Sezession
1. Oktober 2016

Polarisierung

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

»Das Land scheint bis an den Rand  der  Dysfunktionalität  polarisiert und umkämpft zu sein«, schrieb der amerikanische Psychologe Jonathan Haidt im Jahr 2012 über die USA. »Immer weniger Menschen sehen sich als moderat oder in der Mitte, immer mehr als entweder konservativ oder links.« Diese Zuspitzung habe seit den neunziger Jahren stetig zugenommen. Die Wahlkämpfe wurden immer schmutziger, der gegenseitige Haß immer größer. Heute, während die finanzielle und politische Lage immer schlimmer wird, hätten die Amerikaner das Gefühl, sie befänden sich auf einem sinkenden Schiff, dessen Crew sich lieber damit beschäftigt, einander zu bekriegen, als die Lecks zu stopfen. Vier Jahre später kulminiert diese Entwicklung im Wahlkampfmatch zwischen Donald Trump und Hillary Clinton. Seit langem standen sich nicht mehr derart scharf entgegengesetzte Kandidaten gegenüber, die emblematisch für eine Neu- aufladung und Neugruppierung der politischen Gegensätze zwischen den beiden Großparteien stehen.

Trump ist es gelungen, als energischer Außenseiter die zahn- und profillos gewordenen »Cuckservatives« und Neocon-Falken wegzufegen und der republikanischen Partei einen frischen, populistischen Appeal zu verleihen. Insbesondere weiße Mittelständler und Arbeiter fühlen sich von seinem Programm angesprochen: Sicherung der Grenzen, stärkere Kontrolle der Einwanderung, Stärkung des freien Unternehmertums der Fleißigen, Ablösung des »falschen Lieds des Globalismus« durch einen tatkräftigen Patriotismus alter Schule und nicht zuletzt das Ende der Tyrannei der politischen Korrektheit.

Demgegenüber steht Clinton als dinosaurische Veteranin des globalistischen Establishments, deren Wahlkampf unter anderem von der Wall Street, Silicon Valley, Goldman Sachs und Saudi-Arabien gefördert wird. Im Gegensatz zu dem gemäßigten Bill Clinton setzt sie innenpolitisch auf das volle Programm der Linken: »Diversity«, Feminismus, Geschlechtergleichheit, »Black Lives Matter«, offene Grenzen und primäres Werben um die Stimmen rassischer Minderheiten, der LGBT-Gemeinschaft und der urbanen linksliberalen Weißen. Sie hat auch den Großteil der Medien auf ihrer Seite, die ihren Gegenspieler mit einem beispiellosen, hysterischen Haß überschütten und dabei kaum mehr vortäuschen, objektiv und unparteiisch zu berichten: Sie zeichnen Trump als – Überraschung! – neuen »Hitler«, während seine Anhänger routinemäßig als bigotte, von »Angst« und Paranoia getriebene »Rassisten« hin- gestellt werden. Eine Hetze, die wiederholt zu körperlichen Attacken auf Trump-Fans durch aufgeputschte extreme Linke geführt hat.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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