Fünf Thesen zum ausbleibenden Ereignis

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Die­ser The­sen­an­schlag rich­tet sich an die Adres­se der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung und beson­ders an Mar­tin Sell­ner. Kon­kre­ter Anlaß ist Sell­ners Text über ein kom­men­des Ereig­nis, der neben­ste­hend ver­öf­fent­licht ist und die inne­re Pro­ble­ma­tik jener Welt­an­schau­ung, die unter der Mar­ke »iden­ti­tär« die Jugend zu erobern ver­sucht, all­zu deut­lich auf­zeigt. Es ist die Weit­schwei­fig­keit des iden­ti­tä­ren Rea­li­täts­ver­lus­tes, der mehr als alles ande­re die vor­lie­gen­de Form der ein­zel­nen The­sen erzwingt. Ich kann nur hof­fen, daß dies trotz der not­wen­di­gen Schär­fe zur Ver­stän­di­gung führt.

Die Vier­te Poli­ti­sche Theo­rie ist ein Lückenbüßer.
An die­ser Stel­le kann ich nur beto­nen, daß sich die­ser Angriff weit weni­ger gegen Alex­an­der Dugin, als gegen sei­ne euro­päi­schen und ins­be­son­de­re deut­schen Anhän­ger rich­tet. Dugin ist eine der tra­gischs­ten Figu­ren unse­rer Zeit. Er ver­kör­pert wie kein ande­rer die nicht mehr erfüll­ba­ren Sehn­süch­te des Russentums.
Man muß nur kurz an der Ober­flä­che sei­ner Vier­ten Poli­ti­schen Theo­rie krat­zen, um den Gedan­ken des Drit­ten Roms dahin­ter zu erken­nen, der sich in die moder­ne Welt ver­irrt hat.

Noch 1878, als rus­si­sche Trup­pen sech­zig Kilo­me­ter vor Kon­stan­ti­no­pel stan­den und Dos­to­jew­ski dar­über in reli­giö­se Eksta­se geriet, hät­te die­ser Gedan­ke der Grün­dungs­my­thos einer jun­gen Kul­tur sein kön­nen, wie es der einer Trans­la­tio impe­rii ab Karl dem Gro­ßen im Abend­land war. Doch die Welt hat sich seit­her auf eine Wei­se ver­än­dert, die dies unmög­lich macht. Ruß­land, des­sen Demo­gra­phie sich der West­eu­ro­pas angleicht, hat die Züge eines ver­greis­ten Kin­des ange­nom­men. Und sei­en wir ehr­lich, ist es nicht die­ses Hät­te-sein-Kön­nen, das vie­le Deut­sche mit Ruß­land füh­len läßt? Erbli­cken sie dar­in nicht ein ver­wand­tes Schicksal?
Es mag sein, daß ich mich bezüg­lich Ruß­land letzt­lich den­noch täu­sche und in die­sem Vol­ke doch noch die Kraft eines gro­ßen Glau­bens schlum­mert, mehr noch, daß die Rus­sen in der Lage sein wer­den, die­sen Glau­ben im 21. Jahr­hun­dert zu behaup­ten und zu gestal­ten. Immer­hin gibt es wie­der Ein­sied­ler in der Tai­ga. Selbst dann wäre die Über­nah­me der Vier­ten Poli­ti­schen Theo­rie durch Euro­pa aber eine Lach­num­mer. Das fängt bereits damit an, daß es sich dabei weit weni­ger um eine poli­ti­sche Theo­rie denn um eine selt­sam erzwun­ge­ne Über­tra­gung von Advents­stim­mun­gen auf eine poli­ti­sche Theo­rie han­delt, die sich irgend­wann offen­ba­ren soll.

Man erhofft sich von irgend­wo­her einen geis­ti­gen Impuls, von dem man noch nicht ein­mal genau sagen kann, wel­cher Not er denn eigent­lich abhel­fen soll, außer dem Man­gel an Welt­an­schau­ung per se. Die Vier­te Poli­ti­sche Theo­rie ist nicht nur nicht aus­ge­ar­bei­tet, sie hat noch nicht ein­mal einen benenn­ba­ren Gegen­stand 1968 taugt nicht als Scha­blo­ne für die eige­nen Zielsetzungen.
Die Stu­den­ten­re­vol­te ist, gemes­sen an den eige­nen Maß­stä­ben, geschei­tert. Der soge­nann­te Erfolg von 1968 bestand in der Inte­gra­ti­on von Tei­len des Per­so­nals und eini­ger Affek­te und Ideo­lo­ge­me in den Nach­kriegs­kon­sens. Dies geschah nur dort, wo die­ser Kon­sens durch die Ergän­zun­gen nicht gestört wur­de. Dabei könn­te man es belas­sen, wenn die Acht­und­sech­zi­ger nicht immer wie­der oft recht unre­flek­tiert als nach­ah­mens­wer­tes Bei­spiel für gelun­ge­ne Meta­po­li­tik her­an­ge­zo­gen würden.

Es stimmt, daß sich lin­ke Ideo­lo­ge­me im Gefol­ge der Acht­und­sech­zi­ger in vie­len Berei­chen durch­setz­ten. Aber die­se waren fast durch­weg mit dem herr­schen- den Sys­tem kom­pa­ti­bel. Der Glo­ba­lis­mus ist älter als 1968. Sei­ne Geschich­te ist noch nicht geschrie­ben, aber sie ist deut­lich kom­pli­zier­ter und nicht auf den Fak­tor Meta­po­li­tik redu­zier­bar. Dem Mythos 1968 ist über­dies der Mythos 1989 hin­zu­zu­fü­gen. Die Anzie­hungs­kraft bei­der beruht auf der Illu­si­on einer nicht nur fried­li­chen, son­dern gera­de­zu schmerz­frei­en Revo­lu­ti­on. Die­se Illu­sio­nen die­nen als Opi­ate, mit denen man sich aus den poli­ti­schen Rea­li­tä­ten in eine ideen­ge­schicht­li­che Traum­welt flüch­tet. In die­sem Reich der Ideen spielt dann die Wall Street eben­so­we­nig eine Rol­le wie die EU oder die bru­ta­le Tat­sa­che des Bevöl­ke­rungs­über­schus­ses der Drit­ten Welt und die damit ein- her­ge­hen­den bio­po­li­ti­schen Kon­se­quen­zen. Alles läuft auf die Anzie­hungs­kraft der eige­nen Ideen hin­aus, die man den geg­ne­ri­schen schon a prio­ri für über­le­gen hält. Es ist die Reduk­ti­on der Poli­tik auf ein Gemen­ge aus Phi­lo­so­phie und Propaganda.

Die welt­an­schau­li­che Lage inner­halb Deutsch­lands ist seit 1945 vor­nehm­lich eine außen­po­li­ti­sche Angelegenheit.

Die­se For­mu­lie­rung ist prä­zi­ser als die Cha­rak­te­ri­sie­rung Deutsch­lands als eines »immer noch besetz­ten Lan­des«. Letz­te­re beruht meist auf einer ver­kürz­ten Wahr­neh­mung. Es wer­den ein­zel­ne Aspek­te her­aus­ge­grif­fen, durch die das Aus­land in Deutsch­land hin­ein­re­giert: die  EU, die trans­at­lan­ti­schen Netz­wer­ke und Geheim­diens­te oder auch die Dro­hung mit der Ulti­ma ratio des ame­ri­ka­ni­schen Mili­tärs. Nun spielt all dies eine Rol­le, doch viel fun­da­men­ta­ler ist die Tat­sa­che, daß der außen­po­li­ti­sche Hand­lungs­spiel­raum Deutsch­lands seit 1945 außer­or­dent­lich ein­ge­schränkt ist und es letzt­lich nicht mög­lich ist, das Macht­sys­tem der west­li­chen Welt   zu ver­las­sen. Dies hat direk­te welt­an­schau­li­che und meta­po­li­ti­sche Konsequenzen.

Es bedeu­tet näm­lich, daß Oppo­si­ti­on gegen die­sen Sta­tus quo nur aus der Posi­ti­on der poli­ti­schen Bedeu­tungs­lo­sig­keit mög­lich ist. Auch nur in der Nähe poli­ti­sche Ver­ant­wor­tungs­trä­ger wird sie sehr schnell unhalt­bar. Dies ist der letz­te Grund, wa- rum es in Deutsch­land der Rech­ten kaum mög­lich war, die insti­tu­tio­nel­le Unter­stüt­zung zu fin­den, die der Lin­ken zuteil wur­de, obwohl die intel­lek­tu­el­le Rech­te über eine Rei­he von Sym­pa­thi­san­ten in der Poli­tik ver­füg­te, bei­spiels­wei­se Franz Josef Strauß oder Alfred Dreg­ger. Lin­ker Anti­ame­ri­ka­nis­mus ist einem anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Gerech­tig­keits­im­puls und kei­nem natio­na­len Frei­heits­wil­len geschul­det. Er ist des­halb weit ein­fa­cher in das bestehen­de Sys­tem zu inte­grie­ren. Das muß sich jeder bewußt­ma­chen, der aus Ver­glei­chen mit dem innen­po­li­ti­schen Geg­ner Schlüs­se für die eige­ne Stra­te­gie zie­hen will.

Die natio­na­le Grund­er­fah­rung des heu­ti­gen Deutsch­lands liegt in der Erfah­rung, daß Moral durch Macht her­stell­bar ist. Die­se Erfah­rung taugt nicht zum Mythos.

Die­se Erfah­rung aus bei­den Welt­krie­gen war weit tief­schür­fen­der als die alte Weis­heit, daß Macht Recht schaf­fe. Das mora­li­sche Ver­dam­mungs­ur­teil über Deutsch­land wur­de struk­tu­rell-psy­cho­lo­gi­scher Bestand­teil der Nach­kriegs­ord­nung. Der ame­ri­ka­ni­sche Pro­pa­gan­dist Wal­ter Lipp­mann präg­te den Satz, ein Krieg sei erst dann gewon­nen, wenn die Pro­pa­gan­da der Sie­ger Ein­gang in die Schul­bü­cher der Besieg­ten gefun­den habe.

Wir Deut­schen haben die nicht selbst­ver­ständ­li­che Erfah­rung hin­ter uns, daß dies mach­bar ist. Jeder Deut­sche muß sich die­ser Tat­sa­che gegen­über irgend­wie ver­hal­ten. Bezüg­lich der Art die­ses Ver­hal­tens gibt es dras­ti­sche Unter­schie­de, sie rei­chen vom Holo­caust- Revi­sio­nis­mus bis zum Ver­bot des­sel­ben und von Hans-Diet­rich San­der bis Jür­gen Haber­mas. Ihren reins­ten und sich sei­ner selbst am inten­sivs­ten bewuß­ten Aus­druck hat die­ses Ver­hält­nis des Deut­schen zu sei­ner moral­po­li­ti­schen Lage im Glos­sa­ri­um Carl Schmitts gefunden.

Die Wur­zel eines neu­en Mythos liegt hier aller­dings aus­schließ­lich  für Holo­caust­leug­ner und Auschwitz­kul­tis­ten. Für jeden, der sich kei­ne die­ser bei­den Posi­tio­nen zu eigen macht (die sich dar­in glei­chen, daß sie an die Macht der Wahr­heit glau­ben), kann die­se Erfah­rung nur die Grund­la­ge bit­te­ren Zynis­mus’ sein. Aus die­sem Grund ist Deutsch­land gera­de nicht zum Aus­gangs­punkt einer neu­en geis­ti­gen Lage prä­de­sti­niert. Dar­an ändert auch der vor­han­de­ne Mythos der deut­schen Hel­den­ta­ten der Welt­krie­ge nichts. Damit der Mythos eines heroi­schen Unter­gangs zur Kraft­quel­le spä­te­rer Genera­tio­nen wer­de, muß der Kampf auf irgend­ei­ne Wei­se fort­ge­setzt wer­den. Dies ist (sie­he The­se 3) nicht mög­lich. So erklärt sich auch die sta­tu­en­haf­te Prä­senz die­ses Mythos bei gleich­zei­ti­ger Inak­ti­vi­tät. Irgend­wo im Her­zen jedes Deut­schen liegt ein Stahl­helm her­um. Aber er bleibt lie­gen, man kann ihn nicht auf­set­zen. Wer nun glaubt, irgend­wo zwi­schen Sta­lin­grad und Ausch­witz das anti­mo­der­ne Ereig­nis aus­gra­ben zu kön­nen, hat den Boden der Wirk­lich­keit verlassen.

Die Initia­ti­ve liegt der­zeit bei den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Amerika.

Die­ser Punkt mag der am schwers­ten zu schluk­ken­de sein, degra­diert er uns doch auf den Rang von Hilfs­trup­pen der  ame­ri­ka­ni­schen »Alt- Right«. Der Grund für die­ses sub­al­ter­ne Ver­hält­nis liegt zum Teil in der poli­ti­schen Über- macht der Ver­ei­nig­ten Staa­ten gegen­über den euro­päi­schen Län­dern begrün­det, die jede natio­na­le Revo­lu­ti­on in Euro­pa in die Mus­ter der trans­at­lan­ti­schen Bezie­hun­gen zwingt. Sie ist aber auch einer geis­ti­gen Vor­rang­stel­lung geschul­det, die sich die ame­ri­ka­ni­sche Rech­te im Ver­lauf der letz­ten drei­ßig Jah­re erar­bei­tet hat.

Den White  natio­na­lism als geis­tes­ge­schicht­lich über­hol­ten Rest­be­stand der »3. Poli­ti­schen Theo­rie« abzu­tun, ist ein mor­pho­lo­gi­scher Fehl­schluß. Es stimmt, daß man die Geburts­stun­de des White natio­na­lism auf die Grün­dung der clow­nes­ken Ame­ri­can Nazi Par­ty Geor­ge Lin­coln Rock­wells legen kann. Aber zum einen hat die­ser Strom des US-ame­ri­ka­ni­schen Den­kens seit­her einen wei­ten Weg zurück­ge­legt. Zum ande­ren lag ihm bereits damals (und wie­viel mehr heu­te?) eine  Erfah­rung der  ame­ri­ka­ni­schen Rech­ten zugrun­de, die ihre euro­päi­schen Pen­dants noch vor sich haben.

Ein star­ker meta­po­li­ti­scher Kon­ser­va­tis­mus, wie er das Ziel der meis­ten euro­päi­schen Rech­ten dar­stellt, exis­tiert in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten spä­tes­tens seit den Tagen Joseph McCar­thys und Wil­liam F. Buck­ley jr.s, also seit etwas über einem hal­ben Jahr­hun­dert. Richard Nixon, Ronald Rea­gan und Geor­ge W. Bush sind auf die­ser Wel­le ins Wei­ße Haus gerit­ten. Nichts davon konn­te die schritt­wei­se Kapi­tu­la­ti­on vor geschaf­fe­nen Tat­sa­chen auf­hal­ten, die sich nur noch durch äußerst schmerz­haf­te Maß­nah­men unter hohen mora­li­schen Ein­bu­ßen zurück­neh­men lie­ßen. Und dies ist eben auch eine Kapi­tu­la­ti­on vor den Ideen der Lin­ken, deren Grund­la­ge man zumin­dest als gege­ben akzeptierte.

Im Ergeb­nis hat die­se Erfah­rung drei Eigen- schaf­ten der ame­ri­ka­ni­schen Rech­ten her­vor­ge­bracht, die sie vor ihren euro­päi­schen Gegen­stü­cken aus­zeich­nen. Ers­tens eine umfas­sen­de Kri­tik des Kon­ser­va­tis­mus, wie sie sich am klar- sten in Alex Kur­ta­gics klas­si­schem Essay aus- drückt (War­um Kon­ser­va­ti­ve immer ver­lie­ren) und heu­te mit »Cuck­ser­va­ti­ve« einen Aus­druck von ange­mes­se­ner  Vul­ga­ri­tät  gefun­den  hat. Zwei­tens ver­fügt die ame­ri­ka­ni­sche »Alt­Right« über einen Vor­sprung in punc­to Illu­si­ons­ver­lust. Sie ist zur Zeit das ein­zi­ge poli­ti­sche Lager von eini­ger Bedeu­tung, in dem eine scho­nungs­lo­se Lage­ana­ly­se bereits vor dem fünf­ten Bier ein­setzt. Es ist kein Zufall, daß der schärfs­te Den­ker der alten Nou­vel­le Droi­te, Guil­laume Faye, heu­te viel­leicht mehr nach Ame­ri­ka als nach Frank­reich wirkt.

Drit­tens ist  die  moder­ne  Human­ge­ne­tik und Ras­sen­so­zio­lo­gie zum größ­ten Teil das Werk ame­ri­ka­ni­scher Wis­sen­schaft­ler. Deren Bedeu­tung kann kaum unter­schätzt wer­den. In Euro­pa herrscht rechts wie links wei­ter­hin ein unbe­wußt euro­zen­tri­scher Gebrauch des Wor­tes »Mensch« vor. Das bedeu­tet: Man sagt Mensch, denkt aber nur an den Euro­pä­er. Selbst der Eth­nop­lu­ra­lis­mus, der unzwei­fel­haft ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung ist, ist sich der eige­nen Impli­ka­tio­nen kaum bewußt.

Er hängt immer noch an dem anti­ras­sis­ti­schen Kurz­schluß Alain de Benoists, wonach schließ­lich ein Maß­stab zum Ver­gleich unter­schied­li­cher  Ras­sen  und Kul­tu­ren feh­le, folg­lich jede  Hier­ar­chi­sie­rung ins Lee­re lau­fe – als ob die rea­len Kon­se­quen­zen durch Ver­zicht auf eine abs­trak­te Wer­tung- an-sich irgend­wie weni­ger bedeut­sam wären! In Deutsch­land kommt hier noch eine unglück­li­che Tra­di­ti­on der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on hin­zu, in der der Pro­test gegen Dar­win aus Grün­den einer Art phi­lo­so­phi­scher Ästhe­tik und der zwei- schnei­di­gen deut­schen Sucht nach Tief­grün­dig­keit zum guten Ton gehörte.

Dem­ge­gen­über haben Ame­ri­ka­ner, von Put­nam über Rushton bis McDo­nald, die Grund­la­ge zum Ver­ständ­nis mensch­li­cher Viel­falt mit allen dazu­ge­hö­ri­gen Pro­ble­men in der moder­nen, glo­ba­li­sier­ten Welt gelegt. Das wird zwar nicht zur Ereig­nung des Ereig­nis­ses füh­ren, trägt aber die Mög­lich­keit einer koper­ni­ka­ni­schen Wen­de in sich. Der eines Gior­da­no Bru­no wür­di­gen Stand­haf­tig­keit die­ser Wis­sen­schaft- ler wird es zu ver­dan­ken sein, wenn in zwan­zig Jah­ren jeder, der behaup­tet, daß alle Men­schen gleich geschaf­fen sei­en, ange­schaut wird, als hät­te er gesagt, die Son­ne dre­he sich um die Erde.

Sie haben die­se Behaup­tung nicht nur als offen­kun­di­gen Unfug zurück­ge­wie­sen, son­dern begrün­det, war­um sie falsch ist und wie es sich statt­des­sen ver­hält. Die aka­de­mi­schen Müh­len mah­len lang­sam und oft sto­ckend, aber wenn sie ein­mal mah­len, dann mah­len sie gründ­lich. Es ist dadurch mög­lich gewor­den, die gefähr­lichs­te Lüge der Moder­ne auf den Müll­hau­fen der Geschich­te zu werfen.

Schluß­be­mer­kung:

Es mag ange­sichts der unzwei­fel­haf­ten Leis­tun­gen der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung zu scharf klin­gen, aber die­se Bewe­gung und mit ihr der bes­te Teil unse­rer Jugend droht in ein poli­ti­sches Traum­land abzu­rut­schen. Es droht heu­te die sehr erns­te Gefahr eines rech­ten 1968. Soll­te die Ener­gie, die jetzt gesam­melt wird, in roman­ti­schen Sei­fen­bla­sen zer­plat­zen, wird es eine zwei­te Chan­ce nicht geben. Ich kann bereits die ent­täusch­ten Akti­vis­ten in fünf Jah­ren vor mir sehen, die betrun­ken über das Aus­blei­ben des Ereig­nis­ses trau­ern, wie ihre Vor­gän­ger in den Sieb­zi­gern die nicht ein­ge­tre­te­ne Welt­re­vo­lu­ti­on bejam­mer­ten. Unse­re Jugend ist heu­te auch im Poli­ti­schen vor die Ent­schei­dung gestellt, sehr schnell oder gar nicht erwach­sen zu wer­den. Es mag  sein, daß ich den Wert der Begeis­te­rung unter­schät­ze, aber sie ist eine Tugend für Geführ­te. Von jedem, der heu­te Ver­ant­wor­tung trägt, ist aller­dings das Schwie­rigs­te gefor­dert: zu sehen – und weiterzumachen.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

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