Sezession
25. Oktober 2018

Buchmessen-Ausbeute (2): Höcke, Trio, Lengsfeld

Götz Kubitschek / 1 Kommentar

Auf der Buchmesse (zwei Wochen liegt sie schon wieder zurück!) wurde vorgetragen, diskutiert und mitgeschnitten. Zwei Ergebnisse:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

1. Susanne Dagen und Ellen Kositza hatten für ihr Literarisches Trio ("Aufgeblättert. Zugeschlagen") eine Buchmessen-Folge geplant und die Bürgerrechtlerin und Initiatorin der "Erklärung 2018", Vera Lengsfeld, als Gast gewonnen.

Es war ordentlich was los am Loci-Antaios-Stand, als das Trio über die Bücher von Laila Mirzo und Frank Richter diskutierte. Wir hatten eine Anlage aufgebaut und den Ton so eingestellt, daß die Präsentation auch aus der 4. Reihe noch gut mitverfolgt werden konnte. Zwei Meter weiter aber übertönte der normale Lärm der Messehalle bereits alles.

Dennoch meldete schon nach zehn Minuten ein Herr aus der Chefetage der Messe, es gäbe Beschwerden "aus den Nachbarständen" über Lautstärke und Gedränge.

Was meinen Sie wohl, was die Nachbarn sagten, als ich der Reihe nach in alle Stände ging, um noch um eine Viertelstunde Geduld und Verständnis zu werben? "Alles gut." - "Kein Problem." - "Ich krieg hier gar nichts mit." - "Machen Sie nur."

Das ist ein Muster: Sicherheitsbedenken, gespielte Großzügigkeit trotz des "Drucks aufgebrachter Leute", professionelle Unentspanntheit, taktisches Lügen. Egal.

Wir beendeten nach sechsundzwanzig Minuten, ein paar mehr wären gut gewesen, aber auch so ist zu den Büchern Wesentliches ausgeführt. Es ging also um Nur ein schlechter Muslim ist ein guter Muslim von Laila Mirzo (hier einsehen und bestellen) und um Frank Richters "Streitschrift" Hört endlich zu. Weil Demokratie Auseinandersetzung bedeutet (hier bestellen).

Richters Aufforderung ist natürlich ulkig (dies von mir, außerhalb des Trios!), denn der Titel klingt wie eine Feststellung, von der aus man loslegen könnte mit dem Miteinander-Reden. Aber auf der Messe wurde wieder ausschließlich über Rechte geredet, nicht mit ihnen. Nochmals: egal! Hier die schöne, intensive Diskussion!

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2. Letztes Jahr wurde Björn Höcke, als ich mit ihm auf der Buchmesse diskutieren wollte, von der Antifa niedergebrüllt. In diesem Jahr war er als Autor seines Verlags "Manuscriptum" zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, mit auf der Bühne saßen die Kulturwissenschaftlerin Bettina Gruber, Höckes Buch-Gesprächspartner Sebastian Hennig und der Publizist Frank Böckelmann, der zu Höckes Buch Nie zweimal in denselben Fluß (hier bestellen) ein Vorwort beigesteuert hat.

Auch hier ein paar Worte zur Versuchsanordnung: Die Diskussion mit Höcke wurde "aus Sicherheitsgründen" in einem geschlossenen Raum auf einer Zwischenebene der Messehalle 4 durchgeführt. "Aus Sicherheitsgründen" war ein Gang Höckes über die Messe nicht vorgesehen. Die Zuhörer wurden gefilzt, die Zwischenebene war komplett abgeriegelt, der Zulauf wurde gestoppt, als ein Drittel der Stühle besetzt war, Höcke wurde zu- und abgeführt wie ein - Fremdkörper?

Ich sprach am Tag nach dem Überfall auf Kositza, unsere Autoren und mich mit Höcke über sein verändertes Leben innerhalb einer um ihn herum aufgerichteten Sicherheitsstruktur und über die Frage, ob dies nicht trotz mancher Vorfälle alles ein paar Stufen weniger abgeschottet und dadurch abgesondert gehen könne.

Nein, wohl nicht. Das ist auch ein Ergebnis der moralistischen Aufladung der politischen Auseinandersetzung, und auch hier ist das Gefälle so offensichtlich wie beim Vergleich G20 in Hamburg versus AfD-Demo in Chemnitz . Hat Claudia Roth Personenschutz? Sarah Wagenknecht? Boris Palmer? Robert Habeck? Anetta Kahane? Nein, natürlich nicht.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (1)

Botschafter2258
25. Oktober 2018 19:47

Vor drei Jahren endete meine Anhängerschaft zur Union. Der Grund ist hinlänglich bekannt. Nach ein paar Wochen der Ratlosigkeit hörte ich zum ersten Mal Reden von Herrn Höcke und Herrn Gauland. Und da begann erst mein Interesse und später meine Anhängerschaft zur AFD. Ich dachte endlich wieder Politiker die von Deutschland sprechen und die Deutschland im Fokus haben.
Heute so hoffe ich geht der Trend weiter, so das 2021 eine Regierungswechsel stattfinden kann. Ich denke solch´ ein Wechsel ist unverzichtbar um unser Land zu retten.

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