Sezession
23. September 2018

Sonntagsheld (77) – A day in the life

Till-Lucas Wessels / 18 Kommentare

"Auge um Auge, Stein um Stein"

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

  • Sezession

5:45 Uhr, irgendwo im preußischen Commonwealth: Zu den sanften Klängen des Hohenfriedbergers erhebt sich unser Held aus dem schneeweißen Linnen, das für wenige Stunden seinen drahtigen Körper deckte. Nach einer kurzen kalten Dusche tritt er vor den ausladenden Gründerzeitspiegel.

Mit wenigen, routinierten Zügen sind die stahlfarbenen Haare zu einer zuverlässigen Bürstenfrisur gerichtet, ein scharfer Rasierer befreit die markanten Wangenknochen von den düsteren Stoppeln, sodass sie in einem nüchternen Beamtengrau erstrahlen.

Mit ernsten Schritten tritt er anschließend vor den geräumigen Kleiderschrank, in dem reihenweise makellos gebügelte Hemden hängen. Als er die Wohnung verlässt bleibt sein Blick kurz am Spiegel der Flurgarderobe hängen – „Diese Welt braucht Dich“ flüstert unser Held und blickt sich dabei in die klaren Augen.

Wenig später betritt er - nach kurzer Autofahrt in einem Dieselfahrzeug -  sein Büro; auf dem eleganten Eichenholzschreibtisch wartet bereits die Post und das Montagsbriefing. Schwer liegen die buschigen Brauen auf seiner Stirn als er die Nachrichten des Tages liest – es steht schlimm um das Wohl der Nation, das wird ihm in diesen Stunden immer besonders bewusst. Mit düsteren Gedanken sortiert er die Post:

Vertriebenenverbände, eine Otto-von-Bismarck-Gesellschaft, ein Rundschreiben der RWE AG an ihre Aktionäre, abermals Vertriebenenverbände, eine Reservistenzeitung, ein Jagdmagazin; mittendrin: Die Quartalszahlen für den hauseigenen Buchversand. Zufrieden geht er die Tabellen durch – der neue Sarazzin läuft klasse, es ist ja auch ein hervorragendes Buch. Gerade will er den Bogen weglegen, als er eine plötzliche Erschütterung der konservativen Mitte spürt: Zwischen einer Adenauer-Biographie und einem Buch gegen Gendermainstreaming sticht ein Reizwort aus den sauberen Tabellen hervor.

Der große Mund, aus dem unser Held nicht müde wird zu mahnen, zieht sich säuerlich zusammen, die starken Schultern, mit denen er sich stets schützend vor das von allen Seiten verächtlich gemachte Bürgertum stellte, spannen sich an: Die Papiere verzeichnen hervorragende Verkaufszahlen zu einem kleinen Bändchen namens „Marx von rechts“ – Der Chef einer Wochenzeitung für Debatte greift zum Telefon, der freie Markt wird sich dieses Problems annehmen.

Nach einem kurzen Gespräch ist das Ärgernis entfernt – kryptokommunistische Literatur, die zur produktiven Auseinandersetzung mit dem Massenmörder Karl Marx aufruft, wird es in seinem Buchdienst nicht geben. Zu jung die Freiheit, um sie den raffgierigen Händen der Enteigner zum Fraß vorzuwerfen. Dieses Buch, da ist er sicher, es ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die von der entgrenzten Marktwirtschaft profitieren.

An diesem Tag wird unser Held bis in die Abendstunden im Büro bleiben, er grübelt an einem ernsten Problem: Wie kann er eine VS-Beobachtung der AfD verhindern? Nach langem Überlegen, analytischem Abwägen, einigen Anrufen bei alten Weggefährten und einer Tasse Kaffee kommt ihm endlich der rettende Einfall, die Lösung ist komplex: Die Partei muss sich von denen, die eine grundsätzliche Veränderung wollen, lösen und endlich wieder zu einer Partei des gesunden Menschenverstands werden!

Wenn sie sich nicht von den Sozialromantikern und Populisten trennt, wird sie sich sonst in den Augen der konservativ-bürgerlichen Wählerschaft endgültig desavouieren. Das hatte er bereits zu Lucke-Zeiten prophezeit, die aktuellen Umfrageergebnisse geben ihm Recht.

Als er zu später Stunde auf die verregneten Straßen der Hauptstadt tritt, fröstelt er – es ist Herbst geworden in der Republik, die er so liebt. Mit klammen Fingern schlägt er seinen Kragen hoch und geht mit raschen Schritten in Richtung Auto – in den Pfützen spiegelt sich sein Mantel, der wie ein Cape im Wind flattert.

An der Haustür verabschieden wir uns von unserem Helden. Er wird nicht mehr lange wach bleiben, vielleicht ein Glas Wein trinken, noch ein bisschen im Grundgesetz schmökern und sich dann zur Ruhe begeben in dem Wissen, wieder einmal die Welt vor den Feinden der Freiheit gerettet zu haben.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (18)

Der_Juergen
23. September 2018 21:19

Einer der bisher besten Beiträge von Till-Lucas Wessels.

Ich habe diesen "Stein" stets für einen Bremser gehalten, der alles tut, um das Hochkommen einer authentisch patriotisch-sozialen Rechten zu verhindern. Zum Buch "Marx von rechts" kann ich mich vorderhand nicht äussern, da ich es noch nicht gelesen habe, doch warum sollte ein Rechter bei Marx (oder bei Gramsci, oder bei sonstigen linken Ikonen) nichts Positives und heute noch Brauchbares entdecken dürfen? Solche dogmatischen Denkverbote haben in der freien Debatte, für die wir uns einsetzen, nichts verloren.

Vor ein paar Tagen las ich im Netz einen Beitrag über Finnlands Umgang mit den "Rechtspopulisten", der Partei "Wahre Finnen". Die Regierung in Helsinki hat das Problem gelöst, indem sie diese Partei an der Regierungsverantwortung beteiligte, unter der Bedingung, dass sie von "radikalen" Forderungen abrückte. Als Reaktion darauf verliessen die "Radikalen" die Partei. Somit sind die "wahren Finnen" als authentisch nationale Oppositionspartei ausgeschaltet.

Nach diesem Muster werden die intelligenteren Vertreter des deutschen Regimes auch mit der AFD umgehen wollen: Da man die Partei nicht zum Verschwinden bringen kann, wird man versuchen, sie in das antideutsche Kartell einzubetten, nachdem man sie gezwungen hat, sich von nicht korrumpierbaren Idealisten wie Björn Höcke zu trennen. Gelingt dieser Plan, ist die AFD keine Alternative für Deutschland mehr und kann bestenfalls ein paar kosmetische Korrekturen an der Politik der Deutschlandvernichter bewirken.

Auf die Unterstützung charakterlose Opportunisten wie Dieter Stein wird das Regime bei solchen Bestrebungen zählen können. Wir werden sehen, ob sich die AFD-Spitze umgarnen lassen wird.

Der Feinsinnige
23. September 2018 21:20

Die Idee, Karl Marx von rechts bzw. von konservativer Seite zu lesen, ist nicht so ganz neu.

Meiner sicheren Erinnerung nach habe ich vor Jahrzehnten bereits von Konrad Adam (wohl noch in der FAZ) gelesen, daß Marx in seiner Geschichtsanalyse in weiten Teilen richtig gelegen habe, nicht jedoch in seinen Schlußfolgerungen, ein Gedanke, der mich damals sehr nachdenklich gemacht hat, gerade weil er von einem dezidiert konservativen Publizisten kam und ich bis heute eine (mir als Wessi durchaus anerzogene) Hemmschwelle gegenüber Karl Marx bewahrt habe.

Auch Günter Rohrmoser hat sich ausführlich mit Karl Marx auseinandergesetzt, z.B. im Buch „Der Ernstfall“ (1994). Rohrmoser schreibt unter anderem, daß es Marx um „die wahre Wissenschaft von der Geschichte“ gegangen sei und daß Marx angenommen habe, „das Rätsel der Geschichte“ gelöst zu haben. (S. 34), dagegen nicht etwa ein Modell einer sozialistischen Gesellschaft entwickelt zu haben (S. 42). Die „Idee des Sozialismus“ (im Unterschied zu der von ihm beabsichtigten Wissenschaft) habe er als „utopischen Sozialismus“ abgelehnt (S. 34).

Schon angesichts der beiden genannten Autoren halte ich die Idee, die Marx´sche Philosophie nunmehr auch von „neu rechts“ zu betrachten, für völlig unspektakulär, jedoch für durchaus spannend. Nachdem nun ausgerechnet die JF das Buch „Marx von rechts“ aus ihrem Angebot gestrichen hat, beginne ich, mich ernstlich dafür zu interessieren.

Gustav Grambauer
23. September 2018 21:32

"Nach langem Überlegen, analytischem Abwägen, einigen Anrufen bei alten Weggefährten und einer Tasse Kaffee ..."

Es ist nicht einfach eine "Tasse" sondern eine im Showroom des Flagship Store der KPM in Auftrag gegebene Prätiose mit den an "FR" (für Fridericus Rex) stilistisch angelehnten Initialen des Helden, die auf der Vorderseite die Glaskuppel des Bundestages im Reichstagsgebäude mit Quadriga und auf der Rückseite ein ebenfalls handlasiertes ovales Abbild des Antlitzes des Helden zieren, und deren satt-doublégeränderte Untertasse mit dem Motto der Garnisonenkirche geschmückt ist: "Üb immer Treu und Redlichkeit!", angemessen in Fraktur und von Lorbeer mit Quasten umkränzt, in einem raffinierten und künstlerisch anspruchsvollen Crossover von Klassizismus III, Gründerzeit II und Postmoderne. Außenstehende, zumal Anhaltiner, können niemals die identitätsstiftende und seelenstabilisierende Emotionalität des KPM-Porzellans, selbstverständlich 100 % Made in Germany und Premium-Segment, für die in der Republik - jawohl! - angekommenen Kulturträger des Preußentums ermessen, geschweige denn deren existentielles Durchleben all der wirtschaftlichen Höhen und Tiefen dieser Porzellanmanufaktur als Bastion des Konservatismus im rotgrün-versifften Berlin! Es ist für einen Preußen, der noch etwas auf sich hält, nicht nur eine Ehre sondern geradezu eine patriotische Pflicht, die Jacobs-Krönung aus Berlin-Neukölln, ja: sehr wohl Berlin-Neukölln!, aus einer standesgemäßen KPM-Tasse zu genießen, auch z. B. sonntags beim Picknick mit Gleichgesinnten in den Gärten der SPKB, wo man besonders wirklichkeitsnah über KPM-Porzellan fachsimpeln kann!

Haben die am Hohenzollerndamm eigentlich damals die Listung von "Wie der Stahl gehärtet wurde" mit dem Vorwort von Benedikt Kaiser bei Antaios zufällig mitbekommen? Wenn ja: irgendwie müssen die die Nachricht davon ja überlebt haben ...

- G. G.

Frieda Helbig
23. September 2018 21:46

Dafür, daß Herr Stein so brav ist, hat ihn nun Liane lieb. Na, wenn das nichts ist...

Mich verwundert vielmehr, daß er damit ja seinem Stammautor Benoist in den Rücken fällt, wenn er das Buch via Twitter als Armutszeugnis beschreibt...

Max Piccolomini
23. September 2018 23:00

Sarkasmus hatten wir bisher noch nicht in dieser Reihe, oder? Da werden wir also in Zukunft bei der Zählung der Sonntagshelden immer -1 hinzudenken müssen.

Lotta Vorbeck
23. September 2018 23:28

Es begann damit, daß er "eine neue deutsche Nation" zu erfinden müssen glaubte. - Mag Mamor und Eisen auch brechen, Stein mit seinem Wochenblatt für cuckservatives Opportunistentum bleibt sich treu!

Stil-Bluete
24. September 2018 12:19

'//Die Steine, ach, so schwer sie sind//, die Steine/.
Sie haben nicht Ruh bei Tag und Nacht
//sind stets auf Wanderschaft bedacht//
//die Steine//...'

Ganz schön kryptisch, 'Stein & Bein schwören'? Doch noch dahinter gekommen. Aber - hat der Stein Ellen Kositza nicht den 'Löwenthal-Preis' verliehen'?

Auch wenn es die geliebten Beatles sind, die 'A day in the life' geprägt haben: Müssen diese Zitate auf Englisch sein?

Der_Juergen
24. September 2018 12:55

@Stil-Bluete

Ich weiss nicht, ob Ellen Kositza heute noch einen Preis aus den Händen von Dieter Stein entgegennehmen würde, insbesondere einen Löwenthal-Preis. An Löwenthals ZDF-Magazin der siebziger Jahre erinnere ich mich noch gut. Damals war ich strammer Antikommunist und Franz-Josef-Strauss-Fan, und Löwenthals Sendung erschien mir als willkommene Alternative zu linken Programmen wie "Panorama".

Inzwischen habe ich dazugelernt. Natürlich liefen Sendungen wie das ZDF-Magazin darauf hinaus, den kalten Krieg und damit die Abhängigkeit der BRD von der amerikanischen Hegemonialmacht sowie die
Spaltung Deutschlands zu verewigen. Zugleich diente die antikommunistische Berieselung der herrschenden Schicht der BRD, die damals natürlich um Längen besser war als heute, als ideologische Rechtfertigung zur Zementierung ihrer Macht. Wem ständig unter die Nase gerieben wurde, wie schrecklich unfrei doch die Deutschen jenseits der Mauer waren, der geriet kaum in Versuchung, einmal der Frage nachzugehen, wie frei die politische Debatte eigentlich im Westen war. Dort wurde nämlich genau so manipuliert und gelogen wie im Osten, nur unendlich viel subtiler.

W. Wagner
24. September 2018 13:02

Muss das wirklich so weitergehen? Dieses Sticheln von der einen wie von der anderen Seite? Bei der JF sammeln sich jene, um Sezession die anderen, lassen wir es doch dabei - Überschneidungen gibt es sowieso. Es gibt wahrlich andere Aufgaben, als sich gegenseitig immer neu anzugehen.
Und zu „Marx von rechts“ muss man sagen, dass es einen hervorragenden Text zum Verständnis des Themas von Benedikt Kaiser gibt, dass aber der Text von Diego Fusaro, der in Italien eine wichtige Rolle zwischen rechts und links und selbst im Fernsehn spielt, so schlecht übersetzt wurde, dass er eigentlich unverständlich bleibt. Fusaro ist von Bedeutung, in der Buchladenkette Feltrinelli hat er unter den Philosophen sein eigenes Namensschildchen, auf YouTube findet man viel von ihm. Seine Bekanntmachung in „Marx von rechts“ ist zunächst für Deutschland leider misslungen.
Sticheleien verletzen, aber der Klügere nimmt die Kritik auf, wandelt sie um; Selbstkritik hilft dabei auch. Ansonsten bin ich auf Wessels erstes Buch gespannt ...

Benedikt Kaiser
24. September 2018 15:05

@Der Freisinnige:

Danke für Ihre Ergänzung. In meinem einleitenden (vielleicht ein wenig zu ausführlichen) Exkurs über konservative/rechte Marx-Rezeption in »Marx von rechts« habe ich einige – längst nicht alle – Auseinandersetzungen "unseres" Feldes mit Marx skizziert. Leider stieß ich erst nach der Niederschrift des Buchbeitrags auf das wunderbare Buch »Zur Tyrannei der Werte« von Eberhard Straub. Das hätte ich gerne noch berücksichtigt.

Old Linkerhand
24. September 2018 15:46

Vorbei sind die Zeiten als die Burgfrolleins noch mit ihrem Teddybär Dieter Stein spielten. Vorbei auch die Zeiten als die junge Junge Freiheit - noch in Potsdam sitzend - ihren kläglichen, aber treuen 2000 Abonnenten halbjährlich schriftlich dankte. Damals gab es die JF mit wenig Seiten und schwarz/weiß
( meistens kam sie Donnerstag in den Briefkasten, oftmals auch nicht... ), aber immer mit immenser geistiger Sprengkraft. Und nicht wenige Leser machten Doris Neujahr euphorische Heiratsanträge. Heute sitzt man am Eichentisch und betreibt Weltpolitik und wenn es zur Weltpolitik nicht reicht, gibt es immer noch Wirtschaft, Kernenergie, Westbindung und BRD- Strebertum.

Halenberg
24. September 2018 15:50

Was für ein Kinderkram.

@ Juergen: Die Patriotische Plattform beantragt Selbstauflösung, so kann man lesen.
Eine Nachricht, die man gerne hört.

Thomas Martini
24. September 2018 16:57

"Vorbei sind die Zeiten als die Burgfrolleins noch mit ihrem Teddybär Dieter Stein spielten. Vorbei auch die Zeiten als die junge Junge Freiheit - noch in Potsdam sitzend - ihren kläglichen, aber treuen 2000 Abonnenten halbjährlich schriftlich dankte."

"Was die AfD politisch anfassen möchte, faßt die JF als publizistisches Organ nun auf der anderen Seite an. Sie geht auf die AfD zu, das ist unbestreitbar so, sie entkleidet sich des Images, ein Szeneblatt zu sein. Sie kann mit dieser Szene nichts anfangen, sie macht sich nicht gemein mit dieser Szene. Geht nicht auf Messen und Zusammenkünfte dieser Szene, deren Mutterschiff sie eigentlich ist. Sie hat kein Interesse, sich mit Verlagen zu treffen, die das jetzt nicht so machen wie die JF. Und so weiter, und so fort. Es ist soweit, daß die JF sagt, man verabschiedet sich von einem politischen Maximalziel und zielt jetzt auf ein Machbares. Man argumentiert nicht mehr fundamental, sondern realpolitisch. Und damit stellt sich die Frage, ob aus dieser Perspektive ein Sarrazin, eine AfD eine Ausweitung der Kampfzone sind - oder doch vor allem Kantenscheren, die bestimmen, was noch debattierbar ist und was nicht." (Götz Kubitschek, Tristesse Droite - Die Abende von Schnellroda, S. 127)

Man kann davon ausgehen, daß die AfD absolut kein Interesse daran hat, Marx von rechts zu begreifen. Die Verbindung JF und AfD sollte man in diesem Zusammenhang also nicht außer acht lassen.

Solution
24. September 2018 19:58

Die JF ist der "rechte" Flügel der Systempresse. Stein ist in einigen Punkten bereits ein politischer Gegner. Dennoch plädiere auch ich dafür, sich nicht zu verfeinden. Vielleicht sollte man sich einfach gegenseitig ignorieren. Über die laue JF kommt so mancher zu uns, der mehr sucht, als das, was Stein ihm bietet.

Das Buch "Marx von rechts" kann ich nach dessen Lektüre nur empfehlen. Ein Freund, dem ich ein Exemplar schenkte, sieht das auch so.

Ebenso empfehle ich die Originallektüre von Marx. Wie will man denn mitreden, wenn man seinen Gegner nicht genauestens studiert?

Bevor man sich ein Urteil bildet, muß man ergebnisoffen alle Argumente wägen. Wir sind den Linken gerade darin überlegen, daß wie beide Seiten lesen. Daß wir uns für die rechte entschieden haben, ist der Realität geschuldet. Daß die Linke uns nicht liest, ist ihr Problem, denn dadurch sind wir immer im Vorteil.

Nach der Lektüre des Buches wird wohl kaum jemand Marxist werden. Dennoch war er ein Denker, der eine enorme Wirkung bis heute hat und alleine schon als Übung für den Verstand nützlich ist.

Übrigens: Wo bleibt denn die Unterstützung der "Kapitalisten", der Reichen und Vermögenden für die Rechte? Sie rühren keinen Finger für uns. Sie sind die wahren Systemprofiteure und sehen uns als gefährliche Unruhestifter. Da, wo das Nationale und das Soziale zusammenkommen, wird es für die Systemprofiteure eng.

Simplicius Teutsch
24. September 2018 22:12

Eine unterhaltsame, amüsante Glosse für Insider des rechten Spektrums, aber ich stimme @W.Wagner zu: Wir (die Kommentatoren) sollten die Sticheleien nicht übertreiben. Dieter Stein will sein Flaggschiff JF von gefährlichen Klippen fern- und unter allen(!) Umständen über Wasser halten. Ich nehme an, er geht bei seinen Überlegungen davon aus, dass dem linken medial-politischen Regime, wenn seine Akteure es für notwendig halten, jede moralisch verwerfliche Sauerei recht ist, um ihre Übermacht zu erhalten.

Ja, Dieter Stein darf stolz auf seine bisherige Lebensleistung sein, wenngleich ich seine erhobenen Zeigefinger-Kommentare gar nicht so gern lese. Was dürfen wir von ihm erwarten? Was kann er schon viel erreichen, bei einer Reichweite von wöchentlich 30.000 gedruckten JF-Exemplaren, die dann doch immer wieder die gleichen, wenigen Leute lesen? Allerdings kommt noch JF-online mit seinen teils relativ aktuellen, das Realitätsgeschehen ergänzenden Berichten hinzu, und der JF-Bücherverlag.

Ich finde die JF eine hervorragende Wochenzeitung und wünsche ihr von ganzem Herzen die 100-fache Auflage, um eine starke Öffentlichkeit für rechte Themen herzustellen. Ich muss nicht jedem Autor und Artikel zustimmen können.

Und es ist ja nicht nur der Durchblicker Thorsten Hinz, der alleine das JF-Abo wert ist. Kürzlich stand auf Seite 2 – nur als ein Beispiel von sehr vielen - ein echt guter Artikel von KURT ZACH über die hinterfotzigen, mittlerweile aus der Verzweiflung geborenen Motive der etablierten Parteien, die Kandidaten, Mitglieder und Wähler der AfD einzuschüchtern und mit der Kriminalisierung durch den „Verfassungsschutz“ abzuschrecken. Nachzulesen im Internet: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/verzweifelte-attacke/

Ich habe keinen Grund Herrn Kubitschek zu schmeicheln. Aber er hat eigentlich immer Recht. Solche einfachen Erkenntnisse sind es, die mich immer wieder automatisch auf seiner Seite stehen lassen: „Kurze Gedächtnisübung: Der Gegner befindet sich außerhalb der Partei. Außerhalb! AUSSERHALB!!“ - Von eingeschleusten U-Booten und Profilneurotikern natürlich abgesehen. Man denke nur an die Giftschlange Frauke Petri.

Andrenio
25. September 2018 08:17

Ich gebe zu: Als neulich soundsoviel Wochen JF zusammen mit Sarrazin für wenig Geld angeboten wurde, juckte der Finger an der Taste.
Ich gehörte zu den ersten Abonnenten, schon vor dem Umzug nach Berlin.

Dann aber ließ ich den Verrat Steins an seinen frühen Weggenossen Revue passieren, die Affaire um die Criticon-Nachfolge/Konservative Bibliothek, den unverschämten Wehl-Artikel u.v.a.m. und schon zog ich,den Finger weg vom Überweisungsknopf.

Dass Stein bei der AfD mehrmals in der falschen Schublade fingerte, das habe ich ihm herzlich gegönnt. Erst sich bei Lucke anbiedern, dann um Frauke herumschwänzeln...

Roi Henry
25. September 2018 15:42

Die SiN verkommt zu einer Postille. Man spricht über Menschen wie Stein. Wie billig ist das? Fontane und Raabe sind um Meilen besser. Ich bin entsetzt.

Das blaue Quadrat
25. September 2018 19:21

Wohlan denn. Beginnen wir mit dem wohlwollenden Ignorieren. Die Bezugsgebühr ist vermutlich als Spende bei 1 % ebenso gut aufgehoben, wenn nicht gar... Aus, wohlwollend haben wir gesagt!

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