Sezession
1. Dezember 2016

Etwas wird sich ereignen – und wir: mittendrin!

Martin Sellner

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Ich kann die Antifa nicht wirklich ernst nehmen. Eine Gruppe, die das »Anti« im Namen trägt und sich daher aus dem »Dagegen« definiert, wirkt auf mich immer erbärmlich. Es ist die Perspektivlosigkeit, das letzte und verzweifelte Ideologie- Minimum einer einst gewaltigen ideengeschichtlichen Kraft, das aus diesem »Anti« spricht. Das politische Projekt der Linken ist tot. Der Anspruch auf eine wirklich linke Staatspolitik ist längst ad acta gelegt. Die Linke übernimmt im von ihr so heiß gehaßten Liberalismus die Rolle des moralischen Feigenblatts und geistigen Kammerjägers. Ihre politische Theorie ist am Ende. Ihre Geschichtsphilosophie greift nicht mehr. In der Vergangenheit liegen nur Zusammenbrüche, die Gegenwart wird nicht verstanden und vor der Zukunft hat man Angst.

»Daß Auschwitz sich nicht wiederhole« ist der letzte Imperativ einer ideen-, strategie- und visionslosen Selbsthilfegruppe. Wenn sie nicht vorhanden sind, werden die Hitler-Wiedergänger einfach erfunden. Dieser allgegenwärtige  und tatsächlich lebensbedrohliche Nazivorwurf wirkt nun wie ein Katalysator auf die rechte Theoriebildung. Es waren die Attacken der Antifa, ihr ständiger Druck, die aus dem Flickwerk nationaler Gruppen, aus den Überresten des europäischen Faschismus und Nationalismus die Gründung einer Neuen Rechten hervortreiben mußten. Diese ist, wenn sie wirklich neu und wahrhaftig, das heißt von der Seinsfrage angesprochen ist, immer auf dem Weg zu einer vierten politischen Theorie. Sie ist notwendig von der »linken«, aber auch von der »liberalen« Kritik beeinflußt, hat sie aufgesogen, umgewandelt und stimmig gemacht.

Und so führten die geistige Anstrengung und die aufrichtige Suche beim Versuch einer Neuergründung und Neuformulierung nationaler Identität jenseits der obigen Vorwürfe notwendig zu einer radikalen Kritik der Moderne. Diese Kritik geht über die verkürzte und verblendete Modernekritik des NS und des Faschismus hinaus. Sie muß zuletzt auch in den geistigen Vorläufern der realexistierenden Nationalismen und Faschismen mit Heidegger die Machenschaft, den Nihilismus und neuzeitlichen Subjektivismus orten und kritisieren. Man muß, wie der Denker sagte, auch gelegentlich »unbarmherzig gegen die Traditionen« sein.

Blickt man nicht nur Jahrzehnte, sondern Jahrhunderte zurück, so erkennt man die Rollen und Aufgaben von Liberalismus, Sozialismus und Nationalismus in der Moderne. Den großen Anspruch, die untergegangene christliche Glaubenswelt durch eine politische Religion zu ersetzen, hat letztlich keine politische Theorie eingelöst, und wer heute aktiv eine politische Entscheidung sucht, wird sich nicht mehr wohlüberlegt in die Tradition einer dieser großen ideologischen Entwürfe stellen können.

Die Antifa, die letztlich – gerade in ihrer antideutschen Prägung – nichts anderes ist als der verselbständigte Selbstekel des »Volksgeistes«, hat die wichtige Aufgabe, die kritischen  Geister aus der stickigen Zwischenwelt der Postmoderne wieder in die Ideengeschichte zurückzutreiben. Daß diese kritischen Geister sich heute notwendig im »rechten« Lager finden, sich dort in »neurechten« Kreisen sammeln, von denen aus sie auf die Suche nach sich selbst gehen, ist der geistesgeschichtlichen Lage geschuldet.

Als Menetekel und Hürde, als Prüfstein und Gegner ist sie, auf geistiger Ebene weit mehr als auf der Straße, eine fruchtbare intellektuelle Herausforderung. Der Tag ihrer Verwindung wird der sein, an dem es uns, den »Neurechten«, gelingt, eine neue bewegende Vision zu finden, die nicht nur die bereits Erreichten und Überzeugten, sondern auch die Gewohnheitslinken, am Ende eben unser ganzes Volk, ins Mark trifft und da- mit der Antifa jede Unterstützung entzieht.

Die Unterstützung, die sie im linksintellektuellen Lager hat, der Ekel der Jakob Augsteins vor und der Haß gegenüber dem eigenen Volk ist nicht nur ein neuartiges, pathologisches Phänomen. Er hat ein gewisses geschichtliches Herkommen und vielleicht sogar den Kern einer Berechtigung. Er ist vielleicht eine ideologisch entfremdete Entartung der bitteren Worte Hölderlins und Nietzsches über »ihre« Deutschen. Was würden die Dichter heute sagen, wenn sie ihre Deutschen in all ihrer Dekadenz, Traditionsvergessenheit, in ihrem sinn- und ziellosen Dasein sehen könnten?

Ich möchte der Antifa herzlich danken: Sie war die scharfe Peitsche, die mich und andere aus der geistigen Trägheit einer Szene getrieben und uns zu einer Bewegung gemacht hat, die sich den Herausforderungen der Zeit stellt.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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