "bohren" und nicht zu meinen, man hätte mit der Migrantengewalt einen Hebel und mit der empörten Bevölkerung eine Axt gefunden, mit der man das Brett zerschlagen könnte.

PS: Trotz meines Beitrages werde ich selbstverständlich auch weiterhin an Demonstrationen teilnehmen, wenn ich wieder im Lande bin. Ich sehe dies aber als recht nüchternen Vorgang an, der meine Stimmabgabe in der Wahlkabine nur geringfügig ergänzt - erhoffen darf man sich von Demonstrationen eben nur nicht so viel, wie zur Mobilisierung von Teilnehmern im Vorfeld verständlicherweise in solche Veranstaltungen hinein gepackt wird.

Lotta Vorbeck
2. September 2018 21:52

@Der Feinsinnige - 2. September 2018 - 08:51 PM

"...

Jetzt zu den Schlußfolgerungen:

Eine Demonstration – und gerade ein Schweigemarsch – brauchen einstimmende und einordnende Worte. Ohne diese geht es einfach nicht. Niemand hätte das besser als Höcke leisten können. PEGIDA war an dem Demonstrationsaufruf beteiligt. Warum hat man deren Erfahrung und deren Technik nicht genutzt?

..."

____________________________

Lutz Bachmann, der PEGIDA-Gründer äußert sich hier zu dem, was seiner Kenntnis nach AfD-seitig der Demonstration vorausging und die Zusammenarbeit mit den demonstrationserfahrenen PEGIDA-Leuten letztendlich vereitelte:

02.09.2018 tagesLUTZiges
https://www.youtube.com/watch?v=wGm1afMuFLM

Der Wahrheitsgehalt von Bachmanns Aussagen ist für Außenstehende nicht verifizierbar. Dennoch ist durchaus vorstellbar, daß es sich genauso zutrug, wie von Bachmann dargestellt.

Lotta Vorbeck
2. September 2018 22:02

Dieses am gestrigen Sonnabend in Chemnitz aufgenommene Photo

https://bilder.bild.de/fotos-skaliert/wasserwerfer-wurden-immer-wieder-neu-positioniert-200905056-57014386/4,w=1280,c=0.bild.jpg

versah "BILD" mit folgendem Kommentar:

"22:11 Uhr
Polizei setzte Wasserwerfer geschickt ein
Allein die Anwesenheit der Wasserwerfer ließen die Gemüter kühlen. Die Polizei positionierte sie immer wieder um, schickte sie dorthin, wo sie Eskalationen befürchte."

Ach wirklich?
Wie aus der Vogelperspektive unschwer zu erkennen, ist dieser Wasserwerfer der neuesten Generation beifahrerseitig völlig ungeschützt.
Zahlreiche Demonstranten befinden sich unmittelbar am Fahrzeug.
Diese Aufnahme dokumentiert, daß man seitens der Polizei offenbar überhaupt nicht damit rechnete, von "den Rechten" angegriffen zu werden.

Abgesehen davon: Zuletzt tatsächlich 'eingesetzt' wurden Wasserwerfer bei einer Demonstration gegen das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21". Einer der Demonstranten, der in den Strahl dieser Kampfmaschine geriet, ist seither blind.

Augustin
2. September 2018 22:09

Herrn Tillschneiders Meinung Teile ich nicht. Es war kein Demonstrationszug , sondern ein Trauermarsch. Diesen eskalieren zu lassen hätte vielleicht manch einem gefallen, den Medien sowieso. Moralisch war es ein Sieg von tiefgreifenderer Wirkung als es eine Eskalation, und darauf wäre es hinausgelaufen, je hätte sein können. Man soll nicht immer klein beigeben, aber in diesem Fall war es die richtige Entscheidung.

Das blaue Quadrat
2. September 2018 22:12

Selten hätte ein direkt vorhergehender Beitrag - Verhärtung- so schnell praxisleitend werden können. Unter den Kommentatoren, wohlgemerkt.
Rettet es denn die AfD vor dem VS, dass Herr Höcker durch die Rettungsgasse entschwand?

Franz Bettinger
2. September 2018 22:50

Warum auch ich das Deutschland-Lied nicht mehr singen kann? Ich kann Deutschland kaum noch bewundern. Ich kann in der Nachbarschaft kaum noch akzeptable Menschen erkennen. Sind die wirklich von meinem Stamm? Die Chemnitzer und Dresdner sind mir näher. Traurig, aber wir brauchen die weitere Zuspitzung der Lage. Nur die Not kann uns wieder zusammenfinden lassen, in der Nachbarschaft und im Dorf.

Youtube nimmt das meist-gesehene Chemnitz-Video aus den Charts (https://www.youtube.com/watch?v=hCYwihiLN-c). Bis auf den refrain nicht mein Musikstil. Seht euch dagegen diese Stimmung in England an. Da kriegt man Gänsehaut. DAS ist Patriotismus, unashamed, good and loud: Last Night of the Proms: "Rule, Britannia!" https://www.youtube.com/watch?v=Sgd9nYqVz2s

deutscheridentitaerer
2. September 2018 23:16

Die Straße ist sehr wichtig, wichtiger als die Parlamente.

Es war gut, dass diese Videos von der "Hetzjagd" und 800 aggressiven Hooligans viral gegangen sind. Es war der größte Lichtblick seit langem zu sehen, wie dem Gesindel der Schreck in die Glieder gefahren ist, wegen nichts. Unbewusst wissen sie, was sie zu verantworten haben und fürchten, dass die Sache zu ihren Ungunsten kippt. Deshalb auch ihre hysterische Reaktion, die alles nur noch schlimmer gemacht hat.

Der Trauermarsch war jetzt etwas antiklimatisch, aber das ist nicht schlimm. Klappt es diesmal nicht, klappt es nächstes Mal. Klar ist jetzt jedenfalls: das Potential ist da.

michaelbay
2. September 2018 23:24

@DasblaueQuadrat
Ja, dass könnte, ohne Polemik, einen Unterschied für den VS machen. Wenn aus der ersten Reihe der Demonstration, wie auch immer geartete Aggressionen ausgegangen wären, dann ist das Prädikat "aggressiv kämpferisch" für die gesamte Partei nicht mehr weit. Es standen dort mehrere Spitzfunktionäre der AfD, die zum Glück sehr gut reagiert haben.
In so einer Situation braucht es den Kopf und nicht den Bauch.

Neander vom Thal
2. September 2018 23:28

Hier wurde eine Chance vertan.
Das Verstecken hinter einer Überforderung kann man akzeptieren oder auch nicht. Hier wurde das Gefühl für die Möglichkeiten der Masse nicht erspürt. Nicht nur meine Freunde, auch der alte Mann mit Gehstock und die junge
Frau mit der weißen Rose in der Hand waten bereit für einen nächsten Schritt. Kann aber sein, daß noch ein paar Fahrkarten gelöst werden mussten. Schade nur.... der Zug war schon weg.

Cacatum non est pictum
3. September 2018 00:16

Interessant ist das Gedankenexperiment schon, was wohl passiert wäre, wenn ein mutiger Bevollmächtigter der Demonstrationsteilnehmer - wer auch immer - beim Einsatzleiter vorgesprochen und ihm folgendes mitgeteilt hätte:

"Werter Herr X,

wir haben uns hier und heute friedlich versammelt, um angesichts jüngster Ereignisse Trauer und stillen Protest zu bekunden. Unser Anliegen ist natürlich auch politischer Natur. Und Sie wissen ja, daß die öffentliche Kundgabe politischer Meinungen in unserem Rechtssystem Verfassungsrang genießt. Das Recht, sich zu solch einem Zwecke zu sammeln, genießt auch deshalb so hohen Stellenwert, weil es in einer parlamentarischen Parteiendemokratie die einzige Möglichkeit des Bürgers ist, sich unmittelbar öffentlich Gehör zu verschaffen.

Wir stehen nun hier und möchten dieses hochgeachtete Recht ausüben. Ihre Polizei ist in beachtlicher Stärke und mit robuster technischer Ausrüstung angerückt, um den Schutz der Versammlung zu gewährleisten. Das ist dankenswert. Allerdings hat sich jetzt die Situation ergeben, daß Leute, die es nicht gut mit uns meinen, die Fortsetzung unseres Aufzugs behindern. Sie blockieren die Route und sind augenscheinlich bereit, uns die Ausübung unserer Rechte mit allen Mitteln unmöglich zu machen. Im Gegensatz zu uns können sie sich dabei auf keine legitime Rechtsposition berufen. Aus unserer Sicht, werter Herr X, ist damit Ihr Entscheidungsermessen auf null reduziert. Sie sind dazu verpflichtet und auch in der Lage, das Recht gegen das Unrecht durchzusetzen.

Daß Sie sich dennoch zur Auflösung der Versammlung entschlossen haben, bedauern wir außerordentlich. Verwundern tut es uns hingegen nicht, denn in den vergangenen Jahren hat man unsere Demonstrationen immer wieder nach diesem Muster zerstört: Zuerst ließ man die rabiaten Blockierer sich unbehelligt sammeln und organisieren; und als dann Sitzblockaden beachtlichen Ausmaßes errichtet waren, sah sich die Polizei außerstande, diesem Rechtsbruch abzuhelfen, und löste statt dessen die ordnungsgemäß abgehaltene Versammlung auf. Diese polizeilichen Entscheidungen haben wir - wenn auch mit Wut im Bauch - stets akzeptiert, weil die meisten von uns ein loyales Verhältnis zu unserem Staat und dessen Bediensteten pflegen und deswegen an keiner Konfrontation mit der Polizei interessiert sind.

Aber sehen Sie, Herr X, die Zeiten wandeln sich, und in jüngerer Vergangenheit setzt uns der politische Gegner immer ärger zu. Es gibt eine Redensart, die da lautet: 'Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht.' Heute, werter Herr X, an diesem denkwürdigen Tag in Chemnitz, ist der Krug endgültig zerbrochen. Wir werden Ihre Weisungen diesmal nicht befolgen und uns an Ort und Stelle auf den Asphalt setzen - ganz so, wie es unsere Gegner dort drüben auch machen. Keiner von uns wird aufstehen, ehe nicht die Route freigeräumt ist, auf der wir unseren stillen und friedlichen Aufzug fortsetzen wollen.

Wenn Sie, Herr X, aber bei Ihrer Entscheidung bleiben, dann können wir das nicht ändern. Tun Sie in diesem Fall, was Sie tun müssen - lassen Sie uns wegtragen, uns mit Schlagstock oder Wasserwerfer auseinandertreiben. Wir werden uns dagegen nicht zur Wehr setzen und das Prozedere klaglos ertragen. Aber seien Sie sich bitte im klaren darüber, daß diese Bilder - friedliche Demonstranten werden vom Versammlungsort vertrieben, während der gewaltbereite Mob feixend und jubilierend auf der Straße feiert - für immer archiviert bleiben. Ich hoffe, Sie wissen, was Sie da tun."

Die Uraufführung dieses Stücks hat am Wochenende nicht stattgefunden. Vielleicht erleben wir es ja demnächst an einem anderen Schauplatz.

Krolok
3. September 2018 00:51

Guten Abend Herr Tillschneider,

ich stand am Samstag direkt mittig im Demonstrationszug vorne und nicht weit entfernt von Ihnen. Ich habe keine Kritik an Ihrem Artikel, aber so viel muss sein:

Sie gehen falsch in der Annahme, dass sich der Zorn in Chemnitz nicht bald wieder entladen wird. Ich bin wütend und sicher, dass das auch für eine Menge andere Chemnitzer und sonstige Patrioten zutrifft.

Wir sehen uns bald wieder in Chemnitz - und zwar nicht bei einem Trauermarsch, sondern bei einer waschechten Demonstration.

Darauf können Sie Gift nehmen...

Bis der Merkelismus fällt.

Botschafter2258
3. September 2018 01:10

Sehr geehrter Herr Tillschneider,

eigentlich hat vielleicht der Rechtsstaat kapituliert, aber die Demonstranten haben gewonnen. Sie haben sich nicht provozieren lassen. Hätte die Polizei Wasserwerfer eingesetzt wäre der Schaden für die AFD größer gewesen. Dann wäre die AFD von den Medien in Grund und Boden berichtet worden und das wäre weitaus schlimmer für die anstehenden Wahlen gewesen.
Also seit ihr die Sieger und die anderen die Verlierer.

Mfg
Botschafter2258

ddsubversiv
3. September 2018 01:20

Herr Tillschneider hat eine wichtige Debatte angestoßen, die unbedingt zeitnah geführt werden muss – mit kühlem Kopf und Sachverstand. Ich möchte einige Aspekte einbringen:

Unser Milieu setzt sich aus sehr heterogenen Gruppen zusammen, die teils stark unterschiedliche politische Interessen verfolgen und sich dann zusammenfinden, wenn sie einen gemeinsamen Nenner finden. Die inneren Differenzen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Sie sind wie ein Gummiband, das bis zu einem gewissen Punkt flexibel ist, bei Überdehnung aber auch reißen kann.

Ganz nüchtern muss ich feststellen, dass die radikale Linke uns hier leider noch ein paar Schritte voraus ist. Bei politisch links gelagerten (Groß-)Demonstrationen haben sich zwei Konzepte bewährt, zum einen die Bildung verschiedener Blöcke mit unterschiedlichen Mottos, Standpunkten und Erscheinungsformen. Zum anderen die Anmeldung verschiedener (Schein-)Demonstrationen durch Kleinstgruppen an mehreren Orten, um räumliche Flexibilität zu erzielen. Blockierte Demonstrationszüge können kurzfristig für beendet erklärt werden, die Teilnehmer bewegen sich als freie Bürger durch die Stadt und schließen sich einer anderen Demonstration an anderem Ort an. Hierzu bedarf es eines höheren Organisationsgrades als bislang. Im Grunde muss jeder Teilnehmer vom Kind bis zum Greis laufend auf Twitter die Meldungen der einschlägigen Konten verfolgen, um nicht irrtümlich von einem Ende des Demogeschehens auszugehen. Ebenso ist es möglich, die Bindung von Polizeikräften an mehreren, möglichst abgelegenen Orten der Stadt zu erzwingen und für ein günstigeres Kräfteverhältnis vor Ort zu sorgen.

Strukturell sehe ich unsere größte Schwachstelle im hohen Anteil unorganisierter Demonstrationsteilnehmer, die zu zweit oder dritt teilnehmen und kaum bis gar nicht vernetzt sind. Das erschwert ein konsequentes, standhaftes Vorgehen ganz erheblich. Vorteilhaft sind demgegenüber klare Hierarchien, Kommandos und verlässliche, kluge Anführer.

Im linken Milieu werden sogenannte Bezugsgruppen gebildet, die aus nicht mehr als zehn Personen bestehen und sich mittels abgemachter Handzeichen oder kleiner, farbiger Fahnen verständigen. Innerhalb einer solchen Gruppe muss im Vorlauf einer Demonstration viel kommuniziert werden: in welchem Form soll protestiert werden, sollen robuste Mittel bzw. ziviler Ungehorsam angewandt werden und auf welchen Konsens können sich alle Mitglieder der Bezugsgruppe einigen, sodass sie vor Ort dann ohne Zögern und in Einigkeit handeln können?

Es bringt absolut nichts, wenn einzelne Fußballrowdys auf ihre Manneskraft setzen und sich der Polizei entgegenstellen, denn sie landen einfach im Gewahrsam und die verbleibenden bürgerlichen Teilnehmer werden sich ob der drohenden Eskalation tendenziell in den Rückzug begeben. Dem lässt sich mit einer geschlossenen Front von hunderten Männern begegnen, die nach einer strikten Bestenauslese aufgestellt sind, sich vorab vernetzt und gut abgesprochen haben. Tollpatschige, unsportliche Alkoholiker haben in den ersten Reihen nichts zu suchen, sie sind im Ernstfall nicht für ein entschlossenes, intelligentes und flexibles Agieren zu gebrauchen. Situativ kann es jedoch auch vorteilhaft sein, stattdessen Frauen mit Kindern ganz vorne marschieren zu lassen, um der Polizei den Einsatz unmittelbaren Zwanges zu erschweren.

Jedem Demonstrationsteilnehmer muss in jeder Situation unmissverständlich klar sein, welche Parole ausgegeben ist und welches Ziel verfolgt wird. Sollen hässliche Bilder vermieden werden, muss das allen klar sein. Soll um jeden Preis die angemeldete Route durchgesetzt werden, muss das allen klar sein. Soll zum politischen Gegner ausgeschwärmt werden, muss das allen klar sein. Denn die Unklarheit über das Ziel sorgt für Zweifel, Zögern und Zaubern und letztlich das schleichende Auseinanderfallen der Demonstration. Als effektiv haben sich auch Lautsprecherwagen in der Mitte des Zuges erwiesen, von denen aus laufend der Verlauf der Demonstration kommentiert wird. Hier ist ein energiegeladener, aufheizender Tonfall zu wählen, um die Entschlossenheit und den Zusammenhalt der Teilnehmer zu steigern.

deutscheridentitaerer
3. September 2018 08:48

@ddsubversiv

Ihre Analyse trifft leider zu. Ich sehe allerdings nicht, wie den genannten Mängeln abgeholfen werden könnte. Unsere Leute waren eben in erster Linie normale Bürgerliche - und im Erfolgsfall eines weiteren Anschwellens wird das erst recht der Fall sein. Diese Leute haben halt einfach nicht den gleichen Organisationsgrad wie manche Antifagruppen, die sich ihrem Hobby in Vollzeit widmen können.

Franz Bettinger
3. September 2018 09:58

@Cacatum:
Großartige Ansprache! Die leider nicht gehalten wurde. Ja, ihr Vorschlag (die Ansprache und das Hinsetzen) hätte einen großen Unterschied gemacht.

Asenpriester
3. September 2018 13:20

Ich gehöre zu denen, die schon seit vielen Jahren eine echte Opposition von Volk her fordern (vor der 'Wende' war ich noch im NEUEN FORUM). Das NEUE FORUM hat sich vor kurzem in Wurzen wieder gegründet, mit dem Schwerpunkt, gegen Volksaustausch.
Das können die Pseudo-Gruppen mit Schwerpunkt 'pro Israel' nicht bewerkstelligen. (wie die Pegida's, AfD, Pro-Deutschland, die alle zu feige sind).
Ich kann mich noch an einer Legida-Demo erinnern, wo Antifa-Kinder behördenmäßig alle Demos behindern durften (mit flächenmäßiger Sabbotage der Bahnstrecken), als der Versammlungsleiter von Legida zur widerechtlichen Einstellung der Versammlung anordnete, daß diese in zwei Tagen wiederholt wird, um, daß die Behörden endlich lernen, was Demokratie bedeutet.
Warum immer so saghaft, in der ehemaligen DDR ging es doch auch ?

Tillschneider
3. September 2018 14:32

Habe nun die seit gestern aufgelaufenen Kommentare gelesen und will darauf summarisch antworten.

Vorab: Ich konnte nicht identifizieren, wer durch den Lautsprecher gesprochen hat. Er war zu schwach, ich stand zu weit weg. Höcke war es nach meinem Gehör nicht. Es ist mir aber auch ganz gleich, wer gesprochen hat, denn – dies muß klargestellt werden – meine Kritik soll niemanden in der Partei beschädigen, sondern Schaden von unserer Sache abhalten.

Ich wollte mit dem Artikel eine Debatte anstoßen. Das ist, denke ich, gelungen. Die Lage ist nun etwas besser durchdacht.

Eben deshalb zieht das Argument „besser intern“, das mir hier wiederholt entgegengehalten wurde, nicht. Es zieht auch aus folgendem Grund nicht: Wer die massive Enttäuschung in Chemnitz nach dem Abbruch erleben mußte, wird verstehen, wie wichtig es ist, den Anhängern der Partei außerhalb der Partei zu zeigen, daß ihre Enttäuschung nicht an der Partei abperlt, daß sie eben nicht nur die sorgfältige gepressten Schablonen einer Presseerklärung vorgesetzt bekommen, mit der sie sich abfinden sollen, sondern daß die Frage, die sie sich stellen, auch die Partei bewegt.

In Chemnitz ist alles so gelaufen, wie es sich die Bürgermeisterin gewünscht haben dürfte. Ob die Gerüchte, daß es eine Absprache zwischen Bürgermeisterin und Polizei gegeben hat, zutreffen oder nicht, ist zweitrangig. Es hätte für sie nicht besser laufen können: Stundenlange Schikane, Abbruch nach wenigen hundert Meter, tausende enttäuschte Anhänger. Für uns ist das kein Erfolg.

Und eben das darf sich so nicht wiederholen! Auf unseren Demonstrationen wird gerne „Widerstand“ gerufen. Damit dieser Ruf nicht zur hohlen Phrase verkommt, müßte sich dieser Widerstand aber auch zeigen. Egal in welcher Maßeinheit man den Widerstand messen will – in Chemnitz lag unser Widerstand im nicht messbaren Bereich. Das sei nicht gesagt, um zu beschädigen, sondern, um zu lernen.

Möglicherweise sollte die Partei das Demonstrieren bei parteifremden Anlässen künftig anderen überlassen. Besser, als auf solche Demonstrationen zu verzichten, wäre es aber, in Zukunft auf die Schikanen der Polizei vorbereitet zu sein und einen mithilfe von guten Juristen sorgfältig ausgearbeiteten Plan B in der Tasche zu haben, der in jedem Fall keine Gewalt vorsieht, aber eben auch das, was wir ständig rufen: Widerstand.

2Rueckert
3. September 2018 15:06

Die Herrschaft des Unrechts erfolgt mit dem ausdrücklichen Segen der Kirchen. Dieser Missbrauch ist eine Schande, über die niemand spricht.
Die Kumpanei mit dem Linksstaat und dem Islam ist inzwischen "papabile". In ihrem Barmherzigkeitswahn bedienen die Kirchen das Lager Baals. In Deutschland gibt noch einen wesentlichen anderen Grund: Die Privilegierung und Alimentierung der großen Kirchen durch den Staat hat diese in eine Abhängigkeit getrieben, die korrumpierend wirken dürfte. Der Weg in die Armut wird von den klerikalen Funktionären gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Dafür kommt es für sie schlimmer als 1803, denn der Islam presst der Kirche nicht nur den Wohlstand aus, sondern quetscht Blut aus ihrem Leib, so sie nicht zu Halbmonde kriecht.
Damit sage ich es klar: Nicht die "Thälmanns" übernehmen endgültig den Staat, sondern der Islam. (Die Linke hat sich 1933 schon mal verrechnet.)

Cacatum non est pictum
3. September 2018 21:24

@Franz Bettinger

"Großartige Ansprache! Die leider nicht gehalten wurde. Ja, ihr Vorschlag (die Ansprache und das Hinsetzen) hätte einen großen Unterschied gemacht."

Danke, aber es war gar kein Vorschlag. Mehr eine Art Kontemplation mit Außenwirkung.

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