Sezession
1. Februar 2017

Die harte Währung Gewalt

Gastbeitrag

von Jack Donovan

pdf der Druckfassung aus Sezession 76/Februar 2017

Viele Leute halten sich für »gewaltfrei«. Üblicherweise behaupten sie, Gewaltanwendung zu »verabscheuen«, und überhaupt nehmen die meisten Gewalt als etwas Negatives wahr. Viele sind nicht in der Lage, zwischen gerechtfertigter und ungerechtfertigter Gewalt zu unterscheiden. Und einige besonders eitle, selbstgerechte Typen möchten gerne glauben, sie hätten die garstigen, gewalttätigen Kulturen ihrer Vorfahren überwunden. Sie sagen: »Gewalt ist nicht die Antwort.« Sie sagen: »Gewalt löst keine Probleme.« Aber: Sie irren sich. Jeder einzelne von ihnen setzt tagtäglich auf Gewalt.

Wenn Wahltag ist, stellen sich alle möglichen Leute an, um ihre Stimme abzugeben. Sie hoffen, beeinflussen zu können, wer die Axt der Macht führen darf. Diejenigen, die die Gewalt abschaffen wollen (als ob das möglich oder überhaupt wünschenswert wäre!), versuchen oft, ihre Mitbürger zu entwaffnen. Das bereitet der Gewalt nicht wirklich ein Ende. Es verleiht lediglich den staatlichen Banden das Gewaltmonopol. Dadurch lebt man vielleicht »sicherer«, solange man nicht dem Boß auf die Füße tritt. Aber man darf sich nichts vormachen: Jede Regierung – links, rechts oder wie auch immer – beruht ihrem Wesen nach auf Zwang. Das ist un- umgänglich: Ordnung bedarf der Gewalt.
Ein Gesetz, hinter dem keine Androhung von Gewalt steht, ist nichts weiter als eine Anregung.

Staaten erlassen Gesetze, die von Männern durchgesetzt werden, die zur Gewaltanwendung gegenüber Gesetzesbrechern bereit sind. Jede Steuer, jede Auflagenordnung und jede Lizenzvorschrift verlangt eine sich verschärfende Abfolge von Strafen. An deren Ende steht entweder die gewaltsame Beschlagnahmung von Eigentum oder die Inhaftierung durch bewaffnete Männer, die darauf vorbereitet sind, im Falle von Verweigerung oder Widerstand Gewalt anzuwenden. Jedes einzelne Mal, wenn eine engagierte Mutti, eine Soccer mom, aufsteht und höhere Strafen für Trunkenheit am Steuer, den Verkauf von Zigaretten an Minderjährige, den Besitz eines Kampfhundes oder falsche Mülltrennung verlangt, fordert sie vom Staat die Anwendung von Gewalt, um anderen ihren Willen aufzuzwingen. Sie bittet nicht freundlich um Gehör.

Die Durchführbarkeit jedes einzelnen Gesetzes – ob nun zum Thema Familie, Waffenbesitz, Bauplanung, Straßenverkehr, Einwanderung, Wareneinfuhr, Warenausfuhr oder Haushaltspolitik – hängt sowohl von der Bereitschaft als auch der Fähigkeit der jeweiligen Gruppe ab, Ordnung mit Gewalt zu erzwingen.
Wenn Umweltschützer »Rettet die Wale!« verlangen, vertreten sie damit tatsächlich die Ansicht, daß die Rettung der Wale wichtig genug sei, um Menschen zu schaden, die Walen schaden. Der friedfertige Grüne fordert vom Leviathan, zugunsten des Leviathanschutzes die Anwendung von Gewalt zu genehmigen.

Würde die staatliche Führungsebene dem zu- stimmen und bekräftigen, daß »Rettet die Wale!« in der Tat wichtig sei, aber dann über Wal-Schädiger keine Strafen verhängen oder sich weigern, solche Strafen unter Androhung polizeilicher oder militärischer Gewalt durchzusetzen, so wäre die zum Ausdruck gebrachte Haltung nur eine bedeutungslose Gebärde. Wer den Wunsch hätte, Walen zu schaden, bekäme quasi einen Freibrief, dies – wie man so schön sagt – ungestraft zu tun.
Reden ohne Handeln ist nur Gerede. Gesetze ohne Gewalt sind nur Gerede. Gewalt ist nicht die einzige Lösung, aber sie ist die endgültige Lösung.
Man kann moralisch und ethisch argumentieren und an Vernunft, Emotionen, Ästhetik und Mitgefühl appellieren.


 Gastbeitrag

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