Sezession
15. Oktober 2018

Sonntagsheld (80) – Wo sind sie, die vom breiten Stein…

Till-Lucas Wessels / 11 Kommentare

...nicht wankten und nicht wichen?

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Alle paar Jahre erinnern sich die Drehbuch-Schreiberlinge der einschlägigen öffentlich-rechtlichen Krimiserien von SOKO XY bis hin zum heiligen tatort jener verschmißten und stets gut gekleideten korporierten Kommilitonen, auf deren Häuser sie sich zu Studienzeiten nicht getraut haben. Von solcherlei Sehnsucht nach der Zeit an der eigenen alma mater ergriffen, klicken sie sich nächtelang durch Wikipediaartikel, schreiben hilflose Mails an die linken Verbindungsexperten, für deren Vorträge sie sich damals nicht interessiert haben und kochen sich aus diesem Sud von Sekundär- und Tertiärinformationen ein seichtes Süppchen.

Jedem, der einmal ein Verbindungshaus von innen gesehen hat, gereichen diese Machwerke finkenhafter Unbeholfenheit vor allem zum Amüsement. So genießt etwa der Münsteraner tatort mit dem charmanten Titel „Satisfaktion“ einen regelrechten Kultstatus unter Verbindungsstudenten; allerdings liegt das vermutlich eher daran, daß in jenem Fall durch den geschickten Einbau so mancher korporativer Schrulle ein durchaus realitätsnahes Bild dargestellt wird.

Anders hingegen eine aktuelle Produktion des ZDF, die vor kurzem unter dem Titel „SOKO Stuttgart – Goldene Zeit“ ausgestrahlt wurde. Der Plot ist rasch zusammengefaßt: Ein Mitglied der Burschenschafte Aurea Aetas Stuttgart wird erstochen auf dem Paukboden des Hauses gefunden. Tatwaffe ist – wie könnte es anders sein – ein Mensurschläger, der dem jungen Mann von hinten durch den Brustkorb gerammt wurde.

Auch sonst findet sich in der Aurea Aetas all‘ das, was sich ein findiger Rechercheur an Unheimlichkeit hinter den schweren, mit Wappen und Zirkeln beschnitzten Holztüren der Verbindungshäuser vorstellen kann: Frauen als willenlose Schmuckstücke der angesehen Burschen, ein Chargierter mit Hitler-Komplex, der seine Untergebenen mit Stasimethoden unter Druck setzt, brutalste Saufrituale für das einzige Jungmitglied, durch dessen weniger wohlhabenden sozialen Hintergrund die „Burschenschaftsbrüder“ ihren Elitismus gefährdet sehen und ein mächtiger Alter Herr, der mit staubtrockener Prinzipientreue auf den Conventen die Zügel in der Hand hält.

Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als für solch eine filmische Leistung diese Woche den goldenen Lorbeerzweig zu verleihen. Ob die taffe Kommissarin das Komplott der Bundesbrüder aufdecken kann, wer wen zum Duell fordert und wie ein Bierjunge geht (Spoiler: So nicht), das erfahren meine geschätzten Leser hier. Wohl bekomm’s!

 


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (11)

Maiordomus
15. Oktober 2018 06:44

Dass "Tatort" heute in den Feuilletons der Zeitungen unter "Kultur" läuft, gehört zu den nachgerade am stärksten zu denken gebenden Belegen und Symptomen einer absoluten Nullepoche des öffentlichen Geisteslebens.

Thomas Martini
15. Oktober 2018 07:49

@An die Redaktion

Ein knapper Nachtrag zu dem Satz: "Die Neigung, sich in die eigene Tasche zu lügen, und Unbequemen aus dem Weg zu gehen, ist der Pferdefuß der Deutschen."

Mathäus 7, 3 - Vom Richten: "Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?"

Dazu kann ich nur sagen, daß ich immer selbstkritisch bin, und um ehrlich zu sein: Auch bei mir erkenne ich eine tragische "Ambivalenz" zwischen Denken und Handeln. Allerdings arbeite ich hart an mir, hinterfrage mich und meine Ansichten täglich, nicht bloß zur Selbstvergewisserung. Sollte man jedoch hier bei der Sezession zu dem Schluß kommen, daß ich nur ein notorischer Querkopf und Störenfried bin, und meine Schonungslosigkeit und Offenheit "der Sache" schadet, dann muß man mir das halt sagen, oder meine Kommentare einfach in den Spam-Ordner verschieben.

Kommentar Redaktion:
Es gibt zwischen Kritik und manischer Klugscheißerei einen Unterschied. Ihn zu kennen, ist die Voraussetzung jedes konstruktiven Beitrags.

John Haase
15. Oktober 2018 08:20

Wenn Rechte in Soko Tatort 110 auftauchen, dann haben sie die Tat meist nicht begangen, aber dafür eine andere. Und sie sind eben doch Schweine!

Thomas Martini
15. Oktober 2018 16:19

"Kommentar Redaktion:
Es gibt zwischen Kritik und manischer Klugscheißerei einen Unterschied. Ihn zu kennen, ist die Voraussetzung jedes konstruktiven Beitrags."

Auszug aus dem Buch "Tristesse Droite":

Raskolnikow: "Ich weiß auch gar nicht, ob die Hoffnung immer so ein Ausmaß annehmen muß. Also ich hab' keine Hoffnung, daß es in Deutschland oder Europa wieder so wird wie im Mittelalter.[...] Vielleicht muß man nicht ganz so gierig sein."

Kositza: "Das ist ja nicht gierig. Also: Was bedeutet Ihnen das Volk? Ist es Ihnen Wurst?"

Raskolnikow: "Ja."

Kubitschek: "Mir ist es nicht egal".

Das war für mich die schönste und hoffnungsvollste Stelle in dem ganzen Buch, der Moment als Herr Kubitschek Raskolnikow entgegenhielt: "Mir ist es nicht egal".

Mir auch nicht. Und vielleicht ist dies das einzige Band, das uns vereint. Ich für meinen Teil hoffe sehr, daß dieses Band nicht zerreißt.

In den vergangenen Tagen habe ich mir sehr oft die Frage gestellt, was die wahre Motivation hinter der dem "PR-Coup" ist, die der Antaios Verlag auf der Frankfurter Buchmesse abzog. Die Antwort auf diese Frage findet sich auch in dem Büchlein "Tristesse Droite".

Dahinter steckt eben vorwiegend die Enttäuschung darüber, daß man trotz seiner herausragenden Bildung nie von der bundesdeutschen Intelligenzija anerkannt und akzeptiert wurde. Es ist die Verbitterung darüber, daß man nicht den gesellschaftlichen Status genießt, der einem auf Grund eigener intellektueller Verdienste und Leistungen zusteht. Mit der Frage nach dem habituellen Unterschied zwischen einem Fußballstadion und Halle 4.1 auf der Frankfurter Buchmesse, gaben Sie mir selbst wieder zu verstehen, wofür Sie in erster Linie kämpfen.

Das ist alles vertretbar und auch nachvollziehbar, man möchte für sein Lebenswerk die verdiente Anerkennung und Aufmerksamkeit, was nur allzu menschlisch ist. Aber um einen Punkt kommen Sie nicht herum: Den einfachen Deutschen und die einfache Deutsche auf der Straße, interessiert es nicht die Bohne, ob Sie dem Medienkartell in der BRD ein lokimäßiges Schnippchen geschlagen haben. Habe mich wie üblich umgehört, und niemand aus meinem Umfeld hat von den Vorgängen auf der Frankfurter Buchmesse Notiz genommen.

"Da kommen wir zu der Frage, mit wem man sich noch verbunden fühlt. Wo also das klammernde Kriterium ist. Die Fremdheit den Niederungen des eigenen Volkes gegenüber, ist etwas das sich so durchzieht." - Götz Kubitschek, "Tristesse Droite", S. 151

Die Niederungen des eigenen Volkes vertrete ich hier. Es sollte sich wohl rumgesprochen haben, daß ich nur ein einfacher Arbeiter bin, und zu mehr als einem mittelmäßigen Realschulabschluß hat es bei mir halt nicht gereicht. Um mir und meinen Anliegen Gehör zu verschaffen, bleibt mir daher gar keine andere Möglichkeit als mich den Mitteln der Polemik, der Bissigkeit und des Spotts zu bedienen. Ja, ich feuere Giftpfeile ab, um den Autoren und Lesern bei Sezession Denkanstöße zu verpassen, und ja, meine Wortmeldungen sind in den wenigsten Fällen konstruktiv zu verstehen. Leser, die Ihren pragmatischen Kurs uneingeschränkt und vollumfänglich unterstützen, haben Sie zudem genug.

Sollte ich mit meinen Spitzfindigkeiten in den letzten Tagen zu weit gegangen sein, dann tut es mir leid. Mir fällt es leicht, Fehler einzugestehen, denn ich habe dadurch wenig an Ansehen zu verlieren.

Dennoch bin ich mittlerweile wieder an dem Punkt, wo sich für mich persönlich die Frage stellt, was ich denn noch hier soll, wenn es Ihnen sowieso nicht darum geht, "die Niederungen" des deutschen Volkes zu erreichen, das heißt jene entwurzelte Lach- und Spaßgesellschaft, in der ich mich bewege und aus der es für mich auch keinen Ausweg gibt. Warum sollte ich sie weiterhin finanziell unterstützen, bei Ihnen Bücher bestellen, Ihre rechtsintellektuelle Zeitschrift weiterhin abonnieren, wenn es letztlich so ist, daß wir grundverschiedene Klientels im Visier haben?

Was ich von den Konservativen und Gutbürgerlichen in der BRD halte, lässt sich in höflichen Worten höchstens so sagen: Ich habe nichts für sie übrig. Mir dämmert aber so langsam, daß ich manischer Klugscheißer so blöd bin, eben jene Bourgeoisie auch noch zu füttern.

deutscheridentitaerer
15. Oktober 2018 22:44

@Martini

Das ist schön, dass Ihnen das deutsche Volk nicht egal ist. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht wirklich vorstellen, dass es Raskolnikow egal ist.

Auch wenn Sie hier teils recht unverschämt auftreten, frage ich mich, warum Sie sich mit "Niederungen" des Volkes angesprochen fühlen.

Ich verstehe unter dieser Formulierung einerseits das Hartz4-Prekariat und das verdummte Akademikermilieu andrerseits. Zu beidem scheinen Sie sich nicht zu zählen. Auch fehlt es Ihnen scheinbar nicht an Anteilnahme an dem bedauernswerten Schicksals unseres Volkes, auch das kein niederer Wesenszug.

Trotzdem sollten Sie manche Sachen nochmal überdenken. Mag sein, dass niemand in ihrer Umgebung von Kubitscheks Buchmessencoup gehört hat. Das ist in meinem akademischen Umfeld übrigens ganz genauso. Darum geht es aber nicht. Ist es so schwer zu verstehen, dass ein politischer Kampf auf mehreren Ebenen mit den entsprechenden Mitteln geführt werden muss.

Wie Sie ja als Leser dieser Seite wissen, wurde Kubitschek und seine Frau ja im Zuge eben dieser Messe Opfer einer schweren Prügelattacke. Kommt Ihnen angesichts dieser Opferbereitschaft für unsere Sache wirklich angemessen vor, diesen Leuten eine bürgerliche Gefallsucht zu unterstellen?

nom de guerre
15. Oktober 2018 22:47

@ Thomas Martini
Sie schreiben: "Mit der Frage nach dem habituellen Unterschied zwischen einem Fußballstadion und Halle 4.1 auf der Frankfurter Buchmesse, gaben Sie mir selbst wieder zu verstehen, wofür Sie in erster Linie kämpfen.
[...] Aber um einen Punkt kommen Sie nicht herum: Den einfachen Deutschen und die einfache Deutsche auf der Straße, interessiert es nicht die Bohne, ob Sie dem Medienkartell in der BRD ein lokimäßiges Schnippchen geschlagen haben."
Dazu folgender Gedankenanstoß (wobei meine Frage eigentlich einen eigenen Artikel wert wäre bzw. hier mglw. schon früher behandelt wurde): Kommt es darauf, ob sich der "einfache Deutsche" für jede einzelne derartige Aktion interessiert, denn wirklich an? Muss man zwingend immer das Fußballstadion erreichen (wollen), um erfolgreich zu sein? Ich möchte hier keine Diskussion über die 68er aufmachen, musste aber bei Ihrem Kommentar an die mir aus dem Familien-/Bekanntenkreis berichteten Reaktionen der nichtakademischen Bevölkerung auf deren Ideen denken. Meine Wenigkeit hatte zwei bäuerliche Großväter, wobei der eine es sich leistete, selbst zu denken (weit rechts übrigens), und der andere ein "einfacher Deutscher" war. Letzterer sagte zu Demonstrationen, Frankfurter Hausbesetzungen und allem anderen, was "die Langhaarigen" in den 70ern und frühen 80ern taten, regelmäßig nur: "Die wolln all naut schaffe" (muss ich wahrscheinlich nicht übersetzen). Mit dieser ablehnenden und von völligem Unverständnis geprägten Haltung war er weder in seiner eigenen Generation alleine, noch in der meiner Eltern, soweit es um ein nichtakademisches Umfeld ging. Aber hat dieser fehlende Rückhalt der einfachen Deutschen die 68er daran gehindert, ihren Marsch durch die Institutionen anzutreten und bis heute die Diskurshoheit innezuhaben? Bekanntermaßen nicht. (Übrigens m.E. gerade weil man solchen "einfachen" Leuten relativ problemlos etwa Gesamtschulen aufdrücken konnte, an denen die linke Indoktrination der Kinder schon sehr früh begann.)

Mir ist schon klar, dass man die damalige Situation nicht unmittelbar mit der heutigen vergleichen kann, aber zu sagen, wer (meta)politisch etwas erreichen will, sollte stets bzw. ausschließlich die breite Masse ansprechen, sodass also PI-News eine Daseinsberechtigung hätte, die Sezession aber nicht, halte ich für falsch. Dass man nicht jedes Publikum auf die gleiche Art erreichen kann, dürfte doch eigentlich eine Binsenwahrheit sein.

John Haase
15. Oktober 2018 22:54

Es würde mich sehr sehr wundern, wenn auch nur ein einziger Sezession-Autor oder mehr als zehn Prozent der Kommentatoren hier darüber enttäuscht wären, von der bundesdeutschen Intelligenzija nicht als gleichwertig anerkannt zu werden. Tatsächlich wäre es geradezu ein Schlag vor den Kopf, von überhaupt irgendeiner Intelligenzija anerkannt zu werden.

Ich für meinen Teil möchte eine andere Gesellschaft, in der die bundesdeutsche Intelligenzija als Ordner bei Fußballspielen arbeiten muß, in der sie Windräder abreißen muß, in der ihre Nachttischlampen mit Dieselmotoren Klasse 4 betrieben werden, in der sie nachts in Großstädten in Zweierteams nur mit dem Grundgesetz bewaffnet Migranten auf Messer kontrollieren muss und in der sie vor allem das Maul hält. Zu so einer Geselllschaft und deren „Intelligenzija“ möchte ich gehören.

Maiordomus
17. Oktober 2018 08:05

@John Haase. Ihre Frustrations-Phantasien erinnern mich ein wenig an den Umgang von Pol Pot u. Co. mit den Intellektuellen, auch an Elemente der chinesischen Kulturrevolution und nicht zu vergessen an den Stalinismus. Vergleichen Sie mal den ersten Band des Archipel Gulag von Solschenizyn. Selber halte ich Leute mit nach weiland Kambodscha ausgerichteten Phantasien für die Politik nicht für geeignet. Übrigens, wenn Sie sich für einen Vertreter einer alternativen Intelligenzija halten würden, müssten Sie, wie auch Martini, zuerst mal wenigstens etwas Mittelgrosses auf geistigem Gebiet zur Debatte stellen, wenn möglich nicht schlechter als Botho Strauss oder Hans Magnus Enzensberger. Ressentiments und Frust allein genügen nicht, wenn ich nur schon an die AfD von Bayern denke, die ihr wirklich miserables Resultat sich zumindest 75% selber zuschreiben muss. Man stelle sich vor, diese Leute hätten 51% gemacht und müssten bei ihrer ungenügenden personellen Basis in jenem im europäischen Vergleich doch mehr als nur passablen Land/Bundesland nun plötzlich Verantwortung übernehmen! Allerdings wäre eine Koalition der CSU mit den Grünen nun mal wirklich der GAU gewesen. Aber wirklich: für angeblich "manische Klugscheisserei" muss man sich erst mal als klug ausweisen.

Nun doch noch eine angemessene Kritik an der spiessbürgerlichen Rechten. Ein Redakteur der "Welt", der sich für rechts hält, schwärmt von Ernst Jünger, John Wayne und Franz Josef Strauss, wobei ich mir die Frage stelle, ob er damals, als diese Leute wirklich umstritten waren, wirklich zu diesen gestanden ist, zu schweigen davon, dass Strauss nun mal auch noch seine höchst fragwürdige semikorrupte "Amigo"-Seite hatte, und schliesslich kommen die "Green Berets" von Wayne nie die Schilderungen der Kriege bei Ernst Jünger ran, aber das kann man ja vielleicht durchgehen lassen. Aber es ist schon klar, man muss sich, wenn man politische Opposition machen will, auch mit Leuten abgeben und sich mit diesen sogar begnügen, die nicht nur bedeutendes Format haben. Einerseits gibt es die ängstlichen Hosenscheisser, andererseits die ignoranten Fanatiker. Nur sollten wohl die dummen oder naiven Rechten etwas zurückgebunden werden, Frauke Petry zum Beispiel hielt ich immer für politisch nicht begabt und oft naiver als die Polizei erlaubt. Und natürlich kann man sich über im Prinzip sehr wohl informierte Bürgerliche aufregen, die wissen, was falsch läuft, so wie bei Fontane Vater Briest, die aber wie jener alles ein "viel zu weites Feld" finden und in diesem Sinn entgegen besserer Einsicht für Verbesserungen ausfallen. Es stimmt wohl auch nicht pauschal, dass die deutsche Rechte vor Putins Russland auf allen Vieren liegt; war vor zwei Monaten selber in St. Petersburg mit Kontakten mit der russischen zaristischen Rechten. Am meisten machte mir Eindruck, dass es unter ihnen ausgezeichnet informierte Leute gibt, obwohl und gerade weil sie das russische Fernsehen, das Radio und die Presse so gut wie vollständig boykottieren, aber eben dank intellektueller Grundlagenarbeit über das Land so gut im Bild sind, wie wir über Westeuropa im Bild sein sollten und es oftmals eben doch nicht sind.

Es ist ferner wahr, dass die Grenzen der Meinungsfreiheit fast schon immer so gesteckt waren, dass dieselbe dort aufhört, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten beginnen. Wie es selbst in meinem Land ist, können Sie über Google bei Kongress Antifeminismus Referate 2011 nachschauen. Sie werden kaum glauben, dass ich für mein allerdings auswendig gehaltenes hochakademisches Referat, mit einigen Versprechern, etwa "Antisemitismus" statt "Antifeminismus" und dergleichen, nach 24 Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Lehrerfortbildner per sofort "nicht weiterbeschäftigt" wurde. Ich weiss sehr wohl, was man riskiert, wenn man Glaubenssätze unserer Zeit in Frage zu stellen wagt. Es ist trotzdem nicht so, dass man nicht immer wieder bei denjenigen, die sich im Geistesleben sogar einigermassen erfolgreich betätigen, nicht doch wesentliche und weiterführende, sogar kritische Gedanken finden würde. Dabei gibt es jedoch in unserem Geistesleben tatsächlich "Emanzipationsdefizite", wie ich im Titel meines Referates beim Antifeminismus-Kongress 2011 schon andeutete. Ich habe dort nicht nur Meinungen zum Besten gegeben, sondern durchaus Forschungserträge, zum Beispiel zur Homosexuellenforschung, referiert. Es war ein Aufruf an frustrierte heterosexuelle Männer, sich beim Kampf um ihre Benachteiligung bei Scheidungs- und Kindsrechtsangelegenheiten die Homosexuellenbewegung zumindest formal zum Vorbild zu nehmen. Es stimmt natürlich, da bin ich mit Sellner durchaus nicht gegenteiliger Meinung, dass man im politischen Kampf von den Linken des Jahres 1968 doch dies und jenes lernen kann.

Thomas Martini
17. Oktober 2018 10:48

@deutschidentitärer

"Das ist schön, dass Ihnen das deutsche Volk nicht egal ist. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht wirklich vorstellen, dass es Raskolnikow egal ist."

"Raskolnikow: Wenn's jetzt so steht, hört sich's gemein an. Das Volk ist mir Wurst, aber der Einzelne ist mir nicht Wurst. Ich unterscheide da schon sehr. Mir ist das Schicksal des Bauern um die Ecke und des Schlossers im Blaumann nicht Wurst, aber das Volk als Plural ist mir vollkommen egal. Weil die nur Unfug treiben. Und auch immer Unfug treiben werden. Der Haufen hat immer Unfug getrieben. Das war auch im hohen Mittelalter so. Da waren die Menschen ja nicht besser. Die haben immer die falschen Entscheidungen getroffen." Tristesse Droite, S. 145/146

@Nom de Guerre:

"Dazu folgender Gedankenanstoß (wobei meine Frage eigentlich einen eigenen Artikel wert wäre bzw. hier mglw. schon früher behandelt wurde): Kommt es darauf, ob sich der "einfache Deutsche" für jede einzelne derartige Aktion interessiert, denn wirklich an? Muss man zwingend immer das Fußballstadion erreichen (wollen), um erfolgreich zu sein?"

Ich hatte es schon zuvor in einem anderen Strang zum Thema geschrieben, der Fehler liegt bei mir. Genauer gesagt der Denkfehler.

Unter dem Strich betrachtet, war der Auftritt von Antaios bei der FBM für den politischen Gegner wie eine geistige Schlagserie von feinsten Geraden, linken und rechten Haken. Ohne Gewalt, und dabei freundlich lächelnd. Und wenn die führenden Köpfe der Sezession sich in einem Drecksnest wie Mainhattan dem Risiko von Übergriffen und politisch motivierten Attacken aussetzen wollen, wer bin ich, dies zu kritisieren? Es verdient Respekt und Hochachtung, nicht mehr und nicht weniger.

An den Problemen, die sich mir in meinem privaten Umfeld stellen, kann hier auch niemand was. Die geistige Isolation und Entfremdung gegenüber den eigenen Volksgenossen ist eben da, und es müsste viel geschehen, damit sich da was ändert.

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Einsicht gelangt, daß es wohl viel besser wäre, an mir selbst zu arbeiten, als hier den Klugscheißer zu markieren, und der Redaktion Dinge vorzuhalten, die sie sicherlich schon lange vor mir erkannt haben.

Vielleicht noch ein Wort zu den aktuellen Sonntagshelden: Wie wichtig es wäre, sich der Systempropaganda zu entziehen, habe ich hier oft genug betont, aber auch damit wende ich mich hier letztlich nur an die falschen Adressaten. Das müsste die Zielgruppe begreifen, die ich im Auge habe, nur leider erreicht man diese Menschen nicht mehr, da sie felsenfest an die konsumistische BRD-Matrix gekettet sind. Ich weiß mir auch keinen Rat mehr, wie man diese Menschen von der Gehirnwäsche befreien könnte, denn sie wollen diese Befreiung nicht. Das ist so ähnlich wie mit Haustieren. Obwohl sie krank sind, wehren sie sich mit Händen und Füßen gegen einen Besuch beim Tierarzt. So ist es eben, und ich kann es nicht ändern. Dies zu akzeptieren, ohne daran zu verzweifeln, gehört zu den Hauptaufgaben, die ich fortan zu meistern habe.

Lotta Vorbeck
17. Oktober 2018 15:35

@John Haase - 15. Oktober 2018 - 10:54 PM

"... Ich für meinen Teil möchte eine andere Gesellschaft, in der die bundesdeutsche Intelligenzija als Ordner bei Fußballspielen arbeiten muß, in der sie Windräder abreißen muß, in der ihre Nachttischlampen mit Dieselmotoren Klasse 4 betrieben werden, in der sie nachts in Großstädten in Zweierteams nur mit dem Grundgesetz bewaffnet Migranten auf Messer kontrollieren muss und in der sie vor allem das Maul hält. Zu so einer Geselllschaft und deren „Intelligenzija“ möchte ich gehören."

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Dies wäre dann wohl das Ende der momentan noch laufenden Party.

Statt dem schrillen, ominpräsentem Tugendterror der BRD-Bestmöntschen nur noch das sonore Brummen von Klasse 4-Dieselmotoren zu vernehmen, ja, lieber @Haase, Ihrer Vision ist ein gewisser Charme nicht abzuprechen!

Maiordomus
18. Oktober 2018 06:56

PS.

"Zu schweigen davon, dass Strauss nun mal auch noch seine höchst fragwürdige semikorrupte 'Amigo'-Seite hatte, und schliesslich kommen die 'Green Berets' von John Wayne nie a n die Schilderungen der Kriege bei Ernst Jünger ran, aber das kann man ja vielleicht durchgehen lassen. "

Der Welt-Redakteur, der sich für "rechts" hält, aber zu vornehm beziehungsweise zu bequem, in dieser Richtung in Deutschland wirklich etwas verändern zu wollen, heisst Matthias Heine. Der Geisteswissenschaftler befasste sich unter anderem mit der Sprache im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg, was nicht uninteressante Bemühungen sein könnten. Zum 1. Weltkrieg hat Ernst Jünger, von dem Heine schwärmt, an seinem 100. Geburtstag gesagt: "Das Schlimmste daran war, dass wir ihn verloren haben."

@Martini. Was Sie in den letzten paar Blogs zur geistigen Situation der Zeit aussagen, war sehr ehrlich und nachvollziehbar. Schwieriger wird es mit der Kritik und der Metakritik der Demokratie. Diese ist äusserst nötig, aber eine der heikelsten und anspruchsvollsten Aufgaben mit vielen Fussangeln. Wie ich oben ausführte, müsste auch die CSU selbst noch in der Strauss'schen Variante kritisiert werden; sie wäre heute dringend zur Ablösung fällig. Dass die Freien Wähler ein paar Ministerposten übernehmen, scheint mir überfällig, zumindest ein Schritt in die richtige Richtung; bei der AfD müssten sich Leute zum Beispiel noch für seriöse Kommunalpolitik qualifizieren, sich unbedingt zum Beispiel in die Bildungspolitik einbringen und was intellektuell noch anspruchsvoller ist, an den Hochschulen Kritik üben, aber nicht im Stil von Pol Pot. Andernfalls kann ein Wählerpotential, das doch klar höher sein müsste als bei den Grünen, nicht abgerufen werden.

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