Sezession
1. Oktober 2016

Zeit für pragmatische Reaktionäre

Gastbeitrag

Wer, wie der Verfasser, in die Gegenwart weder mental noch broterwerbs- halber sonderlich verwickelt ist, nimmt sie vor allem als Groteske wahr, einen Mummenschanz skurrilster Phänomene, den man mit schwarzem Humor genießen könnte, wenn er nicht langsam seinen dystopischen Ge- halt offenbaren würde. Einige Schlaglichter:

Nachdem vier Jahrzehnte lang von der Zukunft verbürgte Mittel in die Gegenwart gepumpt wurden, haben die Zentralbanken nun endlich den Stein der Weisen gefunden in der Idee, das Borgen mit einer Zulage zu belohnen und das Sparen mit einer Abgabe zu belasten. Dies ist ein originelles Verfahren, Verhältnisse allein dadurch zu ändern, daß man  sie mit dem Faktor (-1) multipliziert. Es läßt sich tiefer ausschöpfen, in- dem etwa der Arbeitsplatz gebührenpflichtig und die vorm Fernseher verbrachte Zeit entlohnt wird.

Mit Blick auf die Aufsteiger unter den höchstbewerteten Unternehmen der Welt (Apple, Google, Facebook) ist schwer entscheidbar, ob es sich dabei um Spielzeughersteller, Werbeblattverleger oder Adressenhändler handelt. Unter den ersten zwanzig finden sich auch noch Ölförderer (ExxonMobil, Royal Dutch Shell), deren Marktbewertung aber stetig sinkt. Man sieht: Informationen (oder Kunden oder Konsumenten) sind das Öl der Zukunft.

Die Energiewende ins Sonnige und Windige begann 1991 mit dem Stromeinspeisungsgesetz. Photovoltaik und Windenergie  deckten  2015 3,3 Prozent des Primärenergiebedarfs in Deutschland. Zur Bruttostromerzeugung trugen beide knapp 20 Prozent bei. An die Betreiber aller EEG- Anlagen wurden 2015 23 Milliarden Euro an Einspeisevergütungen und Marktprämien ausgezahlt. An den Börsen erzielte der Grünstrom Erlöse von zwei Milliarden Euro. Die Differenz von 21 Milliarden Euro deckte die EEG-Umlage.


 Gastbeitrag

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