Sezession
17. Oktober 2018

Neulich in der ARD: „Die Story“

Gastbeitrag / 13 Kommentare

von Wiggo Mann -- Wenn der WDR eine Serie politischer Dokumentationen für ARD „Die Story“ nennt - was wird dann daraus?

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Eben genau das: eine Jagd nach der Story, nach der einen, besonderen Geschichte, die mitreißen will, die Einschaltquoten generiert und Zuschauer an die Bildschirme fesselt.

Die Aufgabe ist noch schwieriger als für Tatort-Regisseure, denn es steht nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung. 45 Minuten, um den Knüller, um den Knaller auszubreiten, um irgendeiner aufregenden Eingangsthese zu folgen.

Montagabend 15. Oktober. Plasberg macht Herbsturlaub, die ARD sendet am späten Abend „Die Story“.  Das Programmheft Prisma war so freundlich, im Vorfeld die These der "Story" zusammenzufassen:

Für "Die Story im Ersten: Am rechten Rand" recherchierte ein ARD-Team ein halbes Jahr im Umfeld und Inneren eines rechtsextremen Netzwerkes, das die AfD umgibt. Der Film von Jana Merkel und Michael Richter zeigt auf, woher die Partei ihre Köpfe rekrutiert – von völkischen Burschenschaftlern über Neonazis bis zu den Identitären, die Rassismus und Nationalismus einen modernen Anstrich verleihen.

Jana Merkel war 2014 Preisträgerin des Journalistenpreises „Rechtsextremismus im Spiegel der Medien“ – gibt es wirklich! – und Michael Richter ist Grimmepreisträger 2006 für seinen Film „Abschiebung im Morgengrauen“. (Ja, Abschiebungen gab es offensichtlich schon vor 2015. Richter führte Regie und schrieb das Buch dazu. Schon damals ein Film im 45-Minute-Format.)

Nun müssen wir es leider schon vorab sagen: Was diese beiden Filmemacher für die ARD-Story zusammengeschnitten haben, zwingt uns hier zu einer Verteidigung der AfD gegen eine sowohl schlampige wie leider auch in vielen Details offensichtlich politisch gefallsüchtigen Arbeit.

Ein kleines Wunder von Restanstand der Programmgestalter ist, daß dieser Film nicht noch vor der Bayernwahl gezeigt wurde. Denn eines muß man ihm zugestehen: Er wirkt. Es ist keineswegs so, daß, was da als durchgängige Haltung angelegt ist, in dramatischer wie auch technischer Hinsicht schlecht gemacht wäre. Nein, diese Story ist deshalb wirklich schlecht, weil sie gegenüber der AfD mit einem Vernichtungspotential ausgestattet ist, welches nicht nötig wäre, um diese Partei einmal kritisch zu beleuchten.

"Die Story im Ersten: Am rechten Rand" will fragen: Welche Gruppen und Einstellungen stehen hinter der Fassade der AfD? Und: Welches sind die Netzwerke hinter der Partei? Sie startet mit Bildern vom „Marsch der Patrioten“ auf das Hambacher Schloss. Wir sehen Deutschlandfahnen und vorwiegend ältere weiße Männer. Eine herrliche Aussicht über die Rheinebene, Jörg Meuthen spricht. Das Hambacher Schloss gilt neben der Paulskirche als wichtigstes Symbol der deutschen Demokratiebewegung. Organisiert hat das Ganze Max Otte, CDU-Mitglied mit Sympathien für die AfD und mittlerweile Vorsitzender des Kuratoriums der AfD-nahen Erasmus-Stiftung.

Mit Blick auf das Freilicht-Buffet fragt die Off-Stimme: „Konservativ-bürgerlich oder am Rechten Rand?“ Der Film will im weiteren Verlauf allerdings etwas ganz anders erzählen: Die AfD ist nicht konservativ-bürgerlich, die ist richtig böse nazidurchsetzt.

Nächster Schnitt hinüber zum Kyffhäusertreffen der AfD, hinüber zu über eintausend Menschen, die hier unter anderem Björn Höcke hören wollen. Eine Veranstaltung - auch nach Selbstbekunden der Partei –  des rechten Flügels. Aufgrund der vielen Interessenten findet das Treffen dieses Mal im Schloss Burgscheidungen statt. „Hier trifft sich die Rechtsaußenströmung der AfD, völkisch und betont national“, erzählt die Off-Stimme.

Alexander Gauland berichtet von Merkel,

sie will den Bevölkerungsaustausch unumkehrbar machen. Wir sollen als Volk und Nation allmählich absterben. Die Bundesregierung will, dass wir für die Einwanderer arbeiten. Damit diese in Ruhe Kinder in die Welt setzen und den Bevölkerungsaustausch vollenden können.

Das sind natürlich dankbarste Vorlagen für die Grundthese des Films. Und selbstverständlich können, müssen sogar, solche Einwürfe eines Parteichefs als Beleg für etwas genommen werden, dass genauer betrachtet werden muss. Die Filmemacher werden im weiteren Verlauf ihrs Films dieses Aufgabe dem Verfassungsschutz überantworten.

Und auch Björn Höcke läßt sich nicht lumpen: „Mut, Wut und zivilen Ungehorsam“ will er als erste Bürgerpflicht erkannt haben. Mit anderen Worten: Die Parteivorderen liefern hier satt ab. Diese Aussagen sind kaum zu mißdeuten, und selbstverständlich erlauben sie es, hier eine Grundhaltung herauszuarbeiten.

„Gauland hat selbst gesagt, man wolle die Grenzen des Sagbaren ausweiten“, kommt Armin Pfahl-Traughber zu Wort, er wird im Verlaufe der Story noch mehrfach kommentieren. Was vor Jahren noch inhaltlich stark kritisiert worden wäre, „dass wird heute relativ kommentarlos und widerspruchsfrei hingenommen“, so der als „Extremismusforscher“ auftretende Pfahl-Traughber.

Nun diskutieren selbst Leitmedien seit Jahren darüber, ob es bestimmte Nachkriegstabus gegeben habe oder noch gibt. Der Nobelpreisträger Günther Grass beispielsweise veröffentlichte seine Novelle Im Krebsgang mit Fokus auf ein solches Tabu: hier auf ein vernachlässigtes Leid der Vertriebenen.

Welchen Aussagewert hat es, wenn Armin Pfahl-Traughber nun unwidersprochen sagen kann, dieses Anrühren echter oder vermeintlicher Tabus würde dazu führen, daß das „intellektuelle Niveau politischer Debatten sinkt“ und es zu einer „stärkeren Verhetzung im öffentlichen Diskurs“ führe?

Beides spalte die Gesellschaft. Wer sich nun allerdings alleine eine der vielen öffentlich-rechtlichen Talkshows seit 2015 angeschaut hat, der darf mit gutem recht darüber nachdenken, wer hier beteiligt war, das intellektuelle Niveau politischer Debatten weit unter gewohntes Niveau abzusenken..

Zu Wort kommt auch der AfD-Aussteiger und ehemalige Richter Matthias Manthei als eine Art Kronzeuge der Anklage. Der CDU-Mann kam über ein Direktmandat für die AfD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, um sich dann abzuspalten und eine eigene Fraktion zu gründen, also eine Art Frauke Petry auf Landesebene. Manthei erinnert sich an ehemalige Parteifreunde, die etwas gegen ein so genanntes „System“ gehabt hätten und leitet daraus dann ab, daß diese „Systemfeindlichkeit“ die „Verfassung und die freiheitliche demokratische Grundordnung“ beträfe und daß man es also mit Verfassungsfeinden zu tun habe.

Anschließend darf Mantei noch aus den sozialen Medien zitieren, die ihn nach seinem Parteiaustritt mit Beschimpfungen und Drohungen überschüttet hätten. Direkt angeschlossen an diese üblen Zitate folgt die Off-Stimme mit dem Satz: „An eine konservative bürgerliche AfD glaubt Mantei nicht mehr.“

Nun sind „Abtrünnige“ selten gute Kronzeugen, ebenso wenig, wie Kommentare in sozialen Medien. Für Jörg Meuthen sind das nichts weiter, als „die üblichen Reflexe uns nicht gewogener Kreise.“

Dann wieder nach Thüringen: „Höcke schwört die Partei auf Fundamentalopposition ein. Will sie auf der Straße sehen.“ Das allerdings wäre auch die exakte Umschreibung der Aufstehen-Bewegung der Linken und entspricht sogar multiplen Aufforderungen vieler Vertreter der Regierungsparteien, welche die Stimme des Volkes für Demokratie usw. auf der Straße hören wollen.

Der Fm wirft für den wachen Betrachter eine Grundfrage auf: Wird jemandem, der eine radikalere Vergangenheit hat, eine Entwicklung zugestanden oder ist er damit für alle Zeiten aus dem politischen Diskurs ausgestoßen? Wen ja, wie macht man das glaubwürdig? Wer an Joschka Fischer, Jürgen Trittin und andere denkt, der darf feststellen, daß Linksradikalen diese Entwicklung zugestanden wurde und wird. Aber wie erkennt man Läuterung, fragen sich die Filmemacher und befinden letztlich: In der AfD kann es so etwas kaum geben.

Für Armin Pfahl-Traughber scheint es so zu seien, dass Rechtsextremismus eine Art irreparabler genetischer Defekt ist, eine Art Familienerkrankung, wenn er befindet:

Insofern ist es für Angehörige des traditionellen Rechtsextremismus aus strategischen Gründen interessanter, über eine solche Vermittlungsfunktion die die AfD in die breitere Gesellschaft einnimmt, zu wirken.

Also die AfD als trojanisches Pferd der Nazis? Ist das mehr, als nur ein Raunen? Eine Küchenpsychologie?

Die Off-Stimme fragt: „Wer war Mitglied in einschlägigen oder verbotenen Organisationen?“, „Wer gibt extrem rechte Zeitschriften wiederholt Interviews“? Und dann werden über einhundert mehr oder weniger prominenten AfD-Funktionären Verbindungen in eine „radikalrechte Szene“ auf den Tisch gelegt, und zwar ohne, daß sie hinreichend belegt wären.

Die Liste reicht bis hinauf zu Alice Weidel und Alexander Gauland. Ein Rundumschlag. Wie ein weckender Trommelwirbel im Film. Es ist, als würde man Hans-Christian Ströbele heute seine Anwaltschaft für die RAF vorhalten oder Stefan Aust seine Bekanntschaft mit Ulrike Meinhof.

Gauland und dutzenden weitere namentlich aufgeführten AfD-Bundestagsabgeordneten wird pauschal eine Nähe zum „radikal rechten Spektrum“ attestiert. So gilt die Nähe zu bestimmten Burschenschaften bereits als hinreichender Nachweis, freilich ohne, dass hier explizit noch genannt würde, wer da wann, wo und wie Nähe gezeigt hätte. Was ist das nun? Lückenpresse?

Bilder machen Stimmung, und sie entstünde ganz sicher, wenn es beim „AfD-Nachwuchs“, so der Film, „auffallend viele Burschenschaftler“ gäbe. Gezeigt werden dann exakt zwei, das „auffallend viele“ wird nicht näher erläutert. Was an diesem Film erstaunt, sind Lücken, wo keine sein sollten. Denn wer sich mit der Peripherie rund um die AfD beschäftigen will, aber kein Wort verliert über Ellen Kositza und Götz Kubitschek, den Verlag Antaios und das Netzwerk rund um Schnellroda, hat schlicht seine Hausaufgaben nicht richtig gemacht.

Die Filmemacher müssen sich fragen, ob ihre denunziatorische Absicht nicht von vornherein klar war, denn auf Nachfrage geben Kositza und Kubitschek (die schon mit vielen Journalisten sprachen) deutlich zu verstehen, daß bei Jana Merkel und Michael Richter nur genau dies und nichts besser habe herauskommen können - weshalb man nicht habe mittun wollen.

Die Identitären stehen im besonderen Fokus der Filmemacher und werden als „extrem rechte Gruppe“ vorgestellt. Und tatsächlich, wenn man in der Vergangenheit der Protagonisten dieser Bewegung fündig werden will, dann wird man hier auf radikale Lebensläufe stoßen. Nur wird das von den Protagonisten nicht bestritten. So sagte der österreichische Identitäre Martin Sellner im Interview mit Tichys Einblick unumwunden auf die Frage nach seiner „braunen Vergangenheit“:

Ich will das nicht verniedlichen, das bin ich auch meinem Gewissen schuldig. Ich war damals überzeugt und idealistisch – aber von einer falschen Sache. Diese Biographie für eine neurechte Bewegung kein besonderes Gütesiegel.

Zum weiteren siehe oben, siehe Fischer und Trittin, Joscha Schmierer oder oder oder.

Abschließend kommt noch Joachim Hollmann zu Wort, er ist Leiter des Verfassungsschutzes von Sachsen-Anhalt und führt hier leider recht eindrucksvoll vor, wo das Dilemma solcher Behörden aktuell verortet ist, wenn ein Raunen und die Anwendung von küchenpsychologischer Deutungen erstes Mittel der Wahl geworden scheint: Hollmann erklärt doch allen Ernstes, daß beispielsweise Begriffe wie „Kultur“ verharmlosende Synonyme seien für Begriffe wie „Rasse oder Volksgemeinschaft“. Was soll so ein Blödsinn?

Weiter im Film: Die Identitären würden mit der AfD die Idee vom "großen Austausch" der Bevölkerung teilen. Präzision! Wie weit ist die geistige Entfernung von der Kritik an Zuwanderung über einen von der UN initiierten globalen Migrantionsplan bis hin zur Behauptung eines Bevölkerungsaustausches? Wo ist die rote Linie und wer zieht sie wo? Auch bei den Identitären kommt im Film ein Aussteiger zu Wort, und Joachim Hollmann darf dann noch erzählen, daß diese Rechten Ausländer zurückführen wollen aus Deutschland.

Die breit diskutierte Frage von Abschiebungen soll hier also als Beleg für Verfassungsschutz relevanten Rechtsextremismus gelten?

Aber was soll das dann alles, wenn vieles so ungenau oder falsch erzählt, wenn Begrifflichkeiten wie wild durcheinander gewirbelt werden, wenn rechtesextrem etwas anderes sein soll als die extreme Rechte, wenn ultrarechts was anderes ist, als extrem rechts, wenn das alles nicht klar wird, nicht belegt wird, und wenn jeder so aus dem Bauch heraus sein Bekenntnis zu Vielfalt, zu Demokratie und Menschlichkeit abgeben kann, wenn eine investigative, eine gegenwärtige journalistische Arbeit fehlt, dafür die bekannte Vergangenheit einiger rechter Protagonisten vorgeführt wird, ohne das sich damit freilich etwas anderes, als ein Raunen erzeugen ließe, wenn am Ende alles so dermaßen durchquirlt ist, dass der Zuschauer nur eines verstehen soll: Ich verstehe zwar nicht viel, aber so viel, dass ich von AfD lieber die Finger lassen soll.

Ist das nun ein Journalismus, auf den Jana Merkel und Michael Richter stolz sein dürfen und wollen? Nein, eigentlich nicht. Aber Stolz ist wohl sowieso keine Kategorie für diese beiden Medienschaffenden.


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Kommentare (13)

Der Starost
17. Oktober 2018 12:15

Das ganze fand dann noch seinen krönenden Abschluss in dem Mittschnitt eines Absingens des Deutschlandliedes und zwar (oh Graus, oh Graus) der ersten Strophe, die wir auf unserer damals noch „Volksschule“ genannten Bildungseinrichtung ohne jedwede Bauchschmerzen mit voller Inbrunst hinausgeschmettert haben. Heute laut dem voller politkorrekter Sorge seine Stirn in Falten legenden Kommentator: Voll Nazi!

Lotta Vorbeck
17. Oktober 2018 13:09

Eigentlich müßig, sich näher mit irgendwelchen vom GEZ-Staatsfunk in serio hervorgebrachten "Stories" zu beschäftigen.

Der milliardenschwere, teuerste Regierungsfunk der Welt verfügt, trotz unablässig sinkender Quoten und Zuschauerzahlen, noch immer über bestimmenden, meinungsbildenden Einfluß im (wahlberechtigten) deutschen Restvolk.

Klonovsky notierte am Abendlichen 14. Oktober 2018:

"... Die künstliche Teilung des bürgerlich-liberalen Lagers wird sich moderieren, wenn die Medienpropaganda durch die online-Konkurrenz immer mehr an Einfluss verliert, die Rechtspopulisten sich von Problembären trennen und die Kanzlerin endlich ihr wohlverdientes Exil in einem Gesindehaus von George Soros genießen darf."

marodeur
17. Oktober 2018 16:30

Es gibt also noch jemanden, der dieses absurde Flickwerk aus schlechter Recherche und Geraune in voller Länge gesehen hat. Das Ziel ist zweifelsohne erfüllt. Solche "Dokumentationen" sollen ja keine Informationen vermitteln, sondern das Unterbewußtsein ansprechen. Dazu werden die üblichen stilistischen Mittel eingesetzt. Beispielsweise werden Zitate eingeblendet und mit dunkler Musik untermalt. Der Effekt ist immer wieder verblüffend und wirkt im Prinzip auf jeden. Versatzstücke von rechten Reden werden leicht abgedunkelt und am besten von schräg unten gezeigt. Vermutungen und Interpretationen werden zur Wahrheit aufgeblasen indem man sie von einem Extremismusexperten formulieren lässt usw. Der übliche Mindfuck (frei nach Sellner)

Die Krönung war der Einspieler einer vollkommen harmlosen Rangelei bei einer Identitären-Demo als ultmativer Nachweis für deren Gefährlichkeit. Das hat mich sprachlos gemacht. Die recherchieren monatelang und alles was man findet, ist diese Demo? Entweder der IB ist unglaublich diszipliniert, oder die Redakteure sind unglaublich unfähig.

Gotlandfahrer
17. Oktober 2018 17:51

Wer sich aufgrund solcher Stories vom selbständigen Denken abhalten lässt, hätte es eh nicht geschafft. Es ist also für einen Heilungsprozess nicht abträglich, dass es diesen Murks gibt. Im Gegenteil, es findet mit jeder Sendung mindestens ein ganz junger Mensch zu unserer Seite, der von den Details bisher nichts wissen konnte.

Wenn die etablierten Medien anfangen würden, "fair" zu berichten, würde etwas schief laufen. Denn das systemische Arrangement ist strukturell darauf angelegt, dass der Mainstream von der Vernutzung des Unterbaus lebt. Wer Teil des Mainstreams ist, ohne von ihm ausgesondert zu werden, muss ein Meister in der Überbrückung seiner kognitiven Dissonanzen sein oder ganz einfach wirklich innerlich angepasst. "Fairness" würde also bedeuten, dass sich das System selbst widerspricht oder es zulässt. So etwas gibt es nicht. Oder, dass der Unterbau sich seiner Vernutzung nicht wirklich fundamental widersetzt hat. Das gibt es schon eher, weswegen ein"fairer" Vorgang umso mehr verdächtig wäre.

Andreas Walter
18. Oktober 2018 01:55

Das nennt man Propaganda. Propaganda zielt auf Gefühle und Emotionen ab. So wie auch folgende Aktion in Chemnitz zum Beispiel:

https://www.dw.com/de/riesen-wölfe-zeigen-sich-in-chemnitz/a-45458930

Findet man ganz viel darüber, im Netz, mit Google, bei den üblichen Verdächtigen. Besonders passend das eine Bild, weil die Wölfe von/vor der Büste von Karl Marx "ausschwärmen", so als hätte er sie entsandt, würde er hinter ihnen stehen. Deutlicher kann man, wiederum ihnen selbst unbewusst, den Schatten der Linken und Antifa eigentlich gar nicht machen.

Ziel der Aktion ist aber einen imaginären Gegner zu vertieren, ihm damit seine Menschlichkeit, seine menschliche Würde abzusprechen. In diesem Fall vermute ich pauschal auch alle Patrioten, Konservative, die Neuen Rechten, die IB, und eben nicht nur "Nazis".

Der böse Wolf, den man darum auch einfach abknallen kann, wie schon in uralten Märchen.

Wobei der eine Wolf im Profil eigentlich eher aussieht wie Scrat aus der Zeichentrickfilmserie "Ice Age". Nur eben grösser.

Man sollte die Wölfe darum auch Grün und Rot anmalen, dann kommt man der Wahrheit wesentlich näher. Ob der Künstler das jedoch auch so sieht bezweifle ich. Dann hätte er manchen Wölfen auch einen Hammer oder eine Sichel in die Hand gegeben, oder ein Messer, Eisenstangen, eine AK-47. Immerhin sieht die eine Pistole aber auch aus wie ein Mauser "Bolo", eine beliebte Handfeuerwaffe der Bolschewisten, und dieser Wolf ist sogar rot. Doch das sehen eben die Wenigsten.

Thomas Martini
18. Oktober 2018 13:09

Mir ist leider nicht bekannt, ob das für ganz Deutschland zutrifft, aber in unserer Region gilt eine "Story" lediglich als eine ausgedachte Lügengeschichte, die mit reichlich Phantasie ausgeschmückt ist. Will man jemanden offensichtlich einen Bären aufbinden, bekommt man häufig zur Antwort: "Jetzt erzähl mir hier keine Story!"

Wäre schön, wenn man die ARD-Sendungen, die unter dem Titel "Die Story" gesendet werden, in genau diesem Sinne begreift.

Simplicius Teutsch
18. Oktober 2018 18:11

Bitte anschauen! - Der „rechte Rand“ hat es verdient.

Warum nur 4 Kommentare (bisher)? - Sind hier fast alle sprachlos geworden oder ist es tatsächlich so, dass viele von uns zwar nahezu über alles durchaus akademisch gezirkelt mitreden oder schreiben (können), aber psychische Probleme haben, sich solch eine bildhafte, bewegte Film-„Story“ gegen Rechts von Anfang bis Ende anzuschauen, ohne Magenkrämpfe zu bekommen?

Mein persönliches Fazit nach dem Anschauen in der Mediathek: Eine 44-minütige einseitige, aber doch relativ ehrliche Filmproduktion des antirechten Mainstreams, - und mit der enormen publizistischen Reichweite in die Gesellschaft hinein, die der Zwangsgebühren-Staatsfunk nun Mal hat.

Die Ausleuchtung des „rechten Rands“ ist meines Erachtens durchaus als eine antreibende, mediale Vorrecherche für die Weiterverfolgung durch den sogenannten „Verfassungsschutz“ einzustufen. Sie ist außerdem leicht durchschaubar als Einschüchterung und Abschreckung für gemäßigte oder weniger standhafte AfD-Funktionäre und Wähler komponiert. Man lässt ja auch nicht umsonst den "Verfassungsschützer" Jochen Hollmann sagen, dass jeder, der sich auf irgendeine Weise mit dem rechten Rand, also den im Film markierten Personen und Gruppen, einlässt, „sich in unser Blickfeld bewegt“ und damit, - das wird nicht direkt gesagt: seine soziale, berufliche Existenz aufs Spiel setzt. Eine nicht überhörbare Drohung.

Aber: Abgesehen von der unschönen und proletenhaft rüberkommenden Kopf-ab-Geste eines Besuchers einer rechten Veranstaltung gegen stalkende linke Antifa-Fotografen, ist beeindruckend die feste, ruhige Standhaftigkeit der porträtierten rechten Wortführer und Organisatoren. Man will sich nicht auseinander dividieren lassen. Gut so. Und was an Reden und Zitaten gebracht wird, naja, da kann man vielleicht argumentativ zwischen links und rechts streiten, aber kriminell ist das Gesagte höchstens in einem Staat, der den Austausch seiner angestammten Bevölkerung zur Staatsräson erhoben hat.

Meuthen: „Wir akzeptieren diese Preisgabe unseres Landes nicht!“ Oder, hoffnungsvoll, Hans-Thomas Tillschneider: „Der Wind dreht sich, und die Zeiten ändern sich.“'

Andreas Walter
19. Oktober 2018 01:23

https://www.focus.de/politik/deutschland/schockierende-tv-dokumentation-mitgliedschaft-frage-des-blutes-burschenschaften-als-neue-afd-kaderschmiede_id_9778486.html

Die Kommentare unter dem Artikel bei FOCUS Inline sagen bereits alles. Ein Teil der Bevölkerung spricht einfach nicht auf Propaganda an. Ähnlich wie bei Hypnose. Junge Leute interessiert das Fernsehen eh nicht, die suchen sich im Netz die Inhalte selbst, die sie sehen wollen. Eine "Doku" also aus der "linken" Echokammer für die "linke" Echokammer. Höchstens interessant zur Analyse der propagandistischen Methoden, der Zielrichtung(en) und als Fallbeispiel.

Was sehe ich gerade? Sendezeit 23:00 Uhr an einem Montag? Völlig unwichtig! Soll wohl arbeitslose Ostdeutsche umstimmen, ins Grübeln bringen, doch vor der Moral kommt eh das Fressen. Falsche Zielgruppe also, und linke Arbeitslose, "Intellektuelle" glauben den Mumpitz ja eh, sind also keine Zielgruppe. Höchstens als Antifa-Motivatiosfilm, den "Feind" noch überzeugter anzugreifen. Muss mir das Werk wohl doch mal ansehen, ob er versucht emotional aufzuwühlen.

Andreas Walter
19. Oktober 2018 03:21

Hihihi, ja, gut gemacht. "Oh mein Gott", werden sich da viele jetzt sagen. Doch haben "rechtsextreme" die Farbbeutel auf die Fassade des IB-Hauses geschleudert? Oder Linksextreme. Der Steinewerfer auch auf die Polizei Joschka Pfuscher ist doch später sogar Aussenminister geworden. Was soll also jetzt plötzlich das Messen mit zwei Maßstäben, würde ich auch den Herrn Hollmann aus dem Sonnenstudio fragen.

Einen echten Kritikpunkt habe ich allerdings. Warum gibt es in der patriotischen Szene so viele Gockel, die sogar vor Feinden prahlen glauben zu müssen? Haben die noch nicht gelernt, dass alles was sie sagen gegen sie verwendet werden kann?

Vielleicht ist ihnen das jetzt aber eine Lehre, niemals Leuten von der Lügenpresse Interviews zu geben, egal wie sehr auch die 15 Minuten "Ruhm" im antideutschen Fernsehen locken.

Für mich sind aber trotzdem 100 von 30.000 nur 0,3%.

99,7%(!) der AfD-Mitglieder haben also keinen Kontakt zu "Rechtsextremen". Also weitermachen, Anzeige wegen Verleumdung und Rufschädigung an den MDR, NDR und die ARD, und auch an alle Verleumder, die im Film vorkommen. Einschließlich dem VS, dem seine vermeintliche Macht wie auch der Stasi wohl etwas zu Kopf gestiegen ist, dem Lächler.

Thomas Martini
19. Oktober 2018 12:54

@Simplicius Teutsch

"Sind hier fast alle sprachlos geworden oder ist es tatsächlich so, dass viele von uns zwar nahezu über alles durchaus akademisch gezirkelt mitreden oder schreiben (können), aber psychische Probleme haben, sich solch eine bildhafte, bewegte Film-„Story“ gegen Rechts von Anfang bis Ende anzuschauen, ohne Magenkrämpfe zu bekommen?"

Abgesehen von der Abscheu vor solchen Machwerken, ist das alles eine Frage der Zeit. Die Welt von Gestern hält einen unendlichen Kosmos an kulturellen Schätzen für jeden von uns bereit, der vollkommen unerschöpflich ist. Niemand von uns wird das Gesamtwerk der einzigartigen europäischen Kunstgeschichte rezipieren können, dafür bräuchte es wohl viele Menschenleben. Aber soviel wie möglich davon, möchte ich in mich aufnehmen, es mir einverleiben, und es als Dünger für meine eigene Identität absorbieren.

Da bleibt dann, ich bedaure es sogar ein wenig, einfach keine Zeit, sich nebenbei auch noch stundenlang mit demokratischer Systempropaganda zu beschäftigen, die beim Staatsfunk ausgestrahlt wird.

@Andreas Walter

"Junge Leute interessiert das Fernsehen eh nicht, die suchen sich im Netz die Inhalte selbst, die sie sehen wollen."

Schulbücher, Lehrpläne, Studieninhalte, Medien, Geschichtsbücher und Unterhaltung, somit auch das Internet, verbreiten eine nie dagewesene, gleichgeschaltete Systempropaganda, in denen Demokratie und Liberalismus als das Gute, und jedwede poltische Theorie die sich davon unterscheidet, als das Böse hochstilisiert wird.

Internet, Radio, Fernsehen und Kino bringen kaum etwas anderes als Variationen darüber, wie menschheitsbeglückend die demokratisch-liberalistische Weltanschauung doch ist. Und wer das nicht gut findet oder gar wagt, Kritik daran zu üben, gilt eben wahlweise als demokratiefeindlich, "Far right" (rechtsextrem) undsoweiter. Dann hat man den gesellschaftlichen Ausschluß zu befürchten, den existenziellem Ruin, sogar Gefängnis, und derjenige hat letzten Endes einen schlechten Ruf, wie zum Beispiel Dr. Thor von Waldstein.

An der Systempropaganda kommen die jungen Menschen im Internet also nicht vorbei. Auch in diesem Zusammenhang, sollte man von Waldsteins Warnungen nicht leichtfertig in den Wind schlagen. In den Vorträgen, die in "Die entfesselte Freiheit" zusammengefasst wurden, äußerte er sich dezidiert zu den Gefahren, die die sogenannte "Digitalisierung" mit sich bringt, und wie schwer es ist, sich dem zu entziehen. Das betrifft uns alle.

Hotzenwald
20. Oktober 2018 09:09

Kaum Neues in der Doku. Aber Altbekanntes, immerhin hat ja (siehe Abspann!) Anton Maegerle mitgewirkt...

Simplicius Teutsch
20. Oktober 2018 16:25

Mein Fazit: Wenn das im Prinzip alles ist, was die linke Schlammschleuder-Propaganda an „Enthüllungs“-Material gegen den rechten Rand der AfD auffahren kann, dann muss die AfD das aushalten können, ohne einzuknicken.

Wenngleich ich die Bedenken von Thorsten Hinz (JF, 12.10.) nicht gering schätzen möchte: „Wenn es Politik und Medien gelingt, die harten Fakten (Chemnitz, Köthen) – zwei Tote, zwei Schwerverletzte und die dafür ursächliche Politik – zum Verschwinden zu bringen und stattdessen Halluzinationen – Hetzjagden, Pogrome – als Realität in Millionen Köpfe zu pflanzen; wenn der Widerspruch eines Fachbeamten als quasi strafwürdiges Vergehen sanktioniert und gleichzeitig die braune Fata Morgana als Ausgangspunkt für wochenlange Debatten und politische Weichenstellungen – etwa die Observierung einer demokratisch legitimierten Oppositionspartei – dient, dann eröffnen sich düstere Perspektiven ...“

bb
20. Oktober 2018 22:26

Na gut, dann bin ich eben Nazi. Dafür muß ich mir dann nicht mehr vorschreiben lassen, mit wem ich mich unterhalte und mich auch nicht ständig von allem distanzieren, was nicht linker Mainstream ist. Hört sich für mich nach einem guten Geschäft an, das immer mehr Konservative eingehen sollten, statt herumzueiern.