Weltbildfixierung, Weltbildwechsel

 Gastbeitrag

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Anfang Sep­tem­ber rief Mar­tin Licht­mesz im Netz-Tage­buch der Sezes­si­on dazu auf, Erfah­run­gen über das Leben als poli­tisch Rech­ter in einer links- domi­nier­ten, pola­ri­sier­ten Gesell­schaft zu notie­ren. Die­ser Auf­ruf lös­te eine leb­haf­te Debat­te aus, in deren Ver­lauf zahl­rei­che Leser ihr Unver­ständ­nis äußer­ten, war­um die poli­tisch Lin­ken so schwer zu über­zeu­gen sei­en. Eine grund­sätz­li­che Betrach­tung über die Bedeu­tung von Welt­bil­dern, ihren Wech­sel und die aktu­el­le Situa­ti­on in der BRD erhellt jedoch die Zwangs­läu­fig­keit und Logik hin­ter die­sem gesell­schaft­li­chen Mißverständnis.

Hier­zu ist ein Werk aus der Wis­sen­schafts­ge­schich­te des ame­ri­ka­ni­schen Phy­si­kers Tho­mas S. Kuhn von Inter­es­se: Die Struk­tur wis­sen­schaft­li­cher Revo­lu­tio­nen. Kuhn geht davon aus, daß jeder Wis­sen­schaft­ler ein Para­dig­ma benö­tigt, das die grund­sätz­li­chen Regeln sei­ner For­schung lie­fert. Die­ses Para­dig­ma besteht dabei gewöhn­lich im Unter­be­wußt­sein, und nur die wenigs­ten Wis­sen­schaft­ler könn­ten die­ses tat- säch­lich aus­for­mu­lie­ren. Es darf nicht hin­ter­fragt wer­den, was auch not- wen­dig ist, da so nicht bestän­dig aufs Neue die Grund­la­gen ange­zwei­felt wer­den. Das macht den Blick auf die Details frei.

Die­se Para­dig­men sind nie per­fekt. Tat­säch­lich wer­den immer wie­der Beob­ach­tun­gen gemacht, die dem Para­dig­ma wider­spre­chen. Dann wer­den die Beob­ach­tun­gen igno­riert, zu Aus­nah­men erklärt oder durch will­kür­li­che Kor­rek­tur­fak­to­ren in Glei­chun­gen erklärt. Erst wenn der Druck zu groß ist, wenn zu vie­le Beob­ach­tun­gen gemacht wur­den, die es eigent­lich nicht geben dürf­te, kommt es zum Para­dig­men­wech­sel. Dem Titel des Buches ent­spre­chend, geht Kuhn davon aus, daß die­se mit einer poli­ti­schen Revo­lu­ti­on ver­gleich­bar sind.

Nun ist die Wis­sen­schaft, und ins­be­son­de­re die Natur­wis­sen­schaft, ein Bereich, in dem man um hohe Objek­ti­vi­tät bemüht ist. Im All­tag soll­ten die Erkennt­nis­se Kuhns eine viel grö­ße­re Rol­le spie­len. Tat­säch­lich hat auch jeder Mensch ein Welt­bild, das sich in einem lan­gen Pro­zeß ent­wikkelt und für gewöhn­lich unge­fähr mit dem Errei­chen des Erwach­se­nen­al­ters voll­stän­dig aus­ge­prägt ist.

Die Not­wen­dig­keit für ein sol­ches Welt­bild liegt im Dik­tum Armin Moh­lers begrün­det: »Die Welt geht nicht auf.« Egal, wie­viel intel­lek­tu­el­len Auf­wand man treibt, man wird nie eine voll­stän­di­ge Beschrei­bung der Rea­li­tät erhal­ten. Man muß not­wen­di­ger­wei­se Ver­ein­fa­chun­gen tref­fen, um sich in der Welt zurecht­fin­den zu kön­nen. Die Art der Ver­ein­fa­chung ist dabei mehr oder weni­ger will­kür­lich und unter­liegt kei­nen ratio­na­len Über­le­gun­gen, son­dern hängt von per­sön­li­chen Nei­gun­gen und Prä­fe­ren­zen ab.

Das Welt­bild ist bei den meis­ten Men­schen nur im Unter­be­wußt­sein vor­han­den. Intui­tiv sucht man bestän­dig Bestä­ti­gun­gen für sein  Welt­bild. Fak­ten, die dem Welt­bild ent­spre­chen, wer­den begie­rig auf­ge­nom­men, und wenn man weiß, wo man die­se für gewöhn­lich vor­fin­det, so wird man sich bevor­zugt aus die­sen Quel­len unter­rich­ten. Fak­ten, die dem Welt­bild hin­ge­gen wider­spre­chen, wer­den igno­riert. Über die Zeit ver­stärkt sich somit das Welt­bild. Des­halb sind jun­ge Men­schen noch ver­gleichs­wei­se ein­fach zu beein­flus­sen, älte­re hin­ge­gen kaum noch.

Welt­bil­der kön­nen sehr wirk­mäch­tig sein. Es ist davon aus­zu­ge­hen, daß Erich Miel­ke sei­nen Satz »Ich lie­be doch alle Men­schen« durch­aus ernst mein­te, und daß er wirk­lich nicht begrei­fen konn­te, wie­so die Mas­sen gegen den Sozia­lis­mus demons­trier­ten, der nach sei­nem Welt­bild den Men­schen Frei­heit, Frie­den und Wohl­stand brach­te. Auch die­je­ni­gen bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Poli­ti­ker, die den Kampf gegen Rechts inten­si­vie­ren und gleich­zei­tig der Mei­nung sind, im frei­es­ten und tole­ran­tes­ten Deutsch­land, das es je gab, zu leben, wer­den die­sen Wider­spruch nicht bemerken.

Wie das Welt­bild die Wahr­neh­mung steu­ert, kann man auch am Bei- spiel der Mas­sen­ein­wan­de­rung ara­bisch-nord­afri­ka­ni­scher Sied­ler des letz­ten Jah­res betrach­ten. Nach offi­zi­el­len Zah­len ist rund eine Mil­li­on gekom­men. Bei einer der­art gro­ßen Anzahl sind, sta­tis­tisch gese­hen, eini­ge dabei, mit denen man gut aus­kom­men kann, die in der Tat so etwas wie eine »Berei­che­rung« dar­stel­len kön­nen, wie auch eini­ge, die nichts als Pro­ble­me ver­ur­sa­chen wer­den. Je nach Welt­bild wird man ent­we­der die eine oder die ande­re Frak­ti­on wahr­neh­men. Die ande­ren wer­den igno­riert, oder, sofern dies nicht mög­lich ist, als »Aus­nah­me« oder »Ein­zel­fall« er- klärt. Ins­be­son­de­re füh­ren Welt­bil­der dazu, daß in der Regel zunächst Ent­schei­dun­gen getrof­fen und erst im Anschluß argu­men­ta­tiv gerecht­fer­tigt werden.

Dies erklärt, war­um poli­ti­sche Debat­ten oft unfrucht­bar sind. Das ist nicht nur beim Migra­ti­ons­the­ma ersicht­lich, son­dern eben­so in wirt­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen. Oft­mals fin­det man das Sche­ma vor, daß einer der Auf­fas­sung ist, die Bun­des­re­pu­blik sei vom »Neo­li­be­ra­lis­mus« zer­fres­sen. Es gäbe bestän­dig eine Umver­tei­lung von unten nach oben. Der ande­re wie­der­um ist der Auf­fas­sung, die Bun­des­re­pu­blik nähe­re sich in öko­no­mi­schen Fra­gen an die DDR an, und man lei­de unter einer Abga­ben­last und viel zu hohen Staats­quo­te. Obwohl in die­ser Art von Debat­ten oft­mals bei­de Sei­ten gute Argu­men­te haben, ver­mag nie­mand, den ande­ren zu über­zeu­gen, da bei­de in unter­schied­li­chen Wahr­neh­mungs­wel­ten leben.

Viel stär­ker wer­den nor­ma­ti­ve Fak­ten vom Welt­bild  geprägt,  die sich in Wer­tun­gen umfor­mu­lie­ren las­sen. Bei obi­gem Bei­spiel über Wirt­schafts­po­li­tik könn­ten zwei beson­ne­ne Gesprächs­part­ner viel­leicht einen Kon­sens fin­den. Aber die viel grund­sätz­li­che­re Fra­ge, wie Wirt­schaft gene­rell orga­ni­siert sein soll, ob der Staat über­haupt umver­tei­len oder jeder selbst um sei­nen Anteil kämp­fen soll, läßt sich nie­mals objek­tiv beant­wor­ten, son­dern ist immer an das spe­zi­fi­sche Welt­bild gebunden.

Dies ein­zu­se­hen, ist wich­tig, denn nor­ma­ler­wei­se ist jeder über­zeugt, das Rich­ti­ge zu tun und gut zu han­deln. Nie­mand hält sich für den Bö- sen, und auch jene, die heu­te den Platz als größ­te Schur­ken der Geschich­te inne­ha­ben, von Sta­lin über Hit­ler zu Mao, waren immer über­zeugt, zum Woh­le der Men­schen, für die sie ver­ant­wort­lich waren, zu han­deln. Da man das eige­ne Han­deln, das sich aus dem eige­nen Welt­bild ergibt, not­wen­di­ger­wei­se als »gut« klas­si­fi­ziert, muß man das Han­deln des Oppo­nen­ten, das sich aus einem wider­spre­chen­den Welt­bild ergibt, not­wen­di­ger­wei­se als »böse« klas­si­fi­zie­ren. Welt­bil­der sind somit inkom­men­sura­bel, da das frem­de Welt­bild immer nur anhand der Maß­stä­be des eige­nen Welt­bil­des bewer­tet wer­den kann.

Bis­her klang es womög­lich so, als sei­en Welt­bil­der belie­big kon­stru­ier­bar. Wir benö­ti­gen Ver­ein­fa­chun­gen, um uns in der Welt ori­en­tie­ren zu kön­nen. Doch nicht jede Ver­ein­fa­chung ist eine sinn­vol­le, und ein Welt- bild hat immer lebens­dien­lich zu sein. Dies ist situa­ti­ons­ab­hän­gig. Im Fal­le einer Mas­sen­ein­wan­de­rung aus Gegen­den mit star­kem zivi­li­sa­to­ri­schen Gefäl­le ist ein Welt­bild, das die­se Ein­wan­de­rung gut­heißt, gefähr­lich. In einer inzes­tuö­sen, gene­tisch dege­ne­rier­ten Gesell­schaft (die wir ent­ge­gen Wolf­gang Schäub­les Behaup­tun­gen in Deutsch­land nicht haben) könn­te ein Welt­bild, das Ein­wan­de­rung miß­bil­ligt, gefähr­lich sein.

Über den Sinn des Lebens wur­den unzäh­li­ge Debat­ten geführt, die nie­mals zu einem all­ge­mein aner­kann­ten Ergeb­nis kamen: Die­se Fra­ge ist je nach Welt­bild ganz unter­schied­lich zu beant­wor­ten. Aller­dings gibt es eines, an dem man nie vor­bei­kom­men wird: die Selbst­be­haup­tung. Selbst­be­haup­tung ist sicher nicht das ein­zi­ge, was im Leben von Bedeu­tung ist, aber wer auf sie ver­zich­tet, wird unter­ge­hen. Zwar gab es immer wie­der Welt­bil­der, die auf Selbst­be­haup­tung ver­zich­te­ten, nach denen es bei­spiels­wei­se sinn­voll war, im Klos­ter zu leben, anstatt eine Fami­lie zu grün­den, aber ein der­ar­ti­ges Welt­bild kann ver­ständ­li­cher­wei­se immer  nur eine Rand­er­schei­nung blei­ben. Es ist nicht not­wen­di­ger­wei­se schlecht – schließ­lich gibt es für Welt­bil­der kei­nen uni­ver­sel­len Maß­stab –, aber man kann ganz dar­wi­nis­tisch argu­men­tie­ren, daß sol­che Welt­bil­der von ande­ren ver­drängt wer­den, die sich eher zur Selbst­be­haup­tung eignen.

Nach all dem, was geschrie­ben wur­de, könn­te man mei­nen, es sei unmög­lich, daß sich das Welt­bild eines Men­schen ändert, und jede Art, jemand anders von der Rich­tig­keit des eige­nen Welt­bil­des zu über­zeu­gen, sei zum Schei­tern ver­ur­teilt. Tat­säch­lich ist das Welt­bild nicht sta­tisch, son­dern nimmt immer wie­der neue Erfah­run­gen auf. Die­se Ände­run­gen sind jedoch gering und betref­fen unbe­deu­ten­de Rand­be­rei­che. In den grund­le­gen­den Fra­gen gibt es je- doch eine erstaun­li­che Sta­bi­li­tät. Unmög­lich ist ein radi­ka­ler Wech­sel des Welt­bil­des jedoch nicht, auch wenn er mit stei­gen- dem Lebens­al­ter immer unwahr­schein­li­cher wird.

Für die betrof­fe­nen Per­so­nen ist dies immer ein ein­schnei­den­des Erleb­nis, da vie­le Begrif­fe umde­fi­niert, ihre Kon­no­ta­tio­nen geän­dert, Bewer­tun­gen des ver­gan­ge­nen Han­delns revi­diert wer­den müs­sen. Der Wech­sel des Welt­bil­des führt zum Bruch vie­ler per­sön­li­cher Tra­di­tio­nen, man muß alte Gewohn­hei­ten fal­len­las­sen, Freund­schaf­ten kün­di­gen, Loya­li­tä­ten ändern und sich ein­ge­ste­hen, jah­re­lang im Irr­tum gewe­sen zu sein. Das eige­ne Leben wird fort­an aus der Per­spek­ti­ve des neu­en Welt­bil­des bewer­tet, so daß die Ver­gan­gen­heit vol­ler Feh­ler erschei­nen wird. Dies erklärt, war­um sich die Men­schen schwer­tun, ein Welt­bild radi­kal zu ändern, und war­um sie ent­ge­gen aller Ver­nunft an Vor­stel­lun­gen fest­hal­ten, die sie vor sich selbst eigent­lich nicht mehr recht­fer­ti­gen können.

Hat man den Schritt jedoch ein­mal voll­zo­gen, emp­fin­det man meis­tens eine gro­ße Befrei­ung, und eine Last fällt von den Schul­tern. Die­se Leu­te bedür­fen nun der Unter­stüt­zung, sie sind wiß­be­gie­rig und wol­len die Zusam­men­hän­ge des neu­en Welt­bil­des erler­nen. Ste­hen dabei aus dem Umfeld Men­schen zur Sei­te, die hier anlei­ten kön­nen, so wird der Wech­sel des Welt­bil­des retro­spek­tiv trotz anfäng­li­cher Schwie­rig­kei­ten als sehr posi­tiv emp­fun­den. Die bis­he­ri­gen Aus­füh­run­gen bezo­gen sich auf die indi­vi­du­el­le Ebe­ne; die Aus­wir­kun­gen auf das Funk­tio­nie­ren einer Gesell­schaft wur­den noch nicht dis­ku­tiert. In einem wie auch immer gear­te­ten Gemein­we­sen pral­len die ver­schie­de­nen Welt­bil­der auf­ein­an­der. Da Dis­kus­sio­nen zwi­schen den Ange­hö­ri­gen unter­schied­li­cher Welt­bil­der nicht ohne wei­te­res mög­lich sind, bedarf es eines über­ge­ord­ne­ten Welt­bil­des, das alle Mit­glie­der einer Gesell­schaft tei­len. Die­ses muß nicht alle Berei­che des Lebens aus­fül­len, und je nach Gesell­schaft kann es sehr rigi­de sein oder vie­le Frei­hei­ten las­sen. Es wird immer Men­schen geben, die die­ses Welt­bild nicht tei­len, soll­ten es aber zu vie­le sein, besteht die Gefahr, daß die Gesell­schaft auseinanderbricht.

Nor­ma­ler­wei­se sind die meis­ten Men­schen unpo­li­tisch. Sie adap­tie­ren das vor­herr­schen­de Welt­bild, sei es aus Unfä­hig­keit, ein eige­nes zu ent­wi­ckeln, oder aus Träg­heit. Soll­te sich das vor­herr­schen­de Welt­bild wan­deln, erken­nen die­se Men­schen es schnell und ändern so, ohne groß nach- zuden­ken, ihr eige­nes. Nach gro­ßen gesell­schaft­li­chen Umbrü­chen ist dies oft zu erken­nen: Nach 1989 oder 1945 waren die meis­ten ganz selbst­ver­ständ­lich schon immer gegen das alte Regime.

Das vor­herr­schen­de Welt­bild zu tei­len, bringt ver­ständ­li­cher­wei­se gro­ße Vor­tei­le, da man so ein­fa­cher eine ange­neh­me sozia­le Stel­lung er- rei­chen kann. Daher ist es wich­tig, es zu ken­nen und sich immer wie­der zu ver­si­chern, wel­che Inhal­te es hat. Die meis­ten poli­ti­schen Gesprä­che im All­tag die­nen eigent­lich nicht dem Zweck ernst­haf­ter Debat­ten, son- dern dazu her­aus­zu­fin­den, was gemäß dem vor­herr­schen­den Welt­bild sag­bar ist und was nicht.

Wie sieht nun die aktu­el­le Situa­ti­on in Deutsch- land aus? Bis­her war es Teil des vor­herr­schen­den Welt­bil­des, daß das, was Deutsch­land erst deutsch mache, in ers­ter Linie die Ver­fas­sung sei. Das Grund­ge­setz erfährt manch­mal eine an Reli­gio­nen erin­nern­de Ver­eh­rung, und die »Wer­te«, die dahin­ter ste­hen, wer­den mit gro­ßem Macht­an­spruch durch­ge­setzt. Solan­ge in Deutsch­land Men­schen leben,  die  eben­so  an das Grund­ge­setz glau­ben, ist Deutsch­land gemäß die­sem Welt­bild geret­tet und das Ziel des poli­ti­schen Daseins erfüllt. Fried­rich Eberts Bon­mot dürf­te man heu­te umkeh­ren: »Wenn der Tag kommt, an dem die Fra­ge auf­taucht: Deutsch­land oder die Ver­fas­sung, dann wer­den wir die Ver­fas- sung nicht wegen Deutsch­land zugrun­de gehen lassen.«

Nach die­sem Welt­bild ist die Mas­sen­ein­wan­de­rung auch kein Pro­blem, schließ­lich kann jeder ler­nen, Deut­scher zu sein. Bio­lo­gi­sche Dif­fe­ren­zen der Men­schen wer­den nicht wahr­ge­nom­men, da ras­sis­tisch, und das eige­ne Modell von Bin­dungs­lo­sig­keit und Kon­sum wird als der­art attrak­tiv emp­fun­den, daß es die Ein­wan­de­rer auf­neh­men wer­den. Die Men­schen unter­schei­den sich bes­ten­falls in der Spra­che und den Eßge­wohn­hei­ten. Ers­te­res kann man ändern, Zwei­te­res wird als Berei­che­rung emp­fun­den. Daß Reli­gi­on der­art mäch­tig sein kann wie in den Her­kunfts­län­dern der Ein­wan­de­rer, wird nicht ver­stan­den, da man nur die Seich­tig­keit vie­ler deut­scher Chris­ten kennt.

Die ande­re Sei­te ist der Mei­nung, daß sich Deutsch­land pri­mär über das deut­sche Volk defi­nie­re und die Ver­fas­sung dabei bes­ten­falls eine Neben­fra­ge spie­le. Das heißt nicht, daß die­se Frak­ti­on das Grund­ge­setz ab- lehnt, und schließ­lich fin­den sich auch im Grund­ge­setz Ansatz­punk­te für die­se Hal­tung, denn gemäß der Prä­am­bel hat sich »das deut­sche Volk […] die­ses Grund­ge­setz gege­ben«, ohne das deut­sche Volk ver­liert somit auch das Grund­ge­setz sei­ne Daseinsberechtigung.

Mit der Mas­sen­ein­wan­de­rung des Jah­res 2015, der Sil­ves­ter­nacht von Köln und den Ter­ror­an­schlä­gen in Paris ändert sich die­se Situa­ti­on. Das vor­herr­schen­de Welt­bild scheint die Wirk­lich­keit schlech­ter zu beschrei­ben, und plötz­lich wer­den mehr Men­schen emp­fäng­lich für einen Para­dig­men­wech­sel. Die unpo­li­ti­sche Mas­se, die das vor­herr­schen­de Welt­bild aus Bequem­lich­keit über­nahm, ist gezwun­gen, eine Ent­schei­dung zu tref­fen. Nie­mand kann mehr igno­rie­ren, daß das deut­sche Volk aus­ge­tauscht wird. In den Leit­me­di­en wer­den nun auch immer wie­der die nega­ti­ven Fol­gen der Ein­wan­de­rung dis­ku­tiert, und es gibt Ansät­ze einer Debat­te über deut­sche Iden­ti­tät. Die Men­schen stel­len sich Fra­gen, die sie vor­her nicht gestellt hät­ten, und es ist wich­tig, ihnen jetzt Ant­wor­ten zu liefern.

Dabei ist behut­sam vor­zu­ge­hen, um auch aus dem vor­herr­schen­den Welt­bild her­aus eini­ger­ma­ßen ver­stan­den wer­den zu kön­nen. Argu­men­te der Funk­tio­na­li­tät sind dabei immer beson­ders wirk­sam, denn eine Ein­wan­de­rung bevor­zugt aus dem ara­bisch-afri­ka­ni­schen Raum wird nicht dazu bei­tra­gen, daß in Zukunft noch jemand das Grund­ge­setz hoch­hal­ten wird. Auch sind Maxi­mal­for­de­run­gen unnö­tig, da es nicht dar­um gehen kann, Ein­wan­de­rung gänz­lich zu unter­bin­den – es wäre ahistorisch.

Die Beru­fung auf auch in der Bun­des­re­pu­blik aner­kann­te Auto­ri­tä­ten ist eben­so von Vor­teil, sei es durch das Böcken­för­de-Dik­tum oder ein­zel­ne Aus­sa­gen von Per­so­nen wie Hel­mut Schmidt. Die Ziel­grup­pe sind dabei pri­mär die eigent­lich Unpo­li­ti­schen, die es nun zu poli­ti­sie­ren gilt. Sie müs­sen den Ein­druck gewin­nen, daß unser Welt­bild schon bald das vor- herr­schen­de sein könn­te. Über­zeu­gungs­tä­ter, die die Mas­sen­ein­wan­de­rung befür­wor­ten, wer­den wohl erst bereit sein, ihr Welt­bild zu ändern, wenn sie wirk­lich den Ein­druck haben, es gehe nicht mehr anders, und selbst dann wird es immer noch jene geben, die an ihren Auf­fas­sun­gen fest­hal­ten wie jene Links­par­tei-Poli­ti­ke­rin, die von Ein­wan­de­rern ver­ge­wal­tigt wur­de und zum Schutz der Täter von einer Anzei­ge absah.

Zu guter Letzt soll noch fest­ge­hal­ten wer­den, daß all die­se Beob­ach­tun­gen selbst­ver­ständ­lich auch auf die­sen Text und sei­ne Aus­sa­gen zutref­fen. Auch hier wur­den auf­grund des Welt­bil­des des Ver­fas­sers Aspek­te sim­pli­fi­ziert und Wider­sprü­che aus­ge­blen­det. In der Tat könn­te vie­les auch unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen von der Gegen­sei­te geschrie­ben wor­den sein. Jedoch sei noch ein­mal auf den Aspekt der Selbst­be­haup­tung ver­wie­sen. Es ist davon aus­zu­ge­hen, daß Befür­wor­ter der Mas­sen­ein­wan­de­rung ein untaug­li­ches Welt­bild haben, mit dem sie die Grund­la­gen des­sen, was in ihrem Welt­bild eigent­lich wich­tig ist, beseitigen.

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