Sezession
9. September 2018

Sonntagsheld (75) – Jeunesse oblige

Till-Lucas Wessels / 6 Kommentare

Des einen Schneid ist des anderen Leid

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Uns liegen heute zwei Namen vor: Alexander Gauland und Damian Lohr. Zwei Typen - einer jung geblieben, einer zu alt für sein Alter; einer revolutionär, einer konservativ bis ins Mark. Einer weitsichtig, der andere forsch an einer Stelle an der es sich nie lohnen wird.

Für die, die es im ersten, etwas kryptischen Absatz noch nicht begriffen haben: Es geht natürlich um die leidige VS-Beobachtung der JA-Verbände in Niedersachsen und Bremen. Dazu vielleicht kurz vorab: Was mir die Junge Alternative im wesentlichen ist, das liest man am besten in der aktuellen Druckausgabe nach, insbesondere mit der Reaktion auf die vor einer Woche kolportierte Nachricht über das ausgiebige Interesse unseres Inlandgeheimdienstes an den zwei norddeutschen Verbänden hat sich diese Sicht ohnehin nur noch verfestigt. Es bleibt dabei: Diese Jugendorganisation ist wohl keine und will auch keine werden. Ohne Feuer, ohne Trotz (Einzelstimmen ausgenommen), stattdessen reichlich angefüttert mit der Sattheit genügsamer Steigbügelhalter, kommt die JA nicht über die inhaltliche und gestalterische Brisanz der politischen Modelleisenbahnerei hinaus.

Während Gauland, wie spielend, eine Weiche stellt, und als Echo auf Chemnitz und das „System Merkel“ von einer „friedlichen Revolution“ spricht, ist der JA-Vorsitzende Damian Lohr dem treuseligen Schaffner-Reenactment der Prä-2015er-Bundesrepublik offensichtlich noch nicht entwachsen und fordert in vorauseilendem Gehorsam die Ausgliederung der JA-Landesverbände in Bremen und Niedersachsen; landläufig nennt man das wohl Verrat.

Schnurgerade dagegen Gauland zur Causa: „Wir sind der Pfahl im Fleische eines politischen Systems, das sich überholt hat.“  Und: „Ich habe es immer für falsch gehalten, Teile der Partei auszugrenzen. Das tue ich auch in diesem Fall.“ Weiter: „Ich habe vor einer Beobachtung überhaupt keine Angst. […] Ich erwarte, dass wir bei jeder Beobachtung nur mehr Stimmen bekommen.“

Das ist schon ein Unterschied, der klafft. Wenigstens hat Lohr uns den Gefallen getan, seine politische Zukunft als Vorsitzender der Jungen Alternative an die Entscheidung des kommenden Bundeskongresses über den Verbleib der zwei Verbände in der Gesamstruktur zu knüpfen und so bleibt die stille Hoffnung, dass wir vielleicht bald gleichermaßen von metapolitischen Fehlzündungen wie dem niedersächsischen JA-Mann Lars Steinke, als auch von Politikern allzu alten Typs wie Damian Lohr verschont bleiben.

Es gilt nach wie vor: Jugend verpflichtet. Nicht zur Dummheit, aber noch viel weniger zur Zahnlosigkeit. Und wenn für die Jungen schon ein alter Haudegen wie der Graue aus dem Bundesvorstand in die Bresche springt – das muss doch beklommen machen, das muss doch beschämen.

Unser Held heißt heute also Alexander Gauland - „Für revolutionäre Besonnenheit“, so wird es einst auf der dem Lorbeerkranz zugehörigen Tafel zu lesen sein.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (6)

quarz
10. September 2018 07:35

"seine politische Zukunft als Vorsitzender der Jungen Alternative"

Ich sehe schon vor mir, wie er nach dem Bruch beleidigt ein Buch schreibt ("Im inneren Zirkel des Bösen" oder so) und als gefeierter Aussteiger durch die Talkshows tingelt.

Andreas Walter
11. September 2018 11:48

Möchte die jungen Leute (weltweit) da aber auch etwas in Schutz nehmen.

Das gesamte Gebiet rechts des Marxismus ist extrem stark und zudem taktisch vermint und daher ohne historisches Wissen und/oder Wissen durch Reife, Erfahrung, Alter kaum sicher zu betreten.

Hinzu kommt auch noch die gezielte Desinformation und die vielen falschen Informationen, die auch nur "alte Hasen" und Kenner der Materie sicher aussondern können.

Es hat ja einen Grund, warum trotzdem so vieles auf YouTube nicht gelöscht wird, was eigentlich gar nicht veröffentlicht werden dürfte. Auch Alphabet ist darum kein Opfer von staatlich angeordneter Zensur, auch wenn sie es gerne so darstellen, mit Hundeblick.

Weltweit betrachtet spielt es aber keine Rolle, ist es nur Verwirrungstaktik, erst wer nach oben möchte, dem wird dann wo immer möglich daraus ein Strick gedreht.

Da helfen im Grunde nur private, nichtöffentliche Schulungen.

Lotta Vorbeck
11. September 2018 13:01

@Andreas Walter - 11. September 2018 - 11:48 AM

"... Da helfen im Grunde nur private, nichtöffentliche Schulungen."

_____________________________

... wie beispielsweise die 19. Sommerakdemie des IfS am zweiten Septemberwochenende 2018.

Der Kurzfilm zur 19. Sommerakademie erscheint demnächst.

Siehe auch: https://staatspolitik.de/19-ifs-sommerakademie-die-zukunft-europas/

Rodericus
11. September 2018 21:24

Das könnte das Ende der AfD sein, oder?!

In nova fert animus mutatas dicere formas
corpora...

Die Metamorphose der AfD wird durch diese politischen Ränke möglicherweise beschleunigt, da die Beobachtung durch den VS gleich einem Flaschenhals dazu führen könnte, dass eben jene ,,Steigbügelhalter" denjenigen weichen werden, die genug Mut und Drang haben, von selbst auf's Ross zu steigen.

Lassen wir uns aber nicht täuschen!

Ich denke, dass diese Schlagzeile ihre Wirkung nicht verfehlen wird, da manchmal mehr als nur eine eventuelle politische Karriere auf dem Spiel steht: Oder würden Sie als Lehramtsstudent mit Kind Ihre berufliche und damit existenzielle Zukunft riskieren?

Beste Grüße

P.S. Ich denke, dass sich jeder 1. Mose 9:7 zu Herzen nehmen sollte.

Neander vom Thal
12. September 2018 11:06

Vom Distanzierungsaktionismus kann sich die AfD wohl nicht trennen? Diese Hürde scheint zu hoch. Distanzierung spaltet. Spaltung schwächt. Schwäche....
Naja, wir wissen wo das hinführt.

Andreas Walter
12. September 2018 11:41

@Rodericus

"Ich denke, dass sich jeder 1. Mose 9:7 zu Herzen nehmen sollte."

Nö, müssen wir nicht. Wir sind schon 10 Millionen. Wir müssen uns nur auf die Hinterbeine stellen, unseren Forderungen Nachdruck verleihen lernen. Dazu müssten doch 7,5 Millionen Erwachsen reichen, selbst wenn man die Älteren dabei aussen vorlässt, damit die sich in der Zeit um die Kinder kümmern. Ihr müsst daher nur lernen, wie eine Familie zu denken, euch so zu organisieren und so auch handeln.

Dem "sich regen" (bringt Segen) stimme ich allerdings zu.

Oder hat der Kinderreichtum die Probleme in Palästina etwa gelöst, oder löst er die in der Dritten Welt?

Wehrkraft löst Probleme, Kanonenfutter sind nur die Dummen. Vorsprung durch Technik (Geist, Bildung).

https://www.youtube.com/watch?v=a251DQE2Vx0

Ein kleiner Trost? Bei nur 1,4 Kindern im Durchschnitt pro deutscher Frau ist auch da noch eine 50% Steigerung möglich. Damit wäre Gott heute auch schon zufrieden.

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